The Ocean Cleanup

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The Ocean Cleanup
Rechtsform Stichting
Gründung 2013
Gründer Boyan Slat
Sitz Delft, NiederlandeNiederlande Niederlande
Schwerpunkt Reinigung der Ozeane von Plastik
Geschäftsführung Boyan Slat
Mitarbeiter 35 (2016)
Website www.theoceancleanup.com
Boyan Slat (2018), Gründer von The Ocean Cleanup

The Ocean Cleanup ist ein Projekt des 1994[1] geborenen Niederländers und Studenten der Luft- und Raumfahrttechnik[2] Boyan Slat aus Delft,[3] den Plastikmüll in den Ozeanen einzusammeln.[4] An der Machbarkeitsstudie[5] arbeiteten über 100 Forscher, welche zu dem Ergebnis kamen, dass das Projekt lohnend sei.[6] Unbeteiligte Experten zweifelten dagegen an den Angaben der Initiative und am Nutzen des Projekts.[7]

Ozeanreinigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prototypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auslöser für das Projekt war ein Urlaub im Jahr 2011 in Griechenland, in dem Slat im Alter von 16 Jahren beim Tauchen mehr Müll als Fische erblickte. Im Oktober 2014 erreichte das im Juni[8][9] begonnene Crowdfunding durch rund 40.000 Unterstützer[10] die benötigten[1] 2 Millionen US-Dollar. Das auf der TEDx-Konferenz vorgestellte und an der Technischen Universität Delft entwickelte Konzept bestand ursprünglich aus 50 km langen, V-förmig[1] angeordneten Schläuchen, die an der Meeresoberfläche schwimmen, durch Gewichte am Meeresboden an ihrem Platz bleiben und 90 Prozent des schwimmenden Plastikmülls ab einer Größe von 20 mm sammeln sollten, der (Stand: 2014) 50 Euro je zum Recycling gegebener Tonne erlöst und durch das Einsammeln nicht weiter zu Mikroplastik zerfällt.[4][11][8] Der meiste Plastikmüll treibt in den oberen 3 Metern der Meere.[9]

Am 20. Mai 2015 verkündete das Unternehmen auf seiner Website, dass ein Prototyp im zweiten Quartal 2016 vor der Küste Tsushimas, einer Insel zwischen Japan und Südkorea, in Betrieb gehen soll. Mit einer Länge von 2000 m sollte es die längste künstliche Struktur auf einem Ozean und für mindestens zwei Jahre in Betrieb sein.[12]

Tatsächlich ging am 22. Juni 2016 ein 100 Meter langer Prototyp vor der niederländischen Nordseeküste in Betrieb.[13][14] 2017[15] und 2018[16] folgten weitere Prototypen. Im Laufe der Entwicklung ging man dazu über, nicht ein großes fest verankertes System anzustreben, sondern eine Flotte kleinerer und mit dem Wind und der Strömung treibender Systeme.[17]

Prinzip, Draufsicht
A – Navigationsplattform
B – Satellitenplattform
C – Kameraplattform
Prinzip, Seitenansicht
A – Wind
B – Wellen
C – Strömung
D – Schwimmbarriere

System 001[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 19. Mai 2018 wurde für etwa zwei Wochen ein 120 Meter langes System 50 nautische Meilen von der Golden Gate Bridge entfernt auf dem offenen Meer getestet. Dieses System ist ein Teilstück des 600 Meter langen „System 001“.[18][19]

Der 600 Meter lange Schwimmkörper wurde aus extrudierten PE 100-RC-Rohren aufgebaut. An dem Rohrstrang wurde eine Art Schürze bzw. Flosse angebracht, die das bis zu 3 Meter unter der Wasseroberfläche schwimmende Plastik auffangen soll.[20] Nachdem das komplette System in der Bucht von San Francisco zusammengebaut wurde, wurde es ab dem 8. September 2018 per Schiff in den Pazifik geschleppt.[21] Nach zweiwöchigen Tests auf dem offenen Meer wurde es ab Anfang Oktober in den Nordpazifikwirbel gebracht[22], wo es am 17. Oktober in Betrieb genommen wurde. Im Dezember teilte die Initiative mit, dass die Anlage noch nicht wie erhofft funktioniere und das aufgenommene Plastik nicht festhalten könne. Mit 2.200 Kilo gesammeltem Plastik kehrte das Team an Land zurück.[23] Anfang Januar 2019 wurde bekannt, dass sich zudem ein 18 Meter langes Endstück der Rohranlage gelöst hatte und das gesamte System zur Reparatur an Land geschleppt werden soll.[24][25] Im Lauf der nächsten Monate wurden Anpassungen vorgenommen, um die Stabilität des Systems und seine Fähigkeit, Plastik einzusammeln, zu verbessern und es im Juni als System 001/B wieder einsetzen zu können.[26] Ende Juni erreichte das modifizierte System wieder den Nordpazifikwirbel, wo dann mit der nächsten Testphase begonnen wurde. Zu Testzwecken wurde in dieser Zeit ein nur 160 Meter langes System eingesetzt, die angestrebte Größe für das endgültige System beträgt jedoch weiterhin 600 Meter.[27]

Im August wurden die nächsten Testergebnisse bekannt gegeben: Das System wurde entweder abgebremst oder beschleunigt, um stets eine Geschwindigkeitsdifferenz zum Ozean und dem darin treibenden Plastik zu erzielen und so das Entkommen von Plastik aus dem System zu verhindern. Das Abbremsen mithilfe eines Treibankers habe sich als effektivere Variante erwiesen. Allerdings müsse innerhalb des U-förmigen Systems noch eine Anpassung vorgenommen werden, damit das Plastik nicht über den Schirm hinweggespült werde, an dem es sich sammeln soll. Eine entsprechende Modifikation sei bereits unterwegs.[28] Am 2. Oktober wurde verkündet, dass System 001/B nun in der Lage sei, wie geplant Plastik einzufangen, darunter auch solches in der Größe von nur 1 mm. Im nächsten Schritt werde es darum gehen, System 002 zu entwickeln, das auch die volle angestrebte Größe haben soll.[29][30]

Umweltauswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel des Projekts ist es, das in die Meere gelangte Plastik wieder einzusammeln und so dessen negative Auswirkungen rückgängig zu machen bzw. zu verringern. So sterben zahlreiche Tiere, indem sie mit plastikgefüllten Mägen verhungern oder sich in herumtreibendem Müll verfangen,[31] und Mikroplastik kann giftige Inhaltsstoffe abgeben, sich in der Nahrungskette anreichern und so auch wieder an Land gelangen und dort weitere Schäden anrichten.[32]

Es werden jedoch auch negative Nebenwirkungen befürchtet, da die Sammelanlagen zusammen mit dem Müll auch direkt unter der Wasseroberfläche lebende Organismen (Neuston) einfangen und das Ökosystem somit schädigen könnten.[33] The Ocean Cleanup verwies auf die freiwillig durchgeführte Umweltverträglichkeitsprüfung und darauf, dass die Sammelanlagen in den Müllstrudeln nur einen kleinen Teil des Neuston-Habitats abdecken sollen. Neuston könne sich zudem schnell genug reproduzieren, um Verluste auszugleichen, während das Unterlassen des Plastiksammelns noch größere Schäden für das Neuston bedeuten könnte.[34] Dagegen wurde wiederum argumentiert, dass sich Plastik ähnlich verhält wie das ebenfalls mit den Strömungen treibende Neuston und die Müllstrudel mit den Sammelanlagen somit auch die Orte mit der höchsten Neuston-Konzentration sein könnten. Zudem sei wegen der fehlenden Daten und Erkenntnisse zu Neuston kaum zu beurteilen, welche Konsequenzen das Cleanup-Projekt haben könne.[35]

Flussreinigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2019 wurde mit dem Interceptor ein seit 2015 entwickeltes zusätzliches Projekt vorgestellt, das dazu dienen soll, den weiteren Plastikeintrag in Ozeane zu verringern. Dabei handelt es sich um eine in Flüssen verankerbare Sammelanlage, die pro Tag 50.000 Kilogramm Plastik einfangen können soll. The Ocean Cleanup zufolge sind 1.000 Flüsse (etwa 1 Prozent) für etwa 80 Prozent des Plastikeintrags verantwortlich und sollen innerhalb von fünf Jahren mit Interceptors ausgestattet werden. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich zwei Interceptors in Indonesien und Malaysia bereits in Betrieb. Ähnliche Projekte in kleinerem Maßstab existierten zu diesem Zeitpunkt bereits in Baltimore.[36][37][38]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Caroline Winter: This Dutch Wunderkind Now Has the Funds to Build His Ocean Cleanup Machine, Bloomberg Businessweek, 16. September 2014
  2. Josephine Pabst: Idee eines 20-Jährigen könnte die Ozeane entmüllen, Die Welt vom 24. Oktober 2014
  3. Dagmar Dehmer: Plastikmüll im Meer – Die Müllfischer, Der Tagesspiegel vom 25. Juli 2014
  4. a b Laura Waßermann: Zwei Millionen Dollar für den Meeresretter, Handelsblatt vom 21. Oktober 2014
  5. TOC Feasibility study V2.0, Delft, 2014
  6. Jennifer Fraczek: THE OCEAN CLEANUP: Ein Müllfänger für die Meere, golem.de vom 21. April 2015
  7. Andrea Hofrichter: Großreinemachen im Pazifik startet, Sueddeutsche.de am 7. September 2018
  8. a b Lydia Klöckner: Plastik im Ozean – Wie ein 19-Jähriger unsere Meere vom Müll befreien will, stern vom 13. Juni 2014
  9. a b Tobias Finger: The Ocean Cleanup – Dieser Student will die Weltmeere vom Plastikmüll befreien, WiWo Green vom 24. Juni 2014
  10. Joachim Wille: Zusammenlegen für die Umwelt, Frankfurter Rundschau vom 8. Oktober 2014
  11. Sarah Zierul: Umweltschutz – Forscher warnen vor Ozean-Filtern, Süddeutsche Zeitung vom 20. August 2014
  12. Blogeintrag auf theoceancleanup.com. Abgerufen am 11. Juni 2015.
  13. North Sea Prototype. theoceancleanup.com, abgerufen am 17. Juli 2016.
  14. Schwimmende Müllbarriere fischt Plastik weg. n-tv.de, 23. Juni 2016, abgerufen am 17. Juli 2016.
  15. New North Sea prototype successfully deployed. theoceancleanup.com, 31. August 2017, abgerufen am 7. Dezember 2018.
  16. Unscheduled Learning Opportunities on the North Sea. theoceancleanup.com, 20. Februar 2018, abgerufen am 7. Dezember 2018.
  17. Technology. theoceancleanup.com, abgerufen am 7. Dezember 2018.
  18. System 001 Tow Test Explained. theoceancleanup.com, abgerufen am 2. Juli 2018.
  19. The Ocean Cleanup: Road to the cleanup, abgerufen am 14. August 2018.
  20. agru Kunststofftechnik Gesellschaft m.b.H.: Fertigung des Schwimmkörpers für "The Ocean Cleanup". Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  21. «The Ocean Cleanup»: Müllsammelaktion auf dem Meer beginnt In: nzz.ch, 9. September 2018, abgerufen am 10. September 2018.
  22. Pacific Trials Results: System 001 is Go. theoceancleanup.com, 5. Oktober 2018, abgerufen am 7. Dezember 2018.
  23. Peter Kotecki, Aria Bendix: Hoe de 24-jarige Boyan Slat al 9 jaar werkt aan zijn droom om de plasticsoep in de oceaan op te ruimen – en niet van opgeven weet. In: Business Insider Nederland. 28. Mai 2019, abgerufen am 1. Juni 2019 (niederländisch).
  24. dpa: Vorläufiges Aus für Plastikmüll-Fänger, Heise.de am 3. Januar 2019
  25. Tina Baier: Vor dem Plastikmüll rettet uns niemand. In: sueddeutsche.de. 4. Januar 2019, abgerufen am 4. Januar 2019.
  26. System Design Upgrades Completed, to be Relaunched in June. theoceancleanup.com, 24. Mai 2019, abgerufen am 24. Mai 2019.
  27. System 001/B – The Mission Plan. theoceancleanup.com, 27. Juni 2019, abgerufen am 29. Juni 2019.
  28. Into the Twilight Zone. theoceancleanup.com, 16. August 2019, abgerufen am 16. August 2019.
  29. The Ocean Cleanup Successfully Catches Plastic in the Great Pacific Garbage Patch. theoceancleanup.com, 2. Oktober 2019, abgerufen am 2. Oktober 2019.
  30. A floating device created to clean up plastic from the ocean is finally doing its job, organizers say. CNN, 3. Oktober 2019, abgerufen am 1. November 2019.
  31. Großreinemachen im Pazifik startet. Süddeutsche Zeitung, 7. September 2018, abgerufen am 1. November 2019.
  32. From Fish to Humans, A Microplastic Invasion May Be Taking a Toll. Scientific American, 4. September 2018, abgerufen am 1. November 2019.
  33. How Plastic Cleanup Threatens the Ocean’s Living Islands. The Atlantic, 22. Januar 2019, abgerufen am 1. November 2019.
  34. The Ocean Cleanup and the Neuston. theoceancleanup.com, 6. Februar 2019, abgerufen am 1. November 2019.
  35. The Ocean Cleanup struggles to prove it will not harm sea life. deepseanews.com, 13. Februar 2019, abgerufen am 1. November 2019.
  36. The Ocean Cleanup Unveils Plan to Address the Main Source of Ocean Plastic Pollution: Rivers. theoceancleanup.com, 26. Oktober 2019, abgerufen am 26. Oktober 2019.
  37. The Ocean Cleanup project is now cleaning plastic out of rivers to stop it from getting to the ocean. Fast Company, 26. Oktober 2019, abgerufen am 1. November 2019.
  38. Ocean Cleanup’s New Plastic-Catcher … Kinda Already Exists? Wired, 26. Oktober 2018, abgerufen am 1. November 2019.