The Room Where It Happened

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Das Cover des Buches (Originalausgabe 2020)

The Room Where It Happened: A White House Memoir (zu Deutsch etwa „Der Raum, in dem es geschah. Erinnerungen aus dem Weißen Haus“; angekündigter deutscher Titel: Der Raum, in dem alles geschah. Aufzeichnungen des ehemaligen Sicherheitsberaters im Weißen Haus) ist der Titel eines am 23. Juni 2020 im Verlag Simon & Schuster[1] erschienenen Buches des früheren Nationalen Sicherheitsberaters John R. Bolton über dessen Wirken in 453 Tagen unter Präsident Donald Trump.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Dezember 2019 wurde dem Weißen Haus eine Kopie des Manuskripts zur Überprüfung vor der Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Ende Januar 2020, während des Amtsenthebungsverfahrens gegen Donald Trump im Senat, wurde über das Buch erstmals öffentlich berichtet. Dabei wurden ebenso Kopien des Manuskripts angefertigt.[2][3]

Die Regierung Trumps versuchte die Veröffentlichung des Buches zu verhindern, Bundesrichter Royce C. Lamberth lehnte dies jedoch ab.[4]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über weite Strecken wird Donald Trump in dem Buch als inkompetent und ungeeignet für das Amt des US-Präsidenten charakterisiert.

Angekündigtes Cover der deutschen Ausgabe.[5]

Einige Ausschnitte wurden bereits vor der Veröffentlichung bekannt. So soll Trump den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping um Hilfe bei seiner Wiederwahl gebeten haben. Recep Tayyip Erdoğan soll er versprochen haben, sich um die Einstellung der Ermittlungen gegen die Halkbank zu bemühen.[6][7] Bolton soll zudem in dem Buch behauptet haben, dass Trump gefragt habe, ob Finnland ein Teil Russlands und ob das Vereinigte Königreich eine Atommacht sei.[8] Im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Trump und Außenminister Mike Pompeo schrieb Bolton, dass Letzterer im Dezember 2018 über seinen Rücktritt nachgedacht habe.[9] Laut dem Autor soll sich Benjamin Netanjahu hinter verschlossenen Türen über Jared Kushners Friedensplan für den Nahen Osten skeptisch geäußert haben, da in diesem Bereich bereits politische Schwergewichte wie Henry Kissinger gescheitert seien.[10]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in ließ über sein Büro Kritik an Boltons Memoiren verlautbaren. Bezüglich der Gipfeltreffen zwischen den USA und den beiden Koreas geben die Memoiren keine Fakten wieder, sondern Boltons eigene Wahrnehmung. Diese sei verzerrt und falsch. Weiterhin habe er einseitig sensible Informationen diplomatischer Sitzungen preisgegeben und verletze damit den Grundgedanken der Diplomatie. Dies könne ernsthafte Probleme für zukünftige Gespräche darstellen. Sprecher Chung Eui-yong hofft, dass die USA Maßnahmen ergreifen, damit eine solche Preisgabe von Interna nicht erneut vorkommt.[11] Seong Yeon-cheol von der linksliberalen Hankyoreh schrieb, dass die Memoiren zeigten, dass Bolton zu jeder Zeit Südkoreas Friedensbemühungen mit Nordkorea sabotierte. Außerdem bringe das Buch Boltons sehr negative Ansichten zu Moon Jae-in zum Vorschein.[12] Die konservative Chosun Ilbo veröffentlichte hingegen einen Artikel, dass Boltons Memoiren zeigten, dass die Gipfeltreffen lediglich Heucheleien gewesen seien. Außerdem wird Moons Umgang mit Nordkorea kritisiert.[13]

US-Regierungsmitglieder verurteilten das Buch: Mike Pompeo nannte Bolton für das Schreiben und Veröffentlichen des Buches einen „Verräter“. Peter Navarro verglich das Werk aufgrund der vermuteten, aber von Bolton bestrittenen, Entlassung Boltons durch Trump mit einem Racheporno. Trump selbst bezeichnete ihn als „Lügner“ und versprach polizeiliche Ermittlungen.[10]

Einige Rezensionen in englischsprachigen Medien zeigten sich in Aufruhr über Boltons Bericht. David Ignatius schrieb in der Washington Post am 18. Juni 2020: „So viel Sie auch meinen, über die Arroganz, Eitelkeit und schiere Inkompetenz von Trumps Zeit im Weißen Haus zu wissen – Boltons Bericht wird Sie dennoch in Erstaunen versetzen … Kein Wunder, dass das Weiße Haus so fest entschlossen war, dieses Buch zu verhindern.“[14] Der New Yorker bezeichnete das Buch am 18. Juni 2020 als „vernichtenden und aufschlussreichen Bericht … unverzichtbar, spektakulär und konkret“.[15] Der Guardian schrieb am 17. Juni 2020: „Boltons Buch, das wie eine Bombe einschlägt, zeigt: Es ist immer noch möglich, von Trumps Präsidentschaft schockiert zu werden.“[16]

In einer Rezension von Klaus Brinkbäumer in der deutschen Wochenzeitung Die Zeit vom 23. Juni 2020 beschreibt der Autor die Memoiren als „ein feiges, dümmliches Buch“. Zudem vermutet er hinter der Veröffentlichung aufgrund des hohen Vorschusses für „das fürchterliche Buch“ vor allem finanzielle Motive.[17]

Deutsche Ausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutschen Rechte an dem Werk wurden Ende Juni 2020 von der Berliner Eulenspiegel Verlagsgruppe ersteigert, die die deutsche Ausgabe unter dem Titel Der Raum, in dem alles geschah in der Übersetzung durch Shaya Zarrin, Patrick Baumgärtel u. a. am 14. August 2020 im Verlag „Das Neue Berlin“ auf den Markt bringen will.[18]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Room Where It Happened. 2020, ISBN 978-1-982148-03-4 (simonandschuster.com [abgerufen am 22. Juni 2020]).
  2. Bob Brigham: Bolton book leaked after the White House made copies of the single manuscript they were given: report. Abgerufen am 21. Juni 2020 (amerikanisches Englisch).
  3. Emily Jacobs: Bolton lawyer implies that White House leaked book manuscript. In: New York Post. 27. Januar 2020, abgerufen am 21. Juni 2020 (amerikanisches Englisch).
  4. The Associated Press: Judge: Bolton Can Publish Book Despite Efforts to Block It. In: The New York Times. 20. Juni 2020, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 21. Juni 2020]).
  5. Der Raum, in dem alles geschah. Abgerufen am 13. Juli 2020.
  6. Paul LeBlanc CNN: New York Times: Bolton wrote he was concerned Trump was granting favors to autocratic leaders. Abgerufen am 21. Juni 2020.
  7. Eric Lipton, Alan Rappeport: Bolton Book Puts New Focus on Trump’s Actions in Turkey and China Cases. In: The New York Times. 28. Januar 2020, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 21. Juni 2020]).
  8. Peter Baker: Bolton Says Trump Impeachment Inquiry Missed Other Troubling Episodes. In: The New York Times. 17. Juni 2020, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 21. Juni 2020]).
  9. Timothy R. Homan: Bolton book puts spotlight on Pompeo-Trump relationship. 21. Juni 2020, abgerufen am 22. Juni 2020 (englisch).
  10. a b Lloyd Green: The Room Where It Happened review: John Bolton fires broadside that could sink Trump. In: The Guardian. 21. Juni 2020, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 22. Juni 2020]).
  11. Cheong Wa Dae says much of Bolton's memoir on Korea 'distorted,' urges US govt. to address such 'dangerous' case. In: The Korea Herald. Yonhap, 22. Juni 2020, abgerufen am 22. Juni 2020 (englisch).
  12. Seong Yeon-cheol: Bolton sabotaged the Korean Peninsula peace process at every opportunity. In: The Hankyoreh. 24. Juni 2020, abgerufen am 25. Juni 2020 (englisch).
  13. N.Korean Summits Were a Sham. In: Chosun Ilbo. 23. Juni 2020, abgerufen am 25. Juni 2020 (englisch).
  14. David Ignatius: Book Review of The Room Where It Happened: A White House Memoir by John Bolton. Abgerufen am 13. Juli 2020 (englisch).
  15. Susan B. Glasser: John Bolton's Epic Score-Settling. Abgerufen am 13. Juli 2020 (englisch).
  16. Julian Borger: Bolton's book shows it's still possible to be schocked by Trump's presidency. Abgerufen am 13. Juli 2020 (englisch).
  17. Ein Haufen Feiglinge. In: Die Zeit. 23. Juni 2020, abgerufen am 23. Juni 2020.
  18. Kleinverlag bringt Trump-Abrechnung, buchreport.de, erschienen und abgerufen am 30. Juni 2020.