Tiangong

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Tiangong (chinesisch 天宮 / 天宫, Pinyin Tiāngōng ‚Himmelspalast‘)[1] ist ein Raumstations-Programm der Volksrepublik China. 2011 wurde die Raumstation Tiangong 1 gestartet, Tiangong 2 folgte am 15. September 2016. Die Erfahrungen sollen in den Bau, Start und Betrieb einer großen Raumstation münden.

Vorbereitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planungen für eine chinesische Raumstation liefen unter der Bezeichnung Projekt 921 bereits seit 1992. Ein Modell wurde der Öffentlichkeit erstmals bei der Expo 2000 in Hannover gezeigt.[2]

Tiangong 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeichnung von Tiangong 1 (links) mit angedocktem Shenzhou-Raumschiff (rechts)

Tiangong 1 wurde am 29. September 2011 mit einer CZ-2F gestartet. Am 3. November dockte das unbemannte Raumschiff Shenzhou 8 an. Dies war das erste Kopplungsmanöver der chinesischen Raumfahrt. Am 14. November koppelte Shenzhou 8 ab und erneut an, bevor das Raumschiff die Raumstation am 16. November endgültig verließ.

Die erste Besatzung kam am 18. Juni 2012 mit Shenzhou 9 an Bord und nahm damit die erste chinesische Raumstation in Betrieb. Am 24. Juni wurde auch hier eine Ab- und Wiederankopplung durchgeführt. Die drei Taikonauten verließen Tiangong 1 am 27. Juni.

Die zweite Besatzung koppelte am 13. Juni 2013 mit Shenzhou 10 an. Die Ab- und Wiederankopplung erfolgte am 23. Juni, die endgültige Abkopplung am 25. Juni.

Im März 2016 ging der Funkkontakt mit Tiangong 1 ungeplant verloren. Am 2. April 2018 gegen 2:15 Uhr MESZ trat die Raumstation in die Erdatmosphäre ein. Soweit sie nicht durch Erhitzung an vorbeistreichender Luft verglühte, fielen ihre Überreste in den Südpazifik.[3]

Tiangong 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modell von Tiangong 2 (links) mit angedocktem Shenzhou-Raumschiff (rechts); hintere Solarmodule fehlen

Der Start der fast baugleichen zweiten chinesischen Raumstation Tiangong 2 erfolgte am 15. September 2016. Am 18. Oktober 2016 koppelte das Raumschiff Shenzhou 11 an Tiangong 2 an. Jing Haipeng und Chen Dong bildeten die erste und einzige Besatzung der Station und blieben bis zum 17. November an Bord.[4] Am 19. Juli 2019 wurde die Station gezielt zum Absturz gebracht.

Große Raumstation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den kleineren Tiangong-Raumstationen ist eine große modulare Raumstation mit einer Masse von 66 Tonnen geplant. Mit einem angedockten Tianzhou-Raumtransporter wird das Gesamtgewicht etwa 90 Tonnen betragen. Die Station soll aus drei Modulen bestehen und ein Jahrzehnt lang betrieben werden. Drei Raumfahrer sollen gleichzeitig auf der Station leben können, wobei die Station nicht permanent bewohnt werde.[5]

Die große Raumstation, in der Mitte das Kernmodul, rechts und links die Wissenschaftsmodule, oben ein Tianzhou-Raumtransporter, unten ein Shenzhou-Raumschiff.

Das Kernmodul Tianhe (Himmlische Harmonie) soll „um 2020“ mit einer Trägerrakete des Typs Langer Marsch 5B ins All gebracht werden.[6] In den darauf folgenden Jahren sollen zwei Module für wissenschaftliche Experimente und weitere Komponenten folgen und mit dem Kernmodul verbunden werden.[7] Die Raumstation könnte 2022Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren voll betriebsbereit sein.[5][8][9] Für 2022Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren ist zudem ein von der Station separates Weltraumteleskop namens Xuntian geplant, das von der Station aus gewartet werden kann.[10]

Im September 2017 wurde mitgeteilt, dass auch europäische Astronauten für den Aufenthalt auf der Station trainiert werden, u. a. auch der deutsche Raumfahrer Matthias Maurer.[11] Im Mai 2018 wurden „Alle Länder, unabhängig von ihrer Größe und ihrem Entwicklungsstand“ dazu eingeladen, ihre Experimente auf der Station zu betreiben.[12] Insgesamt 42 Projekte wurden eingereicht, aus denen das Büro für bemannte Raumfahrt bei der Abteilung für Waffenentwicklung der Zentralen Militärkommission, die Betreiberin der Raumstation, sowie das Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen neun Projekte für die erste Arbeitsperiode auswählten. Die am 12. Juni 2019 in Wien bekanntgegebenen Projekte waren alle Kooperationen; insgesamt 23 Forschungsinstitute aus 17 Ländern, von China und Deutschland bis zu Kenia und Peru, aber nicht aus den USA, kamen zum Zug.[13][14]

Die geplanten Module[5][8]
  • Tianhe (天和 ‚Himmelsharmonie‘) – Kernmodul mit Wohnquartieren
  • Wentian (問天 / 问天 ‚Himmelserkunder‘) – Wissenschaftsmodul
  • Mengtian (夢天 / 梦天 ‚Himmelsträumer‘) – Wissenschaftsmodul
  • Xuntian (巡天 ‚Himmelskreuzer‘) – von der Station separates Weltraumteleskop, das von der Station gewartet wird

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag 天宫 im chinesisch-deutschen Online-Wörterbuch LEO, abgerufen am 16. September 2016.
  2. Felix Korsch: Projekt 921-2 - `Chinesische Skylab´. raumfahrer.net, 13. August 2003, abgerufen am 24. Februar 2016 (englisch).
  3. China Manned Space (CMS): Tiangong-1 reenters the atmosphere. 2. April 2018, abgerufen am 11. April 2018 (englisch).
  4. n-tv: Chinas "Shenzhou 11" schafft Rekordflug. n-tv.de, 18. November 2016, abgerufen am 23. April 2017.
  5. a b c Andreas Landwehr: So will China den Weltraum erobern. In: Welt.de. 22. April 2016, abgerufen am 30. September 2017.
  6. Andrew Jones: Chinese space program insights emerge from National People’s Congress. In: Spacenews. 2. April 2018, abgerufen am 27. Januar 2019 (englisch).
  7. 空间站工程研制进展. In: cmse.gov.cn. 23. April 2016, abgerufen am 11. Oktober 2019 (chinesisch).
  8. a b China to launch space station core module in 2018. In: Spacedaily.com. 3. März 2017, abgerufen am 30. September 2017 (englisch).
  9. Andrew Jones: Tiangong-2: Video shows docking system for China's new space lab. gbtimes, 3. Februar 2016, abgerufen am 24. Februar 2016 (englisch).
  10. China plans to launch core module of space station around 2018. In: Xinhuanet.com. 21. April 2016, abgerufen am 30. September 2017 (englisch).
  11. Deutscher Astronaut trainiert für eine Reise zum Himmelspalast. In: Bayerischer Rundfunk. 22. September 2017, abgerufen am 30. September 2017.
  12. China just invited the world to its space station. In: Ars Technica. (arstechnica.com [abgerufen am 2. Juni 2018]).
  13. 9 Projects in 17 Countries were Selected into the First Batch of Scientific Experiments. In: english.csu.cas.cn. 16. September 2019, abgerufen am 10. Oktober 2019 (englisch).
  14. The United Nations/China Cooperation on the Utilization of the China Space Station. In: unoosa.org. 12. Juni 2019, abgerufen am 12. Oktober 2019 (englisch).