Tom Franz

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Thomas „Tom“ Franz[1] (* 10. Mai 1973[2] in Köln[3]) ist ein deutscher[4] Rechtsanwalt und Hobbykoch. 2013 gewann er den Fernseh-Kochwettbewerb der israelischen Ausgabe von MasterChef[5] und wurde dadurch international bekannt. Dieser Erfolg machte ihn zu einem „kulinarischen Botschafter“[6] und „Brückenbauer“[7] zwischen Israel und Deutschland.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz ist in Erftstadt bei Köln aufgewachsen.[3] Seit seiner Begegnung mit israelischen Schülern an seiner Schule 1989 im Rahmen eines Schüleraustauschs fühlt sich Franz zum Judentum hingezogen:[4] „Die Mentalität hat mich angezogen: Die waren fröhlicher als wir und haben getanzt.“[8] „Da waren Freude und ein Gefühl der Zugehörigkeit, die ich in meinem Leben vermisste.“[9] Nach dem Abitur machte er eine Lehre zum Bankkaufmann bei einer Kölner Privatbank. Seinen Zivildienst leistete er mittels Aktion Sühnezeichen in Israel, wo er achtzehn Monate lang in einem Krankenhaus und einem Altersheim für Holocaust-Überlebende arbeitete.[10] Danach kehrte er nach Deutschland zurück, studierte Rechtswissenschaft und legte das zweite Staatsexamen in Jura ab. Anschließend arbeitete er ein Jahr lang als Anwalt für Versicherungs- und Handelsrecht in der internationalen Wirtschaftskanzlei CMS Hasche Sigle in Köln.[2] Im Jahr 2004 wanderte er nach Israel aus. Nach zweieinhalb Jahren harter und intensiver Vorbereitung konnte der katholisch getaufte Franz 2007 zum Judentum konvertieren,[10] was auch eine fehlende Arbeitsgenehmigung und eine Beschneidung mit einschloss.[11] Kurz darauf lernte er seine israelische Frau Dana Harari (* 1977)[8] kennen. Sie stammt aus einer Familie von Holocaust-Überlebenden aus Lwiw (Lemberg).[10] Seit 2003 arbeitet sie als PR-Beraterin für Meisterköche und Restaurants.[2] 2010[12] heiratete sie Tom Franz nach jüdischem Ritus.[8]

MasterChef[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dana Franz konnte ihn nach vielen Versuchen schließlich davon überzeugen, bei der israelischen Version des Fernseh-Kochwettbewerbs MasterChef teilzunehmen.[13] Die Kochsendung MasterChef wurde in England kreiert und wird in mittlerweile 50 Ländern produziert (Stand: 2016).[14] Diese Kochschau ist in Israel die beliebteste Fernsehsendung geworden.[4] In einem langen Ausscheidungsverfahren treten die Teilnehmer mit ihren Gerichten als Konkurrenten nach dem K.-o.-System gegeneinander an, bis nach dem Urteil einer Jury nur noch ein Kandidat übrigbleibt. Franz bereitete sich gründlich auf das Auswahlverfahren vor, indem er Koch- und Lehrbücher studierte sowie eigene Gerichte entwickelte.[15] Dazu kaufte er sich die besten Bücher, die er finden konnte, las darin zwei bis drei Stunden täglich und verbrachte eine Stunde am Tag in der Küche.[16] 6000 Bewerber meldeten sich bei dem Schaukochen an[15] und nur etwa hundert Teilnehmer wurden zu den Aufnahmen zugelassen.[17] Die Jurymitglieder lobten neben dem Geschmack und dem Aussehen seiner Gerichte auch die Genauigkeit und Sorgfalt, mit der er diese kochte.[15] „Er ist auf eine Weise genau wie es nur ein Deutscher sein kann.“[18]

Nach vier Monaten bei zwei Sendungen pro Woche zur besten Sendezeit konnte er im Januar 2013 den Wettbewerb der dritten Staffel der israelischen Kochsendung MasterChef mit 200.000 Schekel (rund 40.000 Euro) für sich gewinnen.[3] Im Finale erreichte die Sendereihe den Rekordwert von 52,3 % an Zuschauern,[2] was die bisher zweithöchste Einschaltquote in der israelischen Fernsehgeschichte überhaupt ist.[11] Franz wurde zu einer bekannten und beliebten Persönlichkeit in Israel.[10] „Die Leute lieben ihn. Egal wo er auftaucht, sie wollen ihn anfassen und kennenlernen.“[8] „Plötzlich ist Deutsch etwas Gutes, und das ist bei der Geschichte unserer beiden Völker wirklich etwas Besonderes“, so Dana Franz über ihren Mann.[10]

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein wichtiges Lebensziel von Franz ist es, die Qualität der koscheren Küche auf das Niveau der Haute Cuisine zu heben.[19] Gleichwohl lebt auch in Israel nur eine Minderheit der gläubigen Menschen koscher.[20] „Für Durchschnittsisraelis ist koscheres Essen schnöde Hausmannskost“, meint Michal Anski, eine der Jurorinnen bei MasterChef.[11] Um das zu ändern, möchte er die deutschen Gerichte mit der mediterranen Küche Israels verbinden. Beispiele dafür sind der rheinische Reibekuchen mit Apfel- und Birnenmus und einem Sirup aus eingekochter Roter Bete, ein häufig verwendetes Gemüse in der israelischen Küche,[21] oder ein israelisch-rheinischer Sauerbraten mit getrockneten Feigen und Pilaw.[22]

Gegenwärtig kocht Franz im Fernsehen und für Zeitschriften, außerdem nimmt er Einladungen zu Veranstaltungen wahr. Pläne für ein kulinarisch gehobenes Restaurant oder für eine innovative Imbißkette hat er wegen seiner beiden kleinen Kinder vertagt.[23]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tom Franz hat einen jüngeren Bruder, der in Köln lebt.[3] Mit seiner israelischen Frau Dana hat er zwei Söhne, die Familie wohnt in Tel Aviv. Aus Liebe zu ihm begann seine Frau, sich mit religiöser Tracht zu bekleiden (Kopftuch, knielange Röcke, armlange Oberbekleidung, schwarze Schuhe).[8] Um weiterhin Sport betreiben zu können, entwirft sie Sportbekleidung für sich und andere orthodoxe Frauen.[11] Tom Franz betet drei Mal täglich und geht am Schabbat in die Synagoge.[8] „Besonderen Spaß“ am Schabbat machen ihm die kulinarischen Vorbereitungen.[2] [23] Neben dem Kochen verbringt Franz seine Freizeit mit Fotografieren.[2] [24] Er spricht fließend Hebräisch und Englisch.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tom Franz: So schmeckt Israel. Meine Lieblingsrezepte aus der israelischen Küche, gewürzt mit einer Prise Heimat. AT Verlag, Aarau 2013, gebunden, ISBN 978-3-03800-781-4.

Filme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Christian Rößler: Thomas Franz im Koch-Finale. Quarkbällchen für Israel. In: FAZ, 30. Januar 2013.
  2. a b c d e f Kitchentalk mit Tom Franz. In: daskochrezept.de, bongusto.tv, 22. Januar 2014, aufgerufen am 21. April 2014.
  3. a b c d Inge Günther: Koscher kochen: Liebling der Gourmets. In: Frankfurter Rundschau, 24. Januar 2013.
  4. a b c Gil Yaron: Versöhnung geht durch den Magen: Die Israelis lieben den deutschen Koch Tom Franz. In: Tagesspiegel, 29. Januar 2013.
  5. Schreibweise im englischen Original: MasterChef und MasterChef. In: BBC One.
  6. Kirsten Schiekiera: Deutscher Starkoch in Israel: Tom Franz kocht alles ganz koscher. In: manager magazin, 22. November 2013.
  7. Kulinarischer Brückenbauer. Tom Franz auf Küchenreise durch Israel. (Memento vom 17. Februar 2016 im Internet Archive) In: B5 aktuell, 16. Oktober 2015.
  8. a b c d e f Philip Kuhn: „Masterchef“. Ein Deutscher dominiert Israels größte TV-Show. In: Die Welt, 14. Januar 2013.
  9. Gil Yaron: Deutsche in Israel. Wenn die Liebe stärker ist als Vorurteile. In: Die Welt, 11. Mai 2015.
  10. a b c d e f dpa / Sara Lemel: Meisterkoch. Deutscher siegt bei Israels größter TV-Castingshow. In: Die Welt, 30. Januar 2013.
  11. a b c d Gil Yaron: Vom Juristen zum Starkoch in Israel. Kann dieser Deutsche koscher sein? In: FAS, 12. April 2013.
  12. Inge Günther: Tel Avivs Mann für deutsche Küche. In: Stuttgarter Zeitung, 22. Januar 2013.
  13. Chaya Tal: Tom, der Brückenbauer. Ein Koch ist der berühmteste Deutsche in Israel. In: Jüdische Rundschau, 13. Mai 2015.
  14. MasterChef#International versions
  15. a b c Lissy Kaufmann: „So schmeckt Israel.“ Der kulinarische Botschafter Tom Franz. In: Deutschlandradio Kultur, 20. Dezember 2013.
  16. Daniella Cheslow: New Israeli MasterChef a German-Born Convert to Judaism. In: Public Radio International, 6. Februar 2013:
    „I bought best books I could find, and from that day I read two or three hours every day and spent an hour in kitchen.“
  17. Franz in: Nachtlinie. Unterwegs mit Tom Franz. In: Bayerischer Rundfunk, 7. April 2014, online-Video.
  18. Daniella Cheslow: New Israeli MasterChef a German-Born Convert to Judaism. In: Public Radio International, 6. Februar 2013:
    „He is accurate in a way that only a German can be.“
  19. Monika Hebbinghaus: „Reibekuchen sind gut für die Völkerverständigung.“ Ein Rheinländer ist Israels beliebtester Koch. In: Deutschlandfunk, 10. April 2013.
  20. Lars Reichardt: »Die Regeln vom koscheren Essen sind nicht logisch«. In: SZ-Magazin, 28. November 2014, Heft 48, Interview mit Tom Franz.
  21. Tom Franz: Reibekuchen mit Gewürzkompott. In: daskochrezept.de, bongusto.tv, 22. Januar 2014, aufgerufen am 17. Februar 2016.
  22. Tom Franz: Israelisch-Rheinischer Sauerbraten. In: BuchGourmet.com, aufgerufen am 17. Februar 2016.
  23. a b Paul Stänner: Ein deutscher Koch begeistert Israel. Tom Franz im Porträt. In: Deutschlandradio Kultur, 18. Juni 2014.
  24. chef_tom_franz. In: iconosquare und chef_tom_franz. In: Instagram, aufgerufen am 17. Februar 2016.