Toni Turek

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Toni Turek
Spielerinformationen
Name Anton Turek
Geburtstag 18. Januar 1919
Geburtsort DuisburgDeutschland
Sterbedatum 11. Mai 1984
Sterbeort NeussDeutschland
Größe 181 cm
Position Torwart
Junioren
Jahre Station
1926–1936 Duisburger SC 1900
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1936–1941
1941–1943
1943–1946
1946–1947
1947–1950
1950–1956
1956–1957
TuS Duisburg 48/99
TSG Ulm 1846
TuS Duisburg 48/99
Eintracht Frankfurt
TSG Ulm 1846
Fortuna Düsseldorf
Borussia Mönchengladbach
0
0
0
22 (0)
65 (0)
133 (0)
4 (0)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1950–1954 Deutschland 20 (0)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Anton „Toni“ Turek (* 18. Januar 1919 in Duisburg; † 11. Mai 1984 in Neuss) war ein deutscher Fußballspieler und Weltmeister von 1954.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turek spielte als Kind und Jugendlicher beim Duisburger SC 1900 und wechselte 1938 zum TuS Duisburg 48/99.[1][2] Später spielte der gelernte Bäcker als Torwart u. a. für die Süd-Oberligisten Eintracht Frankfurt (1946/47) und TSG Ulm 1846 (ab 1947), bevor er 1950 zu Fortuna Düsseldorf wechselte. Seine Karriere beendete er 1956 bei Borussia Mönchengladbach.

Nach Kriegseinsatz und Gefangenschaft erlangte Turek erst mit 31 Jahren einen Stammplatz in der Nationalelf. Erstmals stand er beim ersten Länderspiel nach dem Zweiten Weltkrieg am 22. November 1950 im Tor der Nationalmannschaft. Damit war er der beim Debüt älteste Nationaltorhüter. Diesen Rekord behielt er auch nach seinem Tod weit über zwanzig Jahre – erst am 19. November 2013 löste ihn der zu diesem Zeitpunkt 33-jährige Roman Weidenfeller ab. Zwischen 1950 und 1954 bestritt er 20 Länderspiele für Deutschland. Turek war bekannt für sein gutes Auge und rührte sich manchmal selbst bei Bällen nicht, die nur knapp am Tor vorbeigingen. Bundestrainer Sepp Herberger hielt ihn für einen genialen Sportler mit gelegentlich leichtsinnigen Zügen. Im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 stand Turek als ältester Spieler des Turniers im deutschen Tor und wurde mit der Mannschaft durch den 3:2-Sieg vom 4. Juli 1954 gegen den hohen Favoriten, die Nationalmannschaft Ungarns, Weltmeister. In der ersten Halbzeit verschuldete Turek aufgrund seiner Leichtfertigkeit ein Tor der Ungarn. Danach sammelte er sich. Insbesondere in der zweiten Halbzeit wurde er durch seine Paraden zur Torwartlegende. In der von Fußballfans als unvergesslich bezeichneten Hörfunkreportage Herbert Zimmermanns fielen die Worte: „Turek, du bist ein Teufelskerl! Turek, du bist ein Fußballgott! Entschuldigen Sie die Begeisterung, die Fußballlaien werden uns für verrückt erklären …“ Mehr als 100.000 Menschen waren auf den Straßen, als Turek am 8. Juli 1954 in Düsseldorf durch einen Triumphmarsch geehrt wurde.[3]

Sein letztes Länderspiel im Oktober 1954 war die 1:3-Niederlage Deutschlands gegen die Französische Fußballnationalmannschaft.[4]

Nach seiner Torwartkarriere arbeitete Turek als Angestellter bei der Düsseldorfer Rheinbahn AG.

Im September 1973 erkrankte er über Nacht an einer rätselhaften Lähmung der Beine. Während der Zeit im Krankenhaus kam es zu Komplikationen. Die Milz sowie ein Teil des Magens wurden entfernt. Turek erlitt vier Lungenembolien, benötigte Bluttransfusionen und verbrachte zwei Monate auf der Intensivstation. Sein Körpergewicht sank von 90 auf 45 kg. Es dauerte drei Jahre, bis er, halbwegs genesen, wieder am Stock gehen konnte. Später litt Turek an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung und musste sich einer Herzoperation unterziehen. Hinzu kam ein Eingriff an der Gallenblase. In seinen letzten Jahren konnte er sich nur noch per Krücken und Rollstuhl fortbewegen. Als Turek 1984 im Alter von 65 Jahren elf Tage nach einem Schlaganfall im Johanna-Etienne-Krankenhaus in Neuss starb, hinterließ er seine Frau Wilhelmine, die ihn die gesamte Zeit gepflegt hatte, und zwei Kinder. Toni Turek wurde auf dem Friedhof Lindenheide im niederbergischen Mettmann in einem Urnengrab beigesetzt.[5][6] Wilhelmine Turek starb im Januar 2012 mit 90 Jahren und fand neben dem Ehrengrab ihres Ehemannes ihre letzte Ruhestätte.[7]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bronzestatue von Toni Turek neben der ESPRIT Arena in Düsseldorf-Stockum
  • Zu Ehren von Toni Turek erhielt der Torwart bei einem Tipp-Kick-Spiel in den 1950er Jahren den Namen „Toni“.
  • Am 24. Juni 2004 wurde vom damaligen Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin eine nach Turek benannte Straße eingeweiht. Die kleine Erschließungsstraße wurde jedoch nicht gebaut, woraufhin 2006 ein Platz seinen Namen erhielt.[8]
  • Am 30. September 2004 wurde das Fußballstadion in Erkrath zu Ehren des ehemaligen Einwohners in Toni-Turek-Stadion umbenannt.
  • Am 11. Mai 2009, also am 25. Todestag, wurden am Grab von Turek in Mettmann ein Kranz von der Rheinbahn und der Stadt Mettmann niedergelegt. Auch der Enkel von Turek und ein Vertreter von Fortuna Düsseldorf waren bei der Niederlegung anwesend.
  • Eine Bushaltestelle in der Nähe der 2004 gebauten Toni-Turek-Allee wurde umbenannt in Toni-Turek-Allee/Naturfreibad.
  • Die Rheinbahn gestaltete 2009 einen ihrer Stadtbahnwagen Typ B (Wagennummer 4253) zu Ehren von Toni Turek: innen mit Spielszenen, Fotografien und Dokumentationen aus Tureks Leben und außen mit Zitaten aus der legendären Reportage Herbert Zimmermanns vom Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in Bern (Toni, du bist ein Fußballgott und Toni, du bist ein Teufelskerl!).[9]
  • Im Januar 2012 wurde die Geschäftsstelle von Fortuna Düsseldorf am Flinger Broich in Toni-Turek-Haus benannt.
  • Am 4. Juli 2014 – genau 60 Jahre nach dem legendären deutschen WM-Sieg in Bern – wurde neben der ESPRIT arena in Düsseldorf-Stockum ein lebensgroßes Bronzedenkmal von Turek aufgestellt.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Toni-Turek-Archiv (Privat-Archiv Werner Raupp, Hohenstein/Schwäbische Alb).
  • Werner Raupp, Artikel Turek, Anton (Toni), in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 26 (erscheint voraussichtlich 2016). Zur Dokumentation hat Reinhard Breymayer beigetragen.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Spielfilm Das Wunder von Bern wird Turek von Jo Stock dargestellt.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Das Wunder von Bern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fritz Dross (Erlangen): Anton „Toni“ Turek, Fußballspieler. Portal Rheinische Geschichte → Persönlichkeiten. Landschaftsverband Rheinland, 30. September 2010, abgerufen am 19. Januar 2012 (deutsch).
  2. Anton „Toni“ Turek. Historisches und Persönlichkeiten. In: Das Internet-Stadtportal duisburg.de. Stadt Duisburg, abgerufen am 19. Januar 2012 (deutsch).
  3. Theo Mai: Als Düsseldorf seinen „Fußball-Gott“ umarmte. Artikel vom 3. Juli 2014 im Portal derwesten.de, abgerufen am 3. Juli 2014
  4. Matthias Arnhold: Anton 'Toni' Turek - International Appearances. RSSSF. 28. Juli 2016. Abgerufen am 2. August 2016.
  5. noz.de: Toni Turek – Vom Schicksal geschlagen Artikel vom 7. Juli 2010
  6. knerger.de: Das Grab von Toni Turek
  7. express.de: Platz neben Ehrengrab: Witwe von Fortuna Legende Turek starb mit 90 Artikel vom 3. Januar 2012
  8. Vermessungs- und Katasteramt Düsseldorf
  9. Rheinbahn Düsseldorf: 28 Meter „Teufelskerl“ und „Fußballgott“ rollen durch die Stadt
  10. derwesten.de: Ein Denkmal für den Fußballgott, 28. März 2014
  11. Das Wunder von Bern in der deutschen IMDb