Torgny Lindgren

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Torgny Lindgren (2007)

Torgny Lindgren [ˌtɔɹːgny ˈlinːdgɹeːn] (* 16. Juni 1938 in Raggsjö, Norsjö; † 16. März 2017[1]) war ein schwedischer Schriftsteller.

Er debütierte 1965 als Lyriker mit Plåtsax, hjärtats instrument („Blechschere, Instrument des Herzens“). 1970 erschien die Gedichtsammlung Dikter från Vimmerby („Gedichte aus Vimmerby“). Seinen Durchbruch als einer der erfolgreichsten Autoren Schwedens erreichte er jedoch mit seinen Romanen. Torgny Lindgren war seit 1991 Mitglied der Schwedischen Akademie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torgny Lindgren wurde 1938 als Sohn von Andreas Lindgren und Helga Björk geboren; er wuchs in einer Mehrgenerationen-Familie auf.

Lindgrens Erzählweise war geprägt durch die nordschwedische Landschaft, in der er aufwuchs, und durch die Geschichten, die seine Großmutter in seiner Kindheit erzählte. Darüber reflektierte er später: „Sie erzählte unablässig und langsam, während die ganze Familie um sie herumsaß. Nichts konnte sie daran hindern, die langen, dunklen Winterabende mit biblischen Geschichten und mit Anekdoten aus ihrem Leben und dem der Vorfahren zu füllen … Die mündlichen Überlieferungen, mit denen ich aufgewachsen bin, haben mich geprägt“.

Lindgren verließ schon früh seine Heimat und zog nach Småland, wo er als Lehrer arbeitete. Anfang der 1970er-Jahre trat er in die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Schwedens ein, wo er sich kritisch engagierte. 1971 erschien seine Auseinandersetzung mit der schwedischen Sozialdemokratie Hur skulle det vara om man vore Olof Palme? (dt.: „Wie wäre es, Olof Palme zu sein?“). Hierin würdigte er den schwedischen Premierminister als „letzten signifikanten Prediger“.

In den folgenden Jahren schrieb er eine Reihe von Satiren über Fragen der Politik und Schulbildung. Sie erschienen in der Sammlung Skolbagateller medan jag försökte skriva till mina överordnade. Sein erster Roman Övriga frågor (deutsch: „Einige andere Geschäfte“) wurde 1973 veröffentlicht, zwei Jahre später folgte 1975 Hallen (deutsch: „Die Halle“); beide Romane setzen sich kritisch mit der wachsenden Kluft zwischen Führung und Basis innerhalb der schwedischen Sozialdemokratie auseinander. Danach wurde es eine Zeit lang still um ihn. Er plane, so verkündete er damals, einen längeren realistischen Roman. Sein erster großer Erfolg stellte sich tatsächlich 1982 mit Ormens väg på hälleberget, deutsch: Der Weg der Schlange ein. In diesem Buch kehrte er gedanklich nach Västerbotten zurück, wo er seine Kindheit verbracht hatte. Der Roman behandelt die Unterdrückung der ländlichen Bevölkerung im Nordschweden des 19. Jahrhunderts.

Mit Ormens väg på hälleberget kreierte der Autor zugleich die einzigartige artifizielle Sprache seiner späteren Romane: sparsam, deutlich, direkt, hemmungslos, voll dialektaler Anspielungen, makabrem Humor und biblischen Verweisen. Der Roman wurde von Bo Widerberg verfilmt.

Torgny Lindgrens Sammlung von Kurzgeschichten Merabs skönhet (Merabs Schönheit) wird von vielen Kritikern, auch vom Autor selbst, als sein Meisterwerk angesehen.

Um 1980 konvertierte er zum Katholizismus.

Ins historische Fach begab er sich 1984 mit dem Roman Batseba, der die biblische Erzählung um Bathseba und König David thematisiert. Mit diesem Buch wurde er auch in Deutschland bekannt. In Frankreich erhielt er 1986 den von der Zeitschrift Femina gestifteten Prix Femina Étranger für den besten ausländischen Roman.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1982 Ormens väg på hälleberget
  • 1983 Merabs skönhet
  • 1984 Batseba, P. A. Norstedt & Söners, Stockholm
  • 1987 Ljuset
    • 1989 Die Legende vom Lügen, übersetzt von Verena Reichel, Hanser, München
  • 1997 Hummelhonung
    • Hummelhonig, übersetzt von Verena Reichel
  • 2002 Pölsan
    • 2003 Das Höchste im Leben, übersetzt von Verena Reichel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Akademiledamoten Torgny Lindgren har avlidit. Svenska Akademien, 16. März 2017, abgerufen am 16. März 2017 (schwedisch).
  2. Våra hedersdoktorer. Humanistisk fakultet Umeå universitet, abgerufen am 17. März 2017 (schwedisch).