U-Bahnhof Museumsinsel

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Baustelle des U-Bahnhofs Museumsinsel, westliches Zugangsbauwerk vor dem Zeughaus, April 2014

Der U-Bahnhof Museumsinsel ist ein im Bau befindlicher U-Bahnhof im Berliner Ortsteil Mitte. Er ist Teil der Verlängerung der U-Bahn-Linie U5 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor, mit deren Bau 2010 (erster Spatenstich)[1] begonnen wurde. Der Bahnhof soll Mitte 2021, ein halbes Jahr nach der Aufnahme des Betriebes auf der U-5-Verlängerung, eröffnet werden.

Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Errichtet wird eine Station mit Mittelbahnsteig am östlichen Ende der Straße Unter den Linden, zwischen dem Zeughaus und dem Berliner Schloss. Ein Teil des Bahnhofs wird sich unmittelbar südlich der Schloßbrücke unter dem Spreekanal befinden. Der Bahnsteig wird in rund 16 Metern Tiefe unter der Straßenoberkante liegen.[2]

An beiden Enden werden Zugangsbauwerke mit einer Verteilerebene unter der Straßenoberfläche errichtet. Auf der Westseite entstehen Zugänge vor dem Kronprinzenpalais sowie östlich des Zeughauses in Richtung Museumsinsel. An der Ostseite des Bahnhofs werden zwei Zugänge direkt am Humboldtforum entstehen. Beide Zugangsbauwerke werden mit Fahrtreppen ausgestattet, der Ostzugang erhält zusätzlich einen von der Oberfläche bis zum Bahnsteig führenden Aufzug.

Zuerst werden die beiden Baugruben für die späteren Zugangsbauwerke hergestellt, im Osten in offener Bauweise und im Westen in Deckelbauweise, jeweils im Schutz von Schlitzwänden und einer HDI-Sohle. Da sich die Baugrube Ost zum Teil im Spreekanal befindet, muss dieser während der Bauzeit hinter einem zu erstellenden Fangedamm teilweise zugeschüttet werden. Der Stationsbereich wird erst nach Durchfahrt der Tunnelbohrmaschine und Herstellung der beiden Streckentunnel errichtet. Dies erfolgt, im Gegensatz zu den anderen Bahnhöfen des Neubauabschnitts, ausgehend von den beiden Baugruben im bergmännischen Vortrieb im Schutze einer Bodenvereisung. Das Vereisungsverfahren fand bereits beim Bau des U-Bahnhofs Brandenburger Tor Anwendung.

Der Bahnsteigraum bildet sich aus den Gewölben der beiden teilweise aufzubrechenden Streckentunnel sowie dem von zwei Stützenreihen getragenen Zwischenraum mit flacher Decke. Die Gestaltung von Max Dudler wurde inspiriert von einem Bühnenbild von Karl Friedrich Schinkel zur Oper Die Zauberflöte aus dem Jahr 1816 und sieht über den Gleisen ein dunkelblaues Tonnengewölbe mit Lichtpunkten – einen Sternenhimmel – vor.[3] Die Wände werden in Anlehnung an die klassizistische Architektur der umliegenden Gebäude mit hellem Naturstein verkleidet.[2]

Am westlichen Ende der Station wird eine Wehrkammer zum Schutz der Unterfahrung von Spree und Spreekanal errichtet. Alle Anlagen zur betriebstechnischen Ausrüstung, wie Stromversorgung, Fernmeldeanlagen und Klimatechnik werden im unterirdischen Bahnhofsgebäude installiert.

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlitzwandherstellung, Juni 2012
Fertiggestellter Rohbau und durchgebundenes Gleis, Februar 2020

Von Mitte 2010 bis Ende 2011 erfolgten umfangreiche Leitungsumverlegungen im späteren Baustellenbereich.

Ebenfalls 2011 wurden im Bereich des späteren östlichen Zugangsbauwerks archäologische Grabungen durchgeführt. Hier befanden sich bis 1894 die Häuser der Schlossfreiheit aus dem 17. und 18. Jahrhundert, deren Fundamente und Keller teilweise noch erhalten waren.[4]

Das erste Los für die Herstellung des Rohbaus vergaben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Ende Januar 2012. Es umfasst den Startschacht für die Tunnelbohrmaschine, den Tunnel im Bereich des Schildvortriebs, die Bahnhöfe Unter den Linden und Museumsinsel sowie eine Gleiswechselanlage. Das Auftragsvolumen liegt bei rund 190 Millionen Euro.[5] Für den Rohbau des Bahnhofs Museumsinsel werden 65 Millionen Euro veranschlagt.[6]

Der tatsächliche Baubeginn für den Bahnhof war Ende April 2012.

Zur Vereisung unter dem Spreekanal im Bereich des späteren Bahnsteigraums wurden bis Ende November 2017 insgesamt 95 je 105 Meter lange Bohrungen eingebracht. In diese wurden Leitungen für die Kühlflüssigkeit – minus 37 °C kalte Calciumchloridlösung – gelegt.[7] Rund 2000 Messpunkte überwachten den Vereisungsvorgang. Etwa 60 Tage nach Beginn des Vereisungsvorgangs konnte am 8. Mai 2018 der symbolische Ausbruchsbeginn für den künftigen Bahnsteigbereich gefeiert werden. Diese Röhre wurde auf den Namen „Lavinia“ getauft, benannt nach Lavinia Frey, Vorstand Kultur beim Humboldt-Forum. Für die Errichtung dieser mittleren Röhre waren drei bis vier Monate veranschlagt. Anschließend wurden die beiden bereits beim Schildvortrieb der Streckentunnel errichteten Tunnel im Bahnhofsbereich vergrößert, hierfür mussten die dort eingebauten Tübbing-Ringe abgebrochen werden.[8] Diese Arbeiten – und damit der gesamte bergmännische Vortrieb – waren im März 2019 abgeschlossen.[9] Mitte Juli 2019 war die neue Innenschale der beiden Tunnelröhren fertiggestellt, sodass der vereiste Boden wieder aufgetaut werden konnte.[10]

Im November 2019 konnte der Rohbau fertiggestellt werden, Anfang 2020 wurden die im Bahnhofsbereich noch unterbrochenen Gleise durchgebunden.[11] Am 10. Februar 2020 wurde Richtfest gefeiert.[12]

Der Baufortschritt am Bahnhof Museumsinsel ist für die gesamte Streckenverlängerung bauzeitbestimmend.[8] Aufgrund von Verzögerungen beim Bau des U-Bahnhofs ist eine Eröffnung erst nach der geplanten Inbetriebnahme der Strecke im Dezember 2020 möglich. Voraussichtlich bis Mitte 2021 werden die Züge die Station ohne Halt durchfahren.[13]

Anbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der U-Bahnhof soll von der Linie U5 bedient werden; es wird Umsteigemöglichkeiten zu zahlreichen Omnibuslinien der BVG geben.

Linie Verlauf
Berlin U5.svg Hauptbahnhof – Bundestag – Brandenburger Tor Unter den Linden – Museumsinsel – Rotes Rathaus – Alexanderplatz – Schillingstraße – Strausberger Platz – Weberwiese – Frankfurter Tor – Samariterstraße – Frankfurter Allee – Magdalenenstraße – Lichtenberg – Friedrichsfelde – Tierpark – Biesdorf-Süd – Elsterwerdaer Platz – Wuhletal – Kaulsdorf-Nord – Neue Grottkauer Straße – Cottbusser Platz – Hellersdorf – Louis-Lewin-Straße – Hönow

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: U-Bahnhof Museumsinsel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hinter den Kulissen des U5-Weiterbaus. (Nicht mehr online verfügbar.) In: bvg.de, 30. April 2010, archiviert vom Original am 4. Mai 2010; abgerufen am 8. Oktober 2012.
  2. a b Projektrealisierungs GmbH U5 (Hrsg.): U5 verbindet (Flyer). September 2018.
  3. Max Dudler Architekt - U-Bahnhof Museumsinsel Berlin. Abgerufen am 26. Juni 2017.
  4. Lückenschluss. In: bvg.de (PDF)
  5. Vergabeverfahren für den Bau der U5 entschieden. In: bvg.de, 10. Februar 2012, abgerufen am 10. Februar 2012.
  6. Drucksache 17/13562. (PDF) Abgeordnetenhaus Berlin, 16. April 2014, abgerufen am 2. Mai 2014.
  7. Die Bohrarbeiten für die U5 kommen voran. In: Der Tagesspiegel. 21. November 2017, abgerufen am 21. November 2017.
  8. a b U5-Tunnel ist jetzt getauft. In: Der Tagesspiegel. 8. Mai 2018, abgerufen am 12. Mai 2018.
  9. Erfolgreich im Eis. Projektrealisierungs GmbH U5, 7. März 2019, abgerufen am 13. März 2019.
  10. Kurzmeldungen – U-Bahn. In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 11, 2019, S. 225.
  11. Kurzmeldungen – U-Bahn. In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 12, 2019, S. 245.
  12. https://www.morgenpost.de/berlin/article228386103/U-Bahnhof-Museumsinsel-Richtfest-nach-acht-Jahren.html
  13. Ende 2020 fährt die U5 durch Berlins Mitte. 15. Oktober 2019, abgerufen am 15. Oktober 2019.

Koordinaten: 52° 31′ 2,7″ N, 13° 23′ 53,5″ O