Unsere Liebe Frau (Gasseltshausen)

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Unsere Liebe Frau
Eingang

Die katholische Filialkirche Unsere Liebe Frau ist eine romanische Doppelkapelle mit profanem Obergeschoss in Gasseltshausen, einem Ortsteil von Aiglsbach im niederbayerischen Landkreis Kelheim. Das Gebäude, fälschlicherweise auch als Römerturm bezeichnet, steht auf der Liste der geschützten Baudenkmäler in Bayern.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Doppelkapellen als auch Anlagen mit profanem Obergeschoss stets mit Burgen oder Edelsitzen verbunden waren, wird dies auch für Gasseltshausen angenommen.

Aufgrund der Datierung der mit Ornamenten verzierten Ziegeln in der Mauer des Turms kann angenommen werden, dass dieser Wohnturm in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet worden ist. Obwohl dies nicht ganz sicher ist, wird hier ein Adelsgeschlecht vermutet, das durch einen Engilmar der Ältere (1128/38 – 1147), Engilmar der Jüngere (1156/70) und Adalbert jun. (ca. 1160 – 1185), der ein Vasall der Grafen von Frontenhausen war, hier auftauchen. Ebenso werden hier die Brüder Konrad (1115/20 – 1147) und Hugo (1138/47) von Gosseltshausen erwähnt. Diese oder Engilmar der Ältere gelten als Erbauer der Anlage, die dem Ansehen dieser weit verbreiteten Familie entsprach. Diese standen zunächst den Wittelsbachern feindlich gegenüber, wurden aber, als sich ihre wirtschaftliche Situation verschlechterte, in den Dienst der Pfalzgrafen und Herzöge gezogen. Anfang des 13. Jahrhunderts ist in einer Freisinger Tradition der Ministeriale und Ritter Otto von Gosseltshausen genannt, wobei nicht sicher ist, ob er der zuvor genannten Familie angehört. Mit ihm stirbt der Letzte, der sich nach Gosseltshausen nennt. Vermutlich kommt Gosseltshausen an die Bluts- und Besitznachfolger die Rohrbecken. Ende des 13. Jahrhunderts (1291, 1292) taucht Gosseltshausen wieder in zwei Urkunden von Herzog Otto III., Stefan I. und Ludwig III. auf.

1378 wird ein Hans Leutenbeck als Besitzer von Gasseltshausen genannt. 1392 verkauft „Wilhalm der Lewtenbeck zu Lewtenbach“ um 240 ungarische Gulden „den Sedelsitz und Bau zu Gosseltshausen“ an Ulrich den Heiligenstätter. Danach kommen die Hornbecken von Horneck in den Besitz. Auf dem Erbweg kommt am 12. Dezember 1410 der Sitz zu „Gotzholtzhausen“ an Gabeyn der Trawner. Aufgrund einer nicht eingelösten Verpfändung gelangt Gasseltshausen 1421 an Andre dem Werder. Am 13. Oktober 1423 verkauften Andreas Werder, Bürger zu Freising, und seine Frau Anna ihr „Gut zu Gossolzhausen, den Sitz und den Turm“ um 275 ungarische Gulden an Simon den Perkhaymer. 1431 veräußerten Simon und Anna Perkhaymer ihre Gasseltshausener Güter an Vivianz Ahaimer zu Ratzenhofen. Von diesem gelangt der Besitz 1458 als freies Eigentum an seinen Sohn Heinrich Ahaimer. In der gleichen Urkunde weist Heinrich Ahaimer darauf hin, dass der Turm ein Gotteshaus ist, das sich dieses Recht „ersessen“ habe. 1463 verkaufen Heinrich Ahaimer, seine Schwestern Barbara und Elisabeth, beides Nonnen, und seine Mutter Anna Glärr das „Dorf Hohengasselzhausen, die ganze Hofmark, den Turm, Burgstall und alle zugehörigen Gülten“ an Wiguleus von Weichs, Pfleger zu Friedberg, der es 1468 zusammen mit der Hofmark Leitenbach an das Kloster Biburg verkauft.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche in Gasseltshausen gehört zu den frühesten Backsteinbauten in Altbayern. Für eine genaue zeitliche Einordnung fehlen allerdings eindeutige Belege. Die vereinzelte Verwendung von Schmuckziegeln in den Außenmauern lassen Vergleiche zu mit Backsteinbauten in der Lombardei, die in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet wurden.

Im Jahr 1657 fanden Reparaturen am Giebelgeschoss statt. 1760 wurde der Dachstuhl erneuert.

Der zweigeschossige, unverputzte Ziegelbau besteht aus einem quadratischen Turm mit Satteldach. An der Ostseite schließt sich die Apsis in Form einer segmentbogigen Ausbuchtung an, die bis zur Traufhöhe reicht.

Die Unterkapelle, deren Mauern bis zu 2,70 Meter stark sind, wird über einen kleinen Treppenvorbau betreten. Sie wird von einem Tonnengewölbe gedeckt und öffnet sich zu einer flachen, aus der Mauerstärke ausgesparten Apsis. Auf halber Höhe der Westwand führt ein Treppenschacht zur Oberkapelle.

An der Westwand der Oberkapelle ist noch ein früherer, jetzt zugemauerter Einstieg zu erkennen, vielleicht der Zugang von einer ehemaligen Burg. Die Mauerstärke der Oberkapelle beträgt nur noch 1,50 Meter. Die Flachdecke wurde in der Barockzeit eingezogen. In der Ostmauer sind neben der Apsis schmale Treppenschächte ausgespart, die zum Dachgeschoss führen, was als ein Hinweis auf ein zweites, profanes Obergeschoss, gewertet wird. Die Austrittsöffnungen neben der Apsis in der Oberkapelle sind zugemauert.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Altar der Unterkapelle besitzt zwei Flügelreliefs aus dem frühen 16. Jahrhundert. Auf dem linken Relief ist die Tötung der Unschuldigen Kinder dargestellt und auf dem rechten Relief der Erzengel Michael. Das um 1530 entstandene Gemälde der ursprünglichen Predella zeigt das von Engeln gehaltene Schweißtuch Christi. Das barocke Relief des Altarauszugs stellt Gottvater dar.
  • In einer Wandnische ist eine Holzfigur einer Madonna mit Kind untergebracht.
  • Der 41 cm lange Schlüssel in der Nische neben der Madonna stammt noch aus gotischer Zeit und gehörte vermutlich zur unteren Kirchentür.
  • Der kleine Barockaltar mit gedrehten Säulen in der Oberkapelle wird in das 17. Jahrhundert datiert. Die spätgotische Holzfigur der Madonna mit Kind in der Mitte des Altars ist eine Arbeit aus der Zeit um 1480/90.
  • Seitlich des Altars stehen auf Konsolen zwei lebensgroße Schnitzfiguren, links der heilige Sebastian aus der Zeit um 1640/50 und rechts der heilige Christophorus aus der Zeit um 1510/20.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Auer: Befestigungen und Burgen im Landkreis Kelheim vom Neolithikum bis zum Spätmittelalter. Verlag der Weltenburger Akademie Aventinum e.V., Abensberg 2008, S. 198–203.
  • Die Kunstdenkmale des Regierungsbezirkes Niederbayern. VII. Theil. Königliches Staatsministerium des Inneren (Hrsg.), Oldenbourg Verlag, München 1982 (Nachdruck).
  • Georg Dehio, Ernst Gall: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern II: Niederbayern. Deutscher Kunstverlag, München 1988, ISBN 3-422-03007-7.
  • Georg Dehio (bearbeitet von Michael Brix): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern II – Niederbayern. 2. durchgesehene und ergänzte Auflage, Deutscher Kunstverlag, München 2008, ISBN 978-3-422-03122-7, S. 153–155.
  • Der „Römerturm“ von Gasseltshausen bei Mainburg in der Hallertau. Faltblatt o. J.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Unsere Liebe Frau (Gasseltshausen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmalliste für Aiglsbach (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalnummer D-2-73-113-6

Koordinaten: 48° 40′ 6″ N, 11° 44′ 17″ O