Unterlaimbach (Scheinfeld)

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Unterlaimbach
Koordinaten: 49° 38′ 18″ N, 10° 29′ 11″ O
Höhe: 308 m ü. NN
Einwohner: 180 (2009)
Eingemeindung: 1. Januar 1976
Postleitzahl: 91443
Vorwahl: 09162
St. Veit (2012)
St. Veit (2012)

Unterlaimbach ist ein Ortsteil der Stadt Scheinfeld im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim in Mittelfranken, Bayern.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchdorf liegt drei Kilometer südlich von Scheinfeld im östlichen Tal des namensstiftenden Laimbaches auf einer Höhe von 308 m ü. NN. Naturräumlich befindet es sich im Steigerwald.

Das Bestimmungswort „Laim“ des Gewässernamens bedeutet „Lehm“. Die Bewohner nennen ihr Dorf umgangssprachlich „Lahbach“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermutlich bei Unter- oder Oberlaimbach, am Laimbach, befand sich 816 das Kloster „Megingaud(e)shausen“ (benannt nach dem Grafen Megingaud).[1] Megingaud aus dem Geschlecht der Mattonen übergab Benedikt von Aniane auf dem Reichstag von Paderborn im Jahr 815 seine Neugründung im Steigerwald, Kloster Megingaudshausen. Mit dem Generalabt vereinbarte man die Entsendung von Gründungspersonal und legte die Grundzüge der Stiftung fest. Abt Benedikt von Aniane entsandte daraufhin mehrere Mönche aus dem Musterkloster Kornelimünster nach Megingaudshausen.[2] Das Kloster bestand bis ungefähr 877 und wurde in diesem Jahr nach Münsterschwarzach am Main verlegt. Als sein erster Abt gilt Teutgarius.[3][4][5] Eine Veste am Leymbach (im heutigen Ort Oberlaimbach) wurde urkundlich erstmals im Jahre 912 erwähnt. Damals schenkte der König Konrad I. dem Abt des Klosters Schwarzach (heute Münsterschwarzach) mehrere Besitzungen, darunter auch Leymbach. Aus der danach entstandenen bäuerlichen Ansiedlung zu beiden Seiten des Laimbaches gingen später die Dörfer Oberlaimbach und Unterlaimbach hervor. Als die Veste im Laufe der Jahre immer baufälliger wurde, errichtete man ab 1357 ein weiteres Schloss in Unterlaimbach.

1364 war das Dorf einer Urkunde zufolge im Besitz der Herren von Seinsheim, im 16. Jahrhundert der Herren von Heßberge. Während des Bauernkrieges 1525 ließ Kasimir von Brandenburg-Kulmbach den Ort niederbrennen. 1528 schloss sich das Dorf der Reformation an. Ende des 16. Jahrhunderts saßen die Herren von Wenkheim auf Schloss Unterlaimbach, das 1602 an die Herren von Seckendorff verkauft wurde. 1644 kaufte es Graf (später Fürst) Schwarzenberg.[6]

Nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es im Ort nur noch neun Haushalte. Die Bevölkerung wuchs durch den Zuzug ehemaliger Soldaten und österreichischer Exulanten, die maßgeblich zum Wiederaufbau beitrugen.[7] Das baufällige Schloss, das sich seit 1666 im Besitz der Unterlaimbacher Familie Ruhl befand, wurde mit Ausnahme des Burgstall Unterlaimbachs 1782 abgerissen. 1806 kam die Gegend zu Bayern.

Das bayerische Urkataster zeigt Unterlaimbach in den 1810er Jahren mit 40 Herdstellen rund um die Kirche und ihren Gottesacker.[8] Bei einem Dorfbrand am 15. September 1840 wurden mehrere Gebäude zerstört, darunter auch die Kirche.

Durch Bombenabwürfe im Zweiten Weltkrieg entstanden nur geringe Sachschäden, jedoch wurden einige Bewohner getötet oder verletzt. Eine Zerstörung des Dorfes durch zurückweichende Wehrmachtseinheiten konnte 1945 durch zwei beherzte Bürger verhindert werden; Unterlaimbach wurde am 13. April 1945 kampflos von US-Truppen besetzt.

Die Zusammensetzung der Bevölkerung änderte sich durch den Zuzug von deutschen Flüchtlingen und Vertriebenen, vor allem aus dem Sudetenland.

Das Dorf kam in der Nachkriegszeit zum Landkreis Scheinfeld, nach dessen Auflösung (1972) wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde im Zuge der Gebietsreform in Bayern zum 1. Januar 1976 ein Ortsteil Scheinfelds, das seitdem zum Landkreis Neustadt an der AischBad Windsheim gehört.

Baudenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neun Baudenkmale sind in Unterlaimbach heute erhalten. Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Unterlaimbach

Kirche St. Veit

Unterlaimbach hatte schon früh eine Kapelle, die dem heiligen Vitus (Veit) geweiht und eine Filiale der Pfarrei Gutenstetten war. Im Jahre 1442 wurde unter dem Abt Jodokus von Münchsteinach (gest. 1452) die Kaplanei zur selbstständigen Pfarrei erhoben und dem Dekanat Schlüsselfeld zugeteilt. Als erster Pfarrer wird der bisherige Kaplan Nikolaus Sell genannt. Nach der Erhebung Unterlaimbachs zur Pfarrei erfolgte der Ausbau der Kapelle zur Pfarrkirche. Bei der Zerstörung des Ortes 1525 brannte auch die Kirche ab.

1528 wurde die Reformation eingeführt. Die Namen der ersten lutherischen Pfarrer sind nicht überliefert (erst ab der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts liegen Angaben zu den Geistlichen vor).

1634 wurde der Pfarrer in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges vertrieben, die Gottesdienste mussten daher jahrelang von Geistlichen aus Nachbargemeinden gehalten werden. Erst 1660 hatte Unterlaimbach wieder einen eigenen Pfarrer. Seit 1674 übten die katholischen Fürsten v. Schwarzenberg das Patronatsrecht aus, die Gemeinde blieb jedoch evangelisch.

1715 erfolgte der Neubau des baufälligen Turmes.[9]

Beim Brand von 1840 wurde St. Veit zerstört und 1847/48 im neo-romanischen Stil wieder aufgebaut. Die letzte Restaurierung erfolgte 1972. Heute gehört die Kirche zum Dekanat Markt Einersheim. Die Kirchengemeinde Unterlaimbach ist Teil der Pfarrei Oberlaimbach - Markt Bibart - Unterlaimbach – Ziegenbach.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1910: 181 Einwohner[10]
  • 1933: 190 Einwohner
  • 1939: 178 Einwohner[11]

Im Jahr 2009 hatte Unterlaimbach etwa 180 Einwohner.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Unterlaimbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich Klopp: Das verschollene Kloster Megingaudshausen im Ehegrund.
  2. Gabriel Vogt: Zur Frühgeschichte der Abtei Münsterschwarzach. S. 4–8.
  3. Ludwig Hartmann: Unterlaimbacher Geschichte und Geschichten. Ansichten und Einsichten eines alten Bauern in chronologischer Reihenfolge fein säuberlich aufgeschrieben. Hrsg. vom Gesangverein Liederkranz Unterlaimbach, 2015.
  4. Stadt Scheinfeld: Oberlaimbach.
  5. Theodor H. Scherg: Das Grafengeschlecht der Mattonen und seine religiösen Stiftungen in Franken, vornehmlich Megingaudshausen im Steigerwald und Schwarzach am Main. In: Maurus Kinter (Hrsg.): Studien und Mitteilungen aus dem Benediktiner- und dem Cistercienser-Orden. Mit besonderer Berücksichtigung der Ordensgeschichte und Statistik. Zur bleibenden Erinnerung an das Ordens-Jubiläum gegründet und herausgegeben. Band 30, Selbstverlag des Benediktiner- und Cistercienser-Ordens, 1909 (Druck: Raigerner päpstliche Benediktiner-Buchdruckerei in Brünn), S. 162–179.
  6. Max Bernhard Schwab: Geschichte der Stadt und Pfarrei Scheinfeld. Selbstverlag, Scheinfeld 1912
  7. Eberhard Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Neustadt an der Aisch. Nürnberg 2012 (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 27), passim. ISBN 978-3-929865-32-5
  8. Unterlaimbach auf BayernAtlas Klassik
  9. Gerhard Hojer: Ehemaliger Landkreis Scheinfeld. Deutscher Kunstverlag, München 1976, S. 357 ff.
  10. ulischubert.de
  11. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. bay_scheinfeld.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).