Uschlag

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Uschlag
Gemeinde Staufenberg
Wappen von Uschlag
Koordinaten: 51° 19′ 49″ N, 9° 37′ 6″ O
Höhe: 201 m
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 34355
Vorwahl: 05543
Uschlag (Niedersachsen)
Uschlag

Lage von Uschlag in Niedersachsen

Uschlag ist die zweitgrößte Ortschaft der Gemeinde Staufenberg im südniedersächsischen Landkreis Göttingen in Deutschland.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uschlag liegt rund sieben Kilometer Luftlinie östlich von Kassel an der Grenze zu Nordhessen in den Westausläufern des Kaufunger Waldes am Südrand des Naturpark Münden. Es befindet sich im Tal der Nieste, die das Dorf etwa in Ost-West-Richtung durchfließt bzw. es im Süden tangiert, und an den angrenzenden Südhängen ihrer in der Ortschaft bzw. Gemarkung einmündenden Zuflüsse: Dies sind von Osten nach Westen der Hopbach, der Ingelheimbach, der Wellebach und der Kitzebach. Südlich des Dorfes erhebt sich der größtenteils in Hessen liegende Mühlenberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste, allerdings umstrittene, Erwähnung von Uschlag fällt in die Zeit um 850. Man geht jedoch davon aus, dass der Ort noch um einiges älter ist. Damit ist Uschlag einer der ältesten Orte im so genannten Obergericht, der heutigen Gemeinde Staufenberg.

Der Name des Ortes Uschlag ist eine Stellenbezeichnung, deren Endsilbe wohl so viel wie Schlucht oder Tal bedeutet.

Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung von Uschlag stammt vom 4. Mai 1019. Mit der Schenkungsurkunde übergab Kaiser Heinrich II dem Kloster Kaufungen die Dörfer Oberkaufungen (Overencoufunga) mit dem ganzen Walde, Niederkaufungen (Nederencoufunga), Vollmarshausen (Volmareshusun) und Uschlag (Luslad). Weitere Erwähnungen nennen den Ort 1253 Uslat, 1357 Uschlacht sowie 1425 Ecclesia in Uschlacht.

Zu dem Zeitpunkt dieser Schenkung gehörte Uschlag zum Hessengau und zusammen mit der Grafschaft Hessen zu Thüringen. Im Jahre 1247 wurde der Raum Hann. Münden (das sogenannte Untergericht) und das Obergericht (die heutige Gemeinde Staufenberg) von den Braunschweiger Herzögen besetzt. Damit kam auch Uschlag zu Braunschweig (Hannover) und gehört so bis heute zu Niedersachsen. Im 13. und 14. Jahrhundert erscheint eine adlige Familie derer von Uschlacht, die unter anderem Güter bei Zierenberg und der Burgruine Malsburg besaßen. Belegt ist, dass ein Heinrich von Uschlacht 1295 den Zehnten zu Rohkotzen dem Kloster Hasungen schenkte, ebenfalls findet sich ein Thilo von Uschlacht, welcher 1359 in Zierenberg begütert war.[1] In Uschlag hatten zeitweise auch das Geschlecht derer von Berlepsch und das derer von Meysenbug Zehnteinkünfte und Grundbesitz inne.

Die vier in der Gemarkung und der Ortslage in die Nieste mündenden Wasserläufe und natürlich der Niestebach selbst sorgten dafür, dass sich in Uschlag fünf Mühlen drehten. Dies waren zwei Getreidemühlen, zwei Ölschlagmühlen und eine Sägemühle. Das gute Quellwasser wurde zum Bierbrauen verwendet, es gab ein Brauhaus und zwei Schnapsbrennereien.

1689 konnte Uschlag mit 419 Einwohnern aufwarten. Um 1700 gab es im Dorf 81 Familien, die ein Haus besaßen. Zur Zeit der Errichtung des Königreichs Westphalen wurde Uschlag 1807 in das Fuldadepartement eingeteilt, welches dem Distrikt Kassel untergeordnet war. Das lutherische Pfarrdorf beherbergte 435 Einwohner, die sich auf 96 Häuser verteilten.[2] Im Jahre 1821 waren es 572 Einwohner, 1939 lag die Einwohnerzahl über tausend.

Während die älteren Bewohner in der Zeit der Industrialisierung, also etwa um 1850, überwiegend mit der Leinenweberei ihren Lebensunterhalt verdienten, versuchten die jüngeren Leute als Industriearbeiter in den Betrieben der aufblühenden Großstadt Kassel ihr Glück. Die Umwandlung des Bauerndorfes mit wenigen Handwerksbetrieben zum heutigen gemischten Wohnort begann 1901, als die Landstraße nach Kassel gebaut wurde.

Im Jahr 1965 wurde die Gemeinde Dahlheim eingegliedert. Am 1. Februar 1971 kam Escherode hinzu. Am 1. Januar 1973 wurde Uschlag der neuen Gemeinde Staufenberg zugewiesen.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsratswahl 2011[4]
Wahlbeteiligung: 52,94 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
54,70 %
34,88 %
10,42 %

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsrat setzt sich aus elf Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011)

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uschlag ist von der Bundesautobahn 7 über die Anschlussstellen 77 (Kassel-Nord), von Südwesten kommend, bzw. 76 (Staufenberg-Lutterberg), von Norden kommend, zu erreichen. Der Ort liegt an der Straßenverbindung Kassel–Witzenhausen. Diese Landesstraße hat auf hessischer Seite die Bezeichnung L 3237 und in Niedersachsen heißt sie L 563 bzw. „Kasseler Straße“ in Uschlag. Im Ort zweigt die L 533 (Mündener Straße) in Richtung Benterode und, östlich von Uschlag an der Hopbach-Kreuzung, die Kreisstraße 212 in Richtung Escherode ab.

Die nächsten Bahnstationen sind der Bahnhof in Speele (Staufenberg) bzw. der Kassel-Hbf oder der ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu dem hohen Lebens- und Wohnwert des Ortes trägt auch eine gut ausgebaute Infrastruktur bei. So gibt es neben einer Arztpraxis auch eine Apotheke. Ein Lebensmittelmarkt sorgt zusammen mit zwei Bäckereien für eine gute Grundversorgung. Aber auch einige Handwerksbetriebe, Frisöre, Drogerie und zwei Bankfialen sind vorhanden. Für junge Familien dürfte interessant sein, dass es neben einem Kindergarten auch eine Grundschule mit Ganztagsangebot im Ort gibt. Durch die Neuausweisung eines Baugebietes stehen auch Bauplätze in Uschlag zur Verfügung.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lage des Dorfes, in Verbindung mit den vielen Freizeit- und Ausflugsmöglichkeiten der Region und der noch intakten Natur in den Bachtälern des Kaufunger Waldes, macht einen Aufenthalt für Wanderer, Radfahrer und andere Erholungssuchende interessant. Aber auch Kultur- und Kunstinteressierte kommen durch die Nähe der Documenta-Stadt Kassel, mit den Ausstellungen, Museen und Sehenswürdigkeiten, auf ihre Kosten. Eine Möglichkeit zum Übernachten gibt es im Gasthaus "Zur Krone" oder man bucht ein Zimmer in einer privaten Pension. Auch das Mieten einer Ferienwohnung ist möglich.

Als wahres Schmuckstück präsentiert sich die Johanniskirche mit ihrem sehr alten Turm, nach der Renovierung in den Jahren 1969–1970. 2010 wurde der Kirchturm des Uschläger-Schmuckstücks erneut renoviert und die alten Schieferplatten an die Teilnehmer der Besichtigungstour durch den renovierten Turm verschenkt. Die Kirche bildet, wie in vielen anderen Orten auch, einen zentralen Platz in Uschlag. Stolz können die Kirchgänger auch auf den alten, schlichten Taufstein von 1612 sein.

Einen weiteren Mittelpunkt stellt der so genannte Schniederplatz dar. Auf diesem Dorfplatz ist der Dorfbrunnen sehenswert, der aus einem alten Mühlenstein besteht und an die Zeit als Uschlag noch ein Mühlendorf war, erinnern soll. Unmittelbar bei dem Schniederplatz befindet sich das historische und renovierte Pfarrhaus mit der Pfarrscheune (heute eine Begegnungsstätte der Kirchengemeinde). Auch befindet sich im Ort der höchste Zunftbaum im südlichen Niedersachsen. Dieser trägt neben den Wappen der Gemeinde und des Ortes auch die Symbole und Zeichen des ortsansässigen Handwerks sowie der Vereine und Verbände der Dorfgemeinschaft.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Uschlag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Lotze: Geschichte der Stadt Münden nebst Umgegend. Eigenverlag, Hann. Münden 1878, S. 311.
  2. Friedrich Wilhelm Harseim, C. Schlüter: Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover. Hrsg.: Friedrich Wilhelm Harseim, C. Schlüter. Schlütersche Hofbuchdruckerei, Hannover 1848, S. 111.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 212 und 213.
  4. http://wahlen.kds.de/2011kw/Daten/152026_000041/index.html