Banff-Nationalpark

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Banff-Nationalpark
Ältester Nationalpark in Kanada, Mount Chephren und Waterfowl Lake (vom Icefields Parkway aus)
Ältester Nationalpark in Kanada, Mount Chephren und Waterfowl Lake (vom Icefields Parkway aus)
Banff-Nationalpark (Kanada)
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Koordinaten: 51° 10′ 0″ N, 115° 33′ 0″ W
Lage: Alberta, Kanada
Nächste Stadt: Banff (Alberta)
Fläche: 6641 km²
Gründung: 25. November 1885
Besucher: 4.059.503 (2016/2017)
Adresse: Banff National Park
Box 900
Banff, AB
Tel. (403) 762-1550
i2i3i6

Der in der kanadischen Provinz Alberta gelegene Banff-Nationalpark (englisch Banff National Park, französisch Parc national de Banff) wurde 1885 gegründet und war der erste Nationalpark Kanadas, der zweite in Nordamerika und weltweit der dritte ausgewiesene Park. Mit seinen 6641 km² Fläche gehört er zu den größeren Nationalparks in den kanadischen Rocky Mountains. Seinen Namen trägt der Park nach dem schottischen Banffshire, der Heimatregion zweier Geldgeber der Canadian Pacific Railway.

Der Nationalpark wurde 1984 von der UNESCO, zusammen mit dem Jasper-, dem Kootenay und dem Yoho-Nationalpark als Teil der Canadian Rocky Mountain Parks, zum Welterbe erklärt.[1][2] Bei dem Park handelt es sich um ein Schutzgebiet der IUCN-Kategorie II[3] (Nationalpark). Drei Skigebiete liegen dennoch innerhalb der Grenzen des Banff-Nationalparks.[4]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kanadischen Rocky Mountains wurden durch intensiven plattentektonischen Aktivität im Mesozoikum und Känozoikum gebildet. Wesentlich zur heutigen Ausformung haben drei größere Gebirgsbildungsphasen beigetragen, die über einen Zeitraum von rund 130 Millionen Jahren den Westen Nordamerikas formten. Die Laramische Gebirgsbildung war die letzte der drei Phasen und verantwortlich für die Heraushebung der Rocky Mountains (in der Größenordnung von rund 2000 Metern).

Besiedlung und Geschichte des Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologische Forschungen rund um die Vermilion Lakes datieren die frühesten menschlichen Aktivitäten in Banff auf den Zeitraum 8.300 v. Chr. Die First Nations der Stoneys, Kootenays, Tsuu T'ina, Kainai, Piegan und Siksika siedelten über Jahrhunderte in dem Gebiet. Sie jagten u. a. Bisons.

Die britische Royal Geographical Society finanzierte die sogenannte Palliser Expedition (offiziell British North American Exploring Expedition) zwischen 1857 und 1860, initiiert von John Palliser. Er reiste von der Red River Colony durch die Rocky Mountains kartierte bis dahin den Europäern unbekanntes Gebiet.[5]

Nachdem British Columbia am 20. Juli 1871 an Kanada abgetreten worden war, stimmte die Regierung dem Bau einer transkontinentalen Eisenbahnlinie zu. 1872 erhielt die von Hugh Allan gegründete Canada Pacific Railway Company (nicht mit der heutigen Gesellschaft identisch) den Zuschlag zum Bau der Strecke, der 1875 begann. Die Planungen um das lukrativen Infrastrukturprojekt waren geprägt von wirtschaftlichen Erwägungen und Bestechung. Das führte u. a. zum Rücktritt einer kanadischen Regierung und zum Pacific-Skandal.

In diesem Zeitraum forschte auch der Neuseeländischen Wissenschaftler James Hector im Auftrag der Royal Society of Edinburgh und der Royal Geographical Society in dem Gebiet der Rocky Mountains[6]. Hector beschrieb vier Pässe durch die kanadischen Rockies, wovon einer für den späteren Trassenbau der Bahnstrecke ausgewählt wurde.

Während des Baus der Canadian Pacific Railway, zeigten laut E. G. Luxton 1883 Mitglieder der First Nations drei Bahnarbeitern die heiße Quelle mit dem Bassin in einer Höhle. Die Arbeiter erkannten demnach die Bedeutung der Quellen, konnten sich aber nicht über eine mögliche Ausbeutung einigen.[7]1885 wies die kanadische Regierung zunächst ein relativ kleines Gebiet zum Schutzgebiet aus und verabschiedete am 23. Juni 1887 den Rocky Mountains Park Act.

Die Bahntrasse führt aufgrund des Parks über den südlicheren und steileren Kicking Horse Pass, während die kurz vor dem Ersten Weltkrieg fertiggestellte Strecke der Grand Trunk Pacific Railway über den einfacheren Yellowhead Pass nach Jasper führt.

Ab dem 1930er Jahren wurden Straßen durch das Gebiet des Nationalparks gebaut, zunächst der Icefields Parkway vom Banff nach Jasper. Der Highway führt bewusst an touristischen Attraktionen wie dem Columbia-Eisfeld und den Athabasca Falls vorbei. Als letztes wurde der Trans-Canada Highway durch den Park gebaut und 1965 fertiggestellt.

Mit der Stadt Banff und der Siedlung Lake Louise hat der Park rund 9000 ganzjährige und weitere etwa 1000 saisonale Bewohner.

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Park leben viele große Säugetierarten, zum Beispiel Elch, Wapiti, Dickhornschaf, Schneeziege, Schwarzbär, Grizzlybär, Luchs, Wolf und Kojote. Über 250 Vogelarten wurden bisher im Gebiet des Parks beobachtet.[8] Für viele Zugvögel sind vor allem die im Park befindlichen Vermilion Lakes als Rastplatz von großer Wichtigkeit. Der amerikanische Bison, der früher in den Tälern von Banff lebte, wurde durch Bejagung ausgerottet, das letzte Tier wurde 1858 getötet. Im Februar 2017 wurden Bisons aus dem Elk Island National Park im Banff-Nationalpark ausgewildert, im April 2017 wurden hier erstmals wieder Bison-Kälber geboren.[9]

Tourismus und Touristische Punkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Banff-Nationalpark ist der Park in Kanadas Rocky Mountains, in dem der Konflikt zwischen Naturschutz und Massentourismus am deutlichsten wird. Jährlich besuchen mehr als vier Millionen Menschen den Park.[10] Dabei konzentriert sich der Besucheranstrom auf wenige Punkte und auf die sommerliche Ferienzeit. Aufgrund des wachsenden Verkehrsaufkommens mussten bereits Über- und Unterführungen für Tiere gebaut und kilometerlange Zäune gezogen werden, denn neben zwei Eisenbahnlinien führt der Trans-Canada Highway durch Teile des Parks. Durch strenge Geschwindigkeitsbegrenzungen versucht man Kollisionen mit Wildtieren zu vermeiden.

Aber auch der Wintertourismus hat in dem Gebiet zugenommen, denn es wird zunehmend als Skigebiet erschlossen. Gerade zu dieser Zeit ist das Haupttal des Bow Rivers aber für viele Tiere wichtiger Rückzugsraum. Viele Tiere verlieren die Distanz zu menschlichen Siedlungen und sind u. a. in dem 6000-Einwohner-Städtchen Banff präsent. Der Straßenausbau hat den Distanzschutz, der das Gebiet weitgehend von menschlicher Nutzung ausgenommen hat, stark reduziert. Das Parkmanagement versucht wildtiergerechte Lösungen zu den finden, jedoch nimmt jährlich der touristische Nutzungsdruck zu.[11]

Absolute Betretungsverbote im Park sind selten und Besucher sind häufig schlecht informiert. Speziell das Bewusstsein für den Umgang und Schutz von Fauna und Flora abseits des „Großwilds“ ist schwach ausgeprägt. 1999 wurden erstmals Touristen zu hohen Geldbußen verurteilt, weil sie in warmen Quellen gebadet hatten. Damit hatten sie unwissentlich eine nur hier lebende, und zu dieser Zeit vielleicht noch 1500 bis 15.000 Exemplare umfassende Schneckenpopulation in Gefahr gebracht. Da sie in der Lage sind, sich extrem ungünstigen Bedingungen, vor allem Hitze und giftigen Substanzen anzupassen, befasst sich seit langer Zeit ein Forschungsprojekt mit Physella johnsoni, auch Banff Springs snail genannt. Sie war die erste Molluskenart, die auf der Liste der bedrohten Tierarten erschien (1997). Nach frühen Beobachtungen seit 1926 und jüngeren seit den 1990er Jahren bewohnte sie neun Orte, heute nur noch fünf, die in häufig von Touristen aufgesuchten Gebieten liegen.[12] Da auch andere Tier- und Pflanzenarten als gefährdet gelten, gerät die Parkverwaltung zunehmend in die Kritik, ebenso wie der Umgang mit dem Tourismus.

Moraine Lake im Tal der Zehn Gipfel
Blick auf den Sulphur Mountain (links)
Pilot Mountain und sein Spiegelbild im Pilot Pond
Der Lower Consolation Lake
Der Peyto Lake

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Banff-Nationalpark – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Canadian Rocky Mountain Parks. World Heritage Committee, abgerufen am 9. Mai 2016 (englisch).
  2. 1990 tagte das World Heritage Committee in Banff, vgl. Convention concerning the protection of the World Cultural and Natural Heritage.
  3. Banff-Nationalpark in der World Database on Protected Areas (englisch)
  4. Banff: der berühmteste Ort in den kanadischen Rockies. Abgerufen am 4. Juni 2018 (deutsch).
  5. Palliser Expedition | The Canadian Encyclopedia. Abgerufen am 25. November 2020.
  6. New Zealand Ministry for Culture and Heritage Te Manatu Taonga: Hector, James. Abgerufen am 25. November 2020 (englisch).
  7. Luxton, Eleanor G. (2008). Banff : Canada's first national park : a history and a memory of Rocky Mountain Park (2nd ed.). Banff, Alta.: Summerthought Pub. p. 60. ISBN 978-0-9782375-4-7
  8. Erläuterungen zur Tierwelt auf Parks canada, engl.
  9. BBC: Erstmals wieder Bison-Kälber geboren
  10. Government of Canada Parks Canada Agency: National Parks, Park Reserves, & Marine Conservation Areas - Parks Canada Attendance 2017-18. 4. Juni 2018, abgerufen am 1. Juli 2019.
  11. Vgl. Banff National Park of Canada. Park Management.
  12. Vgl. Bericht v. 1999 im Edmonton Journal
  13. Canada National Park High Points. Peakbagger.com, abgerufen am 28. August 2020 (englisch).