Versorgungsrücklage

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Der Begriff der Versorgungsrücklage wurde schon 1982 mit dem damals neu geschaffenen § 14a des Bundesbesoldungsgesetzes eingeführt. Sie soll die Zahlung der Versorgungsleistungen für pensionierte Beamte (Versorgungsempfänger) sicherstellen. Mit dem Separieren von Geldern in einem Sondervermögen[1] wollen Gebietskörperschaften für die absehbar zunehmenden Pensionslasten der öffentlichen Haushalte (auch „Pensionslawine“ genannt) vorsorgen. Die Pensionslasten nehmen aufgrund demographischer Veränderungen und des Anstiegs der Zahl der Versorgungsempfänger zu.

Allgemeines[Bearbeiten]

Nach bisherigem Verständnis sind Versorgungsleistungen für Beamte aus dem laufenden Haushalt des Staates zu zahlen. Dies ergibt sich aus dem Alimentationsprinzip, nach dem der Dienstherr verpflichtet ist, Beamten während des aktiven Dienstes, bei Krankheit und Invalidität sowie nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst aus Altersgründen einen der Bedeutung und dem sozialen Status seines Amtes entsprechenden angemessenen Lebensunterhalt zu gewährleisten.

Die Finanzierung der Pensionen der Beamten ist damit in einer dem Umlageverfahren der Gesetzlichen Rentenversicherung entsprechenden Weise geregelt: es gibt keine Rücklagen für später zu zahlende Pensionen. Auf die öffentlichen Haushalte kommen in den nächsten Jahrzehnten hohe Belastungen aus diesen Pensionsverpflichtungen zu:

  • die Beamtenpensionen an den einzelnen Pensionär werden immer länger zu zahlen sein, weil die Lebenserwartung der Menschen deutlich zugenommen hat und möglicherweise weiter zunehmen wird
  • der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter - und damit hauptsächliche Quelle des Steueraufkommens der öffentlichen Haushalte ist - wird sinken und
  • die absolute Zahl der Erwerbstätigen wird sinken.

Zur Steigerung der Pensionslasten trägt weiterhin bei, dass in der Reformeuphorie der 1960er und 1970er Jahre im öffentlichen Dienst viele zusätzliche Stellen geschaffen wurden. Die damals neu eingestellten Beamten werden ab etwa 2010 pensioniert; dies wird die öffentlichen Haushalte erheblich belasten. Zur Entlastung der öffentlichen Haushalte der kommenden Jahrzehnte haben Bund und Länder seit einigen Jahren mit dem Aufbau von Versorgungsrücklagen begonnen und (in unterschiedlichem Ausmaß) auch mit dem Aufbau von sogenannten Versorgungsfonds (siehe unten).

Nach § 14a des Bundesbesoldungsgesetzes werden beim Bund und den Ländern Versorgungsrücklagen als Sondervermögen aus der Verminderung der Besoldungs- und Versorgungsanpassungen gebildet. Hierzu wird das Besoldungs- und Versorgungsniveau der Beamten und Pensionäre in jährlichen Schritten von je 0,2 % abgesenkt, indem die gesetzlich beschlossenen Gehaltsanpassungen der Beamten und die daraus resultierenden Anpassungen der Pensionen in den Jahren zwischen 1999 und 2017 entsprechend vermindert werden. Die dadurch eingesparten Beträge sollen einem Sondervermögen zugeführt werden. Die Mittel dieser Sondervermögen dürfen laut Gesetz nur zur Finanzierung künftiger Versorgungsausgaben verwendet werden.

Mit dem Versorgungsänderungsgesetz 2001 wurde darüber hinausgehend der von Beamten mit jedem Dienstjahr erworbene Pensionsanspruch auf 1,79375 Prozent der ruhegehaltsfähigen Dienstbezüge verringert, gleichzeitig wurde die Höchstgrenze der Beamtenpensionen um 3,25 % (in Bezug auf die ursprünglichen Dienstbezüge - das bedeutet faktisch eine Kürzung der Pensionen um 4,33 %) abgesenkt und die Höhe der Witwenversorgung um 5 % verringert. Die sich hieraus ergebenden Einsparungen sollen zu 50 % den Versorgungsrücklagen zugeführt werden.

Bund und Länder können im Rahmen dieser generellen Vorschrift für ihren Bereich Einzelregelungen erlassen.

Versorgungsrücklage und Versorgungsfonds des Bundes[Bearbeiten]

Der Bund hat die entsprechenden Einzelregelungen im Versorgungsrücklagegesetz (VersRücklG) festgelegt. Das Gesetz trifft im 1998 verabschiedeten Abschnitt 1 Regelungen zum Sondervermögen „Versorgungsrücklage des Bundes“. Im später verabschiedeten Abschnitt 2 des Gesetzes werden Regelungen für das Sondervermögen „Versorgungsfonds des Bundes“ getroffen.

Die Versorgungsrücklage des Bundes wird durch das Bundesministerium des Innern verwaltet. Hierzu bedient sich das Innenministerium der Bundesbank (§ 5 VersRücklG). Die angesammelten Gelder einschließlich der Erträge sind in handelbaren Schuldverschreibungen des Bundes zu marktüblichen Bedingungen anzulegen. Die im Sondervermögen „Versorgungsrücklage des Bundes“ bis zum Jahr 2017 angesparten Mittel werden in den folgenden 15 Jahren zur schrittweisen Entlastung der öffentlichen Haushalte von Versorgungsaufwendungen eingesetzt (§ 7 VersRücklG).

Unabhängig vom Sondervermögen „Versorgungsrücklage des Bundes“ wurde im Abschnitt 2 des Gesetzes (der Bundestag hat den Abschnitt 2 am 9. November 2006 als Änderung zum „Gesetz über die Versorgungsrücklage des Bundes“ aus dem Jahre 1998 beschlossen) das Sondervermögen „Versorgungsfonds des Bundes“ eingerichtet. Dieses Sondervermögen dient der Finanzierung der Versorgungsausgaben für Beamte, Richter und Berufssoldaten, deren Dienst- oder Beschäftigungsverhältnis ab 2007 begründet worden ist. Die Mittel dieses Sondervermögens können im Rahmen eines passiven, indexorientierten Managements bis zu maximal 10 Prozent des Sondervermögens auch in Aktien angelegt werden. Dem Sondervermögen „Versorgungsfonds des Bundes“ werden aus den Haushalten der öffentlichen Arbeitgeber regelmäßig Beiträge überwiesen, die auf der Grundlage versicherungsmathematischer Berechnungen die späteren Pensionsansprüche abdecken sollen. Die Erträge aus dem Sondervermögen stärken den Vermögensbestand. Die Versorgung der ab 2007 eingestellten Bundesbeamten ist damit zumindest formal auf eine Art Kapitaldeckungsverfahren umgestellt, selbst wenn die Verpflichtung des Bundes zur Zahlung entsprechender Versorgungsleistungen nicht auf die Mittel der entsprechenden Fonds beschränkt ist und somit weiterhin Verpflichtungen zur Pensionszahlung in den allgemeinen Haushalt hineinreichen.

Hierzu erklärte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble:

Mit der Errichtung eines Versorgungsfonds wird die Finanzierung der Beamten- und Soldatenversorgung für Neueinstellungen auf vollständige Kapitaldeckung umgestellt. Mit den jetzt beschlossenen Rückstellungen für neu eingestellte Beamtinnen und Beamte werden die Versorgungskosten der Periode zugeordnet, in der die Versorgungsansprüche tatsächlich begründet werden. Dies schafft Transparenz und Vergleichbarkeit bei den Personalausgaben. Finanzielle Lasten werden nicht mehr den nachfolgenden Generationen aufgebürdet. [2]

Für die wirtschaftliche Bewertung ist aber vor allem maßgebend, ob die Bildung entsprechender Versorgungsrücklagen bei ansonsten ausgeglichenem Haushalt stattfindet – dann handelt es sich um echte Rücklagen und damit um nachhaltiges Haushalten – oder ob der Rücklagenbildung eine entsprechend höhere Verschuldung der öffentlichen Haushalte gegenübersteht. Im zweiten Fall ist mit der Rücklagenbildung keine wirkliche Entlastung zukünftiger Generationen verbunden. Gleichwohl wäre die Bildung entsprechender Rücklagen selbst bei gleichzeitig erhöhter Verschuldung ein Schritt in Richtung auf Offenlegung der zukünftigen Lasten hin. Unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten muss aber im Fall von Versorgungsrücklagen bei gleichzeitiger Verschuldung mindestens sichergestellt werden, dass die Kapitalanlage des Versorgungsfonds durchschnittlich mindestens eine Rendite erzielt, die den Kreditfinanzierungskosten des Bundes entspricht.

Eine andere Auswirkung der Neuregelung besteht darin, dass nunmehr auch die Pensionslasten haushaltsmäßig dem Ressort zugeordnet werden, dem das Personal zugeordnet ist. In der Vergangenheit wurden die Personalkosten zum Beispiel der Streitkräfte zwar im Verteidigungsetat verbucht. Die Kosten der Pensionen ehemaliger Soldaten wurden aber nicht aus dem Etat des Verteidigungsministeriums (Einzelplan 14) getragen, sondern wie die Versorgungsleistungen aller anderen ehemaliger Beamten und Richter des Bundes dem Einzelplan 33 (Versorgung) zugeordnet.[3]

Die Neuregelung wird dazu führen, dass auch Pensionslasten den jeweiligen Ressorts bzw. den Einzelplänen des Haushalts zugeordnet werden können.

Zum 31. Dezember 2012 betrug die Nettoposition (das Eigenkapital) des Versorgungsfonds des Bundes (Bundesanteil) rd. 737 Millionen €, die Nettoposition der Versorgungsrücklage des Bundes (Bundesanteil) rd. 6 Milliarden €.[4]

Versorgungsrücklagen der Länder[Bearbeiten]

Die einzelnen Bundesländer haben eigene Gesetze zur Regelung der Versorgungsrücklage geschaffen, die sich nur in Einzelpunkten – insbesondere in Bestimmungen zur Anlagepolitik – unterscheiden.

Baden-Württemberg[Bearbeiten]

Das Sondervermögen soll sicherheits- und ertragsorientiert angelegt werden. Dabei können bis zu 50 Prozent in Aktien angelegt werden.

Bayern[Bearbeiten]

Das Sondervermögen soll nach dem Kriterium der größtmöglicher Sicherheit und Rentabilität angelegt werden. Dabei können bis zu 30 Prozent in Aktien angelegt werden. Das Finanzministerium regelt das Nähere.

Ab dem 1. Januar 2008 fließt für jeden neu eingestellten Beamten pauschal 500 Euro pro Monat aus dem Staatshaushalt in den Fonds. Bis zum Jahr 2025 soll damit ein Kapitalstock von rund 5,7 Milliarden Euro aufgebaut werden.

Berlin[Bearbeiten]

Das Sondervermögen darf in Schuldverschreibungen des Bundes beziehungsweise der Länder oder vergleichbarer Schuldner angelegt werden. Bis zu 30 Prozent der Mittel dürfen auch in Aktien angelegt werden. Durchführung durch die Landeszentralbank Berlin-Brandenburg.

Brandenburg[Bearbeiten]

Anlage des Vermögens in Schuldverschreibungen des Bundes beziehungsweise der Länder oder vergleichbarer Papiere. Mit der Anlage ist die Landeszentralbank Berlin-Brandenburg betraut.

Bremen[Bearbeiten]

Das Sondervermögen muss in verbrieften Forderungen gemäß § 1807 BGB (Mündelgeld) zu marktüblichen Bedingungen angelegt werden. Verwaltung durch die Bremer Landesbank / Kreditanstalt Oldenburg - Bremen

Hamburg[Bearbeiten]

Der Finanzsenator regelt die Anlagerichtlinien, die Anlagepolitik muss aber den Richtlinien des Versicherungsaufsichtsgesetzes entsprechen. Im Jahr 2006 betrug das Volumen des Versorgungsfonds der Stadt Hamburg 139 Mio. Euro.[5]

Hessen[Bearbeiten]

Anlage der Mittel des Sondervermögens zu marktüblichen Bedingungen in Schuldscheindarlehen oder Wertpapieren des Bundes, des Landes Hessen oder anderer Bundesländer sowie in öffentlichen Pfandbriefen. Das Sondervermögen des Landes wird durch einen Beirat verwaltet, der aus fünf vom Hessischen Finanzministerium berufen Mitgliedern und je einem Vertreter des DGB, des DBB und des Richterbundes besteht.

Mecklenburg-Vorpommern[Bearbeiten]

Anlage des Fondsvermögens in handelbaren Schuldverschreibungen der Länder und des Bundes auf der Grundlage von Richtlinien, die das Finanzministerium des Landes erlässt.

Niedersachsen[Bearbeiten]

Anlage der Mittel des Sondervermögens in Schuldscheindarlehen oder in handelbaren Schuldverschreibungen der Länder und des Bundes und der Mitgliedsstaaten der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion.

Nordrhein-Westfalen[Bearbeiten]

Das Land hat - wie der Bund - im Jahr 1999 eine Versorgungsrücklage eingerichtet, die ab dem Jahr 2018 die Versorgungsausgaben schrittweise unterstützen soll. Zusätzlich besteht seit Januar 2006 der Versorgungsfonds des Landes, in welchem für jeden neu eingestellten Beamten und Richter 500 Euro je Monat zugeführt werden. Die Anlage der Sondervermögen erfolgt durch das Finanzministerium zu marktüblichen Konditionen u.a. in Schuldverschreibungen und Anleihen des Landes Nordrhein-Westfalen, anderer Bundesländer, des Bundes und der EU-Staaten.

Rheinland-Pfalz[Bearbeiten]

Eine für diesen Zweck gegründete Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Koblenz erwirbt mit den Mitteln des Sondervermögens Schuldverschreibungen des Landes Rheinland-Pfalz zu marktgerechten Konditionen, die das Land zum Nennwert zurückzunehmen hat. Rheinland-Pfalz ist das einzige Bundesland, das derartige versicherungsmathematisch berechneten monatlichen Versorgungsrücklagen (zwischen 27,7 und 38,8 % der Besoldung) für jeden neu eingestellten Beamten und Richter schon seit 1996 in den Pensionsfonds zahlt, um deren spätere Versorgung sicherzustellen. Im Jahr 2006 sind 182 Millionen Euro in den Fonds eingezahlt worden, insgesamt verfügte der Fonds zum 31. Dezember 2006 über ein Vermögen von 864 Millionen Euro.[6]

Saarland[Bearbeiten]

Verwaltung durch das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen in Schuldscheinen des Landes zu marktüblichen Bedingungen.

Sachsen[Bearbeiten]

Anlage der Mittel in Schuldverschreibungen oder Schuldscheindarlehen des Freistaates Sachsen, soweit in den Anlagerichtlinien nichts anderes festgelegt wird.

Sachsen-Anhalt[Bearbeiten]

Anlage in handelbaren Schuldverschreibungen der Länder und des Bundes zu marktüblichen Bedingungen.

Schleswig-Holstein[Bearbeiten]

Anlage der Mittel in handelbaren Schuldverschreibungen des Landes Schleswig-Holstein, anderer Bundesländer, des Bundes und Staaten der EU-Währungsunion.

Thüringen[Bearbeiten]

Das Sondervermögen wird unter der Bezeichnung „Thüringer Pensionsfonds“ durch das Finanzministerium in Erfurt mündelsicher (§ 1807 BGB) verwaltet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. wenn der Bundeshaushalt gleichzeitig Schulden aufnimmt kann man wohl nicht von „Sparen“ sprechen, denn Sparen bedeutet 'weniger ausgeben als man einnimmt'
  2. http://www.verwaltung-innovativ.de/sm_artikel_staat_modern,-1030205/Bundesregierung-beschliesst-Er.htm (Link nicht abrufbar)
  3. Bundeshaushalt 2006 - Einzelplan 33. Bundesfinanzministerium.de. 30. Juni 2006. Abgerufen am 6. Juli 2010.
  4. Vermögensrechnung des Bundes 2012, S. 54 f.
  5. Stadt & Staat - Stadt Hamburg (PDF) Fhh.hamburg.de. 2. Juli 2010. Abgerufen am 6. Juli 2010.
  6. Finanzministerium Rheinland-Pfalz: Verwaltung. Fm.rlp.de. Abgerufen am 6. Juli 2010.
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