Volkssolidarität

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Volkssolidarität
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Rechtsform gemeinnütziger eingetragener Verein
Gründung 17. Oktober 1945
Sitz Berlin, Deutschland
Personen

Wolfram Friedersdorff (Präsident), Heidi Knake-Werner (Vizepräsidentin), Frank-Michael Pietzsch (Vizepräsident)

Schwerpunkt Sozialpolitik, Wohlfahrt
Freiwillige 24.000
Angestellte 18.000
Mitglieder 200.000 (2014)
Website http://www.volkssolidaritaet.de/

Die Volkssolidarität (VS) ist eine im Oktober 1945 in Dresden gegründete Hilfsorganisation. Sie breitete sich in den nächsten Monaten in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands aus. Sie war eine Massenorganisation in der DDR und hatte eine wichtige Bedeutung bei der Betreuung älterer Menschen, auf die sie sich in den letzten Jahrzehnten der DDR beschränken musste.[1] Seit der deutschen Wiedervereinigung umfasst der Arbeitsbereich auch die Betreuung von chronisch Kranken, Pflegebedürftigen, sozial Benachteiligten sowie Kindern und Jugendlichen.

2006 lag der Gesamtumsatz etwa bei 500 Millionen Euro.[2]

Präsident der Volkssolidarität ist Wolfram Friedersdorff.

Die Volkssolidarität ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband, in dessen Vorstand sie durch den früheren Bundesgeschäftsführer Bernd Niederland vertreten wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Gründungstag der Volkssolidarität gilt der 17. Oktober 1945, an dem der Aufruf „Volkssolidarität gegen Wintersnot!“, gemeinsam verfasst von der SPD, KPD, CDU, LDPD sowie der evangelischen und der katholischen Kirche und des Landesausschusses des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes in Dresden - zunächst für Sachsen – unterzeichnet wurde, dessen Veröffentlichung in der „Sächsischen Volkszeitung“ am 19. Oktober 1945 erfolgte.[3][4][5]

Am 20. Mai 1946 wurde der „Zentralausschuss der Volkssolidarität“ für die sowjetische Besatzungszone gegründet, bestehend aus Vertretern der Parteien, verschiedener sozialer Ausschüsse, der Kirchen und staatlicher Stellen.[6] Die Volkssolidarität konzentrierte sich in dieser Zeit auf jene, die am schwersten unter den Folgen des Krieges zu leiden hatten. Das waren Kinder, Alte und Kranke, Vertriebene und heimkehrende Kriegsgefangene. Ab Anfang der 1950er Jahre wandelte sich der Charakter der Volkssolidarität. Ihre vorrangige, später ausschließliche Aufgabe wurde die Betreuung älterer Menschen. Ab 1956 wurde mit der Schaffung von Klubs zur sozial-kulturellen Betreuung Älterer begonnen. Der Historiker Ernst-Günter Lattka schreibt: „… erst ab Mitte der 1950er Jahre wandelte sich die ‚Gemeinschaft Volkssolidarität‘ zu einer Massen- und Mitgliedsorganisation.“[7]

Ab den frühen 1970er Jahren arbeitete die Volkssolidarität unter dem Motto „Tätigsein – Geselligkeit – Fürsorge“. Zu ihren Aufgaben gehörte das Organisieren von gesellschaftlich nützlichen Tätigkeiten wie beispielsweise der Instandhaltung von Wohnungen, der Nachbarschaftshilfe oder der Kinderbetreuung (so genannte Rentnerbrigaden). In Treffpunkten und Klubs förderte die Volkssolidarität das geistig-kulturelle Leben der Senioren. Diese Arbeit hatte jedoch auch „politisch-propagandistische Implikationen“:[8] Die Freundschaft zur Sowjetunion und die „Abneigung gegen den Imperialismus“ sollten gefördert werden.[8] Im Fürsorgebereich war vor allem die ambulanten Pflege hilfebedürftiger älterer Personen und deren Versorgung mit Mahlzeiten wichtig.

Der Verband übernahm von Anfang an Aufgaben im Bereich der Wohlfahrtsarbeit, vergleichbar mit der heutigen Wohlfahrtspflege. Nach 1990 wandelten sich zahlreiche Verbandsgliederungen in eingetragene Vereine um.

Tätigkeitsfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Volkssolidarität ist einer der großen Sozial- und Wohlfahrtsverbände in der Bundesrepublik und der größte in Ostdeutschland. Laut Verbandssatzung bekennt sich die Volkssolidarität „zu den humanistischen und demokratischen Grundwerten und tritt für soziale Gerechtigkeit ein“. Der Verband bezeichnet sich in der Satzung als „einheitlicher, demokratisch organisierter, gemeinnützig wirkender, parteipolitisch und konfessionell unabhängiger, selbstständiger Verein“.[9] Unter den Aktiven an der Basis sind Mitglieder aller großen Parteien zu finden. Im Bundesvorstand der Volkssolidarität sitzen Wolfram Friedersdorff, Heidi Knake-Werner und Frank-Michael Pietzsch.[1] Der vom 2002 bis 2014 amtierende Präsident Gunnar Winkler ist Ehrenpräsident.

Die Volkssolidarität versteht sich als Sozial- und Wohlfahrtsverband mit drei Säulen:

  • Mitgliederverband (z. B. Vereinsleben in den Orts-, Interessen- und Selbsthilfegruppen und Begegnungsstätten mit sozial-kulturellen Angeboten)
  • sozialer Dienstleister (Essen auf Rädern, Bildungs-, Betreuungs-, Beratungs- und Freizeitangebote)
  • sozial-politische Interessenvertretung.

Die Organisationsstruktur besteht aus Bundesverband, sechs Landesverbänden in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie aus derzeit 98 Kreis-, Stadt- und Regionalverbänden.[10] Die Landesverbände und ein Großteil der Kreis-, Stadt- und Regionalverbände sind als eingetragene Vereine rechtlich eigenständig.

Die Volkssolidarität hatte 2014 rund 200.000 Mitglieder[11] (2011 noch 244.000[12]) in mehr als 4300 Mitglieder- bzw. Ortsgruppen sowie 18.000 hauptamtliche und etwa 24.000 ehrenamtliche Mitarbeiter. Die Mitglieder sind vorrangig im Rentenalter, die Mitgliederzahl lag im Jahr 2000 noch bei etwa 450.000.[1] In den 571 Freizeit- und Begegnungsstätten sowie Begegnungszentren des Verbandes wurden 2009 laut Bundesverband der Volkssolidarität mehr als 114.000 Veranstaltungen mit rund 2,1 Millionen Besuchern durchgeführt. In 3210 Interessengruppen sind Mitglieder in Chören, Sport- und Wandergruppen sowie künstlerisch-kreativen Zirkeln tätig. Ehrenamtlich Aktive, zum Teil noch wie in der DDR-Zeit als Volkshelfer bezeichnet, organisieren die Aktivitäten des Mitgliederverbandes, informieren die Mitglieder über Verbandsangebote und Veranstaltungen, gratulieren zu Jubiläen, werben um Spenden und kassieren Beiträge. Sie veranlassen Hilfe in Notsituationen, organisieren oder leisten Nachbarschaftshilfe.

Es gibt sowohl Ortsgruppen (die traditionelle Organisationsform wie ein Verein) und Interessengruppen. Interessengruppen sind an der gemeinschaftlichen Interessengestaltung orientiert. Sie können auch Teil einer Ortsgruppe sein und treffen sich oft in Begegnungsstätten der Volkssolidarität. Unter Selbsthilfegruppen, einer dritten Form, sind Betroffene zu verstehen, die als Mitglieder der Volkssolidarität oder auch als eigenständige Gruppen unter dem Dach der Volkssolidarität arbeiten.

Die Volkssolidarität ist seit den 1990er Jahren auch im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit tätig. Der Verband ist Träger von 389 Kindertagesstätten mit mehr als 38.000 Plätzen. Hinzu kommen nach Verbandsangaben 14 Kinder- und Jugendheime sowie die offene Jugendarbeit, die in 49 Freizeit- und Erholungseinrichtungen realisiert wird. 2008 wurde das Freie Gymnasium Borsdorf in Trägerschaft des Kreisverbands Volkssolidarität Leipziger Land/Muldental e. V gegründet.[13]

Im Pflegebereich kann der Verband auf 153 ambulante Pflegedienste, 35 Einrichtungen der Tagespflege, 55 Pflegeheime, ein Altenheim sowie 15 Einrichtungen der Kurzzeitpflege für fast 37.000 Menschen verweisen. Laut Bundesverband werden derzeit in 276 Kontakt- und Beratungsstellen Angebote der Sozialberatung gemacht.

Im sozialpolitischen Bereich arbeitet die Volkssolidarität mit anderen Verbänden wie dem Sozialverband Deutschland (SoVD) und dem Sozialverband VdK Deutschland sowie mit Gewerkschaften zusammen. So wurde unter anderem 2008 gemeinsam mit dem SoVD die Aktion Sozialabbau stoppen. Sozialstaat stärken gestartet und dabei u. a. rund 220.000 Unterschriften gesammelt. Mit mehreren Verbänden gemeinsam wurden „Sozialgipfel“ in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Berlin organisiert. Der Verband ist im Bereich der sozialpolitischen Interessenvertretung aktiv und wird unter anderem auch vom Deutschen Bundestag zu Anhörungen eingeladen, wenn Gesetze vorbereitet und beraten werden. Das Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e. V. veröffentlichte 2006, 2008, 2010 und 2012 im Auftrag des Bundesverbandes der Volkssolidarität den Sozialreport – Daten und Fakten zur sozialen Lage in den neuen Bundesländern.[14] 2012 schloss sich die Volkssolidarität dem Bündnis Umfairteilen an.[15]

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Volkssolidarität – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Norbert F. Pötzl: Ein Kind der DDR. In: Der Spiegel. Nr. 27, 2000 (online).
  2. Armin Fuhrer: SEILSCHAFTEN: „Konsequent parteilich“. In: Focus Online. 20. August 2007, abgerufen am 29. November 2014.
  3. Gunnar Winkler: Zur Geschichte der Volkssolidarität 1945 bis 2010. Berlin 2010, S. 6.
  4. Ernst-Günter Lattka: Hurra, wir leben! 60 Jahre Volkssolidarität. Berlin 2005, S. 14f.
  5. Aufruf nachzulesen hier (online), abgerufen am 29. Juli 2015.
  6. Ernst-Günter Lattka: Hurra, wir leben! 60 Jahre Volkssolidarität. Berlin 2005, S. 17.
  7. Ernst-Günter Lattka: Hurra, wir leben! 60 Jahre Volkssolidarität. Berlin 2005, S. 63.
  8. a b Beatrix Bouvier: Die DDR – ein Sozialstaat? Sozialpolitik in der Ära Honecker. Dietz, Bonn, 2002, ISBN 3-8012-4129-7, S. 241/ S. 240.
  9. Volkssolidarität Bundesverband e. V.: Satzung, beschlossen von der Bundesdelegiertenversammlung am 14. November 2014 (online, abgerufen am 18. Oktober 2015)
  10. Volkssolidarität Bundesverband e. V.: Die Sozialbilanz der Volkssolidarität im Jahre 2008; veröffentlicht auf Pressekonferenz am 3. Juni 2009.
  11. volkssolidaritaet.de
  12. Kurzinformation über die Volkssolidarität 2011 (Memento vom 1. Dezember 2013 im Internet Archive)
  13. Webseite "Freies Gymnasium Borsdorf"
  14. Sozialreport nach Jahren. Webseite des SFZ Berlin-Brandenburg e. V., abgerufen am 13. Oktober 2015.
  15. Der Trägerkreis des Bündnisses. auf: umfairteilen.de, abgerufen am 11. März 2013.