Wettesingen

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Wettesingen
Gemeinde Breuna
Koordinaten: 51° 27′ 5″ N, 9° 10′ 57″ O
Höhe: 234 m ü. NHN
Fläche: 14,1 km²[1]
Einwohner: 1055 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 75 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 34479
Vorwahl: 05641
Adolf Erbslöh: Blick auf Wettesingen, Öl auf Karton, 1909
Ortsansicht in Wettesingen

Wettesingen ist der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde Breuna im Landkreis Kassel in Hessen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wettesingen (alter Name: Witisungen) liegt nördlich des Hauptorts Breuna im Naturpark Habichtswald im nordhessischen Bergland. Am nördlichen Ortsrand führt die Bundesstraße 7 am Ort vorbei. Die Landesstraße 3312 und der Holsterbach führen durch den Ort.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wettesingen zählt zu den ältesten Dörfern im Landkreis Kassel und wurde erstmals im Jahre 850 in den Fuldaer Traditionen des Codex Eberhardi erwähnt. Das Dorf gehörte im Mittelalter zur Freigrafschaft Donnersberg-Kugelsburg und damit zum Besitz der Grafen von Everstein. Von einer früheren Besiedlung des Gebietes um Wettesingen zeugen die im Gemeindewald aufgefundenen Grabhügel, welche in die Bronzezeit fallen. Insgesamt wurden auf einem Areal von 1,5 mal 1,5 km mehr als 30 Grabhügel gefunden, die sich hauptsächlich zu vier lockeren Gruppen von vier bis zehn Hügeln zusammenfassen lassen. Es kommen Steinhügel als auch Erdhügel vor, die teils verflacht und verschleift sind.[3]

Als Grenzdorf war Wettesingen lange Zeit den Streitigkeiten zwischen dem Hochstift Paderborn und den Landgrafen von Hessen ausgesetzt.

Der letzte männliche Spross der Rabe von Calenberg verkaufte im Jahre 1457 seine Hälfte des hessischen Lehens am Dorf an Heinrich V. von Gudenberg. Nach dem Erlöschen der Familie von Gudenberg im Jahre 1534 kam das Lehen von 1535 bis 1824 an die Herren von der Malsburg.

Die Kirche in Wettesingen stand zunächst unter dem Patronat der Grafen von Everstein, ab Mitte des 13. Jahrhunderts unter dem des Zisterzienser-Nonnenklosters Wormeln und in späterer Zeit der Herren Rabe von Calenberg. Im Jahre 1813 ging es auf das Kurfürstentum Hessen über.

1754 waren einvernehmlich zwischen dem Hochstift Paderborn und der Landgrafschaft Hessen-Kassel zur Markierung Steine gesetzt worden, die allerdings im Siebenjährigen Krieg zerstört wurden. Die Ersatzsteine tragen neben der neuen Jahreszahl 1778 auf der westfälischen Seite das Wappen (ein Kreuz) und die Buchstaben W.A.B.Z.P. (Wilhelm Anton Bischof zu Paderborn) und auf der anderen den hessischen Löwen und die Abkürzung F.L.Z.H für Friedrich Landgraf zu Hessen. In spätere Steine wurden KP (Königreich Preußen) und ein Adler sowie KH (Kurhessen) und wieder der Löwe eingemeißelt. Neuzeitliche Grenzsteine kamen im Jahr 2000 hinzu: Sie erinnern mit einer Plakette an die in jenem Jahr in großem Stil begangene 1150-Jahr-Feier Wettesingens.

Im Rahmen der hessischen Gebietsreform schlossen sich im Jahre 1972 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Breuna, Wettesingen, Oberlistingen und Niederlistingen zusammen; schon zuvor bildeten Breuna und der Ortsteil Rhöda eine Verwaltungsgemeinschaft.[4]

Bioenergiedorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit regionaler Biomasse aus Mais-, Rüben-, Ganzpflanzensilage und Festmist ist der Bioenergiedorf Wettesingen seit 2014 bundesweit das erste und einzige Dorf, das eine vollständige Strom- und Wärmeversorgung aus Erneuerbaren Energien erreicht hat.[5] Auf kommunaler Initiative zur Erweiterung der seit 2007 bestehenden Biogasanlage mit angeschlossenem Blockheizkraftwerk wurde anschließend 2010 die von Haushalten getragene Wettesinger Energiegenossenschaft gegründet. Getragen von der Genossenschaft wurden seitdem ein zweites BHKW mit 366 kW Leistung, drei Pelletkessel (insg. bis zu 1640 kW) für die Spitzenlast und zwei Pufferspeicher in Betrieb genommen und in ein 10 km langes Nahwärmenetz eingebunden. Mit Nahwärme und Einzelfeuerungsanlagen waren 2014 192 Haushalte und 4 öffentliche Gebäude versorgt.[5] 2017 wurde Gemeinde Breuna somit von der Agentur für Erneuerbare Energien als Energiekommune ausgezeichnet.[6]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ältestes Bauwerk ist die St.-Andreas-Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Der noch vorhandene Wehrturm ist der älteste Teil des Bauwerks. Im Innern der Kirche befinden sich im Gewölbe und an den Wänden des Chorraums spätgotische Malereien aus dem Jahr 1485, die nach der Reformation übertüncht und erst im Jahr 1934 bei Renovierungsarbeiten wieder freigelegt wurden. Erhalten geblieben ist der Taufstein aus dem Jahr 1600.[7]

Die katholische Herz-Jesu-Kirche entstand im Jahr 1952. Sie gehört zum Pastoralverbund St. Heimerad – Wolfhager Land.

Auch mehrere Fachwerkhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind erhalten geblieben.

Rittergut Wettesingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort befindet sich ein altes Rittergut mit seinem historischen Park. Vorläufer könnte ein bereits im frühen 14. Jahrhundert erwähnter Meierhof sein, ob das Rittergut aber wirklich auf den Hof zurückgeht, ist umstritten.[8] Bis 1813 war das Gut im Besitz derer von Calenberg, der Westheimer Linie und wurde 1826 an den Ökonomen Carl Wrisberg verkauft. Die heutigen Gebäude des Rittergutes wurden zwischen 1837 und 1851 errichtet. 1873 veräußerte die Familie Wrisberg das Gut an den Kaufmann Hugo Julius Schuchard, da der Schwiegersohn und Nachfolger Carls, Theodor Bang, 1871 im Deutsch-Französischen Krieg fiel. Hugo Julius Schuchard war auch Besitzer der nahegelegenen Burg Calenberg, die er nach seinem Tod seinen vier Kindern vermachte. Seine älteste Tochter, Elisabeth Schuchard, erbte zudem das Rittergut. Zwischen 1945 und 1947 vermachte Elisabeth das Gut an ihre Enkeltöchter Jutta und Brigitte von Wrisberg, die aus der Ehe von Elisabeths Tochter Hildegard mit dem Offizier Gerhard von Wrisberg hervorgingen. Die Familie von Wrisberg bewohnte das Rittergut bis zum Verkauf im Jahr 2020. Es wurde von dem Unternehmensberater Olaf Christian Bank erworben und ab Mitte 2020 bezogen.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wettesingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemarkungsflächen im Internetauftritt der Gemeinde Breuna, abgerufen im Februar 2016.
  2. Einwohner im Internetauftritt der Gemeinde Breuna, abgerufen im Februar 2016.
  3. F.-R. Hermann: Grabhügel im „Wettesinger Wald“ bei Breuna. Hrsg.: Nordwestdeutscher und West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung (= Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland. Band 7). Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0368-7, S. 152.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 411.
  5. a b Breuna OT Wettesingen. In: Wege zum Bioenergiedorf. Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, 31. Januar 2014, abgerufen am 7. August 2017.
  6. Breuna. In: Starke Kommunen mit Erneuerbaren Energien. Agentur für Erneuerbare Energien, Juli 2017, abgerufen am 7. August 2017.
  7. Website des Evangelischen Pfarramtes in Wettesingen mit Informationen zur Kirche
  8. Jacobus Pannekoek: Das Rittergut und seine Besitzer. In: Jacobus Pannekoek (Hrsg.): Wettesingen – ein Dorf und seine Geschichte. Breuna 1996 (291-295 S.).
  9.  Info: Bitte auf Vorlage:HessBib umstellen, um auch nach 2015 erfasste Literatur zu selektieren!