Wettkampf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ein Wettkampf, auch Wettbewerb (österreichisch: Bewerb) oder Wettstreit, ist ein Kampf um beste Leistungen, etwa um sportliche, dichterische, künstlerische, musische, handwerkliche oder andere kulturelle Leistungen. Latente Wettbewerbssituationen gibt es in vielen Situationen. Wettkämpfe im Sport treten medial besonders stark ins öffentliche Bewusstsein. Im kulturellen Bereich wird eher von Wettbewerben gesprochen. Hier gibt es ein regelrechtes Wettbewerbswesen. Herman Nohl meint, dass Wetteifer eine pädagogische Kategorie ist, die sich bei Kindern und Jugendlichen von frühester Jugend an manifestiert.[1][2]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der Kultur bzw. Kulturwirtschaft hat Wettbewerb in mehrfacher Hinsicht Bedeutung. Einerseits werden gezielt Ideen- und Realisierungwettbewerbe (z. B. Städtebau- Architektur- oder Kunstwettbewerbe) ausgelobt, um Aufträge zu vergeben oder um komplexe, meist öffentlich relevante, Problemstellungen zu lösen. Andererseits findet eine Auszeichnung für besondere Leistungen in Form von Preis-Verleihungen statt. Man spricht daher auch von einem Wettbewerbswesen im Kulturbereich.

Kulturpreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Kulturpreise werden nach einem Wettbewerb verliehen:

Andere Kontexte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wettbewerbe finden auch in trivialeren kulturellen Zusammenhängen statt, auf Kindergeburtstagen, als Preisausschreiben zu Werbezwecken oder auch in Form von groß inszenierten Veranstaltungen. In diesem Kontext zu nennen sind insbesondere Schönheitswettbewerbe, Malwettbewerbe, Vorlesewettbewerbe, Wettbewerbe im Bodybuilding, Gesangswettbewerbe, z. B. der Eurovision Song Contest.

In der Hip-Hop-Kultur spielt das Inszenieren von Wettbewerbssituationen eine sehr große Rolle, analog zum Sport werden Battles bzgl. Rap, bzgl. Graffiti, bzgl. Breakdance sowie DJ-Battles ausgetragen.

Scheinwettbewerbe zur Erlangung kostenloser Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Kosten für kreative Arbeitsleistungen zu sparen, werden mitunter „Wettbewerbe“ ausgeschrieben, an denen der Teilnehmer kostenlose Arbeitsleistung erbringen soll und der Empfänger sich daran bedienen kann. Die Preisgelder bewegen sich unter üblichen Honoraren, Aufwandsentschädigungen für Beteiligte gibt es keine. Man spricht auch vom spekulativem Arbeiten.

Sport als Wettkampfkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sport ist der Wettkampf ein wesentliches Element. Sport ist in seiner heutigen Ausprägung überwiegend eine Wettkampfkultur. Teilweise wird der Begriff Sport sogar als Synonym für Wettbewerb gebraucht.

Sport in seinem Verständnis als Streben nach dem Citius, altius, fortius ("schneller, höher, stärker") legte eine besondere Betonung auf das Leistungs- und Wettkampfprinzip. Für den Sport in seiner ursprünglichen Bedeutung war der spielerische und inszenierte Wettbewerb ein konstituierendes Element. Damit stand der Sport und damit der sportliche Wettkampf anfangs in Abgrenzung zu anderen Konzepten der Körper- und Bewegungskultur, wie dem Turnen und der Gymnastik, bzw. der heutigen Fitnessbewegung, bei denen es weniger stark um Wettbewerb ging (bzw. geht), bei denen stattdessen stärker das gemeinschaftliche Trainieren oder das Erleben des Körpers bzw. die Ertüchtigung der Leistungsfähigkeit oder der Spaßfaktor im Vordergrund stehen. Heute umfasst der Begriff Sport (in einer erweiterten Bedeutung) weithin alle Bereiche der Bewegungskultur, aber seit der Etablierung des Konzepts Sports im ausgehenden 19. Jahrhundert hat auch insgesamt das Wettbewerbsprinzip in der Bewegungskultur an Bedeutung gewonnen.

Bei einem Sportwettkampf treten mehrere Teilnehmer (bei Sportlern ihre Leistungen) gegeneinander an und messen sich miteinander, wobei ein Ergebnis ermittelt wird. Dies kann im direkten Vergleich oder aber bei einer größeren Menge von Teilnehmern durch einen Ausscheidungsmodus in Vorrunden geschehen. Der Sieger geht dann im Finale aus den Besten der Vorrunden hervor (siehe Turnierform).

Das Prinzip Sieg oder Niederlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während bis in die 1968er Jahre dem Wettkampfsport eine erzieherische Bedeutung zugeschrieben wurde, der Sportwissenschaftskongress von 1961 in Göttingen z. B. unter dem Leitbegriff Wetteifer positiv thematisiert wurde,[3] hat sich dies in der Folge verändert. Nach Klaus Cachay geht es im Wettkampfsport (immer) um das Prinzip Sieg oder Niederlage. Bereits der Zweite ist ein Verlierer. Er lehnt daher den Wettkampfsport aus pädagogischen Gründen ab, da auf diese Weise im Sport die Mehrheit der Sportler negative Erfahrungen mache.[4] Dem widersprach Arnd Krüger, indem er auf die vielfältigen Möglichkeiten verwies, wie man Training und Wettkampf so gestalten könne, dass sie für jeden eine pädagogisch positive Wirkung im Sinne Herman Nohls entfalten könnten.[5]

Pädagogik des Wettkampfes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Göttinger Dissertation hat Kyong-Won Kim zwischen drei Arten von pädagogischer Verstärkung durch Lob bzw.Tadel unterschieden.

  • (1) Lob für Sieg, Tadel für Niederlage.
  • (2) Lob für Anstrengung, Tadel für zu wenig Anstrengung.
  • (3) Mastery, Lob, für Entwicklungsfortschritt, Tadel für Stillstand.

Die ersten beiden Varianten seien der sicherste Weg einen Drop-Out zu bekommen. Wenn der Leistungsvorsprung durch Akzeleration (Biologie) aufgezehrt sei, würden so die Sieger von heute die Verlierer von morgen, die dann auf eine solche Entwicklung nicht vorbereitet seien. Das Loben von Anstrengung sei ebenfalls wenig hilfreich, da es ja nicht auf die Anstrengung ankäme, sondern auf Leistungsfortschritt, der durchaus auch leicht fallen könne. Der Vergleich mit sich selbst, Mastery, sei langfristig das Entscheidende.[6][7] So habe z. B. Steffi Graf auch nach ihren größten Siegen sich nicht über ihre Konkurrentinnen gestellt (Sieg/Niederlage), sondern immer darauf verwiesen, dass sie heute ihr „bestes Tennis“ gespielt habe (mastery).

Tierwettkämpfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wettkämpfe existieren auch mit Tieren als Teilnehmer. Hier geht es oft um die Schnelligkeit oder Kampfkraft. So gibt es beispielsweise Hunderennen, Pferderennen, Brieftauben-Wettflüge oder gar Hahnenkämpfe.

Das Rennen reiterloser Pferde ist heute nicht mehr üblich und wurde früher vor dem 18. Jahrhundert auch Korso genannt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herman Nohl: Der Wetteifer in der Schule. In: Die Erziehung: Monatsschrift für den Zusammenhang von Kultur und Erziehung in Wissenschaft und Leben. 4 (1928/29), S. 521–530.
  2. Hans Netzer (Bearb.): Der Wetteifer in der Erziehung. Beltz, Weinheim/Bergstr. 1960, OCLC 826848868.
  3. Spiel und Wetteifer: Beiträge von den Kongressen für Leibeserziehung 1958 in Osnabrück und 1961 in Göttingen / Hrsg.: Ausschuss Deutscher Leibeserzieher. Kongress für Leibeserziehung 1 1958 Osnabrück; Kongress für Leibeserziehung 2 1961 Göttingen. Hofmann, Schorndorf 1970, DNB 458187852.
  4. Klaus Cachay, Edwin Gahai: Brauchen Trainer Pädagogik? In: Leistungssport (Zeitschrift) 19(1989)5, S. 26–30.
  5. Arnd Krüger: Trainer brauchen Pädagogik! Leistungssport (Zeitschrift) 19(1989)5, S. 31–33. (online auf: iat.uni-leipzig.de)
  6. Kyung-Won Kim: Wettkampfpädagogik: Pädagogik des sportlichen Leistungshandelns im Kinder-Wettkampfsport. Tischler, Berlin 1995, ISBN 3-922654-39-8.
  7. Arnd Krüger, Kyong-Won Kim, Swantje Scharenberg: Wettkampf – Pädagogik – Kompetenz. Leistungssport (Zeitschrift) 26(1996)5, S. 11–14. (online in: iat.uni-leipzig.de)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Wettkampf – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen