Gewöhnliches Knäuelgras

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Gewöhnliches Knäuelgras
Gewöhnliches Knäuelgras (Dactylis glomerata)

Gewöhnliches Knäuelgras (Dactylis glomerata)

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Knäuelgräser (Dactylis)
Art: Gewöhnliches Knäuelgras
Wissenschaftlicher Name
Dactylis glomerata
L.

Das Gewöhnliche Knäuelgras (Dactylis glomerata), auch Wiesen-Knäuelgras oder Knaulgras, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Als wichtiges Weide- und Heugras besitzt es eine ökonomische Bedeutung für den Menschen.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration
Detailaufnahme des Blütenstandes
Blattansatz
Ährchen aus 8 Richtungen gesehen.
Aufgefächertes Ährchen mit Hüllspelzen (Glu) und vier in Deckspelzen (Lem) eingehüllte Blüten.

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gewöhnliche Knäuelgras ist eine graugrün gefärbte, kräftige, in Horsten wachsende, mehrjährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 120 Zentimetern erreicht. Seine Laubblätter sind 4 bis 10 Millimeter breit, wobei das oberste aufrecht absteht.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht meist von Mai bis Juli, kann aber auch ausnahmsweise - je nach den Umständen - bis Dezember dauern. Der rispige Blütenstand ist sowohl vor als auch nach der Anthese schmal, sonst häufig breit ausgefächert und formt einen dreieckigen Umriss. Er ist – im Gegensatz zum Wald-Knäuelgras – stark geknäuelt, mit einem weit abstehenden unteren Ast, der später zusammengezogen wird, und aufrechter Spitze. Die Ährchen sind drei- bis fünfblütig. Die Hüllspelze ist derb, nicht durchscheinend, grün, rötlich, selten violett gefärbt. Die untere Hüllspelze ist einnervig. Der Kiel der oberen Hüllspelze und der Deckspelze ist mit langen und kurzen steifen Haaren besetzt. Die Deckspelze ist auf ganzer Fläche meist mit langen Härchen besetzt und in einer deutlichen, an den unteren Blüten 1 bis 2 Millimeter langen Granne plötzlich verschmälert.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28, seltener 14.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man zählt das Gewöhnliche Knäuelgras zu den Hemikryptophyten.

Das Gewöhnliche Knäuelgras ist windblütig vom „Langstaubfädigen Typ“. Der Pollen verursacht häufig Heuschnupfen. Die Blüten sind selbststeril, selten auch pseudovivipar d. h. im Blütenstand bilden sich Brutknospen, die der vegetativen Vermehrung dienen.[2]

Der Ausbreitung dienen die von der Vorspelze und der bewimperten Deckspelze umgebenen Karyopsen (=Spelzfrüchte), die neben der Klettverbreitung auch der Schwimm- und Windausbreitung unterliegen. Außerdem findet eine Zufallsverbreitung über das Heu und das Weidefutter statt. Die Fruchtreife liegt zwischen August und Oktober. Die Pflanze ist ein Wintersteher und Lichtkeimer.[2]

Dactylis glomerata mit Sklerotien von Claviceps purpurea

Krankheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gewöhnliche Knäuelgras wird vom Mutterkornpilz befallen.[3]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gewöhnliche Knäuelgras ist in den gemäßigten Zonen Eurasiens bis zum Mittelmeerraum und auch in Makaronesien weitverbreitet. In vielen anderen Ländern, in Amerika, Australien und Neuseeland ist es ein Neophyt.[4] Es kommt auch in ganz Deutschland vor; vor allem ist es auf Wiesen, an Wegrändern, Ruderalstellen, an Waldrändern und auf Waldschlägen zu finden. Es kommt vor allem in Gesellschaften der Ordnung Arrhenatheretalia, aber auch in denen der Verbände Mesobromion, Alno-Ulmion, der Ordnung Atropetalia und der Klasse Artemisietea vor.[1] In den Allgäuer Alpen steigt es in Vorarlberg am Üntscheller bis zu 2000 Metern Meereshöhe auf.[5]

Das Gewöhnliche Knäuelgras gedeiht am besten auf frischen, nährstoffreiche Böden. Es ist ein Stickstoffzeiger. Bei Überdüngung ist sie Konkurrent vieler krautiger Pflanzen und trägt damit zur „Vergrünung“ der Nutzwiesen bei.[2] Durch regelmäßige frühe Silage- oder Heunutzung wird das Knäuelgras andererseits zurückgedrängt, wobei „Unkräuter“ und besonders Ampfer zunehmen.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Dactylis glomerata erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum.[6] Nach R. Govaerts wird die Art Dactylis glomerata L. in 19 Unterarten aufgeteilt[4]:

  • Dactylis glomerata subsp. glomerata: Sie kommt vom Mittelmeerraum bis in die gemäßigten Zonen Eurasiens und in Makaronesien vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. hackelii (Asch. & Graebn.) Cif. & Giacom.: Sie kommt im Mittelmeerraum und auf Madeira vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. hispanica (Roth) Nyman (Syn.: Dactylis hispanica Roth): Sie kommt vom Mittelmeerraum bis Afghanistan und auf Madeira vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. hyrcana Tzvelev: Sie kommt im östlichen Transkaukasien vor.[4]
  • Dactylis glomerata nothosubsp. intercedens (Domin) Acedo (Syn.: Dactylis × intercedens Domin) = Dactylis glomerata subsp. glomerata × Dactylis glomerata subsp. lobata: Sie kommt in Deutschland und in Tschechien vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. izcoi S.Ortiz & Rodr.Oubiña: Sie kommt in Portugal und Spanien vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. judaica Stebbins & D.Zohary: Sie kommt in Israel vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. juncinella (Bory) Stebbins & D.Zohary (Syn.: Dactylis juncinella Bory): Sie kommt in der Sierra Nevada im südlichen Spanien und in Marokko vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. lobata (Drejer) H.Lindb. (Syn.: Dactylis polygama Horv., Dactylis glomerata subsp. aschersoniana (Graebn.) Thell., Dactylis glomerata subsp. polygama (Horv.) Domin, Dactylis glomerata var. lobata Drejer, Dactylis lobata (Drejer) Ostenf.): Sie kommt von Westeuropa und Mitteleuropa bis zum Kaukasus vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. lusitanica Stebbins & D.Zohary: Sie kommt im nordwestlichen Spanien und im zentralen Portugal vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. mairei Stebbins & D.Zohary: Sie kommt im nordöstlichen Algerien vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. merinoana (Horjales, Laso & Redondo) H.Scholz: Sie kommt in Portugal und in Spanien vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. nestorii Rosselló & L.Sáez: Sie kommt auf Ibiza und auf Formentera vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. oceanica G.Guignard: Sie kommt im westlichen und nordwestlichen Frankreich vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. reichenbachii (Dalla Torre & Sarnth.) Stebbins & D.Zohary: Sie kommt in den Alpen von Frankreich, Italien und Österreich vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. rigida (Boiss. & Heldr.) Hayek (Syn.:Dactylis rigida Boiss. & Heldr.): Sie ist auf Kreta endemisch. Sie wächst in Igelpolsterheide in Höhenlagen von 1400 bis 2400 Meter. Die Halme sind dick, kurz und sehr steif. Die Rispe ist zylindrisch, länglich-schmal und ährenförmig. Das Knäuel weist 1 bis 3 Ähren auf, welche 5 bis 7 Millimeter lang sind. Die Hüllspelzen sind kahl, stumpf und sehr stachelspitzig.[7]
  • Dactylis glomerata subsp. santai Stebbins & D.Zohary: Sie kommt im nördlichen Algerien, in Tunesien und vielleicht auch in Marokko vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. slovenica (Domin) Domin in K.Domin & J.Podpera (Syn.: Dactylis slovenica Domin): Sie kommt in den Alpen, in den Karpaten und auf der nördlichen Balkanhalbinsel vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. stebbinsii (Horjales, Laso & Redondo) H.Scholz: Sie kommt im südlichen Spanien vor.[4]
  • Dactylis glomerata subsp. woronowii (Ovcz.) Stebbins & D.Zohary (Syn.: Dactylis woronowii Ovcz.): Sie kommt im Kaukasus vor.[4]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Heu aus den Halmen hat nur einen bedingten futterbaulichen Wert. Wertvoll sind jedoch die blattreichen Auswüchse. Da das Knäuelgras stark Horste bildet, entsteht eine lückenhafte Pflanzendecke, die in Weiden wenig geschätzt wird.[8]

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Gewöhnliche Knäuelgras bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Chnopfhalm (St. Gallen), Gaislagräs (St. Gallen, Tirol, Bern), Hundsgrab (Tirol, Bern), Katzengras (Bern), Knäuelgras (Bern), Knaulgras (Schlesien), Schlegelhalm (Graubünden), Schliessgras (St. Gallen), Schmärhalm (St. Gallen), Stockgras (Tirol), Stocklas (Tirol bei Lienz), Stübergräs (St. Gallen bei Obertoggenburg) und Zötteligras (Bern).[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 226.
  2. a b c Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1, S. 267.
  3. Robert Stäger: Infectionsversuche mit Gramineen-bewohnenden Claviceps-Arten. In: Botanische Zeitung. Band 61, Nr. 6–7, 1903, S. 111–158, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fitem%2F104546%23page%2F125%2Fmode%2F1up~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D.
  4. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u Rafaël Govaerts (Hrsg.): Dactylis - Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 8. November 2016.
  5. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, Seite 178. IHW-Verlag, Eching bei München, 2001. ISBN 3-930167-50-6
  6. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 71, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D1%26issue%3D%26spage%3D71%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D.
  7. Ralf Jahn, Peter Schönfelder: Exkursionsflora für Kreta. Mit Beiträgen von Alfred Mayer und Martin Scheuerer. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1995, ISBN 3-8001-3478-0, S. 382.
  8. Walter Dietl, Manuel Jorquera: Wiesen- und Alpenpflanzen. Erkennen an den Blättern - Freuen an den Blüten. 3. Auflage. Österreichischer Agrarverlag, Wien 2007, ISBN 978-3-7040-2234-9, S. 416.
  9. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 127 f.(online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gewöhnliches Knäuelgras – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien