Wiesensalbei

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Wiesensalbei
Wiesensalbei (Salvia pratensis)

Wiesensalbei (Salvia pratensis)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Nepetoideae
Gattung: Salbei (Salvia)
Art: Wiesensalbei
Wissenschaftlicher Name
Salvia pratensis
L.
Ackerhummel an einer Blüte des Wiesensalbei
Fruchtstand: die Frucht besteht aus vier einsamigen, dunkelbraunen Teilfrüchten
Wiese mit Wiesensalbei

Der Wiesensalbei (Salvia pratensis) ist eine wild wachsende Salbeiart und gehört zu den Lippenblütlern.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pflanze wird bis zu 60 cm groß und hat hell- bis mittelblaue Blüten. Die aufrechten Stängel sind vierkantig und haben grundständige Blätter. Die Blütezeit reicht von Ende Mai bis in den August hinein. Eine Salbeipflanze kann mehrere Jahre alt werden.

Die Bestäubung erfolgt hauptsächlich durch Hummeln über den typischen Salbei-Mechanismus: Die Hummel steckt ihren Rüssel in die Blüte und durch eine Öse am unteren Hebelarm [1], um Nektar zu sammeln, dabei löst sie den Hebelmechanismus (auch Schlagbaummechanismus genannt) aus, der den Blütenstaub am haarigen Körper der Hummel abstreift. Der Pollen wird dann von der Hummel zu anderen Blüten weiter getragen.

Die Art besitzt die Chromosomenzahl 2n = 18.[2]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wiesensalbei ist eine ausdauernde Halbrosettenpflanze und eine Lichtpflanze, die bei weniger als 20 % des normalen Lichtgenusses steril bleibt. Runzelblätter und ätherische Öle wirken transpirationshemmend. Die Pfahlwurzel reicht bis 1 m Tiefe.

Die Blüten sind vormännliche „Eigentliche Lippenblumen“. Die Unterlippe dient als Sitz für die Bestäuber, die helmförmige Oberlippe verbirgt die 2 Staubblätter und den Griffel. Durch starkes Wachstum des Konnektivs, also des Staubbeutelzwischenstücks, sind die Staubbeutelhälften weit auseinandergerückt. Eines der beiden Konnektive ist zur „Platte“ umgewandelt und wirkt als Hebel. Wenn Insekten auf die den Schlund versperrende Platte drücken, wird der Hebelmechanismus ausgelöst, und der verlängerte Staubbeutelarm schlägt auf den Rücken des Insekts, wodurch der Pollen übertragen wird. Neben den zwittrigen kommen auch kleinere weibliche Blüten vor. Der Nektar ist nur langrüsseligen Insekten zugänglich; der Hebelmechanismus kann nur von Hummeln, seltener von anderen Bienen, betätigt werden. Durch die Bestäuber kann der Hebelmechanismus auch wiederholt ausgelöst werden. Es wird dabei aber jeweils nur eine Teilmenge des Pollens abgegeben; es ist eine Portionierung von ca. 12 Pollenportionen möglich. Neben der Bestäubung durch Insekten ist auch die Selbstbestäubung bedeutsam. Die Blütezeit reicht von Ende Mai bis in den August hinein.

Die Früchte sind Spaltfrüchte, die in 4 Klausen zerfallen. Sie wirken als Tier- und Windstreuer dazu auch als Klebhafter und Regenballist wegen der waagerecht abstehenden Kelche. Fruchtreife ist von Juli bis August.

Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wiesensalbei liebt kalkhaltige, nährstoffreiche Böden in trockener, sonniger Lage und ist in weiten Teilen Europas meist bis in 1.600 m Höhe verbreitet. In den Allgäuer Alpen steigt sie in Bayern zwischen Schlappoltsee und Schlappoltalpe bis zu 1710 m Meereshöhe auf.[3] In der nordöstlichen USA ist er eingebürgert.

Allgemeine Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wiesensalbei kommt in Europa, in Kleinasien (selten), im Kaukasus und eingeschleppt in Nordamerika vor. Sie ist in Mitteleuropa eine Festuco-Brometea-Klassencharakterart.[2]

Seine ursprüngliche Heimat in Europa ist das Mittelmeergebiet, mittlerweile reicht das geschlossene Verbreitungsgebiet in Europa bis ca. 50° nördlicher Breite, weiter nördlich gibt es zumeist nur vereinzelte und unbeständige Vorkommen bis Mittelschweden.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man kann folgende Unterarten unterscheiden[4]  :

  • Salvia pratensis subsp. bertolonii (Vis.) Soó: Sie kommt von Italien bis zur nordwestlichen Balkanhalbinsel vor.[4]
  • Salvia pratensis subsp. haematodes (L.) Arcang.: Sie kommt in Italien und auf Kreta vor.[4]
  • Salvia pratensis subsp. laciniosa (Jord.) Briq.: Sie kommt in Frankreich vor.[4]
  • Salvia pratensis subsp. pozegensis (Watzl) Diklic: Sie kommt auf der nordwestlichen Balkanhalbinsel vor.[4]
  • Salvia pratensis subsp. pratensis.

Die Hybride mit dem Hain-Salbei (Salvia nemorosa L.) ist Salvia ×sylvestris L. = Salvia nemorosa × Salvia pratensis. Ihr Verbreitungsgebiet ist Europa.[5]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man kann junge Wiesensalbei-Blätter, ähnlich wie die des Küchensalbeis, als Gewürz verwenden, beispielsweise zu Fischgerichten. Die Wirkung ist jedoch weit weniger intensiv als beim Küchensalbei.

Quellen und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. M. Reith, G. Baumann, R. Claßen-Bockhoff, T. Speck: New insights into the functional morphology of the lever mechanism of Salvia pratensis (Lamiaceae) Annals of Botany 2007 100(2):393-400
  2. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. Seite 809. ISBN 3-8001-3131-5
  3. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2. IHW-Verlag, Eching bei München, 2004. ISBN 3-930167-61-1
  4. a b c d e Rafaël Govaerts (Hrsg.): Salvia pratensis - Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 21. Februar 2016.
  5. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Salvia × sylvestris - Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 22. Februar 2016.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aichele, D./ Golte-Bechtle, M.: Was blüht denn da?, 54. Auflage 1991 Kosmos Verlag
  • Encke/Buchheim/Seybold: Zander, Handwörterbuch der Pflanzennamen, 15. Auflage, ISBN 3-8001-5072-7
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder, 7. Auflage, Quelle & Meyer-Verlag, 2011, ISBN 978-3-494-01424-1
  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 5: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Asteridae): Buddlejaceae bis Caprifoliaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-3342-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wiesensalbei – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien