Wilhelm Bitter

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Wilhelm Bitter (* 13. Dezember 1886 in Köln; † 9. Juni 1964 in Ittenbach) war ein deutscher Verleger und Politiker (Zentrumspartei, CDU).

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bitter war Verleger von Beruf. Im Oktober 1922 wurde er Vorstandsvorsitzender der damaligen Vestischen Druckerei - und Verlags AG mit Sitz in Recklinghausen. Er sanierte den damals danieder liegenden Betrieb, in dem u.a. auch die der Deutschen Zentrumspartei nahestehende Recklinghäuser Volkszeitung verlegt wurde und baute eine Reihe von weiteren Lokalausgaben für den Landkreis Recklinghausen auf.

Im März 1934 wurde Bitter als erster Verleger in Deutschland von der Gestapo in Recklinghausen verhaftet und in „Schutzhaft“ genommen. Die damals existierende Lokalzeitung musste 1935 an die NS-Zeitung National Zeitung in Essen verkauft werden. Bitter wurde während der NS-Herrschaft noch mehrere Male verhaftet. Nachdem er wegen seiner regimefeindlichen Einstellung aus der Reichspressekammer und der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen worden war, gelang es ihm 1938 in Leipzig, beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Gründung eines neuen Verlages zu erreichen, des „Paulus Verlag K.Bitter KG“. Als Untertitel musste er den Zusatz führen: „Verlag für katholisches Schrifttum“. Als Komplementärin fungierte seine Ehefrau Katharina Bitter, deshalb „K.Bitter KG“, da Bitter den Machthabern selbst als politisch zu belastet galt.

Der Verlag verlegt in der Zeit bis ca. 1941 die Literatur des katholischen Jugendhauses in Düsseldorf. Zu den Autoren gehörten u.a. der bekannte Kirchenlied-Dichter Georg Thurmair. Nach dem Krieg entfaltete dieser Verlag eine rege verlegerische Tätigkeit in den Bereichen Katholische Theologie, Belletristik, Zeitgeschichte und insbesondere im Bereich Kinder- und Jugendbuch. In den 50er Jahren prägte u.a Friedrich Wilhelm Foerster das Verlagsbild. Im offiziellen Auftrag des Vatikans verlegte Bitter das "Rotbuch der verfolgten Kirche", für das er von Papst Pius XII durch eine Spezialaudienz geehrt wurde.

In den 60er Jahren gehörte u. a. die Gruppe 61 zu den verlegten Autoren. U.a. Günter Wallraff und Max von der Grün („Irrlicht und Feuer“) verlegten ihre Frühwerke beim damaligen Paulus Verlag. 1944 wurde er zwei Mal inhaftiert. Zuerst, weil er den Hirtenbrief des Bischofs Galen als Sonderdruck verbreitet hatte und dann auch noch im Zuge der Aktion Gewitter.[1] Bitter betätigte sich weiterhin nach 1945 als Zeitungsverleger und bekam im Frühjahr 1945 als einer der ersten Verleger in der britischen Zone überhaupt eine Lizenz für eine Tageszeitung sowie eine Lizenz für die Bistumszeitung Kirche und Leben im Bistum Münster. Mit der Verlegung betraute ihn der damalige Bischof von Münster Clemens August Graf von Galen. Ab 1952 verlegte Bitter im Paulus Verlag die katholische Wochenzeitung Echo Der Zeit, die in den 60er Jahren zeitweise die am meisten zitierte Deutsche Wochenzeitung war, wie aus Unterlagen des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung hervorging.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bitter, der schon um die Jahrhundertwende Mitglied im Windhorst Bund in Köln wurde (Jugendorganisation der Zentrumspartei), war zeitweise Zentrumssekretär in Elsaß-Lothringen. Er wurde 1912 Sekretär der Zentrumspartei in Recklinghausen. Während des bolschewistischen Aufstandes an der Ruhr 1920 hatte er eine hervorgehobene Stellung bei der Niederschlagung des Aufstandes und reiste nach Berlin zur Reichsregierung, um die Reichsregierung über die Zustände an der Ruhr zu informieren. Von 1919 bis 1923 war er Stadtverordneter in Recklinghausen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er Mitbegründer der CDU in Recklinghausen und von 1946 bis 1948 Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Recklinghausen. Außerdem war er 1947 Gründer der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU in Nordrhein-Westfalen und von 1948 bis 1964 Vorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU und CSU Deutschlands. 1948/49 gründete Bitter den "Kommunal Verlag", der bis heute als Trägerverlag der "Kommunalpolitischen Blätter" fungiert. Bitters Sohn, Dr. Georg Bitter senior, war von 1950 bis 1988 Geschäftsführer dieses Unternehmens, das auch neben der Zeitschrift auch kommunale Fachliteratur verlegte.

Bitter war von 1919 bis 1923 Stadtverordneter in Recklinghausen und von 1921 bis 1925 Mitglied des Provinziallandtags von Westfalen. Von 1946 bis 1952 sowie von 1956 bis 1961 war er Ratsmitglied der Stadt Recklinghausen. Dem nordrhein-westfälischen Landtag gehörte er 1946/1947 an.[2]

Öffentliche Ämter und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bitter stand auf einer Liste der Alliierten für die Zeit nach dem Krieg, da er politisch unbelastet war und ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus war. Er wurde nach dem Einmarsch der Alliierten in Recklinghausen zum Ehrenamtlichen Stadtrat ernannt. Bitter amtierte von 1946 bis 1948 als Oberbürgermeister der Stadt Recklinghausen. Außerdem war Bitter von 1946 bis 1951 und von 1956 bis 1961 Stadtverordneter in Recklinghausen, von 1946 bis 1950 Mitglied des Landtages in NRW, Bitter war zeitweise Präsidiumsmitglied des Städtetages NRW und gehörte der Landschaftsversammlung Westfalen an. Bitter war Ehrenvorsitzender der KPV NRW, Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse und des Großen Bundesverdienstkreuzes, er war Inhaber der päpstlichen Auszeichnung „Pro Ecclesia et Pontifice“ und „Ritter des Ordens vom Heiligen Silvester“, den ihm Papst Johannes XXIII. verlieh.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • G.Buchstab: Christliche Demokraten gegen Hitler, Herder Verlag
    • hier Biographie über Wilhelm Bitter
  • Horstwalter Heitzer: Die CDU in der britischen Zone, Düsseldorf 1988
  • 50 Jahre Frieden, Recklinghausen 1995
  • Holger Arning: Die Macht des Heils und das Unheil der Macht, Paderborn 2008
  • Bernd Haunfelder (Herausgeber): Nordrhein-Westfalen-Land und Leute, Münster 2006
    • mit weiteren Quellenangaben zu Wilhelm Bitter
  • Georg Möllers, Wilhelm Bitter, in: Gedenkbuch Opfer und Stätten der Herrschaft, Verfolgung und des Widerstandes in Recklinghausen 1933–1945 (www.recklinghausen.de/gedenkbuch)
  • Georg Möllers, Ausschaltung der demokratischen Presse, in: Gedenkbuch Opfer und Stätten der Herrschaft, Verfolgung und des Widerstandes in Recklinghausen 1933–1945 (www.recklinghausen.de/gedenkbuch)
  • Andreas Witt, Die Anfänge der CDU in Recklinghausen und die Bedeutung der Stadt als Tagungsort für die CDU in der britischen Zone, in: Vestische Zeitschrift 99 (2002), S. 403–484

Archivalia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Archiv der Stadt Recklinghausen, hier Akten zu Wilhelm Bitter
  • Hauptstaatsarchiv des Landes NRW, Unterlagen über die CDU-Fraktion
  • Archiv des Bistums Münster, hier Archivalien zum Paulus Verlag, Echo der Zeit
  • Archiv der Konrad Adenauer Stiftung, hier Nachlaß Wilhelm Bitter

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jörg-Dieter Gauger, Wilhelm Bitter, in: Günther Buchstab u.a. (Hrsg.), Christliche Demokraten gegen Hitler. Aus Verfolgung und Widerstand zur Union (Freiburg: Herder, 2004), S. 96, ISBN 3-451-20805-9.
  2. Jörg-Dieter Gauger, Wilhelm Bitter, in: Günther Buchstab u.a. (Hrsg.), Christliche Demokraten gegen Hitler. Aus Verfolgung und Widerstand zur Union (Freiburg: Herder, 2004), S. 94 - 99, ISBN 3-451-20805-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]