William Asbury

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William Asbury, CMG (* 1889; † 19. Mai 1961 in Camberley) war ein britischer Politiker der Labour Party. Als Regional Commissioner bzw. Land Commissioner hatte er großen Einfluss auf den Prozess der Staatsgründung Nordrhein-Westfalens (1946), die Eingliederung des Landes Lippe (1947) sowie die Entwicklung von Versorgung, Wirtschaft, Presse, Parteien, Legislative, Verwaltung und Regierungsarbeit in Nordrhein-Westfalen (1946–1948) und Schleswig-Holstein (1948–1950).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

William Asbury wurde als Sohn von William Asbury aus Edingale (Staffordshire) geboren. Seine Schulausbildung erhielt er in Wakefield. 1917 heiratete er Mary Bryce, die Tochter von James Wright aus Sheffield, die einen Sohn und eine Tochter gebar. Asbury kollabierte und starb 71-jährig, nachdem er den Rasen seines Wohnhauses 195 Frimley Road in Camberley (Surrey) gemäht hatte.

Folgende Stationen markieren seine öffentliche Karriere:

Standpunkt zu Massenimpfungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als sich in den Jahren 1926/1927 in Sheffield eine Pocken-Epidemie mit 800 Fällen, darunter ein Todesopfer, ereignete und das städtische Gesundheitsamt unter Frederick Wynne eine Kampagne für Massenimpfungen eingeleitet hatte, vertrat Asbury öffentlich den Standpunkt, dass dem Wohnungsbau und einer Verbesserung der Lebensverhältnisse Vorrang vor forcierten Maßnahmen zur Impfung gebührten.[2]

Wirken in Nachkriegsdeutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 1946 nahm Asbury als Regional Commissioner für die North Rhine Province Region (Zivilgouverneur für die Provinz Nordrhein) im Stahlhof zu Düsseldorf seine Arbeit auf. Dort übernahm er vom Regional Commander (Militärgouverneur) John Ashworth Barraclough (1894–1981) die Verantwortung für den Aufbau einer deutschen Zivilverwaltung im britischen Teil der durch die Berliner Erklärung im Juni 1945 geteilten Rheinprovinz.[3][4] Bei dieser Aufgabe unterstand er den Weisungen der Control Commission for Germany/British Element (→ Deutschland 1945–1949).[5] Eine weitere wichtige Quelle von Direktiven war eine speziell für das besetzte Deutschland gebildete Organisationseinheit im britischen Außenministerium, die ab 1947 von Frank Pakenham geleitet wurde. Bis April 1947 war John Burns Hynd, der Minister für deutsche und österreichische Angelegenheiten, für Asbury dieser Bezugspunkt gewesen. Um die Interessen der Bevölkerung der Besatzungszone zu hören, hatte die britische Besatzungszone einen monatlich tagenden Zonenbeirat gebildet. Dessen Beratungen beeinflussten die Arbeit Asburys ebenso wie die Auffassungen der noch bestehenden preußischen Provinzialverwaltungen von Nordrhein (bis 1945 Rheinprovinz) und Westfalen, die unter der Leitung der Oberpräsidenten Robert Lehr und Rudolf Amelunxen standen.

Die britische Politik bestand in dieser Zeit darin, Länder zu gründen, so auch das Land Nordrhein-Westfalen (→ Gründung Nordrhein-Westfalen), um auf dieser politischen Grundlage das öffentliche Leben im britisch kontrollierten Teil Nachkriegsdeutschlands nach britischen Vorstellungen neu aufzubauen und zu ordnen. In diesem Rahmen und auf der Grundlage von Besatzungsrecht übte Asbury wichtige Exekutiv- und Kontrollfunktionen aus und wirkte an grundlegenden Beratungen und Entscheidungen mit.[6] Etwa suchte er in Begleitung von Henry Vaughan Berry am 24. Juli 1946 Rudolf Amelunxen auf, den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen in Münster, um ihm die Ernennung zum ersten Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen anzubieten,[7][8] nachdem sich ein Gremium der britischen Besatzungsmacht in einer Sitzung im Stahlhof am 22. Juli 1946 unter Leitung von Noel Annan auf diesen Kandidaten geeinigt hatte.[9] Unter Asburys Aufsicht nahmen Amelunxens erstes Kabinett am 30. August 1946 und der Ernannte Landtag Nordrhein-Westfalen am 2. Oktober 1946 ihre Arbeit auf. In einem Memorandum vom 1. August 1946 hatte Asbury zuvor klargestellt, dass die Landesregierung nur diejenigen Vollmachten hat, die ihr durch ihn übertragen werden. Die letzte Entscheidung über die personelle und politische Zusammensetzung des Kabinetts, das auf seine Weisung hin ab dem 5. Dezember 1946 eine Allparteienregierung darstellte (Kabinett Amelunxen II), behielt er sich außerdem vor.[10] Ende 1946 wirkte Asbury auf Instruktion von Brian Robertson darauf hin, dass Karl Arnold als Befürworter der Sozialisierung von Schlüsselindustrien stellvertretender Ministerpräsident im Kabinett Amelunxen II wurde, um Konrad Adenauers CDU-Wirtschaftspolitik (→ Soziale Marktwirtschaft), die von dem britischen Labour-Politiker und Außenminister Ernest Bevin kritisch beurteilt wurde, ein innerparteiliches Gegengewicht zu geben.[11] In Asburys Verantwortung fielen auch verschiedene Schritte der britischen Besatzungsmacht zur Eingliederung des Landes Lippe nach Nordrhein-Westfalen[12] sowie zur Vorbereitung und Durchsetzung von Demontagen.[13] Am 16. Oktober 1947 überreichte Asbury dem im Juni 1947 zum Ministerpräsidenten gewählten Karl Arnold den „Revidierten Industrie- und Reparationsplan“, der 682 Betriebe in der Bizone, davon 262 in Nordrhein-Westfalen, auf einer Demontageliste aufführte.[14] Im Januar 1948 wurde Asbury nach Schleswig-Holstein versetzt, wo er als Nachfolger von Hugh Vivian Champion de Crespigny, über dessen Lebensführung es Klagen gegeben hatte, bis zum Sommer 1950 eine gleiche Funktion ausübte.[15] Seine dortige Residenz war Gut Altenhof.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Stellung war ranggleich zu einem britischen Armeegeneral.
  2. Tim Willis: Vaccination: Politics, the press and public health. In: Wellcome History. Issue No. 21, October 2002, p. 2; PDF, abgerufen im Portal wellcome.ac.uk am 7. Juli 2014
  3. Militärgouverneure und Landeskommissare der Länder 1945–1953, Aufstellung im Portal maegges.net, abgerufen am 7. Juli 2014
  4. Düsseldorf – die junge NRW-Landeshauptstadt. Webseite vom August 2005 im Portal duesseldorf.de, abgerufen am 7. Juli 2014
  5. Marcus Schüller: Wiederaufbau und Aufstieg der Kölner Messe 1946–1956. Dissertation Universität Köln 1997, Beiträge zur Unternehmensgeschichte, Band 8, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-515-07402-3, S. 90, Fußnote 304 mit weiteren Nachweisen (online)
  6. Kurt Düwell: Rede anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen von Mitgliedern der Deutsch-Britischen Gesellschaft, Arbeitskreis Düsseldorf, S. 7, PDF, Manuskript vom 14. September 2006, abgerufen im Portal debrige.de am 7. Juli 2014
  7. Clemens Amelunxen: Vierzig Jahre Dienst am sozialen Rechtsstaat. Schriftenreihe der Juristischen Gesellschaft e.V. Berlin, Heft 110, Verlag Walter de Gruyter, Berlin/New York 1988, ISBN 3-11-011704-5, S. 34 (online)
  8. Wolfgang Trees, Charles Whiting, Thomas Omansen: Drei Jahre nach Null. Geschichte der britischen Besatzungszone 1945–1948. Droste Verlag, Düsseldorf 1978, S. 150
  9. Wilhelm Ribhegge: Preußen im Westen. Kampf um den Parlamentarismus in Rheinland und Westfalen 1789–1947. Verlag Aschendorff, Münster 2008, S. 649
  10. Karl Teppe: Biografie Rudolf Amelunxen (26. März 2004, Internat-Portal „Westfälische Geschichte“) im Portal lwl.org, abgerufen am 8. Juli 2014
  11. James C. Van Hook: Rebuilding Germany. The Creation of the Social Market Economy, 1945–1957. Cambridge University Press, Cambridge 2004, p. 73 (online)
  12. Protokoll der „Feierlichen Schlußsitzung“ des Lippischen Landtags anlässlich seiner Selbstauflösung im Rahmen des Anschlusses an Nordrhein-Westfalen im Landtag zu Detmold am 21.01.1947. Webseite im Portal lwl.org, abgerufen am 7. Juli 2014
  13. Martina Köchling: Demontagepolitik und Wiederaufbau in Nordrhein-Westfalen. Klartext Verlagsgesellschaft, Essen 1995, ISBN 978-3-8847-4262-4, S. 129
  14. Portal Rheinische Geschichte: Epochen und Ereignisse ab 1945, Chronik im Portal rheinische-geschichte.lvr.de, abgerufen am 8. Juli 2014
  15. Kurt Jürgensen, Gerhard Garms: Die Briten in Schleswig-Holstein 1945–1949. Wachholtz Verlag, Neumünster 1989, S. 55, 79, 152
  16. Eider-Genossen. Frei von Holstein. Artikel vom 14. August 1948 (Der Spiegel, 33/1948) im Portal spiegel.de, abgerufen am 7. Juli 2014