Wirtschaft Perus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Peru[1]
Flag of Peru.svg
Weltwirtschaftsrang 52. (nominal) (2009)[2]
Währung 1 Nuevo Sol = 100 Céntimos
Umrechnungskurs 1 € = S/. 3,35
(Stand: 7. April 2015)
Kennzahlen
Bruttoinlandsprodukt (BIP) 251,4 Mrd US-Dollar (2009)
BIP pro Kopf 8500 US-Dollar
BIP nach Wirtschaftssektor Landwirtschaft: 8,2 %,

Industrie: 32,1 %,
Dienstleistungen 59,7 % (2009)

Wirtschaftswachstum 5,9 % (2013)
Inflationsrate 2,9 % (2009)
Gini-Index 52 (2008)
Erwerbstätige 10,32 Mio (2009)
Erwerbstätige nach Wirtschaftssektor Landwirtschaft: 0,7 %,

Industrie: 23,8 %,
Dienstleistungen 75,5 % (2005)

Arbeitslosenquote 8,1 (2009)
Außenhandel
Export 26,89 Mrd. US-Dollar
Exportgüter Gold, Zink, Erdöl- und Erdölprodukte, Kaffee, Kartoffeln, Spargel, Textilien, Fischmehl
Exportpartner USA 17,86 %, China 15,96 %,Kanada 11,35 %, Japan 6,75 %, Chile 5,42 %, Deutschland 4,25 % (2009)
Import 21,01 Mrd. US-Dollar
Importgüter Erdöl- und Erdölprodukte, Kunststoffe, Maschinen, Fahrzeuge, Eisen/Stahl, Papier, Weizen
Importpartner USA 23,96 %, China 10,74 %, Ecuador 7,25 %, Brasilien 7,19 %, Chile 5,68 %, Argentinien 5,59 %, Mexiko 5,02 % (2009)
Öffentliche Finanzen
Öffentliche Schulden 20,6 % des BIP (2009)
Staatseinnahmen 35,25 Mrd. US-Dollar (2009)
Staatsausgaben 37,89 Mrd. US-Dollar (2009)

Die Wirtschaft Perus ist seit der Kolonialzeit durch ihren Reichtum an Bodenschätzen geprägt. Daneben spielen Agrarprodukte eine große Rolle. Die Ausfuhr von vor allem Kupfer, Gold und Silber hängt von der Konjunktur auf dem Weltmarkt ab. Dies hat Auswirkungen auf die Binnenkonjunktur. Was die Jahre zwischen 2001 und 2016 betrifft, so wurden 67% der Änderungen im Bruttoinlandsprodukt durch Vorgänge in der Weltwirtschaft ausgelöst.[3] Die Landwirtschaft indessen ist den wechselnden klimatischen Bedingungen (El Nino/La Niña) unterworfen.

Anfang des 20. Jahrhunderts versuchten verschiedene Regierungen, das Land wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Dabei wurde die Rolle des Staates in den verschiedenen Ansätzen unterschiedlich beurteilt. Nach dem Ende des kalten Krieges verschwanden mit den Planwirtschaften des Ostblocks oder Chinas auch deren Einfluss auf die Wirtschaftspolitik. Es setzten sich liberalistische Wirtschaftskonzepte durch. Peru ist heute das wirtschaftlich stabilste Land in Lateinamerika mit dem geringsten Risiko eines Zahlungsausfalls, noch vor Mexiko und Kolumbien.[4] Kennzeichnend für den soliden wirtschaftlichen Zustand ist auch, dass nach dem Jahr 2000, unter den Regierungen von Toledo und Garcia sogar erreicht wurde, dass die peruanische Währung dem Dollar gegenüber an Wert gewann, etwas das in der peruanischen Geschichte zuvor noch nie vorgekommen ist, und dies bei einer niedrigen Inflationsrate.[5] Allerdings sind auch heute noch von den zehn Firmen mit dem höchsten Umsatz sechs in ausländischer Hand.[6] Große nordamerikanische, europäische und chilenische Unternehmen beherrschen den Markt. Dies gilt weitläufig für den Handel, die Fischereiindustrie, die Ausbeutung von Bodenschätzen und im Telekommunikationsbereich.

Die digitale Infrastruktur ist so gut entwickelt wie etwa in Spanien. Jedoch hinkt Peru in der Anwendung digitaler Technologie, beispielsweise in der Industrieproduktion, hinterher.[7]

96,5 % der Unternehmen in Peru gehören der Kategorie der kleinen und sehr kleinen Unternehmen an. Man zählt 400.000 Kleinunternehmen (Tante Emma Laeden, Baeckereien und Restaurante) die mehr als 20 Milliarden Soles erwirtschaften [8]. Sie exportieren nur wenig.[9] Ungefähr 8,13 Millionen Arbeitnehmer arbeiten in kleinen Unternehmen die 20,6% des Bruttoinlandsproduktes erzeugen.[10] Die Anzahl der großen und der mittleren Unternehmen nimmt ab. Sie erzeugen 97,8 % der peruanischen Exporte.[9]

Es gibt sechs peruanische Firmen die auch in anderen Ländern Lateinamerikas vertreten sind: Alicorp, Grupo Gloria, Banco de Crédito del Perú (BCP), Ferreyros, Minsur und Primax. Drei weitere sind global aktiv: Ajegroup (AJE), Belcorp und Unión Andina de Cementos (UNACEM). Die peruanischen Unternehmen, die am meisten expandieren, gehören den Kategorien der Konsumgüterindustrie, der Agroexportation, Hotellerie und Tourismus an. Die Entwicklung vieler Firmen wird durch Kapitalmangel behindert.[11]

Makroökonomische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Perus betrug im Jahr 2016 ca. 192 Mrd. US-Dollar das waren 6.782 US-Dollar pro Kopf.[12] Das Wirtschaftswachstum lag 2014 bei 2,4 %, 2015 bei 3,26 %[13] und im Jahr 2016 bei 3,9 %.[14] Dazu trugen am meisten Fischerei und Bergbau bei. Damit hat Peru eine der höchsten Wachstumsraten in der Region (zum Vergleich: Chile 1,6 %, Kolumbien 1,9 %, Mexiko 2,3 %).[15] Unter Einbeziehung der Schattenwirtschaft könnte das Bruttoinlandsprodukt fast doppelt so hoch ausfallen.[16] Das Wirtschaftswachstum des Landes lag 2014 bei 2,4 %, 2015 bei 3,26 %[17] und im Jahr 2016 bei 3,9 %.[18] Die Inflationsrate betrug 2012 2,6 % und 2013 2,5 %.[19] Die Inflationsrate für das Jahr 2017 liegt hochgerechnet bei 3,25 %.[20]

Wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der zwölfjährigen Militärdiktatur von 1968 bis 1980 musste die Wirtschaft mehrere Reformversuche über sich ergehen lassen. Durch die unprofessionelle Durchführung und Korruption führten diese Versuche zum allmählichen Ruin des Landes. Danach wechselten Verstaatlichungen und Privatisierung von Regierung zu Regierung, was der Entwicklung einer funktionierenden Wirtschaft entgegenwirkte. Zu Beginn der 1980er Jahre durften ausländische Investoren ins Land, um den Abbau von Bodenschätzen voranzutreiben. Großangelegte Entwicklungsprojekte auf dem Gebiet der landwirtschaftlichen Bewässerung wurden mit internationaler Hilfe realisiert. Die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion bei den Hochlandindianern und den inländischen Industrien, die Dezentralisierung der Wirtschaft, die Kontrolle der Monopole und neue Arbeitsgesetze konnten nur zu einem geringen Teil verwirklicht werden. Regierungs-, Wirtschafts- und Finanzkrisen erschütterten das Land, führten zu einer enormen Verringerung der Industrieproduktion und Kaufkraft. Die Folge war eine Inflation von 7000 % zu Beginn des Jahres 1990.

Unter Präsident Alberto Fujimori wurden die Preise freigegeben und der Markt gegenüber ausländischen Investoren komplett freigeben. Die Außenzölle wurden von 100 % auf 12 % reduziert. Durch diese Maßnahmen erreichte Peru ein wahres Wirtschaftswunder. Zwischen 1990 und 2010 verfünffachte sich das BIP pro Einwohner [21] Bereits 1994 betrug das Wirtschaftswachstum über 12 % und hatte damit den höchsten Wert in Südamerika. Mit der Privatisierung und Verkauf unrentabler Staatsbetriebe (Minengesellschaft Hierroperú und Fluggesellschaft AeroPeruan) an ausländische Investoren wurde zusätzlich die marode Staatskasse aufgefüllt.

Verbraucherpreisindex in Peru und vier weiteren Staaten im Nordwesten Südamerikas, 1994–2004

In den folgenden Jahren, vor allem nach dem Amtsantritt Garcías (2006), hatte die Wirtschaft eine hohe Wachstumsrate von jährlich durchschnittlich etwa fünf Prozent.[22] Perus auf Rohstoffexporten basierende Wirtschaft profitierte dabei von deutlich steigenden internationalen Rohstoffpreisen. Gleichzeitig stieg 2012 die Zahl der registrierten Umwelt- und Sozialkonflikte, die mit der Ausbeutung von Erzen, Öl oder Erdgas verbunden sind, auf 129 an.[23] Die starke Abhängigkeit von Erzexporten wird zunehmend kritisch betrachtet; die Regierung strebt eine größere Diversifikation der Wirtschaft an.[24]

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landwirtschaft ist die Grundlage der Volkswirtschaft. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt hat sich merklich verringert, aber es arbeiten noch immer 33 % aller Beschäftigten im Agrarsektor. Etwa ein Viertel der Fläche Perus kann als landwirtschaftliche Fläche bezeichnet werden. Als Ackerland werden aber nur 2,5 % genutzt. Es gibt 2.200.000 landwirtschaftliche Betriebe. Der Einsatz von Düngern ist nicht weit verbreitet. 56,1 % der Landwirte setzen keinen und 32,7 % nur wenig ein. Nur 11,2 % verwendet genügend Dünger.[25] Die Agrarexporte beliefen sich 2012 auf US$ 4.000 Millionen. Was die Produkte anbetrifft, so wird zwischen traditionellen (Kaffee) und vor nicht langer Zeit eingeführten Erzeugnissen (Mangofrüchte, Bananen, Quinua, Avocados, Artischocken, Spargel, Weintrauben etc.) unterschieden.

Kaffee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaffee ist das wichtigste peruanische Exportprodukt der Agrarindustrie. Hauptabnehmer sind die USA, Deutschland und Belgien. Von dessen Anbau leben 220.000 Kleinbauern. Es ist das am weitesten verbreitete landwirtschaftliche Produkt, das angebaut wird; Hauptanbaugebiete sind San Martin (33 %), Cajamarca (18 %), Junín (16 %) und das Amazonasgebiet (14 %). Auf 90.000 Hektar wird ökologisch zertifizierter Kaffee angebaut.[26] Man schätzt, dass 2017 Kaffee im Wert von 750 bis 800 Mio US-Dollar verkauft wird. 2016 lagen die Verkäufe noch bei 670 Millionen US-Dollar (13 % mehr als im Vorjahr). 92 % der Produktion wird exportiert, nur 8 % werden in Peru selbst verbraucht.[27]

Nicht traditionelle Agrarprodukte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten 11 Monate des Jahres 2013 wurden für 2.933,1 Millionen US$ nicht traditionelle Agrarprodukte exportiert. Dies entspricht einem Wachstum von 8,1 %. Bei diesen Agrarexporten hat der Spargel einen Anteil von 18,2 % (532,7 Mio US $) gefolgt von frischen Trauben, Avocados und Mangos. Hauptabnehmer für die Agrarexporte waren zu 27,9 % die USA (1,017 Mio US$), danach folgt Holland mit einem Volumen von 401,9 Mio. US$. Im Falle Kolumbiens ging der Export am meisten zurück (73,1 %). Insgesamt belaufen sich die Exporte traditioneller Agrargüter auf 713 Millionen US$.[28] Hauptanbaugebiet für Reis und Zuckerrohr ist die nördliche Costa, wo durch künstliche Bewässerung ausgedehnte Flächen bewirtschaftet werden. In den großen Gebiete der Selva wird größtenteils Subsistenzwirtschaft betrieben. Was die ökologische Landwirtschaft betrifft, so wurden im Jahre 2016 Produkte im Gesamtwert von 380 Millionen US-Dollar exportiert, hauptsächlich Bananen, Kakao und Quinua. Dies bedeutet in fünf Jahren eine Steigerung von 19,6 %.[29] Einen Großteil an Früchten liefert das Amazonasgebiet.

Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehr als die Hälfte der Landfläche Perus ist mit Wald bedeckt. Der Baumbestand wird nicht gehegt, sondern nur abgeholzt. Es gibt zwar Schutzgesetze und Teile des Amazonasgebietes sind Naturschutzgebiete, aber darum kümmert sich kaum jemand. Immer wieder kommt es zu illegalem Holzeinschlag, der einem überwiegenden Teil der Indios das Überleben ermöglicht. Das Hauptgebiet der Nutzhölzer liegt am Osthang der Anden und im Amazonasgebiet.

Fischerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fischfang und dessen Verarbeitung gehört zu den wichtigsten Exportzweigen Perus. Die peruanische Pazifikküste zählt zu den fischreichsten Gebieten der Welt. So hatte Peru 1970 mit einem Gesamtfang von rund 12 Mio. Tonnen zu mehr als 20 % an den Gesamtanlandungen der Welt an Seefischen beigetragen. Peru ist nach China die zweitgrößte Fischereination.[30] In den 1990er Jahren wurden umfangreiche Fanglizenzen an japanische Firmen vergeben, die das gesamte Gebiet überfischten, sodass die Produktion sinkend ist. Gefangen werden fast ausschließlich Anchovis, eine Sardellenart, die im Oberflächenwasser lebt. China ist Abnehmer von mehr als der Hälfte der peruanischen Fischereiprodukte. [31]

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit mehr als zweitausend Jahren werden in Peru Gold, Silber und Kupfer abgebaut. Die Abbaugebiete finden sich in den Zentralanden, Cajamarca und Toquepala [32]. Während der Kolonialzeit legte das Mutterland Spanien auf die Edelmetalle Wert, um die enormen Ausgaben zu finanzieren. Heute befinden sich die wichtigsten Abbaugebiete in ausländischer Hand und machen Peru zu einer der wichtigsten Bergbaunationen der Welt. Der Export von Erzen macht 60 % der gesamten Ausfuhrerlöse aus. Der Bergbau hatte 2016 ein Wachstum von 21,18 %[33] und damit die höchste Wachstumsrate in den letzten 25 Jahren. Am meisten stieg die Kupferförderung mit 40,1 %.[34] An den Exporterlösen hielt der Bergbau vor wenigen Jahren noch einen Anteil von 60 %.[35] Er trägt 20 % zu den Steuererlösen bei.[36] Das wichtigste Mineral ist Kupfer. Die Exporte dieses Minerals haben wertmaessig einen Anteil von 27% an den Exporten insgesamt [37]. Peru ist hier zweitgrößter Produzent weltweit mit einer Produktionssteigerung von 38,4 % im vergangenen Jahr (2016),[38] weiter Gold (sechstgrößter Produzent weltweit), Zink, Silber (größter Produzent weltweit),[39] Blei und Eisenerz. Daneben werden noch Antimon, Chrom, Cadmium, Cobalt, Magnesium, Mangan, Molybdän, Nickel, Quecksilber, Selen, Tellur, Uran, Vanadium, Bismut und Wolfram gefördert. An Nichtmetallen werden Bergkristall, Borax, Braunkohle, Dumorierita, Feldspat, Gips, Glimmer, Graphit, Nephelin, Phosphate, Salpeter, Schwefel, Schwerspat, Steinkohle und Salz gewonnen. Diese Mineralien werden oft im Tagebau, aber auch in Minen auf Höhen über 5000 m abgebaut. Der Abbau der Bodenschätze wird unter dem Aspekt der Umweltschäden zunehmend kritisch betrachtet.[40] So ist etwa in La Oroya, das zu den Orten mit der stärksten Umweltbelastung in der Welt zählte, der Abbau 2009 eingestellt worden.[41] und zwar weil Doe Run, der Eigentümer, kein Geld mehr für die Modernisierung der Anlage übrig hatte.

Bauwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bauwirtschaft spielt eine wichtige Rolle, der Zementverbrauch dient als Konjunkturbarometer.[42] Für das Jahr 2017 wird ein sektorielles Wachstum von 3,6 % erwartet. Das scheint zu optimistisch, da es in den vergangenen Jahren nur negative Wachstumsraten gab. Beeinträchtigt wird das Wachstum im Wohnungsbau unter anderem von der oft fehlenden Infrastruktur (Kanalisation, Wasserversorgung). Die Baufirmen beziehen ihre Einnahmen zu 72 % durch die Verbesserung der Infrastruktur auf dem Land, auf Lima entfallen 20 % und im Ausland werden 9 % erwirtschaftet.[43]

Wachstum der Bauwirtschaft (in %) [44]
Jahr 2012 2013 2014 2015 2016
Wachstum in % 15,89 9,42 -1,8 -5,76 -3,15

Erdöl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im nördlichen Küstengebiet und im Amazonasbecken wird Erdöl gefördert. 1977 wurde eine 900 km lange Pipeline vom Amazonasgebiet zur Hafenstadt Bayóvar gebaut, um das Rohöl aus dem unzugänglichen Dschungel in das Industriegebiet zu befördern. Für den Export nimmt das Öl nur einen geringen Stellenwert ein, ist aber wichtig für die peruanische Industrie. Die Förderung von Erdgas und Rohöl im Amazonasgebiet sorgt seit Jahren für Auseinandersetzungen zwischen der peruanischen Regierung und den betroffenen indigenen Gemeinschaften.[45] Die Erdölproduktion ist zwischen 2008 und 2017 um 44 % zurückgegangen, so dass nicht einmal mehr der interne Verbrauch gedeckt wird.[46]

Produktion von Rohoel [47]
Jahr 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Barrels/Tag/Mio 77 71 73 69 67 63 69 58 40 43

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Industrie leistet gegenwärtig (2017) einen Beitrag von 13 % zum Bruttoinlandsprodukt, den niedrigsten seit 50 Jahren. Sie hat 1,5 Millionen Beschäftigte und erbringt 18 % der Steuereinnahmen. Der Anteil an den Auslandsinvestitionen beläuft sich auf 14 %. 23 % der Unternehmenskredite werden an die Industrie vergeben.[48] Etwa 800 Klein- und Mittelbetriebe sind in diesem Sektor tätig. Häufig handelt es sich um Familienbetriebe. Die Industrie konzentriert sich um die Küstenstädte Lima, Chimbote, Chiclayo und Trujillo. Wichtige Zweige sind Nahrungsmittel- und Getränkeherstellung, Zuckerrohrverarbeitung, Fischmehlproduktion, chemische Industrie und Verarbeitung und Aufbereitung von Erz. Die Stahlindustrie [49] steht ebenso wie die Textilindustrie durch Importe aus China schwer unter Druck [50].

Fertigerzeugnisse machen beim Export nur einen Anteil von 22 % aus (US$5.359 Millionen für 2010).[51]

Wachstum der Industrieproduktion (in %)[52]
Jahr 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Wert in % 10,6 8,6 -6,7 10,8 8,6 1,5 5 -3,6 -1,5 -1,7

Die Industrieproduktion ging in drei aufeinanderfolgenden Jahren um 6,7 % zurück. Dadurch gingen 150.000 Arbeitsplätze in diesem Sektor verloren (-5,4 %). Am schlimmsten traf es die Textilindustrie ( -39,9 %;), die papier- und holzverarbeitende Industrie (-20,1 %) und die Chemieindustrie (- 19,4 %). Die Fischereiindustrie ging um -13,6 % zurück.[53]

Metallverarbeitende Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie findet sich hauptsächlich im Norden von Lima (Infanta, Los Olivos). Hier finden sich uber 500 Firmen. Ihre Kunden kommen aus der Energieversorgung, der Plastikherstellung und dem Bergbau. 2009 betrug der Umsatz von ca. 400 Unternehmen 230 Millionen Dollar [54].

Textilindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt gibt es 90.000 Unternehmen der Textilindustrie, die 1,43 % des Bruttosozialprodukts erbringen. 2016 exportierten sie Waren für 1202 Millionen US-Dollar. Zentrum des Textilhandels ist Gamarra, die Schuh- und Lederverarbeitende Industrie befindet sich in Caqueta und Trujillo (La Libertad) [55]. Die Exporte der Textilindustrie gehen hauptsächlich in die Vereinigten Staaten.[56][57]. 80 % der Exporte werden von 20 Unternehmen erbracht. Sorgen machen die hohen Löhne, 450 US-Dollar/Monat, das ist dreimal soviel wie in Zentralamerika oder Vietnam. Deswegen wird von Billigprodukten abgesehen und die Produktion auf modische Erzeugnisse und qualitaetsmaessig gute Stoffe umgestellt. Ein grosser Teil der Textilunternehmen, etwa 30 % sind inzwischen dazu uebergegangen Textilprodukte nur noch zu vermarkten. [58] Neben industrieller Produktion gibt es auch handwerkliche Betriebe für die Verarbeitung von Wolle und Baumwolle, Jute, Häuten und Fellen im Landesinneren und im Amazonasgebiet.

Dienstleistungssektor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

30 Prozent des peruanischen Bruttoinlandsprodukts werden durch den Dienstleistungssektor erbracht. Er bringt jährlich 6.300 Millionen Dollar an Devisen (2016) ein. Die 6.760 Millionen Dollar werden 2017 überschritten. Im Jahre 2004 waren es noch 1.993 Millionen Dollar. Für 2021 werden 13.000 Millionen Dollar erwartet. 70  Prozent der Dienstleistungen werden für lateinamerikanische Kunden erbracht.[59]

Einzelhandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der peruanische Einzelhandel weist das groesste Wachstum in Lateinamerika auf und liegt weltweit an der 9. Stelle. Der Umsatz wuchs im Jahre 2017 um 4,4 %, fuer 2018 wird ein Wachstum von 6 % erwartet[60]. Man erwartet dass die 78 Einkaufszentren im Jahre 2017 Waren im Wert von 25.953 Millionen Soles umsetzen, eine Steigerung von 9,4% im Vergleich zu 2016 [61].

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ökotourismus bietet sich an, da es viel unberührte Natur gibt, vor allem im Andentiefland im Osten des Landes. Die Anden bieten Wanderungen bei Huaraz und Cusco sowie Machu Picchu, einem der bedeutendsten Tourismusziele Südamerikas. Der Colca Canyon nördlich von Arequipa ist ein beliebtes Trekkingziel. In den letzten Jahren hat sich auch Amazonien rund um die Stadt Iquitos als attraktives Reiseziel entwickelt.[62] Auch der Titicacasee ist ein touristisches Highlight.

Das Land ist mit einem dichten Straßennetz gut erschlossen, doch abseits der wichtigsten Verkehrsrouten sind die meisten Straßen nicht asphaltiert, uneben und in der Regenzeit häufig unpassierbar. Auch die Gebirgslage und die großen Entfernungen können das Reisen auf dem Land beschwerlicher als in Europa machen.

Bedingt durch die bürgerkriegsähnlichen Zustände inmitten der 1980er Jahre stagnierte der Tourismus. In den 1990er Jahren kehrte sich dieser Trend um und trägt inzwischen als wichtiger und stabiler Bereich zur Wirtschaft wesentlich bei. Im Jahre 2011 war der Tourismus der drittgrößte Devisenbringer Perus.[63]

Im Jahr 2016 hat der Tourismus Devisen in Höhe von 4.303 Millionen US$ eingebracht. Es kamen 4,6 Millionen Touristen, 3,9 % mehr als 2015.[64] 47 % der Touristen kommen aus Lateinamerika, hauptsächlich aus Chile.[65]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle Daten (sofern nicht anderes angegeben): CIA Factbook
  2. BIP 2009 nach Ländern in der World Economic Outlook Database, April 2010 des Internationalen Währungsfonds
  3. Waldo Mendoza: Buenos tiempos, Claudia, por Waldo Mendoza. In: ElComercio.pe. 26. September 2017, abgerufen am 3. Oktober 2017 (spanisch, zitiert eine Veröffentlichung von Mendoza y Collantes, 2017).
  4. Riesgo país de Perú subió cinco puntos básicos a 1,30 puntos porcentuales. In: ElComercio.pe. 9. August 2017, abgerufen am 14. August 2017 (spanisch).
  5. Carlos Contreras, Marcos Cueto: Historia del Perú Contemporáneo, Instituto de Estudios Peruanos, 5. Auflage, 2013, S. 417.
  6. Estas son las diez empresas más grandes del Perú por facturación. In: ElComercio.pe. 28. Juni 2017, abgerufen am 14. August 2017 (spanisch).
  7. Marcela Mendoza Riofrío: Empresas peruanas rezagadas en innovación y productividad (Investigación). In: ElComercio.pe. 23. Mai 2017, abgerufen am 13. Oktober 2017 (spanisch).
  8. https://elcomercio.pe/economia/negocios/riqra-busca-ayudar-mayoristas-predecir-demanda-bodegas-noticia-474676 Artikel Riqra busca ayudar a mayoristas a predecir demanda de bodegas von Marcela Mendoza Riofrío - El Comercio - 17.11.2017 / 04:23 pm
  9. a b Paola Villar S.: ComexPerú: Mypes siguen aumentando pero formalización no avanza. In: ElComercio.pe. 8. August 2017, abgerufen am 16. August 2017 (spanisch).
  10. Marcela Mendoza Riofrío: Comex: Exportaciones se recuperan pero faltan avances en formalización. In: ElComercio.pe. 9. August 2017, abgerufen am 30. August 2017 (spanisch).
  11. Seis empresas peruanas entraron al club de las multilatinas. In: ElComercio.pe. 24. September 2014, abgerufen am 13. Oktober 2017 (spanisch).
  12. Auswärtiges Amt – Peru- Übersicht, abgerufen am 9. September 2016.
  13. Auswärtiges Amt – Peru- Wirtschaft, abgerufen am 9. September 2016.
  14. El Comercio, Lima, 16. Februar 2017, Seiten 1, 16, 17.
  15. El Comercio, 16. Februar 2017, Seite 16.
  16. El costo de la corrupción podría llegar al 58% del PBI per cápita en Latinoamérica. In: elcomercio.pe. 2. November 2010, abgerufen am 17. August 2017.
  17. Auswärtiges Amt – Peru- Wirtschaft, abgerufen am 9. September 2016.
  18. El Comercio, Lima, 16. Februar 2017, Seiten 1, 16, 17.
  19. El Perú tendrá la inflación más baja en la región en 2012 y 2013. In: elcomercio.pe. 26. März 2012, abgerufen am 17. August 2017.
  20. El Comercio, Lima 6. März 2017, Seite 21.
  21. Seite 414 Historia del Perú Contemporáneo Carlos Contreras/Marcos Cueto, Instituto de Estudios Peruanos, 5. Auflage, 2013.
  22. ¿Cuánto hemos avanzado en bienestar e inclusión?. elcomercio.pe. 30. Januar 2012. Abgerufen am 14. Juni 2013.
  23. 16. Jahresbericht (2012) Defensoría del Pueblo, Lima, Mai 2013.
  24. tagesschau: Perus krisenanfällige Wachstumsstrategie – Wirtschaftswunder aus Gold, Silber und Kupfer (Memento vom 15. Februar 2012 im Internet Archive), 7. August 2011.
  25. http://elcomercio.pe/economia/peru/56-1-productores-peruanos-aplica-fertilizante-indica-cenagro-noticia-465233 Redaktion von El Comercio, 12.10.2017, zitiert Censo Nacional Agropecuario (Cenagro).
  26. Artikel Día del café: Exportaciones de café cerrarán con ventas cercanas a US$800 mlls Redacción Economía El Comercio, 25. August 2017.
  27. Wilfredo Angulo: Día del Café: Perú espera producir más de 300 mil toneladas este año. 25. August 2017.
  28. El Comercio 6. Januar 2014 : http://elcomercio.pe/economia/1683123/noticia-agroexportaciones-peruanas-cayeron15-entre-enero-noviembre-2013.
  29. El Comercio, Lima 16. Februar 2017, Seite 19.
  30. world ocean review 1 (2010), S. 122, Stand 2007
  31. http://elcomercio.pe/economia/snp-exportaciones-productos-pesqueros-crecieron-61-5-primer-semestre-noticia-448555 Redacción EC 08.08.2017 04:38 pm- Artikel bezieht sich auf die erste Hälfte des Jahres 2017.
  32. ReVista 17, Herbst 2014, Harvard Review of Latin America; REVISTA.DRCLAS.HARVARD.EDU Seite 17/18, verweist auf einen unveoeffentlichte Studie von Michael E. Porter, Jorge Ramirez-Vallejo, Adolfo Chiri und Christian Ketels, 2011 "Peru: A Strategy for Sustaining Growth and Prosperity"
  33. El Comercio, Lima 16. Februar 2017, Seite 16.
  34. El Comercio, Lima 12. Februar 2017, Seite 17 nach Banco Central de Reserva del Peru.
  35. http://elcomercio.pe/economia/peru/sunat-recaudacion-tributaria-crecio-33-este-ano-noticia-1703031; El Comercio, Mittwoch, 15. Januar 2014.
  36. El Comercio, 4. Juni 2012, http://elcomercio.pe/economia/1423791/noticia-mef-mineria-aporta-20-ingresos-fiscales-pais.
  37. https://elcomercio.pe/economia/peru/bbc-china-compra-cobre-peru-chile-noticia-467877 , 23/10/2017, BBC: ¿Por qué China compra más cobre a Perú que a Chile?
  38. El Comercio, Lima 16. Februar 2017, Seite 19.
  39. http://elcomercio.pe/economia/675655/noticia-peru-redujo-octubre-su-produccion-cobre-oro-plata
  40. Seite 420 Historia del Perú Contemporáneo Carlos Contreras/Marcos Cueto, Instituto de Estudios Peruanos, 5. Auflage, 2013.
  41. [1] 26. Juli 2017.
  42. [2] El Comercio, Artikel von Nicolás Castillo, 1. Oktober 2017.
  43. El Comercio, Lima 22. Februar 2017, Seite 18. Artikel von Maria Jose Gallo und Gonzalo Torrico, beziehen sich auf Daten der BCR (Banco Central de Reserva del Peru).
  44. El Comercio, Lima 22. Februar 2017, Seite 18. Quelle INEI/IEC Capeco (Camera Peruana de la Construccion)
  45. Junge Welt: Kraftprobe in Peru, 21. August 2008.
  46. http://elcomercio.pe/economia/peru/produccion-petroleo-redujo-44-ultimos-diez-anos-noticia-461198 El Comercio, Lima 26/9/2017, Artikel von Marcela Mendoza Riofrío, "Producción de petróleo se redujo un 44% en los últimos diez años"
  47. Nach Zahlenmaterial von Laub&Quijandría (Quelle PERUPETRO, Zahlenwerte von 2017 erfassen nur Produktion bis Juli 2017) http://elcomercio.pe/economia/peru/produccion-petroleo-redujo-44-ultimos-diez-anos-noticia-461198 El Comercio, Lima 26/9/2017, Artikel von Marcela Mendoza Riofrío, "Producción de petróleo se redujo un 44% en los últimos diez años"
  48. http://elcomercio.pe/economia/peru/industria-acumula-caida-6-7-ultimos-tres-anos-406682 Industria acumula una caída de -6,7% en los últimos tres años Redacción EC 06.03.2017 - 03:59 pm , Studie der Asociación Peruana de la Industria del Plástico (Apiplast). Habe für das Jahr 2014 einen Tippfehler korrigiert.
  49. http://rpp.pe/economia/economia/aceros-arequipa-suspende-definitivamente-su-produccion-en-la-ciudad-blanca-noticia-1012537 - El Comercio 25/11/2016
  50. http://elcomercio.pe/economia/negocios/textiles-chinos-habrian-evadido-controles-entrando-chile-bolivia-filipinas-423562 Marcela Mendoza Riofrío 18.05.2017 04:38 pm
  51. [3] 24. Oktober 2010.
  52. El Comercio, Lima 23. Februar 2017, Seite 16, 17
  53. Industria acumula una caída de -6,7% en los últimos tres años Redacción EC 06.03.2017 - 03:59 pm , Studie der Asociación Peruana de la Industria del Plástico (Apiplast). Habe für das Jahr 2014 einen Tippfehler korrigiert.
  54. ReVista 17, Herbst 2014, Harvard Review of Latin America; REVISTA.DRCLAS.HARVARD.EDU Seite 17/18, verweist auf einen unveoeffentlichte Studie von Michael E. Porter, Jorge Ramirez-Vallejo, Adolfo Chiri und Christian Ketels, 2011 "Peru: A Strategy for Sustaining Growth and Prosperity"
  55. ReVista 17, Herbst 2014, Harvard Review of Latin America; REVISTA.DRCLAS.HARVARD.EDU Seite 17/18, verweist auf einen unveoeffentlichte Studie von Michael E. Porter, Jorge Ramirez-Vallejo, Adolfo Chiri und Christian Ketels, 2011 "Peru: A Strategy for Sustaining Growth and Prosperity"
  56. El Comercio, Lima 2. März 2017, Seiten 16, 17
  57. http://elcomercio.pe/lima/sucesos/impulsan-adquisicion-indumentaria-calidad-424994 Redacción EC 21. Mai 2017.
  58. http://elcomercio.pe/economia/negocios/oferta-textil-local-sigue-revertir-tendencia-decreciente-noticia-455920 Artikel von Marcela Mendoza Riofrío "Oferta textil local sigue sin revertir tendencia decreciente"
  59. [4] 2. Oktober 2017, Redaktion El Comercio.
  60. https://elcomercio.pe/economia/peru/retail-peruano-mayor-grado-crecimiento-regional-noticia-469934 - Artikel : EY: Retail peruano es el que más crece en la región, Grundlage The Global Retail Development Index 2017 30.10.2017, El Comercio, Redaktion
  61. https://elcomercio.pe/economia/peru/retail-peruano-mayor-grado-crecimiento-regional-noticia-469934 - Artikel : EY: Retail peruano es el que más crece en la región, Grundlage Asociación de Centros Comerciales y Entretenimiento del Perú 30.10.2017, El Comercio, Redaktion
  62. Iquitos – die merkwürdigste Stadt von allen. stockpress.de. 1. Januar 2011. Abgerufen am 14. Juni 2013.
  63. El turismo es el tercer generador de divisas del Perú. elcomercio.pe. 18. Juni 2012. Abgerufen am 14. Juni 2013.
  64. http://elcomercio.pe/economia/peru/sector-turismo-recibio-divisas-us4303-millones-2016-noticia-1990159 8/5/2017, 19:23 zitiert Instituto de Economía y Desarrollo Empresarial de la Cámara de Comercio de Lima (CCL) ...
  65. El Comercio, 5. März 2010, Seite b9 (Beilage Negocios/Economia).