Wolfgang Gründinger

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Wolfgang Gründinger (2010)

Wolfgang Gründinger (* 11. Juni 1984 in Tirschenreuth) ist Demokratieforscher und Publizist mit den Schwerpunkten Energiepolitik, Lobbyismus, Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Er ist Sprecher der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen und Mitglied im Think Tank 30, der jungen Denkfabrik des Club of Rome.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründinger wurde als zweiter Sohn einer alleinerziehenden Gemüseverkäuferin geboren.[1] Er erhielt den Bachelor in Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Regensburg sowie den Master in Demokratieforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der University of California in Santa Cruz.

Sein politisches Engagement begann im Alter von 16 Jahren mit dem Eintritt in die SPD und ihre Jugendorganisation, die Jusos, sowie der Gründung des überparteilichen internationalen Jugendnetzwerks Youth for Intergenerational Justice and Sustainability. Als 17-Jähriger war er Delegierter zum UN-Klimagipfel in Bonn, im Jahr darauf reiste er zum UN-Weltgipfel für Nachhaltigkeit in Johannesburg. Er war 2004 bis 2007 einziger deutscher Delegierter des Internationalen Jugendparlaments und Mitglied eines internationalen sechsköpfigen Teams, das im Auftrag des weltgrößten Jugend-Aktivistennetzwerks Taking IT Global im Jahr 2005/2006, die weltweite Jugendarbeit für die UN-Millenniumsziele koordinierte. Zur selben Zeit wirkte er als Experte für Internationale Beziehungen am Kinder- und Jugendreport zum Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung für ein kindgerechtes Deutschland mit.[2]

2007/2008 initiierte er die Aktion Klimaneutraler Bundestag, mit dem Ziel, den Bundestag zum Vorbild für klimaverträgliches Handeln bei Gebäuden, Büros, Fuhrpark, Dienstreisen und Kantine zu machen, und hatte teilweise Erfolg.[3][4][5]

Die Zeitschrift Handelsblatt zählte ihn 2009 zur „jungen Elite Deutschlands“[6]. Sein frühes politisches Engagement für die Rechte und Interessen der heutigen Jugend und der künftigen Generationen brachte ihm laut Ernst Ulrich von Weizsäcker den Ruf als „Anwalt der Jugend“ ein.[7] Der Spiegel bezeichnete ihn 2009 als „Vorzeige-Mittzwanziger Deutschlands“.[8] Die Zeit Campus zählt ihn zu den „100 Studenten, von denen wir noch hören werden.“[9]

Bekanntheit erlangte er bei einer Aktion zivilen Ungehorsams beim UN-Klimagipfel 2010 im mexikanischen Cancun, wo er polizeilich vom Konferenzgelände entfernt wurde.[10]

Politische Standpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als seine drei radikalsten politischen Positionen nannte Gründinger gegenüber dem Spiegel: [11]

  1. einen vollständigen Wechsel des Energiesystems weg von fossilen und atomaren Energien hin zu 100 % Erneuerbaren Energien
  2. die Abschaffung der Altersgrenze beim Wahlrecht (Einführung eines Kinderwahlrechts)
  3. die vollständige Beseitigung von Altenprivilegien auf dem Arbeitsmarkt.

In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, der in der Zeit Campus veröffentlicht wurde, stellte Gründinger vier Forderungen:[12]

  1. Abbau umweltschädlicher Subventionen, Verzicht auf aktionistische Konsumspritzen, mehr Geld für Bildung, Forschung und erneuerbare Energien;
  2. bessere soziale Absicherung junger Familien, mehr Investitionen in öffentliche Kinderbetreuung, familienfreundliche Betriebe;
  3. verbindliche Regeln für faire Praktika, Abschaffung ungerechter Altenprivilegien;
  4. Einführung einer Bürgerversicherung im Rentensystem.

Im Jahr 2012 startete er eine Online-Petition gegen das EU-Überwachungsprogramm INDECT, um gegen den Abbau der Privatsphäre zu protestieren.[13]

Er war zudem Mitunterzeichner des überparteilichen Zukunftsmanifests von elf jungen Menschen unter 30 Jahren aus sechs Parteien, das im November 2012 in der ZEIT veröffentlicht wurde.[14]

Bei der im Januar 2013 entzündeten „Aufschrei“-Debatte über Alltagssexismus in Deutschland sympathisierte er mit dem Anliegen des Aufrufs und wandte sich gegen Versuche, sexuelle Bedrängung von Frauen kleinzureden. Jedoch müssten die gesellschaftlich geprägten Männer- und Frauenrollen insgesamt auf den Prüfstand, um die Debatte erfolgreich für den Feminismus zu nutzen.[15]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Junge Elite: 40 unter 40“, Ranking der 40 Toptalente im Bereich Staat und Gesellschaft, Capital[16]
  • Studierendenpreis des Bundesinnenministeriums (2012 und 2005)
  • “Leader of Tomorrow” – Knowledge Pool St. Gallen Symposium (2012)
  • “100 Studenten, von denen wir noch hören werden”, ZEIT CAMPUS (2010)
  • Auszeichnung als “Leading Changemaker” durch Ashoka Youth Venture (2009)
  • Gewinner Kreativwettbewerb für Erneuerbare Energien (2009)
  • “30 unter 30 – die junge Elite Deutschlands”, Handelsblatt Junge Karriere (2008)
  • Generationengerechtigkeitspreis (2007/08 und 2005/2006)
  • Buchpreis der Deutschen Umweltstiftung (2006/07)
  • Demografiepreis (2006/07)
  • Deutscher Studienpreis (2006)

Ehrenämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alte-Säcke-Politik. Wie wir unsere Zukunft verspielen. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, 978-3579086262
  • Meine kleine Volkspartei: Von einem Sozi, der absichtlich Pirat wurde. Eichborn, Köln 2013. ISBN 978-3-8479-0524-0.[17]
  • Wir Zukunftssucher. Wie Deutschland enkeltauglich wird. Körber, Hamburg 2012. ISBN 978-3-89684-092-9.
  • Lobbyismus im Klimaschutz. Der Einfluss der Interessengruppen auf die nationale Ausgestaltung des EU-Emissionshandels. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-531-18348-0.
  • Aufstand der Jungen – Wie wir den Krieg der Generationen vermeiden können. C.H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58685-9.
  • Die Energiefalle. Rückblick auf das Erdölzeitalter. C.H. Beck, München 2006, ISBN 978-3-406-54098-1.
  • Öko-Realismus. Die Krise der Umwelt und die Solare Revolution. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. E.U. von Weizsäcker. Schardt, Oldenburg 2002, ISBN 978-3-89841-066-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wolfgang Gründinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Steine schmeißen ist einfach nicht unser Stil“, Portrait auf Spiegel Online
  2. Kinder- und Jugendreport zum Nationalen Aktionsplan für ein kindgerechtes Deutschland (PDF; 675 kB)
  3. Club of Rome: Einladung zur Pressekonferenz, Dezember 2007
  4. Homepage „Klimaneutraler Bundestag“
  5. Seite der Initiative beim Think Tank 30 des Club of Rome
  6. Siehe Karriere (Magazin), Stand 27. Dezember 2008.
  7. Vorwort von Ernst Ulrich von Weizsäcker, in: Wolfgang Gründinger: Öko-Realismus. Oldenburg 2002, S. 5
  8. Steine schmeißen ist einfach nicht unser Stil Spiegel online vom 17. Juni 2009
  9. Die Liste der 100, PDF
  10. Die 14 von Cancun, Bericht auf Klimaretter.info
  11. SPIEGEL-Artikel „Wir Krisenkinder“ (PDF; 1,4 MB)
  12. Offener Brief an Angela Merkel: „Frau Merkel, warum geben Sie den Generationenvertrag auf?“, ZEIT Campus
  13. Petition bei change.org
  14. Das Zukunftsmanifest, ZEIT Online
  15. heute.de: „Wie sollen Männer denn jetzt sein?“ (Memento vom 12. April 2013 im Webarchiv archive.is), Gespräch mit Anke Domscheit-Berg
  16. [1] (PDF; 210 kB)
  17. [2]