Wolfgang Gründinger

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Wolfgang Gründinger (2021)

Wolfgang Gründinger (* 11. Juni 1984 in Tirschenreuth) ist Lobbyist und Publizist mit den Schwerpunkten Energiepolitik, Generationengerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründinger wurde als zweiter Sohn einer alleinerziehenden Gemüseverkäuferin geboren.[1] Er erhielt den Bachelor in Politikwissenschaft und Sozialwissenschaften an der Universität Regensburg sowie den Master in Demokratieforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der University of California in Santa Cruz, und absolvierte die Internet Leadership Academy der Universität Oxford. Seine Doktorarbeit legte er zur Rolle des Lobbyismus in der Energiewende und im Klimaschutz vor.

Sein politisches Engagement begann im Alter von 16 Jahren mit der Gründung des überparteilichen internationalen Jugendnetzwerks "Youth for Intergenerational Justice and Sustainability". Als 17-Jähriger war er Delegierter zum UN-Klimagipfel in Bonn, im Jahr darauf reiste er zum UN-Weltgipfel für Nachhaltigkeit in Johannesburg. Er war 2004 bis 2007 einziger deutscher Delegierter des Internationalen Jugendparlaments. 2005/2006 koordinierte er die weltweite Jugendarbeit für die UN-Millenniumsziele und wirkte am Kinder- und Jugendreport zum Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung für ein kindgerechtes Deutschland mit.[2] 2007/2008 initiierte er die Aktion Klimaneutraler Bundestag, mit dem Ziel, den Bundestag zum Vorbild für klimaverträgliches Handeln bei Gebäuden, Büros, Fuhrpark, Dienstreisen und Kantine zu machen, und hatte teilweise Erfolg.[3][4][5]

Er ist Botschafter der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, Mitglied im Think Tank 30, der jungen Denkfabrik des Club of Rome,[6] European Digital Leader des World Economic Forum, Mitglied im Ethikrat von Facebook,[7] Beirat der Deutschen Umweltstiftung[8] und der Scientists for Future, Responsible Leader der BMW Foundation, sowie im Nachhaltigkeitsrat des GEO Magazins. Er war außerdem Mitglied im Landesrat für digitale Entwicklung und Kultur der Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz Malu Dreyer und Mitglied der Medien- und Netzpolitischen Kommission beim SPD-Parteivorstand.

Die Zeitschrift Handelsblatt zählte ihn 2009 zu den "Top 30 unter 30" und der „jungen Elite Deutschlands“.[9] Die Zeitschrift Capital nahm in zweifach zu den "Top 40 unter 40" auf.[10] Die Zeit Campus zählte ihn 2010 zu den „100 Studenten, von denen wir noch hören werden.“[11] Das Magazin politik&kommunikation rechnete ihn zu den „wichtigsten Akteuren der Digitalisierung im politischen Berlin“.[12] Sein frühes politisches Engagement für die Rechte und Interessen der heutigen Jugend und der künftigen Generationen brachte ihm laut Ernst Ulrich von Weizsäcker den Ruf als „Anwalt der Jugend“ ein.[13] Der Spiegel bezeichnete ihn 2009 als „Vorzeige-Mittzwanziger Deutschlands“.[1]

Derzeit ist Gründinger als Chief Evangelist beim Berliner Solar-Startup Enpal tätig. Zuvor war er im Cyber Innovation Hub der Bundeswehr und beim Bundesverband Digitale Wirtschaft.[14][15]

Er ist Autor von sieben Büchern.

Politische Standpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als seine drei radikalsten politischen Positionen nannte Gründinger 2009 gegenüber dem Spiegel:[16]

  1. einen vollständigen Wechsel des Energiesystems weg von fossilen und atomaren Energien hin zu 100 % erneuerbaren Energien
  2. die Abschaffung der Altersgrenze beim Wahlrecht (Einführung eines Kinderwahlrechts)
  3. die vollständige Beseitigung von Altenprivilegien auf dem Arbeitsmarkt.

In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, der 2009 in der Zeit Campus veröffentlicht wurde, stellte Gründinger vier Forderungen:[17]

  1. Abbau umweltschädlicher Subventionen, Verzicht auf aktionistische Konsumspritzen, mehr Geld für Bildung, Forschung und erneuerbare Energien;
  2. bessere soziale Absicherung junger Familien, mehr Investitionen in öffentliche Kinderbetreuung, familienfreundliche Betriebe;
  3. verbindliche Regeln für faire Praktika, Abschaffung ungerechter Altenprivilegien;
  4. Einführung einer Bürgerversicherung im Rentensystem.

Im Jahr 2012 startete er auf change.org eine Online-Petition gegen das EU-Überwachungsprogramm INDECT, um gegen den Abbau der Privatsphäre zu protestieren.[18]

Er war zudem Mitunterzeichner des überparteilichen Zukunftsmanifests von elf jungen Menschen unter 30 Jahren aus sechs Parteien, u. a. mit Diana Kinnert, das im November 2012 in der ZEIT veröffentlicht wurde.[19]

Bei der im Januar 2013 entzündeten „Aufschrei“-Debatte über Alltagssexismus in Deutschland sympathisierte er mit dem Anliegen des Aufrufs und wandte sich gegen Versuche, sexuelle Bedrängung von Frauen kleinzureden. Jedoch müssten die gesellschaftlich geprägten Männer- und Frauenrollen insgesamt auf den Prüfstand, um die Debatte erfolgreich für den Feminismus zu nutzen.[20]

Vor dem Bundesverfassungsgericht legte er eine Wahlanfechtung der Bundestagswahl 2013 ein, weil Kinder und Jugendliche vom Wahlrecht ausgeschlossen waren.[21]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wolfgang Gründinger – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Sandra Schulz: Steine schmeißen ist einfach nicht unser Stil. In: Spiegel online. 17. Juni 2009.
  2. Für ein kindergerechtes Deutschland 2005–2010. Kinder- und Jugendreport zum Nationalen Aktionsplan. (PDF; 675 kB)
  3. Club of Rome: Einladung zur Pressekonferenz. Initiative „Klimaneutraler Bundestag“. (Memento vom 8. Februar 2012 im Internet Archive) Dezember 2007.
  4. Homepage „Klimaneutraler Bundestag“
  5. Seite der Initiative beim Think Tank 30 des Club of Rome (Memento vom 17. Mai 2013 im Internet Archive)
  6. Think Tank 30 Deutschland. Abgerufen am 9. Juli 2021 (deutsch).
  7. Wie nah sind sich Deutscher Ethikrat und Facebook? Abgerufen am 9. Juli 2021.
  8. Wolfgang Gründinger. Abgerufen am 9. Juli 2021 (deutsch).
  9. In: Junge Karriere. 27. Dezember 2008.
  10. Das sind die Shutdown-Routinen der Top 40 unter 40. 14. Mai 2020, abgerufen am 9. Juli 2021 (deutsch).
  11. Justus Bender: Die Liste der 100. auf: Zeit Campus. 20. April 2010.
  12. Das sind die wichtigsten Akteure der Digitalisierung. Abgerufen am 9. Juli 2021.
  13. Ernst Ulrich von Weizsäcker: Vorwort. In: Wolfgang Gründinger: Öko-Realismus. Oldenburg 2002, S. 5.
  14. Gründinger ist Chief Evangelist bei Enpal. Abgerufen am 9. Juli 2021.
  15. Gründinger neu beim Cyber Innovation Hub der Bundeswehr. Abgerufen am 9. Juli 2021.
  16. Die Krisenprofis. In: Der Spiegel. 25, 2009, S. 48ff. (PDF; 1,4 MB)
  17. Frau Merkel, warum geben Sie den Generationenvertrag auf? Offener Brief an Angela Merkel. auf: Zeit Campus. 15. April 2009.
  18. Jetzt #INDECT und Überwachungsstaat stoppen! Petition bei change.org
  19. Unsere Zukunft klingt nach Katastrophe. auf: Zeit Online.
  20. heute.de: „Wie sollen Männer denn jetzt sein?“ (Memento vom 12. April 2013 im Webarchiv archive.today), Gespräch mit Anke Domscheit-Berg
  21. Wolfgang Gründinger: Verfassungsrichter lehnen Wahlrechts-Beschwerde von Jugendlichen ab. 15. Mai 2016, abgerufen am 27. November 2020.
  22. #Male Heroes. In: Female One Zero. Abgerufen am 27. November 2020 (amerikanisches Englisch).
  23. Preisbücher. Abgerufen am 27. November 2020.
  24. wolfgang-gruendinger.de (PDF; 210 kB)
  25. Als Sozi bei den Piraten. auf: Zeit online. 15. Februar 2013.