Österreichischer Touristenklub

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Österreichischer Touristenklub (ÖTK)
Gründung: 1869
Gründungsort: Wien
Vereine (ca.): 35 Sektionen (53 Hütten)
Mitglieder (ca.): 25000 (2013)
Homepage: www.oetk.at

Der Österreichische Touristenklub (ÖTK) ist der zweitälteste und drittgrößte alpine Verein in Österreich.

Organisation[Bearbeiten]

Der Österreichische Touristenklub hat seine Zentrale in Wien und umfasst 35 Sektionen in Österreich und eine Sektion in Dresden, Deutschland. Darüber hinaus haben sich drei alpine Verbände aus der Tschechischen Republik und ein Verband aus Ungarn dem ÖTK angeschlossen.

Sein Ziel ist es, Menschen die Erholung und Betätigung im Hochgebirge zu erleichtern. Dazu betreibt der ÖTK 53 Schutzhütten wie z. B. das Defreggerhaus am Großvenediger und betreut ein ausgedehntes Wegenetz. Außerdem existiert seit 1926 eine Bergsteigerschule, die in Kursen Kenntnisse in den Spielarten des Alpinismus vermittelt. Außerdem werden, wie auch bei den anderen alpinen Vereinen üblich, geführte Touren und Kulturfahrten angeboten.

Der ÖTK ist Mitglied im Verband Alpiner Vereine Österreichs (VAVÖ).

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung 1869[Bearbeiten]

Die Gründung des Klubs geht zurück auf die Initiative von Gustav Jäger (1815–1875),[1] Herausgeber von Der Tourist,[2] dem ersten touristischen Fachblatt Österreichs. Jäger zielte mit seinen Interessen, anders als der seit 1862 bestehende Österreichische Alpenverein, zuvörderst auf die Naturgegebenheiten in seiner näheren Heimat, Wien und Niederösterreich.[3]

Mit dem Vorhaben einer Vereinsgründung traf sich Gustav Jäger ab dem Frühjahr 1869 regelmäßig mit Gleichgesinnten, darunter der Südbahnbeamte Lambert Märzroth, Paul Grohmann, Adolf Blamauer, Josef Anton Specht. Am 18. Mai 1869 erfolgte im Gasthaus „zur Schnecke“, Wien I., Petersplatz 6–6A, die Konstituierung des ÖTK.[3][Anm. 1] In der am 2. August des Jahres abgehaltenen ersten Ausschußsitzung wurden (der ein Jahr zuvor pensionierte Ministerialbeamte) Gustav Ritter von Höfken (1811–1889) als Obmann sowie, als dessen Stellvertreter, Gustav Jäger gewählt, der im Wege des Redaktionsbüros von Der Tourist, Wien I., Salzgries 14, Vereinsbeitritte entgegennahm.[4] Am 2. November 1869 fand die erste Monatsversammlung des Vereins statt. Die jeweils für den ersten Dienstag des Monats anberaumten Versammlungen inkludierten Gesellige Zusammenkünfte, die Raum für freien Vortrag und Diskussion boten. Versammlungsort war das Gasthaus „zur goldenen Ente“, Wien I., Schulerstraße 24, Ecke zur Riemergasse 4.[5]

Bereits am 12. September 1869 wurde das von Gustav Jäger initiierte und erbaute, auf 1.737 m gelegene Touristenhaus am Stuhleck (später: Gustav-Jäger-Schutzhaus) festlich eröffnet.[6][Anm. 2] Im Oktober 1869 übergab der Verein dem (ein paar Jahre später im Roman Die Geier-Wally verewigten) Bergführer Benedict Klotz aus Rofenhöfe 20 Gulden als Beitrag für den Ausbau des Unterstandshauses am Hochjochferner.[7]

Zeitliche Entwicklung[Bearbeiten]

Der ÖTK hatte 1910 inkl. der Sektionen in den Nachbarländern ca. 30.000 Mitglieder. 1921 erreichte die Anzahl 35.000 in 44 Sektionen bevor sie durch den erzwungenen Austritt der jüdischen Mitglieder auf Grund des eingeführten Arierparagraphen[8], sowie wegen des Zweiten Weltkrieges und in Folge bis 1986 auf rund 15.000 zurückging. 2013 hält der ÖTK bei rund 25.000 Mitgliedern.

ÖTK-Schilder auf dem Leopoldsberg

Nach längeren Planung wurden 1995 im Klubhaus in Wien die ersten Räume als Kletterhalle ausgebaut, nach den ersten Erfolgen folgte 1998 der Ausbau in den dazu überdachten Hof, 2001 dann der Durchbruch über zwei Geschoße in die hohen Gewölbe aus dem 14. Jahrhundert und der Aufstieg zur größten Kletterhalle im Zentrum Wiens.

Eine bemerkenswerte Leistung der letzten Jahre (2004–2005) war die weltweit erste Errichtung einer neuen Schutzhütte (Schiestlhaus) als Passivhaus in extremer Lage am Hochschwab in 2158 m Seehöhe. Dieses Projekt wurde von dem Architekturbüro Treberspurg und Partner durchgeführt.

Literatur[Bearbeiten]

  • (Emerich) Klotzberg: Gustav Jäger-Gedenkfeier. In: Oesterreichische Touristen-Zeitung / Österreichische Touristen-Zeitung / Österreichische Turisten-Zeitung / Österreichische Turistenzeitung, Jahrgang 1900, Nr. 10, 16. Mai 1900 (XX. Jahrgang), S. 109–114. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/otz.
  • Rudl Klose: Einhundert Jahre Österreichischer Touristenklub 1869–1969. Festschrift anläßlich des hundertjährigen Bestandes. Österreichischer Touristenklub, Wien 1969.
  • Otto W. Steiner (Red.): Österreichischer Touristenklub. 100 Jahre Österreichischer Touristenklub, 1869–1969. Wien 1969.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Österreichischer Touristenklub – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jäger, Gustav. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 55.
  2. ZDB-ID 552359-x.
  3. a b Der Oesterreichische Touristenklub in Wien.. In: Die Neue Zeitung, Nr. 270/1919 (XII. Jahrgang), 2. Oktober 1919, S. 3 unten (sowie Titelblatt). (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nzg.
  4. Vereins-Nachrichten. (…) Oesterreichischer Touristenclub in Wien. In: Local-Anzeiger der „Presse“, Beilage zu Nr. 221/1869 (XXII. Jahrgang), 11. August 1869, S. 3 (unpaginiert), oben links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr;
    Tagesneuigkeiten. (…) Der österreichische Touristen-Klub in Wien (…). In: Neues Fremden-Blatt, Abendblatt, Nr. 215/1869 (V. Jahrgang), 5. August 1869, S. 2 (unpaginiert), unten rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfb.
  5. Kleine Chronik. (…) Vereinsnachricht. In: Wiener Zeitung, Nr. 251/1869, 2. November 1869, S. 1003, oben links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.
  6. Kleine Chronik. (…) Touristenhaus am Stuhleck. In: Wiener Zeitung, Nr. 213/1869, 16. September 1869, S. 888, unten links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.
  7. G(ustav) J(äger): Der österreichische Touristen-Klub in Wien hat dem Führer (…). In: Beilage zu Nr. 47 des Figaro, Nr. 47/1869 (XIII. Jahrgang), 9. Oktober 1869, S. 1 (unpaginiert) Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/fig.
  8. Rainer Amstädter: Von der Gründung der alpinen Vereine zum Tat-Antisemitismus der Zwischenkriegszeit. In: ÖTK Magazin 3/12. Österreichischer Touristenklub, 1912, S. 10, abgerufen am 8. April 2014 (einsehbar auf issuu.com).

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Möglicherweise erfolgte die Konstituierung bereits im April 1869. – Siehe: Vereins- und Volksversammlungen. (…) Neuer Verein. In: Morgen-Post, Nr. 115/1869 (XIX. Jahrgang), 26. April 1869, S. 4 (unpaginiert), oben links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/mop.
  2. Circa zehn Gehminuten unterhalb des von der Alpenvereinssektion Semmering erbauten, 1892 abgebrannten Stuhleckhauses. – Karl Baedeker: Südbaiern, Tirol und Salzburg. Ober- und Nieder-Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain. Handbuch für Reisende. 25. Auflage. Baedekers Reisehandbücher. Baedeker, Leipzig 1892, OBV, S. 384.