Übertragungsfunktion
Eine Übertragungsfunktion beschreibt die Abhängigkeit des Ausgangssignals eines linearen, zeitinvarianten Systems (LZI-System) von dessen Eingangssignal im Bildbereich (Frequenzbereich, s-Bereich). Sie wird definiert als Quotient der transformierten Ausgangsgröße
zur transformierten Eingangsgröße
:
Die Übertragungsfunktion G(s) beschreibt das Eigenverhalten des Übertragungssystems vollständig und unabhängig von den Signalen. Eine Übertragungsfunktion ermöglicht es somit, das Ausgangssignal des Übertragungssystems aus dem Eingangssignal und der Übertragungsfunktion zu berechnen.
Dynamische zeitinvariante Systeme mit konzentrierten Energiespeichern (z.B. Feder-Masse-Systeme oder elektrische L-, C- und R-Glieder) werden durch gewöhnliche Differenzialgleichungen mit konstanten Koeffizienten beschrieben. Wenn sich das System im Ruhezustand befindet, haben die Energiespeicher den Wert Null. Unter dieser Bedingung, dass die Anfangsbedingungen der systembeschreibenden Differenzialgleichung zu dem betrachteten Zeitpunkt
gleich Null sind, ist die Übertragungsfunktion des Systems gleich der laplacetransformierten Differenzialgleichung des Systems. Durch Anwendung des Differentiationssatzes und des Integrationssatzes der Laplace-Transformation kann jeder Term der Differenzialgleichung einzeln transformiert und daraus die Übertragungsfunktion gebildet werden. Es können auch die Differenzialgleichungen einzelner Komponenten des Übertragungssystems transformiert werden und daraus die Übertragungsfunktion berechnet werden.
Die Übertragungsfunktion
kann immer als gebrochen-rationale Funktion geschrieben werden. Durch die Nullstellenbestimmung des Polynoms im Zähler und des Polynoms im Nenner (= Pole) lässt sich die Übertragungsfunktion in Linearfaktoren aufteilen. Bestimmte Eigenschaften des Systems lassen sich bereits ohne Rückransformation in den Zeitbereich direkt aus dieser Darstellung der Übertragungsfunktion ableiten.
Im Zeitbereich betrachtet, haben die Terme
im Zähler ein differenzierendes Verhalten, im Nenner haben sie ein global verzögerndes oder integrierendes Verhalten. Dies gilt auch für die Behandlung linearer nicht-phasenminimaler (instabiler) Übertragungssysteme.
Der Übertragungsfunktion eines Systems
kann die transzendente Funktion des Totzeitgliedes
multiplikativ angehängt werden zu
. Diese Form der Übertragungsfunktion als Gesamtsystem ist nur für Frequenzgang-Analysen geeignet.
[Bearbeiten] Vom Zeitbereich zum Bildbereich
Die Eingangssignale von Systemen werden durch die Eigenschaften des Systems in Ausgangsgrößen überführt. Eine lineare zeitinvariante Transformation (LZI-System) wird im Zeitbereich durch die Impulsantwort (auch Gewichtsfunktion)
vollständig beschrieben, die im Mehrgrößenfall eine Matrix der Impulsantworten ist. Man erhält den Ausgang
aus dem Eingang
durch Faltung der Gewichtsfunktion mit dem Eingangssignal,
wobei * den Faltungsoperator bezeichnet. Die Auswertung des Faltungsintegrals ist in vielen Fällen schwierig oder in geschlossener Form nicht möglich. Deshalb werden die Funktionen des Zeitbereichs in Funktionen des Bildbereichs mit Hilfe der Korrespondenztabelle transformiert.
| Zeitbereich Abhängig von t |
Bildbereich Abhängig von s |
|
| x(t) | ![]() |
X(s) |
| y(t) | ![]() |
Y(s) |
| g(t) | ![]() |
G(s) |
In diesem Falle werden Integral- und Differentialoperatoren auf einfache Multiplikationen und Divisionen reduziert. Dadurch vereinfacht sich die mathematische Beschreibung der Systeme in der Praxis deutlich.
Nach den Regeln der Signalflussalgebra können einfache Systeme zu komplexen Systemen zusammengesetzt und mathematisch untersucht werden.
Die Ausgangsgröße im Zeitbereich ist durch die Rücktransformation mit Hilfe der Korrespondenztabelle möglich. Aber durch bestimmte Umformung der Übertragungsfunktion sind die Eigenschaften des Systems auch direkt im Bildberich ablesbar, wie es die nachfolgenden Kapitel beschreiben.
[Bearbeiten] Varianten der Integraltransformationen
Für die Transformation in den Bildbereich sind für analoge (zeitkontinuierliche) Signale in folgender Tabelle beschriebene Integraltransformationen möglich. Beide Transformationen ähneln einander sehr stark. Sie haben jedoch im Detail unterschiedliche Eigenschaften[1]
| einseitige Laplace-Transformation | Kontinuierliche Fourier-Transformation | |
|---|---|---|
| Transformation | ![]() |
![]() |
| Variable der Bildfunktion | ![]() |
![]() |
| Randbedingung | ![]() |
|
| Bemerkungen | Aufgrund des um ein Dämpfungs- bzw. Verstärkungsglied (δ) erweiterten Transformationskern besitzt die Laplacetransformation einen stark erweiterten Bereich möglicher Signale, so dass ein im Vergleich zur Fouriertransformation erweitertes Spektrum an möglichen Signalen und Übertragungssystemen beschrieben werden kann. Wesentliche Einschränkungen sind die erforderliche Konvergenz der Transformation und die Beschränkung auf kausale Signale. Kausale Signale können nur für Zeiten t > 0 einen von Null verschiedenen Wert annehmen. Die Beschränkung auf kausale Signale kann durch Anwendung der zweiseitigen Laplacetransformation umgangen werden. | Die Fourier-Transformation transformiert sowohl kausale, als auch nichtkausale Signale. Nichtkausale Systeme reagieren auf die Änderung des Eingangssignals, noch bevor diese Änderungen tatsächlich stattgefunden haben. Obwohl in der Natur nur kausale Übertragungssysteme vorkommen, sind nichtkausale Systeme wie beispielsweise der ideale Tiefpass wichtige Elemente der Übertragungstheorie. Technisch lassen sich nichtkausale Systeme nur näherungsweise durch zeitverzögerte Ausgabe realisieren. |
Aus der Beziehung
folgt, wenn
die Maßeinheit der Zeit hat, dass die Maßeinheit der komplexen Variablen
die Frequenz ist. Aus der oben angegebenen Beziehung ist auch zu entnehmen, dass
die Dämpfungskonstante und
die Kreisfrequenz einer Schwingung darstellt. Der Bildbereich wird deshalb oft als „komplexer Frequenzbereich“ bezeichnet.
Ebenso wie für zeitkontinuierliche Signale lassen sich auch für zeitdiskrete Signale (Digitalsignale und analoge) Übertragungsfunktionen definieren. Sie beschreiben Systeme, die im Zeitbereich durch lineare Differenzengleichungen beschrieben werden müssten[2]
Mögliche Transformationen für zeitdiskrete Signale sind
- die zeitdiskrete Fourier-Transformation
- die einseitige und zweiseitige Z-Transformation für die Laplace-Transformation.
[Bearbeiten] Allgemeine Darstellungsformen der Übertragungsfunktion
Aus der Laplace-Transformation einer systembeschreibenden Differenzialgleichung entsteht die Grundform der Übertragungsfunktion G(s) in Polynom-Darstellung. Daraus lassen sich weitere bekannte Schreibweisen der Übertragungsfunktionen errechnen, die unterschiedliche Eigenschaften für die Berechnung der Ausgangsgröße y(t) im Zeitbereich des Übertragungssystems G(s) bei gegebenem Eingangssignal U(s) aufweisen. Alle Formen der Übertragungsfunktionen sind mathematisch bei Rückrechnung mit der Polynomdarstellung identisch.
-
Übertragungsfunktion Darstellungsform im s-Bereich Polynom-Darstellung 
Pol-Nullstellen-Darstellung 
Wenn Linearfaktoren 1. Ordnung mit Absolutglied negative Zahlenwerte haben:

Zeitkonstanten-Darstellung 
Für reelle Linearfaktoren 1. Ordnung mit Absolutglied und negativen Zahlenwerten.Partialbruch-Darstellung 
Für reelle Linearfaktoren 1. Ordnung mit Absolutglied.
Die Zerlegung der Zähler- und Nennerpolynome der Übertragungsfunktion in je eine Produktform (Linearfaktoren) gestattet eine einfache detaillierte Interpretation des Systemverhaltens und der Bestimmung der Koeffizienten des Übertragungssystems. Diese Zerlegung in Linearfaktoren (Faktorisierung von Polynomen) erfolgt durch die Bestimmung der Nullstellen der Polynome.
Ein lineares zeitinvariantes Übertragungssystem ohne Totzeit ist durch Pole, Nullstellen und Proportionalitätsfaktoren der Übertragungsfunktion vollständig bestimmt.
Die Linearfaktoren symbolisieren als kleinste Übertragungseinheit ein typisches System-Zeitverhalten, das sich zusätzlich konträr verhält, ob die Linearfaktoren im Nenner oder Zähler der Übertragungsfunktion stehen.
Die Übertragungsfunktion
eines dynamischen Übertragungssystems kann einfache und mehrfache Linearfaktoren im Zähler und Nenner enthalten. Derartige Systeme beschreiben das Frequenzverhalten mit der komplexen Frequenz
. mit einem Systemeingang
und einen Systemausgang
.
Elektrische , mechanische, biologische und andere dynamische Systeme können durch die gleiche Form der Übertragungsfunktion beschrieben werden, wenn die Anzahl und die Struktur der Systemspeicher identisch sind.
Die Übertragungsfunktion eines dynamischen Systems kann algebraisch für die multiplikative (Reihenstruktur), subtraktive, additive und zurückgekoppelte Struktur (Regelkreis) beliebig zusammengestellt werden. Dabei kann es sich um einen industriellen Prozess, um eine Steuerstrecke, eine Regelstrecke, einen Regler oder einen Regelkreis handeln. Zum Beispiel kann die Übertragungsfunktion des sehr bekannten PID-Reglers in der Reihenstruktur oder Parallelstruktur beschrieben werden, die sich äußerlich nicht gleichen, aber bei unterschiedlichen Koeffizienten ein identisches Frequenz- und Zeitverhalten haben. Beide Schreibweisen haben technische Vorteile.
Die folgenden idealen PID-Reglerstrukturen sind mathematisch identisch. Die Koeffizienten T1 und T2 ergeben sich durch Faktorenvergleich mit den Koeffizienten
,
und
:
-
PID-Reglerstruktur Übertragungsfunktion mit Nullstellenüberschuss Reihenstruktur 
Parallelstruktur 
Weitere algebraische Beziehungen unterschiedlicher Signalstrukturen (Signalflussalgebra) als Blockdarstellungen sind im Artikel Signalflussplan beschrieben.
[Bearbeiten] Grundlagen Mehrgrößensysteme
Industrielle Prozesse können unterschiedliche abgegrenzte dynamische Systeme enthalten, die untereinander vermascht sind und mehrere Ausgangssignale und Eingangssignale haben. Solche Systeme werden im Gegensatz zu Eingrößensystemen als Mehrgrößensysteme bezeichnet. Die zugehörigen Übertragungsfunktionen stellen sich als Grafik symbolisch durch einen Block dar. Die Pfeile an den Ein- und Ausgängen eines Blockes zeigen die Richtung und die Verknüpfung des Signalflusses an. Das Gesamtsystem entspricht einem mathematischen Modell.
Hat ein Gesamtsystem beispielsweise je 2 Ein- und Ausgänge, deren Teilsysteme miteinander additiv vermascht sind, so kann die Übertragungsfunktion als Übertragungsmatrix geschrieben werden. Es werden P-kanonische und V-kanonische Strukturen unterschieden.
(Siehe Artikel Regler "Regler für Mehrgrößensysteme", Artikel Regelstrecke "Mehrgrößensysteme"
In Matrix-Vektor-Schreibweise ergibt sich folgende Darstellung als Übertragungsmatrix:
Allgemein lässt sich ein Mehrgrößensystem z. B. eine Regelstrecke mit beliebiger Anzahl von Eingängen (Stellgrößen) und Ausgängen (Regelgrößen) durch folgende Matrixgleichung beschreiben:
Die genannten Größen haben folgende Bedeutung:
= Regelgrößenvektor,
= Strecken-Übertragungsmatrix,
= Stellgrößenvektor.
[Bearbeiten] Bestimmung der Nullstellen von Polynomen
Unter dem Begriff Nullstellen versteht man jene Werte, die in eine Funktion
eingesetzt, den Funktionswert Null liefern. Nullstellen von Polynomen werden in der Mathematik auch häufig mit Wurzeln oder Nullstellen bezeichnet. In der Regelungstechnik werden die Nullstellen des Zählerpolynoms mit Wurzeln oder Nullstellen, die des Nennerpolynoms mit Polen bezeichnet.
Ein Polynom
-ten Grades hat genau
Nullstellen bzw.
Pole. Diese Nullstellen und Pole können reelle oder komplexe Zahlen sein.
Die Nullstellen eines Polynoms 2. Ordnung lassen sich durch die bekannte Formel der quadratischen Gleichung lösen. Für Polynome bis 4. Ordnung existieren Rechenprogramme, die auch im Internet unter dem Suchbegriff "Nullstellen (Lösungen) von Polynomen" zu finden sind. Polynome noch höherer Ordnung können numerisch mit dem Newton-Verfahren gelöst werden.
[Bearbeiten] Linearfaktoren
Linearfaktoren[3] sind Produktterme eines Polynoms. Sind die Nullstellen eines Polynoms bekannt, können im Zählerpolynom die Linearfaktoren der Pol-Nullstellen-Darstellung z. B. mit der Nullstelle
der Linearfaktor
oder im Nenner mit dem Pol
der Linearfaktor
gebildet werden.
Bei reellen Nullstellen entsteht der Produktterm 1. Ordnung
, wenn der Wert der Nullstelle
negativ ist (stabiles System).
Konjugiert komplexe Nullstellen werden der Einfachheit halber zu quadratischen Termen zusammen gefasst, in denen nur reelle Koeffizienten auftreten. ![[s - (a+jb)] * [s -(a - jb)]](http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/math/f/4/1/f413e9bf7ceedb174407d91659379693.png)
[Bearbeiten] Verstärkungsfaktor K
Erst durch die Kenntnis der Produktform mit Linearfaktoren ist eine Rücktransformation des Systemverhaltens in den Zeitbereich möglich.[4][5]
In den Laplace-Transformationstabellen zur Berechnung des System-Zeitverhaltens werden für die Linearfaktoren in der Pol-Nullstellen-Darstellung die Werte von Polen und Nullstellen meistens die Buchstaben
verwendet. In der Zeitkonstanten-Darstellung treten anstelle der Nullstellen und Pole deren Reziprokwerte als Zeitkonstanten. In beiden Darstellungsformen sind Faktoren zu berücksichtigen, die im s-Bereich und Zeitbereich identisch sind, d.h. nicht transformiert werden.
Die Verstärkungsfaktoren der Pol-Nullstellen-Darstellung
und der Zeitkonstanten-Darstellung
sind unterschiedlich. Da sich die Verstärkungsfaktoren aus der Polynomdarstellung der Übertragungsfunktion errechnen, müssen im Falle der Rückrechnung der beiden Formen in die Polynom-Darstellung identische Polynome ergeben.
- Der Verstärkungsfaktor der Pol-Nullstellen-Darstellung
errechnet sich aus den Koeffizienten der Polynom-Darstellung.
- Wenn sich in der Pol-Nullstellen-Darstellung ein Pol oder Nullstelle ändert, dann ändert sich auch die Verstärkung
.
- Der statische Verstärkungsfaktor
der Zeitkonstanten-Darstellung berechnet sich aus
der Polynom-Darstellung oder mit den Polen und Nullstellen aus der Pol-Nullstellen-Darstellung. Siehe Tabelle!
- Wenn sich in der Zeitkonstanten-Darstellung eine Zeitkonstante ändert, bleibt die statische Verstärkung
konstant.
Maximal existieren 3 unterschiedliche Linearfaktoren für phasenminimale Übertragungssysteme. Bei nichtphasenminimalen Systemen mit Absolutglied (positive Pole und / oder Nullstellen) existieren 2 weitere Linearfaktoren, die sich an dem negativen Vorzeichen erkennen lassen.
-
Linearfaktoren
Ordnung des PolynomsPol-Nullstellen-Darstellung Zeitkonstanten-Darstellung Linearfaktor 1. Ordnung
ohne Absolutglied
der DGL

Linearfaktor 1. Ordnung
(Phasenminimumsystem)
(a; b; c...) Wert der negativen Nullstelle oder Pol
mit T = 1 / aLinearfaktor 2. Ordnung
mit konjugiert komplexen
Nullstellen
(Phasenminimumsystem)![[s - (a +jb)] \cdot [s - (a -jb)] = \,](//upload.wikimedia.org/wikipedia/de/math/2/9/5/295bc562f4d007fb3608bb0fe1133261.png)




mit T² = 1/q; p/q = 2DT; D < 1 = DämpfungVerstärkungsfaktoren
der Übertragungsfunktion

[Bearbeiten] Polynom-Darstellung
Die Anwendung der Laplace-Transformation einer systembeschreibenden Differenzialgleichung führt zu der Übertragungsfunktion als gebrochen-rationale Funktion in die Polynom-Darstellung. Dabei werden die Koeffizienten der Differenzialgleichung in die Übertragungsfunktion vollständig übernommen. Anstelle der Ableitungen der Differenzialgleichung tritt der Laplace-Operator
entsprechend dem Grad der Ableitung als Potenz von
auf.
Erst die Aufspaltung der Polynome im Nenner und Zähler der Übertragungsfunktion in Linearfaktoren (Teilsysteme, Produktterme) 1. Ordnung und 2. Ordnung (mit konjugiert komplexen Polen) zeigt anschaulich im nächsten Kapitel jeweils im Zähler und Nenner maximal drei verschiedene Linearfaktoren, mit fundamental unterschiedlichen Eigenschaften im Zeitbereich.
[Bearbeiten] Zeitkontinuierliche lineare Systeme werden im Zeitbereich durch die lineare Differentialgleichung n-ter Ordnung beschrieben
ist Ausgangs- und
Eingangssignal als Funktion der Zeit,
die 1. Ableitung nach der Zeit.
Wenn die Koeffizienten
und
konstant (also zeitunabhängig) sind, ist die Laplace-Transformation ausführbar.
Mit den vorgegebenen Anfangsbedingungen für das Ein- und Ausgangssignal (Werte zum Zeitpunkt
)
für alle 
für alle 
lautet die Laplace-Transformierte der Ein- und Ausgangsgrößen
und
sind die komplexe Eingangs- bzw. Ausgangsfunktion in Abhängigkeit von der komplexen Variablen
im Bildbereich.
Die Laplace-Transformierte der Differenzialgleichung ist
.
Es handelt sich anstelle der Differenzialgleichung um eine algebraische Gleichung, deren Analyse mit Methoden der Algebra möglich ist.
[Bearbeiten] Die Übertragungsfunktion G(s) in Polynomdarstellung
ist das Verhältnis der Laplace-Transformierten der Wirkung (Ausgang) durch die Laplacetransformierte der Ursache (Eingang):
Die statische Verstärkung
des Übertragungssystems ist durch das Verhältnis der Koeffizienten
bestimmt.
Alle Koeffizienten der Differenzialgleichung, die das Zeitverhalten bestimmen, sind in der Übertragungsfunktion im Nenner enthalten. Die Koeffizienten des Zählers bestimmen die Größe der Amplitude
. Die Übertragungsfunktion beschreibt das Verhalten des Systems vollständig. Damit ist es möglich, Aussagen über das Verhalten des Systems ohne Lösung der Differenzialgleichung zu erhalten.
Die Übertragungsfunktion ist eine analytische Funktion. Da sie Funktion der komplexen Variablen
ist, kann sie als
geschrieben werden. Das ist eine Abbildung der von
aufgespannten
-Ebene in die von
aufgespannte
-Ebene. Alle Methoden der Funktionentheorie können zur Analyse eingesetzt werden. Das Erstellen einer Grafik ist wegen der vier Dimensionen nur in zwei dreidimensionalen Grafiken möglich, z. B. als
[Bearbeiten] Pol-Nullstellen-Darstellung
Die Nullstellen eines Polynoms sind unabhängig von Polynomfaktoren. Der System-Verstärkungsfaktor der Übertragungsfunktion in der Pol-Nullstellen-Darstellung beträgt
.
Nach dem Fundamentalsatz der Algebra gilt für ein Polynom:
mit dessen Nullstellen
. Sie können einfach oder mehrfach, reell oder paarweise konjugiert komplex sein.
Die Übertragungsfunktion in Pol-Nullstellen-Darstellung lautet:
In dieser allgemeinen Darstellung ist noch nicht definiert, um welche Art von Linearfaktoren es sich bei der Übertragungsfunktion handelt. Das Systemverhalten wird erst deutlich, wenn Zahlenwerte für die Nullstellen, Pole und Verstärkung
vorliegen.
Bei gegebenen Zahlenwerten mit den
(Nullstellen) und den
(Polen, Nullstellen des Nennerpolynoms) ist die Übertragungsfunktion vollständig bestimmt und mit der Polynom-Darstellung identisch. Diese Darstellung ist für allgemeine Aussagen über das System z. B. für Stabilitätsuntersuchungen wichtig.
[Bearbeiten] Zeitkonstanten-Darstellung
Linearfaktoren in der Zeitkonstanten-Darstellung errechnen sich aus der Pol-Nullstellen-Darstellung, indem die Pole und Nullstellen mit
und
als Zeitkonstanten bezeichnet werden.
Die Zeitkonstanten-Darstellung errechnet sich direkt aus der Pol-Nullstellendarstellung, indem der Produktterm so umgeformt wird, dass beide Formen mathematisch identisch sind:
mit
.
Übertragungsfunktion in Zeitkonstanten-Darstellung mit dem Linearfaktor 1. Ordnung mit Absolutglied eines phasenminimalen Systems:
-
Globales Proportionalverhalten für
und
.
[Bearbeiten] Vorteil der Zeitkonstanten-Darstellung
- Das Zeitverhalten ist direkt ablesbar.
- Die statische Verstärkung ändert sich nicht, wenn eine Zeitkonstante geändert wird.
[Bearbeiten] Zeitliches Verhalten in Abhängigkeit von der Pol-Nullstellen-Anzahl
Je nach Anzahl der Pole
und Nullstellen
einer Übertragungsfunktion ergibt sich folgendes Systemverhalten für Linearfaktoren 1. Ordnung mit Absolutglied:
- Bei dieser Übertragungsfunktion ist das Systemverhalten im Zeitbereich bei Polüberschuss definiert. Die Sprungantwort
nähert sich asymptotisch dem Maximum.
- Bei gleicher Anzahl von Polen und Nullstellen hängt das Systemverhalten von der Größe der Zeitkonstanten ab, ob die Sprungantwort ein differenzierendes oder verzögerndes Verhalten entsteht.
- Nullstellenüberschuss ist technisch nicht realisierbar.
Die wichtigsten Benennungen von Formen der Linearfaktoren im Nenner oder Zähler als Basis-Übertragungsfunktionen in Zeitkonstanten-Darstellung lauten wie folgt:
-
I-Glied PT1-Glied PT2KK Schwingungsglied D-Glied PD1-Glied 




Die praktische Bedeutung des Linearfaktors 2. Ordnung mit konjugiert komplexen Nullstellen im Zähler der Übertragungsfunktion liegt z.B. in der Anwendung als Vorfilter. Ein PD2KK-Glied im Eingang eines Regelkreises kann das gedämpfte Schwingungsverhalten der Regelgröße (Einschwingvorgang) vollständig kompensieren. Zur Realisierung des PD2KK-Gliedes siehe Artikel Regler, Kapitel "PD2-Glied mit konjugiert komplexen Nullstellen".
Nichtphasenminimale (instabile) Linearfaktoren haben ein Minuszeichen in der Übertragungsfunktion!
[Bearbeiten] Zeitverhalten der Linearfaktoren für ein gegebenes Eingangssignal u(t)
Das Zeitverhalten der drei Formen der Linearfaktoren im Nenner der Übertragungsfunktion ist für gleiche Zahlenwerte der Zeitkonstanten im nebenstehenden Diagramm als Sprungantwort des normierten Eingangssignal
dargestellt. Dem Linearfaktor PT2KK-Glied mit den konjugiert-komplexen Polen (Schwingungsglied) wurde ein willkürlich bestimmter Wert der Dämpfung mit
vorgegeben. Wenn die Dämpfung
beträgt, ergeben sich zwei reelle Pole, und das Nenner-Polynom lässt sich in zwei PT1-Verzögerungsglieder aufspalten.
Das Zeitverhalten der drei Formen der Linearfaktoren im Zähler der Übertragungsfunktion mit differenzierender Wirkung ist in dem nächsten Diagramm dargestellt. Differenzierende ideale Systeme (
Nullstellen-Überschuss) kann man nicht als Sprungantwort darstellen, weil die Differentiation eines Sprunges zur Zeit
stattfindet.
Die Einheits-Sprungantwort (für
) eines D-Gliedes (
oder
) verläuft nach der Einschwingzeit auf
. Die Einheits-Sprungantwort (für
) eines PD-Gliedes oder PD2-Gliedes (
oder
) verläuft nach der Einschwingzeit auf
.
Eine Anstiegsfunktion (Rampe) im
-Bereich:
und im Zeitbereich:
(gewählt:
) eignet sich zur Darstellung des Systemverhaltens (Rampenantwort) mit Nullstellen-Überschuss.
Linearfaktoren mit PD-Verhalten verlaufen nach dem Einschwingen parallel zur Anstiegsfunktion mit steigendem Abstand der Ordnung wie dargestellt. PD2KK-Glieder mit konjugiert komplexen Nullstellen verlaufen nach dem Einschwingen parallel zur Rampe und nähern sich mit kleiner werdenden Dämpfung der Rampe an. Begründung: Mit kleiner werdender Dämpfung
nähert sich die Übertragungsfunktion
an. Der Term
ist in dem Polynom bei
verschwunden.
[Bearbeiten] Partialbruch-Darstellung
Mit der Partialbruchzerlegung einer Übertragungsfunktion in der Pol-Nullstellen-Darstellung wird die faktorisierte Darstellung in additive Teilbrüche überführt, die sich relativ einfach ohne Anwendung von Laplace-Transformationstabellen in den Zeitbereich
übertragen lassen. Die Pole der Übertragungsfunktion bestimmen die Partialbrüche.
Die Übertragungsfunktion kann durch Partialbruchzerlegung (unter der Voraussetzung, dass nur einfache Polstellen vorhanden sind) in
zerlegt werden. Sind mehrfache Nullstellen vorhanden, kommen noch weitere, für den zur Diskussion stehenden Sachverhalt unwesentliche, Summanden hinzu. Die Koeffizienten (mit Methoden der Partialbruchzerlegung bestimmt) sind
,
und nach Rücktransformation in den Zeitbereich gilt für die Gewichtsfunktion mit 
.
[Bearbeiten] Einfaches Beispiel der Partialbruchzerlegung
-
Partialbruchzerlegung von Übertragungsfunktionen mit reellen verschiedenen Polen:

Lösung im Zeitbereich für die Gewichtsfunktion (Impulsantwort):

[Bearbeiten] Bedeutung der Pole und Nullstellen der Übertragungsfunktion für das Zeitverhalten
Die Überführung der faktorisierten Übertragungsfunktion
für ein gegebenes Eingangssignal
in den Zeitbereich erfolgt über Laplace-Transformationstabellen. Enthalten die Übertragungsfunktionen mehrfache Pole und Nullstellen oder auch konjugiert komplexe Pole, können umfangreiche trigonometrische Berechnungen zur Ermittlung der Systemausgangsgröße
erforderlich werden.
Bei Verwendung der Übertragungsfunktion der Partialbruchform ist die Übertragung der Teilbrüche in den Zeitbereich sehr einfach, dafür ist die Durchführung der Partialbruch-Zerlegung bei Systemen höherer Ordnung aufwändig. Dies gilt besonders bei Linearfaktoren 1. und 2. Ordnung im Zähler der Übertragungsfunktion.
Die Pole der Übertragungsfunktion bestimmen ausschließlich das Zeitverhalten und die Stabilität des Systems. Die Nullstellen haben nur Einfluss auf die Amplitude des Systems.
Identische phasenminimale Linearfaktoren im Zähler und Nenner einer Übertragungsfunktion können gegeneinander gekürzt werden (Pol-Nullstellen-Kompensation). Damit vereinfacht sich die Übertragungsfunktion. Dies gilt nicht für nichtphasenminimale Linearfaktoren.
Grundsätzlich interessiert für das Zeitverhalten folgende Pol-Eigenschaft:
Eine Übertragungsfunktion G(s) hat n verschiedene reelle Pole:
- Alle Pole sind negativ, d.h.
für alle
.
- Die Sprungantwort der Systemausgangsgröße
in Abhängigkeit vom Eingangssignal
strebt exponentiell gegen einen Maximalwert. → Stabiles globales P-Verhalten!
- Ein Pol
ist gleich Null, alle anderen sind negativ.
- Die Sprungantwort der Systemausgangsgröße
in Abhängigkeit vom Eingangssignal
verläuft erst exponentiell, dann linear gegen unendlich. → Grenzstabiles globales I-Verhalten!
- Mindestens ein Pol
ist positiv, alle anderen sind beliebig.
- Die Sprungantwort der Systemausgangsgröße
in Abhängigkeit vom Eingangssignal
strebt exponentiell gegen unendlich. → Global instabiles Verhalten!
Übertragungsfunktion G(s) mit einem konjugiert komplexen Polpaar: 
- Alle Pole haben einen negativen Realteil:
- Die Sprungantwort der Systemausgangsgröße
in Abhängigkeit vom Eingangssignal
strebt als gedämpfte Schwingung gegen einen Maximalwert. → Global stabiles P-Verhalten!
- Konjugiert komplexes Polpaar hat einen Realteil gleich Null:
- Die Sprungantwort der Systemausgangsgröße
in Abhängigkeit vom Eingangssignal
verläuft als Dauerschwingung mit der Kreisfrequenz ω. → Oszillatorisch grenzstabiles Verhalten!
- Mindestens ein Pol hat einen positiven Realteil für das konjugiert komplexe Polpaar:
- Die Sprungantwort der Systemausgangsgröße
in Abhängigkeit vom Eingangssignal
verläuft als eine exponentiell aufklingende Dauerschwingung mit der Kreisfrequenz
aus. → Oszillatorisch instabiles Verhalten!
Übertragungsfunktion mit dem Deltaimpuls 
Mit der Gewichtsfunktion (Impulsantwort) mit
sind folgende Schlussfolgerungen für das Zeitverhalten und die Stabilität des Systems ableitbar:
- Bedeutung des Realteils
und Imaginärteils
der Polstellen:
- Ist mindestens ein
, so schwingt das System. - Sind alle
, so ist das System stabil. Der Eingangsimpuls klingt zeitlich ab. - Mit mindestens einem
ist das System instabil. Der Eingangsimpuls wächst zeitlich unbegrenzt an. - Ist mindestens ein
und alle anderen
, so ist das System grenzstabil. Es geht asymptotisch in einen konstanten Wert oder eine ungedämpfte Schwingung über. - Je weiter links
in der negativen Halbene von
liegt, desto schneller klingt der entsprechende Anteil der Gewichtsfunktion ab. - Die Lage des Realteils der Polstellen bestimmt die Dynamik, und der Imaginärteil bestimmt die Frequenz der Schwingungen des Systems.
- Ist mindestens ein
- Bedeutung der Nullstellen:
- Je weiter die Nullstellen
von der Polstelle
in der
-Ebene liegen, desto stärker wird der Anteil
an der Gewichtsfunktion. - Nullstellen mit positivem Realteil (nichtpasenminimales Verhalten) führen zu einem schwer regelbaren Verhalten.
- Je weiter die Nullstellen
[Bearbeiten] Experimentelle Ermittlung
Die Übertragungsfunktion ist im Gegensatz zum Frequenzgang nicht direkt messbar, kann aber mit Methoden der Systemidentifikation unter anderem aus der Sprungantwort bestimmt werden.
[Bearbeiten] Siehe auch
- Systemtheorie (Ingenieurwissenschaften)
- Fourier-Transformation
- Signalanalyse
- Greensche Funktion
- Kopfbezogene Übertragungsfunktion
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Thomas Frey, Martin Bossert: Signal- und Systemtheorie. Teubner, 2004, ISBN 3-519-06193-7 (Der Auszug zeigt, dass der Begriff Übertragungsfunktion für Signale benutzt wird, die im Bildbereich der Fouriertransformation angegeben werden; eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche).
- ↑ Anton Braun: Grundlagen der Regelungstechnik: Kontinuierliche und diskrete Systeme. Fachbuchverlag Leipzig, 2005, ISBN 3-446-40305-1 (eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche).
- ↑ Prof. Manfred Ottens, TFH Berlin: Vorlesungsmanuskript "Grundlagen der Systemtheorie", Kapitel: „Die Übertragungungsfunktion", 227 Seiten, 2008.
- ↑ Prof. Dr.-Ing. Oliver Nelles, Universität Siegen: Vorlesungsmanuskript "Mess- und Regelungstechnik I", Kapitel 5: „Übertragungsfunktion“, 446 Seiten vom 8. Oktober 2009.
- ↑ Prof. Dr.-Ing. W. Schumacher, Technische Universität Braunschweig, Institut für Regelungstechnik, Vorlesungsmanuskript "Grundlagen der Regelungstechnik", Kapitel: „4.3 ¨Ubertragungsfunktion und Differenzialgleichung“, 309 Seiten 24. Oktober 2008.
[Bearbeiten] Literatur
- Holger Lutz, Wolfgang Wendt: Taschenbuch der Regelungstechnik: Mit MATLAB und Simulink. 8. Auflage. Harri Deutsch, 2010, ISBN 978-3-8171-1859-5.
- Manfred Reuter, Serge Zacher: Regelungstechnik für Ingenieure: Analyse, Simulation und Entwurf von Regelkreisen. 12. Auflage. Vieweg+Teubner, 2008, ISBN 3-8348-0018-X.
- Heinz Unbehauen: Regelungstechnik I. Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, 1997, ISBN 3-528-83332-7.




















= Regelgrößenvektor,
= Strecken-Übertragungsmatrix,
= Stellgrößenvektor.
der DGL


![[s - (a +jb)] \cdot [s - (a -jb)] = \,](http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/math/2/9/5/295bc562f4d007fb3608bb0fe1133261.png)







für alle 
für alle 


.






und
.






,
.
für alle
.
ist gleich Null, alle anderen sind negativ.
aus. → Oszillatorisch instabiles Verhalten!
und Imaginärteils
der Polstellen:
, so schwingt das System.
, so ist das System stabil. Der Eingangsimpuls klingt zeitlich ab.
ist das System instabil. Der Eingangsimpuls wächst zeitlich unbegrenzt an.
und alle anderen
von der Polstelle
an der Gewichtsfunktion.