Abtei Lérins

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abtei Lérins

Die Abtei Notre-Dame de Lérins ist ein Zisterzienser-Kloster auf der Insel Saint-Honorat, einer der Îles de Lérins an der Côte d’Azur in der Nähe von Cannes. Seit dem 5. Jahrhundert lebt hier eine monastische Gemeinschaft, die ältesten der derzeitigen Klostergebäude stammen aus dem 11. bis 14. Jahrhundert. Seit dem Jahr 1840 ist die Abtei als Monument historique klassifiziert.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Insel war unbewohnt, bis Honoratus von Arles († 430), ein Schüler des Einsiedlers Caprasius, etwa um 400/410 hier ein Kloster gründete. Der Überlieferung nach beabsichtigte Honoratus, auf der Insel als Eremit zu leben, befand sich aber bald von Jüngern umgeben, die eine monastische Gemeinschaft bildeten. Lérins wurde schnell zu einem der bedeutendsten Häuser des abendländischen Mönchtums, Johannes Cassianus schreibt, dass das Kloster bereits im Jahr 427 gewaltige Ausmaße angenommen habe. Honoratus verfasste die Klosterregel für Lérins, die „Regel der vier Väter“, die als älteste Klosterregel Galliens gilt.

Einer weiteren Überlieferung nach lebte der heilige Patrick von Irland im 5. Jahrhundert in dem Kloster. Aus der Abtei kamen in dieser Zeit so viele Bischöfe, dass das Lérins auch „Pflanzschule der Bischöfe“ genannt wurde. Der Kirchenvater Vinzenz von Lérins († um 445) wohnte ebenfalls auf der Insel.

Der heilige Nazarius (Saint Nazaire) war der 14. Abt von Lérins vermutlich zur Zeit des Königs Chlothar II. (584-629); er zerstörte einen Venus-Tempel bei Cannes und gründete an gleicher Stelle ein Frauenkloster, das im 8. Jahrhundert von den Sarazenen zerstört wurde. Abt Aygulf versuchte in den 660er Jahren, die Klosterregel des Honoratus durch die Benediktinerregel zu ersetzen, die tatsächlich aber erst Ende des Jahrhunderts angenommen wurde.

In den folgenden Jahrhunderten wurde das monastische Leben auf der Insel mehrfach durch Überfälle, vor allem der Sarazenen und Piraten, unterbrochen. Im Jahr 732 wurden zahlreiche Mönche, darunter auch Abt Porcarius, bei einem derartigen Raubzug getötet. Das Kloster wurde danach von Elentherius wieder aufgebaut. Um das Jahr 1000 übernahm Lérins die Cluniazensische Reform. 1047 wurden die Mönche nach einem Überfall nach Spanien in Gefangenschaft geführt und erst durch ein Lösegeld des Abtes Ysam von Saint-Victor befreit.

Die Fluchtburg im Südosten der Insel

Vom 11. bis zum 14. Jahrhundert reagierte die Abtei auf die von See her drohenden Gefahren. 1073 und 1181 wurde ein befestigter Turm als Fluchtburg neben dem Kloster gebaut. 1327 wurde durch eine Kette von Signalfeuern der Austausch von Informationen mit Le Suquet, der Altstadt von Cannes, ermöglicht. 1391 wurden die Honoratus-Reliquien nach Arles überführt. In dieser Zeit wurde das Kloster auch ein beliebtes Wallfahrtsziel, nachdem der Mönch Raymond Féraud mit seinem La Vida de Sant Honorat das Leben des Honoratus beschrieben hatte.

Im Jahr 1400 wurde die Abtei von genuesischen Piraten geplündert. Die Verteidigung der Insel erfolgte in der Zeit durch Söldner, später durch provenzalische (1437) und französische (1481) Truppen.

1464 wurde in Lérins das System der Kommendataräbte eingeführt, das mit Unterbrechungen bis zum Ende der Abtei gelten sollte. Gleichzeitig wurde die Abtei weiter von regulären Äbten geführt, die auf drei Jahre gewählt waren und deren unmittelbare oder auch spätere Wiederwahl möglich war. Abt Augustin Grimaldi († 1532) schaffte das System 1510 wieder ab, führte eine Klosterreform durch und schloss Lérins an die Cassinensische Kongregation an. 1533 (Franz I.) bis 1547 (Heinrich II.) war diese Mitgliedschaft ausgesetzt.

1635 wurde die Insel von den Spaniern erobert, die die Mönche vertrieben. Zwei Jahre später konnten sie aus ihrem Exil in Vallauris zurückkehren, nachdem die Franzosen die Insel trotz der Befestigungen, die die Spanier gebaut hatten, zurückerobern konnten. 1638 trat die Abtei auf königlichen Wunsch (Ludwig XIII. bzw. Kardinal Richelieu) aus der Cassinensischen Kongregation aus und der Congrégation de Saint-Maur bei. Allerdings machte König Ludwig XIV. (das heißt faktisch Kardinal Jules Mazarin) diesen Wechsel 1645 wieder rückgängig.

Auch in den Jahren nach der Rückeroberung litt die Abtei unter spanischen und genuesischen Angriffen. 1756 trat die Abtei der Congrégation de l'ancienne observance de Cluny, doch konnte auch diese die Existenz der Klosters nicht mehr retten. Als die Zahl der Mönche auf vier gesunken war, wurde das Kloster im Jahr 1787, also kurz vor der Revolution, aufgelöst. Während der Revolution wurde die Insel zum Staatsbesitz und dann an die wohlhabende Schauspielerin Mademoiselle de Sainval (Marie Blanche Alziary de Roquefort) verkauft, die hier zwanzig Jahre lang lebte und das ehemalige Kloster zu ihrem Salon machte.

Plan der Abtei im 19. Jahrhundert

1859 kaufte der Bischof von Fréjus die Insel zurück, um das Kloster neu zu gründen. Zehn Jahre später wurde mit Mönchen aus der Abtei Sénanque eine Zisterzienser-Gemeinschaft eingerichtet, die seitdem dort lebt und auf die ein Teil der heutigen Gebäude zurückgeht.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Anonym (ein Mönch aus der Abtei), L'Île et l'abbaye de Lérins. Récits & description, Imprimerie de l'Abbaye, 303 S. (1929)
  • Abbé L. Alliez, Histoire du monastère de Lérins, 2 Bände (1862)
  • Frère Marie-Nicolas Aubertin, Lérins - L'île Saint-Honorat, Cannes, Abbaye de Lérins, bulletin trimestriel (1996)
  • Germain Butaud, Listes abbatiales, chartes et cartulaire de Lérins: problemes de chronologie et de datation (XIe - XIIe siècles) , in : Yann Codou et Michel Lauwers (Hg.), Lérins, une île sainte de l'Antiquité au Moyen Âge (2010), Collection d’études médiévales 9, S. 365-444
  • Frère André SOCist, Notre-Dame de Lérins: Lérins. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 5, Artemis & Winkler, München/Zürich 1991, ISBN 3-7608-8905-0, Sp. 1907.
  • Père Vladimir Gaudrat, Fotografien von Jérôme Kélagopian, Vorwort von Emmanuelle Cinquin, Abbaye de Lérins, Nice, Giletta Nice-Matin, 168 S., 2005 (ISBN 2-915606-21-8)
  • Mireille Labrousse, Yann Codou, Jean-Marie Le Gall, Régis Bertrand, Histoire de l'abbaye de Lérins, hg. Abbaye de Bellefontaine (1999)
  • Henri Moris, E. Blanc (Hg.), Cartulaire de l’abbaye de Lérins (1883)
  • Henri Moris, L'Abbaye de Lérins. Histoire et monuments, Paris 1909

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abbaye de Lérins – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

43.5063888888897.0469444444444Koordinaten: 43° 30′ 23″ N, 7° 2′ 49″ O