Aderhautmelanom

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Klassifikation nach ICD-10
C69 Bösartige Neubildung des Auges und der Augenanhangsgebilde
C69.3 Chorioidea
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Aderhautmelanom in der Magnetresonanztomographie (T1 mit Kontrastmittel)

Das Aderhautmelanom (auch: malignes uveales Melanom) ist der häufigste primäre Tumor des Auges. In Europa beträgt die Inzidenzrate 1:100.000 pro Jahr [1]. Das Aderhautmelanom entwickelt sich direkt in der Aderhaut (Choroidea) des Auges aus entarteten Melanozyten. Aus diesem Grund sind die meisten Aderhautmelanome dunkel pigmentiert. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter und erreicht zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr ein Maximum. Ungefähr die Hälfte aller Patienten entwickeln Metastasen, die sich meist zuerst in der Leber manifestieren und oft innerhalb weniger Monate zum Tode führen. Im Gegensatz zum malignen Melanom der Haut (kutanes Melanom) erfolgt die Metastasierung des Aderhautmelanoms zunächst ausschließlich hämatogen (über die Blutbahn), weil die Aderhaut über keine Lymphgefäße verfügt. Diese anatomische Besonderheit im Augeninneren bewirkt, dass Tumorzellen des Aderhautmelanoms zunächst unbeeinträchtigt vom Immunsystem heranwachsen können (Immunprivileg). Im Gegensatz zum cutanen Melanom dürfte beim Aderhautmelanom UV-Strahlung nicht erstrangig ursächlich bei der Entstehung des Tumors sein. Der im Auge befindliche Glaskörper sollte nämlich die einfallende UV-Strahlung zum größten Teil absorbieren.

Stand der Forschung[Bearbeiten]

Die Untersuchung von aus dem Auge entfernten Tumoren hat gezeigt, dass die metastasierende Erkrankung eng mit einer genetischen Auffälligkeit im Tumor assoziiert ist, nämlich dem Verlust eines Chromosoms 3 (Monosomie 3). Während von Tumoren mit zwei intakten Chromosomen 3 nur sehr selten erkennbare Metastasen ausgehen, entwickeln die meisten Patienten mit Monosomie 3 im Primärtumor Metastasen. Eine solch enge Beziehung zwischen einer genetischen Auffälligkeit und dem klinischen Verhalten ist sonst bei keinem soliden Tumor festgestellt worden, wodurch sich diese Tumorerkrankung auch deutlich vom cutanen Melanom abgrenzt. Trotz intensiver Bemühungen ist bisher keine wesentliche Verbesserung der Überlebensrate bei Aderhautmelanompatienten festzustellen. Zu den klassischen klinischen Risikofaktoren für die Bildung von Metastasen gehören die Größe und die Lokalisation des Aderhautmelanoms im Auge. So wird die Ziliarkörper-Beteiligung des Aderhautmelanoms als schlechtes Zeichen gewertet.

Symptome und Beschwerden[Bearbeiten]

Wenn sich der Tumor an der Stelle des schärfsten Sehens befindet oder wenn der Tumor eine Netzhautablösung bewirkt hat, kommt es zu deutlichen Veränderungen in der Sehleistung des betroffenen Auges. Oft werden Aderhautmelanome zufällig bei der augenärztlichen Routineuntersuchung entdeckt. Eigenschaften des Tumors, wie Melanin-Pigmentierung, Lage im Auge sowie Wachstumstendenzen des Tumors lassen auf ein Aderhautmelanom schließen, welches sich hierdurch deutlich vom Nävus (Muttermal) der Aderhaut abgrenzt.

Untersuchungsmethoden[Bearbeiten]

  • Echographie: Ultraschalluntersuchung zur Bestimmung von Position und Ausdehnung des Tumors
  • Fluoreszenz-Angiographie: Fotografische Darstellung der Blutgefäße im Auge mit Hilfe von fluoreszierenden Farbstoffen

Behandlungsmethoden[Bearbeiten]

Häufig findet auch eine Kombination der angeführten Behandlungsmethoden Anwendung.

Strahlentherapie

a) Brachytherapie (Therapie mit Strahlenträgern)

Bei dieser Form der Strahlentherapie werden kleine Metallschalen (Applikatoren) von außen auf die äußere Schicht des Auges (Lederhaut = Sklera) aufgenäht. Genau an der behandelten Stelle befindet sich der Tumor im Inneren des Auges. Der aufgenähte Applikator enthält in seinem Innern radioaktives Material. Die Dauer der Bestrahlung (1-14 Tage) wird anhand der Tumorgröße errechnet.
Hauptsächlich finden folgende Isotope Anwendung:
Ruthenium-106 (Beta-Strahlung) bei Tumoren von einer Höhe bis zu 7 mm
Iod-125 (Gamma-Strahlung) bei größeren Tumoren
Palladium-103 (Gammastrahlung)

b) Teletherapie (Protonenstrahlentherapie)

Die Bestrahlung des Tumors mit beschleunigten Protonen, die in einem Zyklotron-Teilchenbeschleuniger erzeugt werden, eignet sich für Tumoren mit bis zu 15 mm Durchmesser.
Entscheidend für die erfolgreiche Behandlung und den Erhalt des Sehnervs ist die genaue Ausrichtung des Auges bzw. des erkrankten Gewebes zum Partikelstrahl. Hierzu dienen in den entsprechenden Bestrahlungseinrichtungen besondere Vorrichtungen, die es erlauben entweder das Auge oder die umliegende Anatomie zum Strahl zu orientieren[2]. Gewöhnlich werden hierfür auch metallische Marker verwendet. Am Augapfel angebracht können diese in Durchleuchtungsbildern Aufschluss über die Orientierung des Auges zum Behandlungsstrahl geben.

Lasertherapie: Starke Erhitzung kleiner Tumoren durch Laserstrahl

Kryotherapie: Extreme Abkühlung kleiner Tumoren auf -78 °C mittels eines Kältestiftes

Chirurgische Entfernung des Tumors

Enukleation: Entfernung des Auges

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andrea Schmidt-Pokrzywniak, Karl-Heinz Jöckel, Norbert Bornfeld, Andreas Stang: Case-control study on uveal melanoma (RIFA): rational and design. In: BMC Ophthalmology. 4, 2004, 11, ISSN 1471-2415, doi:10.1186/1471-2415-4-11, PMID 15318944.
  2. Boris Peter Selby, Georgios Sakas, Stefan Walter, Wolf-Dieter Groch, Uwe Stilla: Pose estimation of eyes for particle beam treatment of tumors. In: Alexander Horsch, Thomas M. Deserno, Heinz Handels, Hans-Peter Meinzer (Hrsg.): Bildverarbeitung für die Medizin 2007. Algorithmen – Systeme – Anwendungen. Proceedings des Workshops vom 25. – 27. März 2007 in München. Springer, Berlin u. a. 2007, ISBN 978-3-540-71090-5, S. 368–374, doi:10.1007/978-3-540-71091-2_74.
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