Adrian Willaert

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Adrian Willaert

Adrian Willaert [Vuillaert, Wigliaret, Vigliaret; Adrian, oft auch Adrien, M. Adriano] (* um 1490; † 7. Dezember 1562 in Venedig) war ein Komponist und Lehrer franko-flämischer Herkunft, der wesentliche Beiträge zur Entwicklung des italienischen Madrigals als musikalischer Gattung leistete.

Leben[Bearbeiten]

Frühe Jahre und Studium[Bearbeiten]

Adrian Willaert wurde um 1490 geboren. Der genaue Geburtsort kann trotz intensiver Forschung nicht sicher benannt werden. Genealogische Untersuchungen haben jedoch den Ort Roeselare für wahrscheinlich erklärt. Der Geburtsort Brügge wird 1628 bei Franciscus Sweertius erwähnt, heute aber für unwahrscheinlicher erachtet. Zu den Jugendjahren ist nichts bekannt.

Aus rückblickenden Aufzeichnungen des Willaert-Schülers und Musiktheoretikers Gioseffo Zarlino geht hervor, dass Adrian Willaert sich in den Jahren 1510 bis 1515 in Paris aufgehalten habe, um dem Studium der Rechte nachzugehen, er wechselte jedoch etwa 1514 zur Musik. Sein erster Lehrer war vermutlich Jean Mouton, der Mitglied der königlichen Kapelle von Ludwig XII. war.

Im Dienst von Ippolito I. d´Este[Bearbeiten]

Vom 8. Juli 1515 bis 1520 stand Willaert im Dienst des Kardinals Ippolito I. d‘Este (1479-1520), mit dessen Familie er zeitlebens eng verbunden blieb. Zusammen mit seinem Dienstherren unternahm Willaert von 1517 bis 1519 eine Reise nach Ungarn, wo sein Arbeitgeber Ippolito I. auf dem Familienanwesen residierte. Als der Kardinal ein Jahr nach der Rückkehr im September 1520 überraschend starb, wurde Willaert in Ferrara Teil der Kapelle von Alfonso I. d'Este, dem älteren Bruder Ippolitos I.

Kapellmeister an San Marco 1527–1562[Bearbeiten]

1527 wurde Adrian Willaert die Stellung eines Kapellmeisters in Venedig angeboten und so trat er seinen Dienst am 12. Dezember am Markusdom an. Diesen Posten zu erhalten, war bereits zu dieser Zeit eine hohe Auszeichnung, ihre überragende Bedeutung erhielt diese Stelle aber erst durch Willaerts 35 Jahre langes Wirken. Dies zeigt sich auch an seiner Gehaltsentwicklung. Er wurde mit dem üblichen Gehalt von 70 Dukaten angestellt und erhielt 1556 über mehrere Erhöhungen schließlich 200 Dukaten. Vorrangige Aufgabe Willaerts war die Leitung des etwa 20 Sänger starken Männerchores an San Marco. Ebenso unterrichtete er die Knabenstimmen, deren Unterricht er 1542 an einen eigens eingestellten Gesangslehrer abgab. In seiner Zeit an San Marco komponierte Willaert eine Vielzahl an Werken für den liturgischen Gebrauch, darüber hinaus aber auch weltliche Werke. Aufgrund nicht näher bekannter familiärer Angelegenheiten kehrte Willaert wohl nur in den Jahren 1542 und 1556 für kurze Zeit in seine heute in Belgien liegende Heimat zurück. Die letzten Lebensjahre waren von Krankheit gezeichnet, er starb am 7. Dezember 1562 in Venedig.

Werke[Bearbeiten]

Hauptsächlich komponierte Adrian Willaert geistliche Werke, war jedoch auch für die weltliche Musik richtungsweisend. Insgesamt sind von Willaerts kompositorischem Schaffen mehr als 150 Motetten, 50 Hymnen und Psalmen, 8 Messen, etwa 60 Chansons, über 70 Madrigale und mehrere Instrumentalstücke (Ricercare) erhalten.

Motetten[Bearbeiten]

Von zentraler Bedeutung war für Adrian Willaert die Motette, die ihn sein Leben lang beschäftigte. Es sind ebenso geistliche, wie weltliche Motetten Willaerts überliefert. Im Jahr 1539 erschienen zum ersten Mal Individualdrucke mit Motetten, darunter die beiden Bücher der vierstimmigen Motetten von Adrian Willaert. Die Bücher enthalten insgesamt 45 Motetten verschiedener Entstehungszeit und über Texte verschiedener Quellen. 1539 wurde auch das Buch der fünfstimmigen Motetten und 1542 das Buch der sechsstimmigen Motetten gedruckt. Im Jahr 1559 erschienen mit der Musica Nova nochmals 27 Motetten, verschiedener Stimmenzahl. Einige Motetten sind außerhalb der Individualdrucke überliefert.

Messen[Bearbeiten]

Willaert komponierte nur wenige Messen, allein acht können sicher ihm zugeschrieben werden. Die meisten seiner Messen gehören dem Typ der Parodiemesse an. Direkte Datierungen gibt es nicht - für eine frühe Entstehungszeit (vor 1530) der meisten sprechen jedoch die Vorlagen der fünf gedruckten Messen, die von Komponisten stammen, außerdem kompositorische Merkmale, die auf Adrian Willaert in früheren Jahren hinweisen.

Hymnen[Bearbeiten]

Die meisten Hymnen Willaerts sind für choralischen und polyphonen Alternatim-Vortrag konzipiert. Die polyphonen Strophen sind komponiert wie kleine Motetten.

Chansons[Bearbeiten]

Willaerts Chansons gliedern sich in drei Gruppen: die erste Gruppe besteht aus 20 dreistimmigen Chansons, die zweite aus 26 fünf- und sechsstimmigen Chansons, die eine Vorliebe für kanonische Konstruktion aufweisen, die dritte Gruppe besteht aus 15 Chansons, zu vier Stimmen.

Wirkungsgeschichte[Bearbeiten]

Dass Willaert bereits zu Lebzeiten ein recht hohes Ansehen genoss, ist schon allein an seiner Stellung als Kapellmeister am Markusdom in Venedig sowie an der Existenz eines „Willaertkreises“ zu erkennen. Diesem gehörten Komponisten und Musiktheoretiker aus Willaerts Umfeld an, wie beispielsweise Cipriano de Rore oder Andrea Gabrieli. Es ist auf drei Umstände zurückzuführen, dass Willaert auch über seinen Tod hinaus bekannt blieb: der große Umfang seiner Kompositionen; die damals Venedig führenden Musikdrucker und Verleger, die zur Etablierung und Festigung von Willaerts Stellung in Venedig beitrugen, sowie sein Einfluss auf jüngere Komponisten und die Musiktheorie des späten 16. Jahrhunderts. Vor allem die Rolle, die Willaert in den theoretischen Schriften einnahm, führte wohl dazu, dass er weiterhin als ein führender Komponist seiner Zeit bekannt war, während seine Stücke der damaligen Mode folgend kaum noch zur Aufführung kamen und an Popularität verloren. Genannt werden muss in diesem Zusammenhang vor allem der Musiktheoretiker Gioseffo Zarlino, der in seinem Werk Le institutioni harmoniche die Lehren Willaerts an spätere Komponisten weitergegeben hat. Nach seinem Zeugnis haben die 8-stimmigen Salmi spezzati von 1550 Willaert den Ruf eingetragen, der Erfinder der Doppelchörigkeit zu sein. Zwar gab es eine Aufspaltung des Satzes auch schon früher in der liturgischen Vortragspraxis, daraus entwickelte sich jedoch erst die Mehrchörigkeit, deren Vorläufer Willaert war und die dann verstärkt bei seinem Schüler Andrea Gabrieli zu finden ist. Aber auch Giulio Caesare Monteverdi, der im Druck der Scherzi musicali seines Bruders Claudio von 1607 Willaert als den kompositorischen Vollender der sogenannten Prima pratica bezeichnete, trug dazu bei, dass Willaerts Ruhm zumindest literarisch über seinen Tod hinaus lebendig blieb. Die bei Willaert gegründeten Schüler-Lehrer-Generationen reichen bis in die Barockzeit hinein. Den internationalen Ruhm dieser Schule begründeten Schüler Willaerts.

Am 16. Oktober 1997 wurde der Asteroid (7620) Willaert nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Erich Hertzmann: Adrian Willaert in der weltlichen Vokalmusik seiner Zeit (Taschenbuch). Sändig Reprint, 1973, ISBN 978-3-25302-668-3.
  •  David Kidger: Adrian Willaert: A Guide to Research (Routledge Music Bibliographies). Routledge, 2004, ISBN 978-0-81533-962-5.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]