Alsterdampfer

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Alsterdampfer St.Georg
Alsterdampfer St.Georg
Postkarte zum Streik der Alsterdampfer im Frühjahr 1908
Postkarte zum Streik der Alsterdampfer im Frühjahr 1908

Alsterdampfer, eigentlich Alsterschiffe, sind Rundfahrt- und Ausflugsschiffe, die auf der Alster in Hamburg verkehren.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Am 15. Juni 1857 nahm das erste Alsterdampfschiff, die Alina, den Linienbetrieb auf der Binnen- und Außenalster sowie den angrenzenden Kanälen auf. Der Linienverkehr bestand zwischen dem Mühlenkamper Fährhaus auf der Uhlenhorst, dem Winterhuder Fährhaus und dem Jungfernstieg mit mehreren Anlegern auf der Strecke. Später kamen Linien auf der Osterbek nach Barmbek und auf dem Eilbekkanal nach Eilbek hinzu. Im Jahre 1911 erreichten die Passagierzahlen die 11-Millionen-Grenze. Am 1. April 1919 übernahm die Hamburger Hochbahn AG (HHA) den Betrieb von der Alsterdampfschiffahrts-GmbH mit 35 Dampfern und fünf Schuten. In den Jahren 1924 bis 1935 übertrug die HHA den technischen Betrieb der Ewerführerei Lütgens & Reimers. Durch die Einrichtung von Straßenbahnen und den Bau von U-Bahnen wurden diese Verkehrsmittel für den normalen Stadtverkehr attraktiver, die Fahrgastzahlen gingen jedoch nur langsam zurück. Dennoch ließ die HHA ab 1935 zahlreiche Motorschiffe bauen. Einige davon sind, inzwischen mehrfach umgebaut, noch heute in Betrieb.

Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb Ende 1946 als reguläres Verkehrsmittel der HHA wiederaufgenommen. Im Jahre 1950 wurden 3,4 Millionen Passagiere gezählt. Auch der Neubau von Motorschiffen begann 1951 wieder, die Goldbek und die Eilbek wurden mit dieselelektrischen Antrieb 1951 bzw. 1952 in Betrieb genommen. Als für lange Zeit letztes in Deutschland gebaute Schiff ging 1956 die Rodenbek mit reinem Dieselantrieb in Betrieb. Ab 1958 kamen in den Niederlanden gebaute Rundfahrtboote an die Alster, deren Bau dort war für die HHA billiger.

Mit der Einrichtung des Hamburger Verkehrsverbundes 1965 wurden die Linien in das normale Angebot der Tarifgemeinschaft integriert. In den Folgejahren schrumpften die Fahrgastzahlen jedoch. Die Attraktivität litt u.a. auch durch die damals umfangreichen U- und S-Bahn-Bauarbeiten am Jungfernstieg (1973/75 Inbetriebnahme des Bahnknotens unter der Binnenalster). Zwischen 1962 und 1968 wurden jährlich 1,7 bis 1,9 Millionen Fahrgäste gezählt, 1969 waren es nur noch 1,5 Millionen.

Nachdem die Passagierzahlen 1983 auf 690.000 zurückgegangen waren, erfolgte die Aufgabe des Linienbetriebes. Die Linienschifffahrt wurde 1984 durch eine Rundfahrtlinie mit einem Streckentarif (außerhalb des HVV-Tarifs) ersetzt. Betreiber ist heute die ATG Alster-Touristik GmbH, gegründet im April 1977.

Schon sehr lange werden (bis auf die St. Georg als Museumsschiff) keine Dampfschiffe mehr eingesetzt, sondern Motorschiffe mit Dieselmotoren. Mit der Alstersonne wird ein Solarschiff mit Elektroantrieb eingesetzt. Ein weiteres Schiff mit Elektroantrieb ist die Alsterwasser, das die Energie durch Brennstoffzellen erhalten wird. Durch das dabei erzeugte heiße Wasser ist die Bezeichnung „Alsterdamper“ dann nicht einmal verkehrt. Dieses Schiff wird im Rahmen des Projektes Zemships (Zero Emission Ships) geplant, gebaut und ab Sommer 2008 betrieben.

[Bearbeiten] Flotte der Alsterschiffe (Auszug)

Solarschiff Alstersonne
Solarschiff Alstersonne
Alstersonne
Alstersonne
Motorschiff Eilbek
Motorschiff Eilbek
Schiffsname Länge (in m) Baujahr Anmerkung
Alster-Cabrio I 21,93 1995 oben offenes Schiff
Alster-Cabrio II 21,93 1996 oben offenes Schiff
Alsterschipper 25,60 1998
Alsterschwan 26,60 2006
Alstersonne 25,53 2000 Solarkatamaran
Ammersbek 22,22 1939
Aue (Motorbarkasse) 15,95 1926 Museumsschiff
Bredenbek 22,22 1938
Eilbek 22,22 1952
Fleetenkieker 25,60 2003
Goldbek 22,22 1951
Quartierslüüd 25,60 2003
Saselbek 22,22 1937
Schleusenwärter S.C. 25,60 1990
Seebek 21,85 1959
Sielbek 22,22 1939
Susebek 22,22 1937

Als technische Innovation ist die Alstersonne zu erwähnen, seit 2000 im Einsatz. Dies ist ein Zweirumpf-Katamaran mit Photovoltaikelementen. Das 25,53 m lange Schiff verfügt über 6 Tonnen schwere Gel-Akkumulatoren, die einen Betrieb mit Elektromotoren mit einer Geschwindigkeit von rund 5 Knoten für 110 Passagiere erlauben. die 78 Kunststoff-Solarmodule erzeugen einen Strom von bis zu 5 kW. Gebaut wurde das Schiff von den Firmen KOPF AG und SUNOVATION GmbH.

Das Schiff St. Georg ist (wieder) ein "echter" Alsterdampfer, das im Museumsbetrieb fährt, aber nicht zur ATG sondern zum Verein Alsterdampfschiffahrt e.V. gehört.

[Bearbeiten] Linien

Die Alsterdampfer waren einmal ein ganz normales Stadtverkehrsmittel. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es Linienverkehr im 10- oder 20-Minuten-Takt. In den 1920er und 30er Jahren fuhren Linienschiffe bis zum Stadtparksee und nach Ohlsdorf.

Die HHA betrieb in der Nachkriegszeit (ab 1967 innerhalb des HVV) drei Linien im 30-Minuten-Takt und eine Fähre. Die Schiffe waren zur Linienbezeichnung mit unterschiedlichen Fahnen kennzeichnet. Es gab die gelbe Flagge, die blaue Flagge und die grüne Flagge:

51 Jungfernstieg – Atlantic – Rabenstraße – Uhlenhorster Fährhaus – Krugkoppelbrücke – Streekbrücke – Winterhuder Fährhaus
52 Jungfernstieg – Atlantic – Rabenstraße – Uhlenhorster Fährhaus – Mühlenkamp – Bachstraße – Saarlandstraße
53 Jungfernstieg – Mundsburger Brücke – Rabenstraße
55 Alsterfähre: Fährdamm – Uhlenhorster Fährhaus (Anschluss an Linien 51/52)

Im Linienbetrieb kamen etwa 12 Schiffe (gebaut in den Jahren 1935–1939 bzw. 1951–1959) und zwei kleinere Fähren zum Einsatz. Die grüne Linie zur Mundsburger Brücke wurde im Dezember 1975 eingestellt, die anderen Linien fuhren bis zum Frühjahr 1984 (Senatsbeschluss zur Einstellung des defizitären Alster-Linienverkehrs vom 7. Februar 1984) [1].

Anstatt der ursprünglichen Linien werden von der ATG sogenannte Alster-Kreuz-Fahrten angeboten, dabei kann an beliebigen Anlegern aus- und zugestiegen werden:

  • Jungfernstieg – Atlantic – Rabenstrasse – Uhlenhorster Fährhaus – Fährdamm – Mühlenkamp – Krugkoppelbrücke – Streekbrücke – Winterhunder Fährhaus und zurück.

2008 wird auch die sog. Museumslinie zwischen Jungfernstieg und dem Museum der Arbeit in Barmbek sonnabends und sonn- und feiertags mit je vier Fahrten bedient.

Außerdem gibt es, jeweils ab Jungfernstieg,

  • Alsterrundfahrten (im Herbst und Winter als Punschfahrten)
  • Kanal-Fahrten über die Alster und ihre Seitenkanäle (täglich Ostern bis Oktober)
  • Fleetfahrten durch die Fleete der Alt- und Neustadt und die Speicherstadt (täglich Ostern bis Oktober)
  • Vierlande-Fahrten durch die Vier- und Marschlande nach Bergedorf (mittwochs bis sonntags von Mai bis Anfang Oktober)
  • Dämmertörn (von Mai bis Anfang Oktober täglich ab 20:00 Uhr)

An einigen Tagen werden Fahrten mit dem Dampfer St. Georg vom Jungfernstieg nach Alsterdorf angeboten.

[Bearbeiten] Literatur

  • Jürgen Blunck: Geschichte der Alsterschiffahrt. Husum: Husum Druck- und Verlagsges. mbH u. Co KG, 1985, ISBN 3-88042-256-7


[Bearbeiten] Weblinks

Commons
 Commons: Alsterdampfer – Bilder, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Zeittafel Nahverkehr in Hamburg
Persönliche Werkzeuge