Hamburg-Winterhude

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen von Hamburg
Winterhude
Stadtteil von Hamburg
Neuwerk → zu Bezirk Mitte Duvenstedt Wohldorf-Ohlstedt Mellingstedt Bergstedt Volksdorf Rahlstedt Hummelsbüttel Poppenbüttel Sasel Wellingsbüttel Steilshoop Bramfeld Farmsen-Berne Eilbek Marienthal Wandsbek Tonndorf Jenfeld Moorfleet Allermöhe Neuallermöhe Spadenland Tatenberg Billwerder Lohbrügge Ochsenwerder Reitbrook Kirchwerder Neuengamme Altengamme Curslack Bergedorf Neuland Gut Moor Rönneburg Langenbek Wilstorf Harburg Sinstorf Marmstorf Eißendorf Heimfeld Hausbruch Neugraben-Fischbek Moorburg Francop Altenwerder Neuenfelde Cranz Rissen Sülldorf Blankenese Iserbrook Osdorf Lurup Nienstedten Othmarschen Groß Flottbek Ottensen Altona-Altstadt Altona-Nord Sternschanze Bahrenfeld Schnelsen Niendorf Eidelstedt Stellingen Lokstedt Hoheluft-West Eimsbüttel Rotherbaum Harvestehude Langenhorn Fuhlsbüttel Ohlsdorf Alsterdorf Groß Borstel Hohenfelde Dulsberg Barmbek-Nord Barmbek-Süd Uhlenhorst Hoheluft-Ost Eppendorf Winterhude Veddel Kleiner Grasbrook Steinwerder Wilhelmsburg Waltershof Finkenwerder St. Pauli Neustadt Hamburg-Altstadt HafenCity St. Georg Hammerbrook Borgfelde Hamm Hamm Hamm Rothenburgsort Billbrook Horn Billstedt Land Niedersachsen Land Schleswig-HolsteinLage in Hamburg
Über dieses Bild
Koordinaten 53° 36′ 0″ N, 10° 0′ 0″ O53.610Koordinaten: 53° 36′ 0″ N, 10° 0′ 0″ O
Fläche 7,6 km²
Einwohner 51.549 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 6783 Einwohner/km²
Postleitzahl 22...
Vorwahl 040
Bezirk Hamburg-Nord
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein

Winterhude ist ein Hamburger Stadtteil im Bezirk Hamburg-Nord.

Geografie[Bearbeiten]

Grenzverlauf[Bearbeiten]

Die Grenze Winterhudes folgt fast vollständig der Güterumgehungsbahn Hamburg (im Norden und Osten), dem Osterbekkanal (im Süden) und der Alster (im Westen). Die einzige größere Ausnahme ist der Verlauf im Südosten: Hier biegt die Grenze von der Güterumgehungsbahn zunächst in die Hellbrookstraße und an deren Ende bis zum Osterbekkanal in die Saarlandstraße ab.

Aufteilung[Bearbeiten]

Winterhude, der Bevölkerungszahl nach der viertgrößte Stadtteil Hamburgs (2010), lässt sich in vier verschiedene Zonen gliedern:

Winterhude Süd (Außenalster, Mühlenkamp, Gertigstraße, Barmbeker Straße, südlicher Stadtpark)
Dieser Bereich ist wesentlich geprägt durch die in Alsternähe gelegene Villenbebauung. Die Barmbeker Straße in östlicher Richtung kann als Grenze angesehen werden. Hier erschließt sich rund um den Schinkelplatz eine klassische Mehrfamilienhaus-Blockbebauung mit Häusern aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Das Zentrum des südlichen Winterhudes bilden der Bereich um den Mühlenkamp,mit seinen vielen Geschäften und die Gertigstraße, mit vielen Kneipen bzw. Lokalen.

Wohngebäude am Lattenkamp in Winterhude-Nord

Winterhude Nord (Winterhuder Marktplatz, Alsterdorfer Straße, Carl-Cohn-Straße, nördlicher Stadtpark)
Das nördliche Winterhude erschließt sich nördlich des Winterhuder Marktplatzes. Das geschäftliche Zentrum bilden der Marktplatz selbst, um den fünf Bankfilialen angesiedelt sind, sowie die Hudtwalckerstraße und die südliche Alsterdorfer Straße, die mit vielen kleinen Geschäften aufwarten. Die Häuser dieses Gebietes stammen zum Teil noch aus der Zeit der Jahrhundertwende, zum Teil aus der Zwischenkriegszeit.

Jarrestadt (Barmbeker Straße, Saarlandstraße, Weidestraße, Jarrestraße)
Die Jarrestadt kann als eigenständiges Viertel angesehen werden. Es war eins der größten sozialen Wohnungsbauprojekte des 20. Jahrhunderts in Hamburg. Am Reißbrett wurde die gesamte Siedlung geplant und ab 1926 mit den für diese Zeit typischen dunkelroten Ziegelsteinen gebaut. Vom Feuersturm 1943 blieb die Jarrestadt weitgehend verschont, obwohl die Werksanlagen von Kampnagel (Herstellung von Kränen und Ladegeschirr) unmittelbar südlich an die Jarrestadt grenzen. Nach inzwischen freigegebenem Archivmaterial fiel ein geplanter Bombereinsatz wegen Schlechtwetters aus.

ehemalige HEW-Hauptverwaltung in der City Nord

City Nord
Während der wirtschaftlichen Blüte der Bundesrepublik in den 1960er Jahren bestand ein großer Bedarf an Büroflächen, und so entstand die fast ausschließlich von Großraumbüros in modernen, durch Architektur-Wettbewerbe gestalteten Gebäuden geprägte „Geschäftsstadt Nord“, seit den 1970er Jahren City Nord genannt. In den 1990er Jahren schreckte dieses Konzept Interessenten ab und führte zum Abriss einiger Gebäude. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts versucht die Stadt, die „CiNo“ wiederzubeleben. Ein markantes Gebäude der City Nord ist die Hauptverwaltung der Hamburgischen Electricitäts-Werke (heute Vattenfall Europe), das 1967 nach Plänen von Arne Jacobsen erbaut wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Agnesstraße 1903

Die Bezeichnung Winterhude wird in einer einfachen Deutung auf einen Besitzer namens Winter zurückgeführt, wobei die Silbe -hude einen Landungsplatz für Boote und Lastkähne bezeichnet. Eine gängigere Darstellung geht davon aus, dass es sich um einen Platz handelte, an dem die Alsterschiffer ihre Boote zur Überwinterung auf den seichten Alsterwiesen an Land zogen.[1]

1250 erstmals urkundlich erwähnt, fiel Winterhude im 14. Jahrhundert an das Kloster Harvestehude und nach der Auflösung des Klosters im Zuge der Reformation an die Stadt Hamburg. Über Jahrhunderte ein kleines Bauerndorf, wurde Winterhude erst Mitte des 19. Jahrhunderts erschlossen. Maßgeblich daran beteiligt waren im Norden Winterhudes Johann Friedrich Bernhard Sierich und im Süden Julius Gertig, ein Hamburger Lotteriebetreiber vom Großen Burstah. Nach beiden wurden Straßen in Winterhude benannt. 1859 wurde Winterhude mit einer Brücke über den Langen Zug mit der Uhlenhorst verbunden. Aber erst die Aufhebung der Hamburger Torsperre 1861 leitete den Aufschwung Winterhudes ein. Auch die ab den 1860er Jahren zwischen dem Hamburger Jungfernstieg und Winterhude verkehrenden Alsterdampfer hatten einen Anteil an der Entwicklung. Sie standen anfangs nur in Konkurrenz zu Kutschen und Pferdebahnen und entwickelten sich daher zu einem leistungsfähigen und für damalige Verhältnisse schnellen Nahverkehrsmittel. 1874 wurde Winterhude zu einem Hamburger Vorort erklärt, die endgültige Eingemeindung fand 1894 statt. Die ersten Industriebauten wurden 1875 errichtet. Die Reismühlenfabrik „Nagel & Kaemp“, die später Hafenkräne herstellte, siedelte sich am Osterbekkanal an. 1982 wurde diese Fabrik zur Kulturfabrik Kampnagel, die insbesondere als Theaterveranstaltungsort über Hamburg hinaus bekannt ist. Nach dem Rückzug der Industrie Mitte der 1970er Jahre wurde Winterhude zu einer beliebten Wohngegend, einige moderne Bürobauten entstanden neu.

Politik[Bearbeiten]

Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Winterhude zum Wahlkreis Eppendorf-Winterhude. Die Bürgerschaftswahl 2011 führte zu folgendem Ergebnis[2]:

  • SPD: 48,1 % (+ 14,1)
  • CDU: 17,7 % (– 22,5)
  • GAL: 16,0 % (+ 2,2)
  • FDP: 7,5 % (+ 2,4)
  • Die Linke: 5,7 % (+ 0,6)
  • Übrige: 5,0 % (+ 3,3)

Verkehr[Bearbeiten]

U-Bahn-Station Borgweg
U-Bahn-Station Saarlandstraße

Der Stadtteil wird von den U-Bahn-Stationen Sierichstraße, Borgweg und Saarlandstraße (U3) sowie Hudtwalckerstraße und Lattenkamp (U1) erschlossen. Wenige Meter von der Grenze nach Winterhude entfernt liegen außerdem die U-Bahnhöfe Alsterdorf und Sengelmannstraße der Linie U1, sowie die Stationen Alte Wöhr und Rübenkamp der S-Bahnlinie S1.

Daneben war für die 1970er Jahre der Bau einer U-Bahn-Linie U4 vorgesehen, die den östlichen Teils Winterhudes von Nord nach Süd unterquert hätte. Neue U-Bahnhöfe sollten am südlichen Rand der City Nord, am Borgweg (Umstieg zur U3) sowie am südlichen Rand von Winterhude nahe Kampnagel entstehen. Trotz einiger bereits errichteter Stationen für die damalige U4 stoppte der Hamburger Senat den weiteren Bau im Jahr 1974 und nahm ihn bis heute nicht wieder auf.

Eine Besonderheit ist der in Nord-Süd-Richtung führende Straßenzug Sierichstraße/Herbert-Weichmann-Straße (Uhlenhorst). Dieser stellt eine Einbahnstraße dar, wobei zweimal täglich die vorgeschriebene Fahrtrichtung wechselt: von 4:00 Uhr bis 12:00 Uhr wird der Verkehr stadteinwärts geleitet, von 12:00 Uhr mittags bis 4:00 Uhr früh stadtauswärts.

Auf dem Goldbek- und dem Osterbekkanal herrschte noch bis in die 1960er Jahre reger Schiffsverkehr. Es wurde erwogen, mehrere Kanäle für die Errichtung von Straßen zuzuschütten. Heute werden sie im Sommer als Freizeit-Wasserstraße von vielen Kanu-Fahrern genutzt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Parks[Bearbeiten]

  • In Winterhude befindet sich der Hamburger Stadtpark mit dem Planetarium Hamburg.
  • Am Ufer der Außenalster liegt der Alsterpark, von dem allerdings nur der schmale Streifen an der Straße Bellevue zu Winterhude gehört.

Sport[Bearbeiten]

  • Leichtathletikstadion: Jahnkampfbahn im Stadtpark, Fußballstadion am Borgweg, Sporthalle Hamburg, Leichtathletik-Halle
  • Sportvereine:
    • Harvestehuder Tennis- und Hockey-Club (Hockeydamen und Hockeyherren spielen in der 1. Bundesliga, die Damen sind amtierender Deutscher Meister, Lacrossedamen und Lacrosseherren spielen in der 1. Bundesliga Nord und sind beide amtierende Deutsche Meister) an der Barmbeker Straße 106
    • VfL 93 Hamburg (Badminton-Bundesliga, ehemals Fußball-Regionalliga, aktuell Bezirksliga)
    • FC Winterhude (Kreisliga Staffel 6)
    • Sportvereinigung Polizei Hamburg (Budo-Centrum, ehemals 2. Judo-Bundesliga)
    • Hanseat Hamburg Verein für Wassersport e.V. (Kanuverein mit aktiver Wandersparte und Drachenbootmannschaften)

Bildung[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Bedeutende Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Die Entwicklung Winterhudes ist maßgeblich auf Johann Friedrich Bernhard Sierich und Julius Gertig zurückzuführen.

Johann Friedrich Bernhard Sierich kaufte und erschloss die Grundstücke im Norden Winterhudes, hinüber zu Hamburg-Eppendorf. 1838 erwarb der Goldschmied Sierich einen der Winterhuder Höfe. Nach und nach wurde weiteres Gelände bis hin zur Außenalster gekauft. Sein Sohn Adolph erschloss diesen Besitz und legte Kanäle zur Entwässerung an. Teilweise ließ er noch Partien aufschütten. Die heute in dem Gebiet gelegenen Straßennamen weisen auf Familienmitglieder der Sierichs hin (Sierichstraße, Maria-Louisen-Straße, Klärchenstraße, Willistraße). Adolph Sierich mehrte durch den Verkauf dieser Grundstücke sein Vermögen. Das im Stadtpark an der Hindenburgstraße gelegene Sierichsche Forsthaus geht auch auf die Familie Sierich zurück.

Julius Gertig engagierte sich ab 1857 im Süden Winterhudes. Der Lotteriebesitzer kaufte eine alte Hofstelle am Mühlenkamp und baute diese im Laufe der Jahre zu einem riesigen Ausflugslokal aus. Als besondere Attraktionen galten Tanzveranstaltungen und Kinderfeste. Eine Pferderennbahn (ungefähr der heutige Schinkelplatz) wurde ebenfalls gebaut. Ab 1859 legten an seinem Etablissement die Alsterdampfer an. Weiter finanzierte er eine Brücke über den Langen Zug und schuf somit eine Landverbindung zur Uhlenhorst. Ab 1906 wurden auf dem Gelände zwischen Mühlenkamp, Geibelstraße, Semperstraße und Gertigstraße neue Straßen angelegt und Häuser gebaut. Zur Blütezeit seiner Unternehmungen soll Gertig ein Vermögen von 5.000.000 Goldmark gehabt und vererbt haben. Durch die Wirrungen beider Weltkriege blieb nicht viel davon übrig, und seine jüngste Tochter starb Anfang der 1950er Jahre in Armut.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hamburg-Winterhude – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten, Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 134
  2. Ergebnisse bei www.statistik-nord.de