Alte Messe Leipzig

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Das Doppel-M (steht für Mustermesse) – Logo der Leipziger Messe am Osttor der Alten Messe

Mit Alte Messe wird in Leipzig jenes etwa 50 Hektar große Gelände bezeichnet, auf dem von 1920 bis 1991 die Ausstellungen der Technischen Messe im Rahmen der Leipziger Messe stattfanden und das seitdem als Einkaufs- und Gewerbegebiet umgenutzt wird.

Lage[Bearbeiten]

Das alte Messegelände befindet sich in südöstlicher Richtung vom Stadtzentrum in einer Entfernung von etwa drei Kilometern. Es wird begrenzt im Norden vom Deutschen Platz und der Philipp-Rosenthal-Straße, im Osten von der Prager Straße und der Bahnstrecke Leipzig Hbf–Leipzig-Connewitz, im Süden von der Richard-Lehmann-Straße und im Westen von der Zwickauer Straße. Das Alte Messegelände gehört zum Ortsteil Zentrum-Südost. Die umliegenden Ortsteile sind Reudnitz-Thonberg, Stötteritz, Marienbrunn und Südvorstadt.

Geschichte[Bearbeiten]

Nordeingang und sowjetischer Pavillon 1974
Sowjetischer Pavillon auf einer 20 Pf-Briefmarke der DDR Post 1955

Im Jahre 1913 fand in Leipzig die Internationale Baufachausstellung (IBA) statt. Dazu wurde ein Ausstellungsgelände hinter dem Vorwerk Thonberg geschaffen. Der IBA folgte 1914 an gleicher Stelle die Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik. In drei der damals errichteten Hallen eröffnete 1920 die seit 1918 stattfindende Technische Messe und Baumesse ihre Pforten. Die wirtschaftliche Entwicklung der 1920er Jahre führte zu einem enormen Ausbau der Messe unter anderem durch Errichtung neuer Hallen auf dem Messegelände. 1928 gab es 17 Messehallen und weitere kleinere Bauten. 1930 stellte die Internationale Pelzfach-Ausstellung einen weiteren Höhepunkt dar. Während des Zweiten Weltkrieges fand in einigen Hallen Rüstungsproduktion in Form von Flugzeugbau und -wartung statt. Am 4. Dezember 1943 wurden durch einen Bombenangriff 4 Hallen total und 14 Hallen teilweise zerstört.[1]

Die erste Nachkriegsmesse wurde im Mai 1946 in vier Hallen abgehalten. In den Folgejahren erfolgten laufend Erweiterungen sowie Neu- und Umbauten, darunter der 1950 aus dem ehemaligen Achilleion entstandene „Sowjetische Pavillon“, die Messehalle 7 (1980), die Messehalle 22 (1989-1992) und ein Verwaltungsbau am Nordeingang. Daneben entstanden noch zahlreiche kleinere Bauten und Provisorien. Von 1991 bis 1996 wurden noch einige Fachmessen durchgeführt, bevor 1996 die neu erbauten Messehallen im Leipziger Norden ihren Betrieb aufnahmen.

Neue Nutzung[Bearbeiten]

Straße des 18. Oktober mit Achilleion, Einkaufsmarkt, Bundesbankgebäude und Völkerschlachtdenkmal.

Seit 1996 wird das Gelände in ein Gewerbegebiet umgenutzt. Als Vorbereitung wurden alle Provisorien beseitigt und einige Hallen abgerissen oder umgebaut. Das für das Gelände entwickelte Nutzungskonzept sieht vier verschiedene Nutzungsschwerpunkte vor: Wissenschaft/Biotechnologie/Gesundheit, Automeile, Entertainment/Sport/Kultur/Gastronomie sowie Handel.

Auf dem Gelände wurden inzwischen auch Straßennamen vergeben: Alte Messe, Perlick-, Pusch-, Otto- und Landsteinerstraße.

Die Entwicklung des Geländes wird von der Leipziger Entwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft (LEVG) betrieben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist eine ganze Reihe von Ansiedlungen zu verzeichnen, obwohl immer noch viele Flächen und Hallen nicht oder nur sporadisch genutzt werden, wie zum Beispiel der ehemalige sowjetische Pavillon. Auch das Umfeld des Geländes wird zum Teil in die Entwicklung einbezogen.

Wissenschaft und Gesundheit[Bearbeiten]

BioCity und BioCube

Zwischen Alter Messe und der Deutschen Nationalbibliothek wurde am Deutschen Platz die Bio City Leipzig und das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie als Wissenschaftszentrum erbaut. Im Jahr 2008 wurde das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie fertiggestellt, Anbauten werden als "Tochterzellen" bezeichnet. 2013 wurde der "BioCube" neben der Bio City eröffnet, einige Mieter der letzteren zogen in das neue Gebäude um. Neben der Bio City ist außerdem die Sammlung von mathematisch-naturwissenschaftlichen interaktiven Exponaten INSPIRATA untergebracht.

Sport, Freizeit und Gastronomie[Bearbeiten]

Messehalle 7 - Die Fußballhalle
Messehalle 6 - Das Eisstadion

Auf dem Gelände der Alten Messe sind in den letzten Jahren teilweise in Kombination mit gastronomischen Betrieben Anlagen für Fußball, Eishockey und Beachvolleyball entstanden.

Die Messehalle 7 mit 8700 m² wird als Fußballhalle genutzt und bietet zehn Spielfelder. Die benachbarte Halle 6 ist als Eisstadion eingerichtet. Sie ist die Spielstätte der Icefighters Leipzig und hat Platz für 2200 Zuschauer.

Auf dem westlichen Teil des Geländes, dem ehemaligen Standort der Halle 18 befindet sich ein Stadtstrand mit Beachvolleyballplätzen

Nach Plänen des HC Leipzig soll die ehemalige Halle 15 zu einer Ballsporthalle umgebaut oder durch einen Neubau ersetzt werden. Die Umsetzung ist bis Ende 2011 mit einer Kapazität von 5000 Personen vorgesehen. Je nach Variante sollen 13 bis 15 Millionen Euro investiert werden. [2]

Am 21. April 2011 berichtete das Sportbusiness-Fachmagazin Sponsors auf seiner Website, dass der aus Leipzig stammende und in St. Petersburg lebende Chef der TRI Holding, Stefan Linder mit einem neuen Eishockey-Club unter dem Namen Torpedo Leipzig ab der Saison 2012/13 in der russischen Kontinental Hockey League an den Start gehen möchte. Dazu will er noch 2011 50 Millionen Euro investieren und die Halle 15 der Alten Messe zu einer Multifunktionshalle für 10.000 Zuschauer umbauen. Davon könnte dann auch der Damen-Handballbundesligist HC Leipzig profitieren. Das Einverständnis der KHL-Führung hat Lindner für diese Pläne bereits bekommen, die Genehmigungen des Deutschen Eishockey-Bundes und der Stadt Leipzig stehen allerdings noch aus.[3]

Gebäude der Bundesbank

In der ehemaligen Messehalle 16, welche die einzige aus dem Jahre 1913 noch existierende Halle ist und damals Betonhalle genannt wurde, wurde im Jahr 2006 die Diskothek Volkspalast eröffnet. In der Kuppelhalle mit 32 Meter Durchmesser finden bis zu 2000 Personen Platz.

In den Sommermonaten wird auf dem Südteil des Geländes ein Autokino betrieben.

Bank und Einzelhandel[Bearbeiten]

Auf dem Gelände befindet sich in einem Neubau eine der neun Hauptverwaltungen der Deutschen Bundesbank.

Die HIT Handelsgruppe betreibt in der 200 Meter langen ehemaligen Messehalle 11 einen Supermarkt.

Auf einer Fläche von 71.000 m², die mit den alten Messehallen 1–6 bebaut war, wurde 2013 ein Möbelhaus von Porta Möbel eröffnet.

Außerdem befindet sich seit Januar 2009 in der Halle 10.13 ein Soziales Möbelkaufhaus des Bürgervereins Probstheida e. V.; dort können Bedürftige, deren Einkommen unter der Pfändungsfreigrenze liegt, kostengünstig oder auf Bezugsschein Möbel und diverse Haushaltsgegenstände erwerben.

Automobil[Bearbeiten]

Auf dem und um das Messegelände ist in den letzten Jahren die sogenannte Automeile mit Autohäusern der Marken Audi, BMW, Chrysler, Dodge, Honda, Jeep, Mercedes-Benz und Volkswagen entstanden. Ergänzend hierzu entstand ein Triumph Motorradzentrum und ein Autoteilehandel.

Die unsanierte Messehalle 5 (inzwischen abgerissen)

Religion[Bearbeiten]

Der Verein Pavillon der Hoffnung in Leipzig e. V. – Förderverein Ökumenisches Zentrum kaufte 2008 die Halle 14 auf dem Alten Messegelände, die 1985 vom VEB Carl Zeiss Jena erbaut worden war, und nannte sie Pavillon der Hoffnung (Nicht zu verwechseln mit dem Pavillon der Hoffnung der Expo 2000). Dort finden christlich-religiöse und soziale Veranstaltungen der verschiedensten Art statt.[4]

Da das Platzangebot im Gemeindesaal der Andreasgemeinde in der Scharnhorststraße wegen der wachsenden Besucherzahl nicht mehr ausreichte, verlegte man die Gottesdienste der Gemeinde in den Pavillon der Hoffnung.

Museum[Bearbeiten]

Die Stiftung Deutsches Holocaust-Museum plant, in der Halle 12 (ehemaliger Sowjetischer Pavillon) ein Deutsches Holocaust-Museum einzurichten.[5] Die Planung liegt in den Händen des Architekturbüros Meinhard von Gerkan.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z. PROLEIPZIG, Leipzig 2005, ISBN 3-936508-03-8, S. 397
  2. LVZ vom 19. Februar 2010
  3. Sponsors vom 21. April 2011
  4. Pavillon der Hoffnung
  5. Zum Standort des geplanten Deutschen Holocaust-Museums
  6. Angaben auf der Seite des Museumsprojektes, abgerufen am 21. März 2013

Weblinks[Bearbeiten]

51.31913888888912.400527777778Koordinaten: 51° 19′ 9″ N, 12° 24′ 2″ O