Axel Honneth

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Axel Honneth (* 18. Juli 1949 in Essen) ist ein deutscher Sozialphilosoph und Direktor des Instituts für Sozialforschung (IfS) an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Axel Honneth 2008

Leben[Bearbeiten]

Honneth studierte 1969–1974 Philosophie, Soziologie und Germanistik in Bonn und Bochum und schloss das Studium mit einem Magister in Philosophie ab. 1977 wurde er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin. Dort wurde er 1983 bei Urs Jaeggi mit der Arbeit „Foucault und die Kritische Theorie“ promoviert (später unter dem Titel „Kritik der Macht“ veröffentlicht). Es folgte ab 1983 eine Anstellung als Hochschulassistent am Fachbereich Philosophie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main sowie eine parallele Tätigkeit als „Fellow“ am Wissenschaftskolleg zu Berlin.

Im Juni 1990 habilitierte sich Honneth mit der Arbeit „Kampf um Anerkennung“ am Fachbereich Philosophie in Frankfurt. 1991 erhielt er seine erste C3-Professur für Philosophie an der Universität Konstanz, nur ein Jahr später erfolgte der Ruf auf eine Professur für politische Philosophie am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin. Von September 1995 bis April 1996 war Honneth zudem Theodor-Heuss-Gastprofessor an der New School for Social Research in New York, bevor er 1996 als Professor für Philosophie an die Goethe-Universität in Frankfurt berufen wurde. Hier gehörte er auch dem Kollegium des „Instituts für Sozialforschung“ an. 1999 vertrat er für einige Monate den Spinoza-Lehrstuhl am Fachbereich Philosophie der Universität Amsterdam. Es folgte die Berufung auf den Lehrstuhl für Philosophie mit dem Schwerpunkt Sozialphilosophie an der Universität Frankfurt. 2001 wurde Honneth zum geschäftsführenden Direktor des Instituts für Sozialforschung bestellt.

Seit Herbst 2011 lehrt er an der Columbia University.[1]

Axel Honneth ist mit der Journalistin und Philosophin Christine Pries verheiratet.

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten]

Honneths Forschungsgebiet ist die Sozialphilosophie. Im Zentrum seiner Arbeiten steht eine an die Jenenser Schriften des jungen Hegel und den symbolischen Interaktionismus George Herbert Meads anknüpfende Theorie der Anerkennung, die er in seinem bekanntesten Buch, „Kampf um Anerkennung“, entfaltet. In seinem Werk „Verdinglichung“ versucht er diesen marxistischen Schlüsselbegriff anerkennungstheoretisch zu reformulieren. Ein verwandtes Thema Honneths ist, ähnlich wie bei Habermas, die Rekonstruktion der Moralität interpersoneller Beziehungen. Moralische Entwicklung setzt interpersonale Beziehungen voraus und in deren Zentrum stehen Anerkennungsbeziehungen. Unter dem Stichwort „Pathologien der Vernunft“ strebt Honneth die Vergegenwärtigung und Weiterentwicklung einer kritischen Gesellschaftstheorie im Sinne der Frankfurter Schule an. Er greift dabei explizit auf psychologische und psychoanalytische Theorien und die zeitgenössische soziologische Theorie und Sozialontologie zurück.

Honneth ist Mitherausgeber der „Deutschen Zeitschrift für Philosophie“, des „European Journal of Philosophy“ und der Zeitschrift „Constellations“.

Seit März 2007 ist er außerdem Präsident der Internationalen Hegel-Vereinigung.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Kampf um Anerkennung. Frankfurt/M. 1992 (neue Auflage 2003), ISBN 3-518-06748-6.[2]
  • Desintegration - Bruchstücke einer soziologischen Zeitdiagnose. Frankfurt/M. 1994, ISBN 3-596-12347-X.
  • Das Andere der Gerechtigkeit. Aufsätze zur praktischen Philosophie. Frankfurt/M. 2000, ISBN 3-518-29091-6.
  • Kritik der Macht. Frankfurt/M. 2000, ISBN 3-518-28338-3.
  • Leiden an Unbestimmtheit. Eine Reaktualisierung der Hegelschen Rechtsphilosophie. Stuttgart 2001, ISBN 3-15-018144-5.
  • Das Werk der Negativität. Eine psychoanalytische Revision der Anerkennungstheorie. In: Werner Bohleber, Sibylle Drews (Hrsg.): Die Gegenwart der Psychoanalyse - Die Psychoanalyse der Gegenwart. Stuttgart 2001, ISBN 3-608-94349-8, S. 238–245.
  • Michel Foucault - Zwischenbilanz einer Rezeption / Frankfurter Foucault-Konferenz 2001 (als Hrsg.). Frankfurt/M. 2003, ISBN 3-518-29217-X.
  • Kommunikatives Handeln (als Hrsg. mit Hans Joas). Frankfurt 2002, ISBN 3-518-28225-5.
  • Umverteilung oder Anerkennung? (mit Nancy Fraser). Frankfurt/M. 2003, ISBN 3-518-29060-6.
  • Dialektik der Freiheit. Frankfurter Adorno-Konferenz 2003, Frankfurt/M. 2005, ISBN 3-518-29328-1.
  • Verdinglichung - Eine anerkennungstheoretische Studie. Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-518-58444-8.
  • Schlüsseltexte der Kritischen Theorie. (als Hrsg.), Wiesbaden 2005, ISBN 3-531-14108-2.
  • Axel Honneth: The Tanner Lectures on Human Values (PDF; 8,5 MB), Englisch, 2005
  • Pathologien der Vernunft. Geschichte und Gegenwart der Kritischen Theorie. Frankfurt/M. 2007, ISBN 978-3-518-29435-2
  • Bob Dylan. Ein Kongreß (als Hrsg. mit Peter Kemper und Richard Klein), Frankfurt/M. 2007, ISBN 978-3-518-12507-6
  • Erneuerung der Kritik. Axel Honneth im Gespräch. Hrsg. von Mauro Basaure, Jan Philip Reemtsma, Rasmus Willing. Campus, Frankfurt am Main 2009
  • Das Recht der Freiheit - Grundriß einer demokratischen Sittlichkeit. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-518-58562-7.
  • als Hrsg.: Strukturwandel der Anerkennung. Paradoxien sozialer Integration in der Gegenwart. Campus, Frankfurt am Main/New York 2013, ISBN 978-3-593-39513-5.
  • Das Recht der Freiheit. Grundriß einer demokratischen Sittlichkeit. Suhrkamp, Berlin 2013, ISBN 978-3-518-29648-6.
  • hrsg. zusammen mit Lisa Herzog: Der Wert des Marktes. Ein ökonomisch-philosophischer Diskurs vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Suhrkamp, Berlin, ISBN 978-3-518-29665-3.
Essays

Literatur[Bearbeiten]

  • Th. S. Hoffmann: Rezension: A. Honneth, Leiden an Unbestimmtheit. Eine Reaktualisierung der Hegelschen Rechtsphilosophie. Stuttgart 2001. In: FAZ. 9. Oktober 2001.
  • Rüdiger Bubner: Beziehungsgeschichten. Staat und Familie: Axel Honneth interpretiert Hegels Rechtsphilosophie vor dem Hintergrund gegenwärtiger Gerechtigkeitsdebatten. In: FR. 10. Oktober 2001.
  • Lorenz Jäger: Kampf um Anerkennung. Axel Honneth zum 60. Geburtstag. In: FAZ. 13. Juli 2009, S. 30.
  • Rainer Forst u.a. (Hrsg.): Sozialphilosophie und Kritik. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Axel Honneth an der Columbia University
  2. Dieses Buch ist im Urteil von Jürgen Habermas eines der wichtigsten Werke seit 1950 The Most Important Philosophical Books Since 1950?.