Bedarfshalt

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Historisches Bedarfhaltestellenschild der Straßenbahn Wien
Historisches Trolleybus-Bedarfshaltestellenschild aus London
Historisches Omnibus-Bedarfshaltestellenschild aus England

Ein Bedarfshalt, auch Halt(en) auf Verlangen oder Halt(en) auf Wunsch genannt, ist eine Haltestelle beziehungsweise ein Haltepunkt, an der ein Fahrzeug des Öffentlichen Personennahverkehrs nur nach Anmeldung eines Haltewunsches durch einen Fahrgast anhält. Bedarfshaltestellen werden meist dann eingerichtet, wenn entweder ein nur geringes Reisendenpotenzial vorhanden ist oder die Haltestelle nur saisonal genutzt wird. Wichtigster Vorteil ist die kürzere Reisezeit, falls niemand ein- oder aussteigen möchte. Ferner der geringere Energieverbrauch, bedingt durch den entfallenden Anfahrvorgang. Insbesondere die – vergleichsweise langsam fahrenden – früheren Pferdebahnen kamen dabei häufig ganz ohne feste Zwischenhaltestellen aus.

Bedarfshalte für Reisegruppen[Bearbeiten]

Eine Besonderheit sind Bedarfshaltepunkte für Reisegruppen. In diesem Fall hält das Verkehrsmittel dort nur, wenn eine vorher definierte Mindestanzahl von Reisenden ein- oder aussteigen möchte und diesen Wunsch vorab beim Verkehrsunternehmen angemeldet hat. Ein Beispiel ist der Haltepunkt Willingen-Stryck, der nahe der Mühlenkopfschanze liegt.

Kennzeichnung in Fahrplänen[Bearbeiten]

Fahrplan von Brig nach Disentis/Muster mit zehn ständigen sowie zwei zeitweisen Bedarfshalten

In gedruckten Fahrplänen wird der Bedarfshalt meist entsprechend dem mittlerweile aufgehobenenen UIC-Merkblattes 411 „Gestaltung, Inhalt und Aufbau der Kursbücher“ [1] durch ein „X“ vor der betreffenden Station angegeben. Wenn dies nur einen bestimmten Zughalt betrifft, steht in der Fahrplantabelle das X vor der Abfahrtszeit.

Varianten der Signalisierung[Bearbeiten]

Zur Signalisierung des Haltewunschs gibt es verschiedene Varianten, die von zwei Faktoren abhängen: zum einen davon, ob der Fahrgast einsteigen oder aussteigen möchte, zum anderen vom Fahrzeugtyp.

Möglichkeiten zur Kennzeichnung des Einstiegswunschs:

  • Halt auf Sicht: Fahrer sieht den einstiegswilligen Reisenden an der Haltestelle warten. Dies wird meist im Bus- und Straßenbahnverkehr angewandt. Auch bei langsam befahrenen Bahnstrecken wird diese Methode verwendet.
  • Halt auf Signal: Bei vielen Bahn-Bedarfshaltestellen schaltet der Fahrgast ein Signal ein, das dem Fahrzeugführer den Haltewunsch übermittelt.

Dieses Signal kann auch elektronisch übermittelt werden, z. B. von mobilen oder stationären Endgeräten über Mobiltelefonnetzwerke (TCP/IP oder SMS).

Möglichkeiten zur Kennzeichnung des Ausstiegswunschs:

  • Halt auf Knopfdruck: In den meisten Bussen, in Straßenbahnwagen und modernen Triebwagen kann der Fahrgast dem Fahrzeugführer durch das Drücken eines Signalknopfs seinen Ausstiegswunsch übermitteln.
  • Halt auf mündliche Anfrage: Insbesondere auf Bahnstrecken, die von älteren Triebwagen oder Zügen befahren werden, muss der Fahrgast seinen Ausstiegswunsch dem Schaffner oder dem Triebfahrzeugführer mündlich übermitteln. Während Stadt- und Überlandlinienbusse heute praktisch immer über eine Haltewunschanlage (Stopp-Knöpfe) verfügen, fehlen diese oft in älteren Überlandbussen sowie in Kombibussen, die für Kurzreisen und weitere Überlandstrecken gleichzeitig tauglich sind.

Ausstieg zwischen zwei Haltestellen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Trampbus

Bestimmte Verkehrsunternehmen bieten ihren Fahrgästen an, auf Wunsch auch zwischen zwei regulären Haltestellen aussteigen zu können. Bei den Stuttgarter Straßenbahnen zum Beispiel ist dies ab 21:00 Uhr auf allen Buslinien außerhalb der Innenstadt möglich – sofern das Fahrpersonal die zusätzliche Haltesposition als verkehrssicher einstuft.[2] Schon bei der Stuttgarter Pferdebahn galt eine ähnliche Regelung. Diese führte zwar 1878 feste Stationen ein, hielt aber auf Wunsch der Fahrgäste auch weiterhin an jedem Punkt der Strecke an.[3]

Galerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Bedarfshalt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Internationaler Eisenbahnverband: Kodex 411 „Gestaltung, Inhalt und Aufbau der Kursbücher“, 6. Auflage, 1978
  2. Halt auf Wunsch auf www.ssb-ag.de
  3. Betriebschronik auf www.stuttgarter-bahnen.de