Haltestelle

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Dieser Artikel behandelt die Station einer Straßenbahn, eines Oberleitungsbusses oder eines Omnibusses. Zu der Haltestelle genannten Station bei der Eisenbahn siehe Haltepunkt.
Deutsches Haltestellenschild (Verkehrszeichen 224)

Eine Haltestelle ist ein Ort auf einer Linie des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), der von Straßenbahnen, Oberleitungsbussen, Omnibussen oder anderen städtischen Verkehrsmitteln planmäßig oder zumindest regelmäßig bedient wird, um Fahrgästen das Zu- und Aussteigen zu ermöglichen. Liegt eine Haltestelle direkt an der Straße, greifen besondere Verkehrsvorschriften für alle Fahrzeuge, insbesondere beim Vorbeifahren und Parken.

Bei den „Haltestellen“ des Pedibus („Schulbus zu Fuß“) hält hingegen kein Fahrzeug, Schulkinder sammeln sich zu festgelegten Zeiten, um gemeinsam entlang einer festgelegte Route zur Schule zu gehen.

Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Rechtliches[Bearbeiten]

Trambahn- und Bushaltestelle an der Münchner Freiheit 48.16171811.586307

In Deutschland ist eine Haltestelle eine mit dem Verkehrszeichen 224 der Straßenverkehrsordnung (StVO) markierte Einrichtung im Straßenverkehrsnetz, an dem ein öffentliches Verkehrsmittel fahrplanmäßig (unaufgefordert oder als Bedarfshalt) oder auf Anforderung hält. Jeweils 15 Meter vor und hinter dem Verkehrszeichen besteht Parkverbot. Verkehrstechnisch handelt es sich um einen Verknüpfungspunkt zwischen ÖPNV und Fußverkehr.

Beschilderung[Bearbeiten]

Haltestellenstele mit integrierten Fahrplaneinschüben

Bis 1939 gab es in Deutschland kein einheitliches Haltestellenschild. In der Regel waren an den Haltestellen rechteckige Schilder mit der Beschriftung Haltestelle der Straßenbahn, Kraftwagenhaltestelle oder ähnlich aufgestellt. Das heute noch benutzte grün-gelbe H-Schild wurde auf der Grundlage des Gesetzes über die Beförderung von Personen zu Lande in der Fassung vom 6. Dezember 1937 und der darin enthaltenen Ermächtigung des Reichsverkehrsministers zum Erlass der erforderlichen Rechtsverordnungen über den Betrieb der Verkehrsunternehmen letztendlich durch den Reichsverkehrsminister am 19. Juli 1939 eingeführt durch Veröffentlichung im Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsanzeiger Nr. 172, darin heißt es:

Das Haltestellenzeichen für Straßenbahnen ist eine kreisrunde gelbe Scheibe mit grünem Rand und grünem H. Der Durchmesser der Scheibe kann 35 oder 45 cm betragen. Das Haltestellenzeichen für Kraftfahrlinien ist ein gelbes grüngerändertes Schild in Form eines Signalarms, dessen kreisrundes Ende ein H und dessen Arm die nähere Bezeichnung der Kraftfahrlinie – beides in grüner Schrift – enthält. Das kreisrunde Ende des Zeichens soll 25 oder 35 cm Durchmesser haben. Der Arm ist bis zur Mitte des Buchstabens H 50 cm lang.

Nach dieser Regelung sollten alle Haltestellen im Deutschen Reich bis zum 1. April 1941 mit den neuen einheitlichen Zeichen versehen werden. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges wurde das nicht mehr durchgeführt und das Haltestellenschild wurde dann erst faktisch nach Kriegsende deutschlandweit eingeführt.[1]

Die Haltestellenzeichen für Straßenbahnen und Kraftwagenlinien waren nicht nur unterschiedlich in ihrer Ausprägung, es waren darüber hinaus auch Regelungen für die Ausweisung als Doppelhaltestelle, für die Befestigung an Kragarmen und bei Ausbildung einer Leuchtsäule getroffen einschließlich der Farbgebung sogar der Schilderpfosten.

Später wurden die Haltestellenzeichen in die Straßenverkehrsordnung integriert und zu dem allein heute noch gültigen Zeichen 224 Haltestelle für Straßenbahnen und Linienbusse[2] zusammengefasst.

Blinkaufforderung[Bearbeiten]

Bei manchen Bushaltestellen befinden sich zusätzliche Zeichen, die den Busfahrer anweisen, den Warnblinker während des Haltevorgangs anzuschalten.[3] Diese so genannte Blinkaufforderung wird mittels unterschiedlicher Zeichen dargestellt. Eine Vorschrift oder eine Norm hierzu gibt es jedoch nicht.

Bauweise[Bearbeiten]

Kaphaltestelle für Bus und Straßenbahn in Kassel
Überfahrbares Haltestellenkap in Kassel
Nächtlich beleuchtete Bushaltestelle

Moderne Haltestellen sind behindertengerecht ausgeführt. Beim Ein- und Aussteigen ist keine Stufe zu überwinden. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Bushaltebucht[Bearbeiten]

Bei einer Bushaltebucht oder Bushaltestellenbucht handelt es sich um eine Fahrbahnaufweitung, bei der der Bus nicht auf der Fahrbahn, sondern im Straßenseitenraum anhält. Das Ein- und Aussteigen erfolgt ohne die Behinderung des fließenden Verkehrs.

Konventionelle Haltestelleninsel[Bearbeiten]

Eine konventionellen Haltestelleninsel liegt im Normalfall zwischen den Fahrbahnen des Autoverkehrs. Diese müssen die Fußgänger zum Erreichen der Insel überqueren, was unter Umständen Ampeln und Absperrgitter an der Bahnsteigrückseite erfordert.

Kaphaltestellen[Bearbeiten]

Bei einer Kaphaltestelle wird der Gehweg bis an die Gleise vorgezogen bzw. die Gleise sind an diesen verschwenkt. Dies ist die sicherste Haltestellenform, da ein- und aussteigende Fahrgäste keine Fahrbahnen überqueren müssen.

Überfahrbare Kaphaltestelle[Bearbeiten]

Bei einer überfahrbaren Kaphaltestelle, auch überfahrbares Haltestellenkap genannt, wird die zwischen Gleis und Gehweg befindliche Fahrbahn angehoben, so dass ein niveaugleicher Übergang vom Gehweg zum Schienenfahrzeug entsteht. Oft wird im Haltestellen- oder Rampenbereich der Fahrbahnbelag im Hinblick auf die Erkennbarkeit der Haltestelle und einer Geschwindigkeitsreduzierung geändert. Wird eine Ampel zur Sicherung des Fahrgastwechsels gegen den übrigen Straßenverkehr verwendet, wird auch von einer dynamischen Haltestelle (Zeitinsel) gesprochen.

Überdachte Haltestelle[Bearbeiten]

Überdachte Haltestellen werden auch unter den Begriff Wartehallen und dem Oberbegriff Stadtmöbel geführt. In größeren Städten befinden sich an vielen Haltestellen Fahrkartenautomaten. Auch ein Fahrplan und Informationstafeln zum Betrieb an der Haltestelle sind dort in der Regel angebracht, so dass sich potentielle Fahrgäste über Netz, Tarife sowie die An- und Abfahrzeiten der dort haltenden Verkehrsmittel informieren können. Doch auch Vandalismus zeigt sich besonders oft an Haltestellen und führt oft zu erheblichen Schäden. An Wartehäuschen von Haltestellen ist häufig Plakatwerbung angebracht.

Bedarfshaltestelle[Bearbeiten]

Bedarfshaltestellen werden nur nach Anforderung angefahren – Terminals mit Benutzerschnittstellen erlauben auch Personen ohne Telefon eine Fahrt anzumelden. Die Terminals können mit Lichtstrom oder photovoltaisch versorgt werden. Die Benutzerschnittstelle besteht aus vandalenresistenten alphanumerischen oder Grafik-Displays und einem oder mehreren Druckknöpfen (Tasten).

In einigen Ländern (so z. B. in den Niederlanden) werden Bedarfshaltestellen mitunter an Autobahnen oder autobahnähnlichen Straßen eingerichtet. In diesem Fall betätigt der wartende Fahrgast einen Schalter im Haltestellenbereich, der wiederum ein Signal einige hundert Meter vor der Haltestelle ansteuert. Durch dieses Signal wird dem Busfahrer mitgeteilt, dass an der nächsten Haltestelle Fahrgäste zusteigen möchten und er die Geschwindigkeit zu reduzieren sowie die (in der Regel in einer Haltebucht, ähnlich einem Autobahnparkplatz, abseits der Autobahn liegende) nächste Haltestelle anzufahren hat.

Doppelhaltestelle[Bearbeiten]

Doppelhaltestellen können von zwei oder mehr Fahrzeugen angefahren werden. Dadurch wird das wechselseitige Umsteigen möglich, erfordert aber lange Wege, wenn mehr als zwei Fahrzeuge halten.

Früher war hierfür in Deutschland ein Schild mit zwei H im Kreis des Haltestellenschildes üblich, dieses zeigte an, dass das Fahrzeug nur einmal zum Fahrgastwechsel an dieser Haltestelle hielt, wobei dies nicht zwingend an der vordersten Position der Haltestelle geschehen musste.

Richtungshaltestelle[Bearbeiten]

Wird eine Haltestelle nur in einer Fahrtrichtung bedient, so spricht man von einer Richtungshaltestelle. Ursächlich für ihre Einrichtung ist meist die Führung einer Linie durch eine Einbahnstraße. Auch Platzmangel zur Einrichtung einer gegenüberliegenden Haltestelle beziehungsweise fehlende Querungsmöglichkeiten einer Straße können Richtungshaltestellen erforderlich machen.

Ausstiegshaltestelle/Einstiegshaltestelle[Bearbeiten]

An Endstationen, meist vor Wendeschleifen, sind oft reine Ausstiegshaltestellen anzutreffen. Dort ist der Einstieg verboten, damit das Fahrzeug die Wendeanlage ohne Fahrgäste befahren kann beziehungsweise dem Personal eine Ruhepause ermöglicht wird. Analog dazu ist die erste Haltestelle nach dem Wendevorgang oft eine reine Einstiegshaltestelle. Auch sogenannte Bedienungsverbote können dazu führen, dass an Haltestellen nur aus- oder nur eingestiegen werden darf. So dürfen beispielsweise viele Regionalbusunternehmen innerhalb von Städten ihre Fahrgäste nur im ein- oder ausbrechenden Verkehr befördern. Damit wird eine Konkurrenz zu städtischen Omnibusunternehmen verhindert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Haltestellen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Haltestelle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gesetz über die Beförderung von Personen zu Lande vom 4. Dezember 1934 (RGBl. I S. 473) in der Fassung vom 6. Dezember 1937 (RGBl. I S. 1319), hier besonders § 39, Verordnung über den Bau und Betrieb der Straßenbahnen – Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BOStrab) vom 13. November 1937 (RGBl. I S. 1247), hier besonders § 9, Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr (BOKraft) vom 13. Februar 1939 (RGBl. I S. 231), hier besonders § 65, Anordnung des Reichsverkehrsministers zur Einführung der Haltestellenzeichen, veröffentlicht am 19. Juli 1939 im Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsanzeiger Nr. 172 und im Reichs-Verkehrs-Blatt, Ausgabe B, S. 253
  2. Anlage 2 zur StVO, Abschnitt 4
  3. Die „Blinkaufforderung“ an Bushaltestellen