VIA Rail Canada

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VIA Rail Canada
Logo von VIA
Rechtsform Crown Corporation
Gründung 1977
Sitz Montréal, Québec
Leitung Paul G. Smith
(Chairman of the board)
Steve Del Bosco
(Interim President and CEO)
Mitarbeiter 2.800 (2012)
Umsatz $ 277,6 Mio. (2012)
Bilanzsumme $ 1.316,8 Mio. (31. Dezember 2012)Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Bilanzsumme
Branche Verkehr
Website http://viarail.ca
Via-Rail-Zug in London (Ontario)

VIA Rail Canada (auch als VIA Rail oder VIA bezeichnet) ist die staatliche Eisenbahngesellschaft Kanadas für den Personenfernverkehr mit Sitz in Montréal. VIA Rail unterhält Zugverbindungen in acht Provinzen (ausgenommen Neufundland und Labrador sowie Prince Edward Island) vom Atlantik bis zum Pazifik und von den Großen Seen bis zur Hudson Bay.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1977 konnte VIA Rail keine wirtschaftliche Unabhängigkeit erreichen und ist auf dauerhafte Subventionszahlungen angewiesen.[1]

Verkehrsleistung[Bearbeiten]

VIA Rail betreibt 497 Zugfahrten pro Woche und bedient 159 Bahnhöfe in ganz Kanada. Die Zugflotte umfasst 396 Personenwagen und 78 Lokomotiven. (Stand März 2013).[2]

Jahr[3] Zugkilometer in Mio. Passagiere in Mio. Personenkilometer in Mio.
1999 10,4 3,57 1.424,3
2000 10,7 3,80 1.454,8
2001 10,7 3,87 1.482,2
2002 10,9 3,98 1.525,7
2003 10,9 3,79 1.379,2
2004 10,9 3,89 1.369,6
2005 10,8 4,10 1.429,1
2006 10,7 4,09 1.407,6
2007 10,7 4,18 1.407,6
2008 10,9 4,61 1.530,5
2009 10,7 4,23 1.379,2
2010 10,7 4,15 1.361,5
2011 10,6 4,13 1.369,6
2012 10,4 3,92 1.342,2

Der überwiegende Anteil der Verkehrsleistung entfällt dabei auf den Intercity-Verkehr im Québec-Windsor-Korridor (2012 91 % des Passagieraufkommens und 74 % der Personenkilometer).

Streckennetz[Bearbeiten]

Bahnnetz der ViaRail
Aussichtswagen (Dome) für das Ende von Zügen der Silver & Blue Class (Halifax NS, Kanada)
General Electric P 42-Diesel der VIA in London (Ontario)

VIA Rail nutzt Gleisanlagen von zehn Frachteisenbahnunternehmen auf 12.500 Kilometern Strecke und besitzt lediglich 223 km Eisenbahnstrecke selbst.[4] VIA Rail hat daher nur beschränkten Einfluss auf Pünktlichkeit, konsequente Ausrichtung der Fahrpläne an die Nachfrage nach Personenverkehrsleistungen sowie auf die Verkürzung von Reisezeiten.

Täglicher Zugverkehr wird von VIA Rail nur im Quebec-Windsor-Korridor angeboten.

Korridorzüge (Fahrplanstand März 2013)

Strecke Streckenlänge Zugfrequenz
montags bis
freitags
Zugfrequenz
samstags
Zugfrequenz
sonntags
Bemerkungen
QuébecMontreal 272 km 5 3 3
MontrealOttawa 187 km 6-8 3-4 5
MontrealKingstonToronto 539 km 5-6 4 5
OttawaKingstonToronto 446 km 7 4 5
TorontoKitchenerLondonSarnia 290 km 1-2 1-2 1-2
TorontoAldershotLondonWindsor 359 km 4-5 3-4 3-4
TorontoAldershotNiagara Falls 132 km 1 1 1 verkehrt nach/von New York City (s.u.)

Langsteckenzüge, Touristische Verbindungen (Fahrplanstand März 2013)

Strecke Streckenlänge Zugfrequenz Bemerkungen
HalifaxMontreal 1.245 km 3x/Woche Nachtzug, Zugname: The Ocean
Matapédia–Montreal mit Zug Gaspe–Montreal vereinigt
GaspéMontreal 1.047 km 3x/Woche Nachtzug
Matapédia–Montreal mit The Ocean Halifax - Montreal vereinigt
Jonquière–Montreal 510 km 3x/Woche Hervey–Montreal mit Zug Senneterre–Montreal vereinigt
Senneterre–Montreal 717 km 3x/Woche Hervey–Montreal mit Zug Jonquière–Montreal vereinigt
Sudbury–White River 484 km 3x/Woche
TorontoWinnipegEdmontonJasperVancouver 4.466 km 2-3x/Woche Nachtzug, Zugname: The Canadian
Winnipeg–The Pas–Churchill 1.697 km 2-3x/Woche Nachtzug
JasperPrince GeorgePrince Rupert 1.160 km 3x/Woche die Abschnitte Jasper–Prince George und Prince George–Prince Rupert werden an zwei jeweils aufeinanderfolgenden Tagen bedient, ehemaliger Zugname bis 2009: The Skeena
VictoriaCourtenay 225 km - wegen Streckenschäden außer Betrieb (Wiederaufnahme des Betriebs ist für das Frühjahr 2013 geplant [5])

Der grenzüberschreitende Zug The Maple Leaf Toronto–Niagara Falls–New York City wird gemeinsam mit der US-amerikanischen Bahngesellschaft Amtrak betrieben. Die weiteren grenzüberschreitenden Zugverbindungen Adirondack Montreal–New York City (1x täglich) und Cascades Vancouver–Seattle (2x täglich) betreibt Amtrak alleine.

Geschichte[Bearbeiten]

Analog der Entwicklung in den USA fuhren auch in Kanada seit den 1960er Jahren die beiden Eisenbahngesellschaften Canadian Pacific Railway (CP) und Canadian National Railway (CN) mit ihren Personenzügen Verluste ein. 1966 wurde deshalb mit dem National Transportation Act (NTA) eine Subventionierung der Personenzüge beschlossen. Trotz einer Förderung von bis zu 80 Prozent blieb der Personenverkehr defizitär. Deshalb wurde im Januar 1976 beschlossen, künftig 100 Prozent der Verluste durch den Staat abzudecken und unter dem Logo VIA CN präsentierte die Canadian National Railway kurz darauf ihr neues Angebot. Die beiden Gesellschaften CP und CN versuchten im Folgejahr ihr Angebot zu koordinieren. Da diese Bemühungen relativ ergebnislos verliefen, gründete die Regierung 1977 die CN-Tochter VIA Rail Canada in deren Aufsichtsrat auch die CP präsent sein sollte. Da sich die Zusammenarbeit auch damit nicht verbesserte, wurde am 31. März 1978 VIA Rail Canada in eine Crown Corporation umgewandelt, wodurch das Unternehmen der Regierung direkt unterstand. In der Folge kaufte VIA Rail von CP und CN das notwendige Personenzugequipment.

MLW LRC-Triebkopf

In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Zugverbindungen gestrichen, aber auch neues Zugmaterial erworben. So beschaffte VIA Rail zwischen 1977 und 1981 die so genannten LRC-Züge, die mehr Komfort als die bisher verwendeten Wagenparks der TurboTrains bieten sollten. Bis Ende der 1980er Jahre flossen genug staatliche Mittel, so dass die Gesellschaft auch ins Tourismusgeschäft einsteigen konnte.

Am 8. Februar 1986 ereignete sich bei einem Zusammenstoß zweier Züge bei Hinton, Alberta, mit 23 Todesopfern der bisher schwerste Zugunfall in der Geschichte von VIA Rail.

Mit einem 1989 verordneten Sparkurs wurden die staatlichen Zuschüsse um 50 Prozent reduziert, was zur Streichung von mehr als der Hälfte der Züge und zum Rückgang von über 45 Prozent des Passagieraufkommens bis zum Jahr 1990 führte. In den Folgejahren konnte das Passagieraufkommen zwischen 3,5 und 4,0 Mio. stabilisiert und anschließend leicht gesteigert werden.[6]

Im Jahre 2000 wurde ein jährlicher Zuschuss von $ 170 Mio. festgeschrieben sowie ein Fünfjahrplan für Investitionen von $ 400 Mio. beschlossen. Damit war es VIA Rail möglich, moderne Lokomotiven der Baureihe P 42 von General Electric sowie neue Waggons zu erwerben. Diese 139 Wagen waren eigentlich für den Eurotunnel-Verkehr Deutschland – Großbritannien vorgesehen, wurden aber nie dafür eingesetzt. Die VIA erwarb die Wagen 2001 und richtete sie für ihre Zwecke unter der Typenbezeichnung „Renaissance“ her. Einsatzschwerpunkte sind der Nachtexpress The Ocean/L' Océan und bisher mit LRC-Material gefahrene Korridorzüge.

Seit 1989 wurden mehrere Studien zur Errichtung von Hochgeschwindigkeitsschienenverkehren im Quebec-Windsor-Korridor erarbeitet, eine Umsetzung ist bisher an der Finanzierung gescheitert.[7]

2009 wurden die bisher verwendeten Zugnamen aufgegeben und durch Streckenbezeichnungen ersetzt. Nur The Canadian/Le Canadien und The Ocean/L'Océan behielten ihre traditionellen Namen.

Am 25. Februar 2012 verunglückte in Burlington, Ontario ein Personenzug von Niagara Falls nach Toronto. Dabei kamen drei Menschen ums Leben, 45 weitere wurden verletzt.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Tom Allen: Rolling Home. A Cross-Canada Railroad Memoir. Penguin, Toronto 2001, ISBN 0-670-88473-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: VIA Rail – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jean Dupuis, VIA Rail Canada and the Future of Passenger Rail in Canada, Ottawa 2011, Seite 1 (PDF; 249 kB)
  2. VIA Rail: About VIA Rail (englisch) abgerufen am 23. März 2013
  3. VIA Rail: Annual Reports 2003-2012 (englisch) abgerufen am 1. Juli 2012 (2003-2011), 15. Februar 2014 (2013)
  4. VIA Rail: About VIA Rail (englisch) abgerufen am 26. Februar 2012
  5. Passengers could be riding the E&N Railway as early as next spring. In: Times Colonist. 10. April 2012. Abgerufen am 18. Juli 2012.
  6. Jean Dupuis, VIA Rail Canada and the Future of Passenger Rail in Canada, Ottawa 2011, Seite 6 (PDF; 249 kB)
  7. Jean Dupuis, VIA Rail Canada and the Future of Passenger Rail in Canada, Ottawa 2011, Seite 10 f. (PDF; 249 kB)
  8. Personenzug in Kanada entgleist - Tote und Verletzte bei Zugunglück. In: RP Online. 27. Februar 2012. Abgerufen am 18. Juli 2012.