Pflanzenschutzmittel
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Pflanzenschutzmittel sind chemische oder biologische Wirkstoffe und Zubereitungen, die dazu bestimmt sind
- Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse vor Schadorganismen zu schützen oder ihrer Einwirkung vorzubeugen,
- in einer anderen Weise als ein Wirkstoff die Lebenswege von Pflanzen zu beeinflussen (z. B. Wachstumsregulatoren (MBP)),
- unerwünschte Pflanzen oder Pflanzenteile zu vernichten oder ein unerwünschtes Wachstum von Pflanzen zu hemmen oder einem solchen Wachstum vorzubeugen.
Was Pflanzenschutzmittel sind, ist für Deutschland in § 2 des Pflanzenschutzgesetzes geregelt. Die Substanzen dürfen erst in die Praxis eingeführt werden, wenn sie ein langwieriges Zulassungsverfahren durchlaufen haben. Federführend in dem Verfahren der Pflanzenschutzmittelzulassung ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Da die Wirkstoffzulassung im EU-Gemeinschaftsverfahren durchgeführt wird, dürfen grundsätzlich nur Pflanzenschutzmittel zugelassen werden, deren Wirkstoffe in der Anlage der EU-Richtlinie 91/414/EWG aufgeführt sind. Zugelassene Pflanzenschutzmittel erhalten eine Zulassungsnummer, die zusammen mit dem Zulassungszeichen (die Ährenschlange im Dreieck ist nicht mehr aktuell, sondern wurde durch einen Schriftzug "Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit" ersetzt, wichtig ist die Zulassungsnummer darunter) auf der Verpackung stehen muss.
Pflanzenschutzmittel sind in der Regel so genannte Zubereitungen, das heißt sie enthalten neben dem eigentlichen Pflanzenschutzwirkstoff[1] Hilfsstoffe, die die Anwendung oder Verteilung erleichtern.
Bestimmte Pflanzenschutzwirkstoffe unterliegen in einigen Ländern Anwendungsverboten oder -einschränkungen. In Deutschland werden Einzelheiten hierzu von der Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel (PflSchAnwV 1992) geregelt. Gründe für ein Anwendungsverbot beziehungsweise eine Anwendungsbeschränkung können zum Beispiel neue Erkenntnisse zur Gesundheitsgefährdung oder eine starke Anreicherung in der Umwelt sein.
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[Bearbeiten] Pflanzenschutzmittelverzeichnis
Alle in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel sind im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Julius Kühn-Instituts – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) (bis 31. Dezember 2007 Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft) aufgelistet. Das jährlich herausgegebene Werk umfasst 7 Bände:
- Teil 1: Ackerbau – Wiesen und Weiden – Hopfenbau – Nichtkulturland
- Teil 2: Gemüsebau – Obstbau – Zierpflanzenbau
- Teil 3: Weinbau
- Teil 4: Forst
- Teil 5: Vorratsschutz
- Teil 6: Anerkannte Pflanzenschutz- und Vorratsschutzgeräte
- Teil 7: Haus- und Kleingartenbereich
Zu jedem Pflanzenschutzmittel sind hier auch die darin enthaltenen Wirkstoffe und deren Gehalte, sowie die erlaubten Anwendungsgebiete und die Kennzeichnungsauflagen aufgeführt.
Die zugelassenen Pflanzenschutzmittel können online abgefragt werden. Die in der Schweiz zugelassenen Präparate und Wirkstoffe können beim Bundesamt für Landwirtschaft eingesehen werden, in Österreich ist das Bundesamt für Ernährungssicherheit zuständig und in Deutschland das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.[2]
[Bearbeiten] Anwendungsbereiche
Gemäß Pflanzenschutzmittelverzeichnis gibt es Pflanzenschutzmittel für folgende Bereiche:
- Herbizide gegen Unkräuter
- Insektizide gegen Schadinsekten
- Fungizide gegen pilzliche Krankheitserreger
- Rodentizide gegen Nagetiere
- Nematizide gegen Nematoden (Fadenwürmer)
- Akarizide gegen Milben/Spinnentiere
- Molluskizide gegen Schnecken
- Bakterizide gegen Bakterien
- Mittel gegen Viroide
- Mittel gegen Viren
- Mittel für die Rebveredelung und Veredelung an Obst- und Ziergehölzen
- Mittel zur Verhütung von Wildschäden
- Mittel zum Wundverschluss und zur Wundbehandlung in der Baumpflege
- Wachstumsregler
- Mittel zur Behandlung von Saat- und Pflanzgut
- Mittel zur Bodenentseuchung
[Bearbeiten] Technik
Das Pflanzenschutzmittel wird auf Feldern von einer Feldspritze, oder bei großen Flächen mit einem Flugzeug verteilt.
[Bearbeiten] Alternativen
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stößt zunehmend an Grenzen. Zahlreiche Forschungsergebnisse zeigen, dass viele der in Lebensmittel-, Forst- und Landwirtschaft genutzten chemischen Stoffe nachhaltig negative Auswirkungen auf die Natur und die Gesundheit des Menschen haben können. Zudem können gegen Pflanzenschutzmittel Resistenzen entstehen. Die ökologische Landwirtschaft versucht über den Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel diese Probleme zu umgehen. Die stattdessen angewandten alternativen Methoden zur Schädlingsbekämpfung, wie der Einsatz von Nützlingen oder thermischen Verfahren (zum Beispiel: Dämpfen (Bodendesinfektion) zur Bodenentseuchung) sollen negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit minimieren.
[Bearbeiten] Verbrauch
Verbrauch an Pflanzenschutzmitteln in Deutschland[3]
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| Herbizide | 10.661 | 20.857 | 16.957 | 16.065 | 16.610 | 14.698 |
| Fungizide | 6.331 | 6.549 | 10.809 | 9.652 | 9.641 | 10.184 |
| Insektizide, Akarizide, Synergisten | 1.521 | 2.341 | 1.525 | 4.925 | 6.111 | 6.809 |
| Sonstige | 956 | 3.183 | 3.679 | 3.889 | 3.232 | 3.803 |
| Summe | 19.469 | 32.930 | 33.146 | 34.531 | 35.594 | 35.494 |
[Bearbeiten] Siehe auch
- Abstandsauflage
- Biologischer Pflanzenschutz
- Industrieverband Agrar
- Pflanzenschutz
- Pflanzenjauche
- Spritzfenster
- Waldschutz
[Bearbeiten] Literatur
- Gerd Fleischer, Hermann Waibel: Externe Kosten des Pflanzenschutzmitteleinsatzes in der Landwirtschaft – Handlungsbedarf für die Agrarumweltpolitik. Zeitschrift für Umweltpolitik & Umweltrecht 22(3), S. 433–448 (1999)
- Paul Schudel: Ökologie und Pflanzenschutz. Grundlagen für die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln. Umwelt-Wissen Nr. 0809. Bundesamt für Umwelt, Bern 2008.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Bernd Schäfer: Naturstoffe der chemischen Industrie, Elsevier GmbH, Spektrum Verlag, 2007, Seiten 467–512, ISBN 978-3-8274-1614-8.
- ↑ Nationale Pflanzenschutzmittelverzeichnisse: Schweiz, Österreich, Deutschland; abgerufen am 17. Februar 2009
- ↑ Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten der Bundesrepublik Deutschland 2006
[Bearbeiten] Weblinks
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Pflanzenschutzmittel
- Katja Ebbecke: Giftiger Re-Import. Pestizide im Gemüse (Süddeutsche Zeitung, 24. März 2006)
- Bayerisches Landesamt für Umwelt: Pflanzenschutzmittel in der Umwelt
Akarizid | Algizid | Bakterizid | Fungizid | Herbizid | Insektizid | Molluskizid | Nematizid | Pestizid | Rodentizid | Viruzid

