Hydraulic Fracturing

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Hydraulic Fracturing (von englisch to fracture ‚aufbrechen‘, ‚aufreißen‘; auch Fracking,[1] „Hydrofracking“, „Fraccing“,[2] Fracing[3] oder Frac Jobs genannt,[4] deutsch auch hydraulische Frakturierung,[5] hydraulisches Aufbrechen,[6] hydraulische Risserzeugung[7]) oder hydraulische Stimulation[1] ist eine Methode vor allem der Erdöl- und Erdgasförderung, bei der in technische Tiefbohrungen eine Flüssigkeit („Fracfluid“) eingepresst wird, um im Reservoirgestein Risse zu erzeugen, aufzuweiten und zu stabilisieren.

Dadurch wird die Gas- und Flüssigkeitsdurchlässigkeit der Gesteinsschicht erhöht, damit Fluide wie Erdgas, Erdöl oder Wasser leichter zur Bohrung hin fließen können. Dies erhöht die Wirtschaftlichkeit der Erdöl- und Erdgasförderung. Die übliche Stimulation von Geothermiebohrungen ähnelt dem Fracking, kommt aber ohne Stützmittel und chemische Zusätze aus. Nach der Stimulation wird das warme Gestein besser vom Wasser durchströmt und nimmt mehr Wärme auf.[8]

Schiefergasbohrung in der Pinedale Antiklinale

Inhaltsverzeichnis

Anwendungsgebiete [Bearbeiten]

In bestehenden herkömmlichen Öl- und Gasfeldern wird Hydraulic Fracturing eingesetzt, um Restmengen flüssiger und gasförmiger fossiler Rohstoffe zugänglich zu machen, deren Fördervolumen durch eine geringe Permeabilität des Reservoirgesteins abnimmt.

„Fracken“ basiert auf mehreren Horizontalbohrungen innerhalb der Lagerstätten. Die einzelnen Bohrlöcher werden einzeln gefrackt und dabei seismisch überwacht, um die Rissausbreitung über das Druckniveau steuern zu können. Die Technik selbst ist relativ alt, ihre Entwicklung geht bis in die 1940er Jahre zurück und sie wurde 1949 erstmalig kommerziell angewendet.[9] In anderen Bergbaubereichen wird Fracking noch länger angewandt.[10] Seit der deutlichen Zunahme der Öl- und Gaspreise wird das Verfahren zunehmend und vor allem in den USA (allein 2008 mehr als fünfzigtausendmal) angewandt. In den USA werden etwa 90 % der Gasbohrungen gefrackt, was zum Einbruch der Gaspreise durch ein temporäres Überangebot führte.[11]

Anwendungen der Reservoirstimulation mittels Fracken sind außerhalb der Produktion von Erdöl und Erdgas ebenfalls geläufig:

  • Stimulation des Wasserflusses in der Tiefen-Geothermie,
  • Stimulation von Grundwasserbrunnen,[12]
  • im Bergbau auf feste mineralische Ressourcen. So bietet es sich in einigen Fällen an, Bohrungen zur langfristigen Vorentgasung in Steinkohlegruben zu fracken.

Technik [Bearbeiten]

Beim Hydraulic Fracturing wird eine Stützmittelflüssigkeit in eine meist mehrere hundert Meter tiefe Bohrung gepresst. Der hierbei im zu frackenden Bereich erreichte Druck muss die geringste im Gestein anliegende Spannung überschreiten. Wenn dies der Fall ist, drückt die Flüssigkeit das Gestein auseinander. Im Normalfall liegen die niedrigeren Spannungsrichtungen in der Horizontalen, da der senkrechte lithostatische Druck (aus der Schwerkraft der auflagernden Gesteinsschichten) ohne weitere Einflüsse die Hauptspannung darstellt. So orientieren sich durch Fracking entstehende Sprünge vorwiegend in etwa senkrecht stehenden Flächen – und folgende in wiederum zu diesen senkrecht stehenden Flächen. Im Fall von tektonischer Fernwirkung kann die Hauptspannungsrichtung jedoch deutlich von der Senkrechten abweichen.

Nach dem „Sprengen“ dieser Risse wird die eingepresste Flüssigkeit, die unter dem Druck der Gesteinsschicht steht, so weit wie möglich zurückgepumpt. Der zugesetzte Sand verbleibt in den Rissen und hat die Aufgabe, diese gegen den anstehenden Gesteinsdruck offenzuhalten. Auch Additive des Fracfluids verbleiben durch Adhäsionswirkung an den Flüssig-Fest-Phasengrenzen eher im Gestein.

Um das gelöste Gas zu fördern, müssen um die ursprüngliche Bohrung herum weitere Bohrungen niedergebracht werden. Es wird geschätzt, dass dafür sechs bis acht Bohrungen pro Quadratmeile (entspricht zwei bis drei Bohrungen pro Quadratkilometer) nötig sind.[13]

Fracfluide [Bearbeiten]

Beim Fracfluid handelt es sich meist um Wasser, dem vor allem Sand und weitere Additive zugegeben werden. Die Additive werden normalerweise von den Bohrfirmen geheimgehalten. Bekannt sind beispielsweise Butyldiglycol (typisch 0,2 l/1000 l Wasser), um die Tragkraft der Flüssigkeit für Sand zu erhöhen, Cholinchlorid (0,7 l/1000 l), um den Porenraum im Schiefer zu erhalten, und Polyethylenglycol-monohexylether (0,07 l/1000 l). Laut Spiegel Online wird leichtes Paraffinöl, Octylphenolethoxylat, Magnesiumchlorid, Magnesiumnitrat, Tetramethylammoniumchlorid und ein Biozid verwendet. Mit einigen dieser Stoffe dürfe der Mensch nicht ungeschützt in Kontakt kommen, auf gar keinen Fall dürften sie ins Trinkwasser gelangen.[14] Beispiele für mögliche Additive und den Zweck ihres Einsatzes sind:[15][2]

Additiv Realisierungen Zweck
Gele z. B. aus Guar oder MC Erhöhung der Viskosität des Fracfluids zum besseren Sandtransport
Schäume aus Schaumbildner und z. B. CO2 oder N2 Transport und Ablagerung des Sandes
Säuren Salzsäure, Essigsäure, Ameisensäure, Borsäure Auflösung von Mineralien
Korrosionsschutzmittel Schutz der Anlagen bei Zugabe von Säuren
Brecher Säuren, Oxidationsmittel, Enzyme Verringerung der Viskosität des Fracfluids zur besseren Rückholung der Fluide
Biozide Verhinderung von Bakterienwachstum an organischen Bestandteilen
Fluid-Loss-Additive Sand, Lehm, … Verringerung des Ausflusses des Fracfluids in das umliegende Gestein
Reibungsminderer Latexpolymere, Acrylamid-Copolymere Verringerung der Reibung innerhalb der Fluide
pH-Puffer Essigsäure, Fumarsäure, Kaliumcarbonat, Borax, Natriumacetat, Natron, Natriumcarbonat, Natriumhydroxid Puffer zur Stabilisierung des pH-Werts

Clean Fracking (s. u.) bezeichnet demgegenüber eine neue Methode des Frackings, in dem nur Wasser, Bauxit-Sand und Stärke verwendet werden sollen.

Wirtschaftlichkeit [Bearbeiten]

Im Vergleich zu herkömmliche Gasfeldern die das Erdgas aus durchlässigen Gesteinen fördern, ist die Förderung mittels Hydraulic Fracturing auf die nähere Umgebung des horizontalen Bohrlochs im Gestein begrenzt. Außerdem gehen die Förderaten eines Bohrloches im laufe der Zeit zurück. Rückgangsraten von 70 % pro Jahr sind üblich.[16] Beim Fracken ist deshalb eine höhere Zahl von Bohrlöchern notwendig um die vergleichbare Menge an Erdgas zu fördern. Dies erhöht den Aufwand und somit die Herstellkosten für das Erdgas.

Die spezifischen Förderkosten bei Fracking betragen ca. 1,90$/Mcft, dies sind ca. 70% mehr als bei herkömmlich gefördertem Erdgas.[17] Da die Förderkosten allerdings immer noch unter den Verkaufspreisen liegen ist die Förderung aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll und in den USA sind deshalb die Energiepreise zurückgegangen.[18]

Geschichtliche Entwicklung [Bearbeiten]

Die Wirtschaftlichkeit von Fracking ist erst seit wenigen Jahren durch neue Technologien gegeben. So wurde allein in der Bakken-Formation in den US–Bundesstaaten North Dakota und Montana die Tagesproduktion von 2006 bis 2012 von Null auf rund 500.000 Barrel Öl gesteigert. Das entspricht etwa einem Drittel der Förderquote Libyens. Damit fördert North Dakota bereits mehr Öl als Alaska, mit steigender Tendenz.[19]

Vorangetrieben werden die neuen Fracking–Technologien, zusammengefasst unter dem Namen Superfracking, vor allem durch die Branchenführer Baker Hughes, Schlumberger und Halliburton. Schlüssel für den Erfolg waren dabei neue Technologien wie RapidFrac zum horizontalen Bohren in der Tiefe, HIWAY, eine Gesteinskörnung, die verhindert, dass sich die Risse wieder verschließen, und DirectConnect, eine Technik zur kontrollierten Erweiterung von Rissen mit Explosionen bzw. dem schnellen Schmelzen des Gesteins durch eine Strahltechnik anstelle herkömmlicher Bohrköpfe.[20]

Die optimale Mischung aus Wasser, Sand, Stützmittel und anderen chemischen Schmierstoffen zu kalibrieren, dauerte mehrere Jahrzehnte bis 1998, als Nick Steinsberger und andere Ingenieure bei Mitchell Energy eine Technik namens slickwater fracking entwickelten.[21]

Umweltrisiken [Bearbeiten]

Schematische Darstellung einer Bohrung mit potentiellen Risiken für die Umwelt

Mögliche Umweltschäden sind – wie bei allen Bohrtechniken – denkbar:[22]

  • Verunreinigungen des Grundwassers oder von Oberflächengewässern durch das mit Additiven versetzte Bohrwasser
  • (Ab)transport der beträchtlichen Frisch- und Brauchwassermengen
  • nicht geräuschlose Bohrtätigkeit
  • Unfallrisiken der (oberirdischen) Transporte beim Fracking verwendeter Chemikalien.[23]

Darüber hinaus befürchten Kritiker, dass neben den kleinen und gewollten Mikrobeben auch größere Erdbeben ausgelöst werden, was aber von Experten ausgeschlossen wird.[24]

Wasserverunreinigung [Bearbeiten]

Gasbohrung Söhlingen (Niedersachsen)
Gasbohrung Söhlingen
Gasbohrung Söhlingen
Gasbohrung Söhlingen auf der Karte von Niedersachsen

Beim Hydraulic Fracturing werden in die Bohrung, neben üblicherweise rund 10 Millionen Litern Wasser und Quarzsand, pro Bohrung 3 bis 12 verschiedene Chemikalien (u. a. Biozide) eingepresst, deren Gesamtanteil sich auf 0,5 bis 2 Volumenprozent beläuft. Die großen Frac-Flüssigkeits-Volumina führen dabei zu einer großen Menge an Chemikalien.[22] Beispielsweise ergab eine Untersuchung des US-Kongresses, dass zwischen 2005 und 2009 insgesamt 43 Millionen Liter Additive verwendet wurden. Die Auswirkungen der Additive auf die Umwelt werden in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert und von Wasserversorgern in Deutschland kritisiert[25], da einige der eingesetzten Additive toxisch beziehungsweise laut der deutschen Gefahrstoffverordnung karzinogen, giftig oder anderweitig gesundheitsschädigend sind.[26] Eine unmittelbare Umweltbelastung ergibt sich beim Transport der Abwässer. So geben beispielsweise Behörden und ExxonMobil an, dass die Verseuchung mit Quecksilber und aromatischen Kohlenwasserstoffen im Gasfeld Söhlingen 2007 durch undichte Pipelines und nicht durch Fracking entstanden ist.[27] In den USA wurden zudem teilweise unzureichend gereinigte Abwässer in Oberflächengewässer eingeleitet [28].

Als weiteres Problem wird angesehen, dass sich Teile der Fracfluide in den Rissen ablagern. Dies ist im Fall einiger Zusätze (Sande) sogar gewollt, da sie die Risse offenhalten. Zwar wird insgesamt etwa die Hälfte der eingesetzten Flüssigkeit, das sogenannte produced water, wieder an die Oberfläche gepumpt, der Einfluss des zurückbleibenden Wassers ist aber nicht abschließend geklärt und wird durch die amerikanischen Umweltbehörde (EPA) derzeit einer Neubewertung unterzogen.[29][15] Umstritten ist dabei auch, ob eine verlässliche Bohrlochabdichtung gegenüber den grundwasserführenden Schichten überhaupt gewährleistet werden kann.[30]

Speziell in den USA ist die mögliche Verunreinigung von Grundwasser durch Methan infolge von Hydraulic Fracturing kontrovers diskutiert worden. Der Dokumentarfilm Gasland aus dem Jahr 2010 widmet sich ausführlich dieser Thematik.[31] Gezeigt wird unter anderem, dass die Konzentration des Gases in Wasserleitungen so hoch sein kann, dass sich das Wasser aus dem Wasserhahn mit einem Feuerzeug entzünden lässt.[32] Der kausale Zusammenhang ist umstritten, da Erdgas auch auf natürlichem Wege in oberflächennahen Schichten ins Trinkwasser gelangen kann.[33][34][35]

Klimaschädlichkeit [Bearbeiten]

Eine direkte Klimaschädigung durch Schiefergas ist bisher nicht erwiesen.

Die Auswirkungen der Schiefergasförderung auf das Klima stehen momentan im Zentrum einer kontrovers geführten wissenschaftlichen Diskussion die Anhand Gases aus der Marcellus-Formation geführt wird. Einerseits wird angeführt, dass daraus erzeugter Strom mit Kohlekraftwerken vergleichbare Mengen an Treibhausgasen erzeugt. Verantwortlich dafür sei das bei der Zwischenlagerung des Fracking-Wassers in offenen Tanks sowie durch Pipeline-Lecks austretende Methan, welches als Treibhausgas etwa 20-mal so wirksam wie Kohlendioxid ist.[36] Andererseits wird behauptet die Treibhausgasemissionen bei der Stromerzeugung mit aus der Marcellus-Formation gefördertem Gas seien 3 % höher als bei konventionellem Erdgas und 3 % niedriger als bei importiertem Flüssiggas. Strom aus Schiefergas sei damit etwa 20 bis 50 % weniger klimaschädlich als Strom aus Kohlekraftwerken.[37]

Das Umweltbundesamt schreibt in seiner „Einschätzung der Schiefergasförderung in Deutschland“ im Dezember 2011 dazu: „Die bislang publizierten Zahlen bewegen sich auf dem Erkenntnisniveau von Schätzungen oder theoretischen Überlegungen. Messdaten fehlen, so dass die Autoren meist selbst zur Vorsicht beim Umgang mit von ihnen genannten Zahlen mahnen.“[38]

Erdbeben [Bearbeiten]

Das Auslösen von Mikrobeben ist das Prinzip des Hydraulic Fracturing. Es wird eine Überspannung aufgebaut, die das Gestein lokal aufreißt. Dadurch können theoretisch bereits bestehende Erdspannungen gelöst werden, so dass es zu schwachen lokalen Erdbeben kommen kann. Die Gefahr zerstörerischer Erdbeben ist jedoch nicht gegeben, da das Fracken selbst dazu viel zu kleinräumig und zu energiearm ist.

Nachdem im Frühling 2012 in der Gegend von Blackpool zwei kleine Erschütterungen der Stärke 2,3 und 1,5 registriert wurden, hat die Londoner Regierung weitere Fracking-Maßnahmen nur mit der Auflage genehmigt, dass die Betreiber seismische Aktivitäten sehr genau beobachten. Die nachfolgende Untersuchung zeigte, dass diese Erschütterungen auf die beginnenden Fracking-Aktivitäten in der Gegend zurückzuführen sein könnten. [39] Die Ereignisse von Blackpool blieben bisher ein Einzelfall. Experten schließen Schadensbeben infolge von Frackingarbeiten vollständig aus.[24] Ein Erdbeben ist erst ab Stärke 3 auf der Richterskala vom Menschen sicher wahrnehmbar, verursacht jedoch noch keinerlei Schäden.

Ein Beben mit einer Magnitude 3,0 ereignete sind am 13. Februar 2012 in der Nähe eines Erdgasfeldes bei Neuenkirchen-Tewel.[40] Allerdings halten Experten des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie Fracking nicht für den Verursacher des Erdbebens, da letzte Fracking dort zwei Jahre zurücklag. Da 2004 im gleichen Gasfeld bereits ein Beben der Stärke 4,5 stattfand, könnte konventionelle Erdgasförderung das Erdbeben ausgelöst haben.[41][42]

In Ohio wurden Erdbeben mit Fracking in Zusammenhang gebracht, obwohl sie auf die Verpressung von Abwässern zurückzuführen sind.[43]

Fracking International [Bearbeiten]

Neben dem Bundesstaat New York haben Frankreich und Südafrika Moratorien verhängt bzw. die Technik gesetzlich verboten. Innerhalb der EU plant vor allem Polen, die Förderung unkonventionellen Gases in den nächsten Jahren zu intensivieren.[44]

Clean-Fracking in Österreich [Bearbeiten]

Die Montanuniversität Leoben entwickelte gemeinsam mit dem Öl- und Gaskonzern OMV im österreichischen Weinviertel ein Pilotprojekt, bei dem das sogenannte Clean-Fracking angewandt werden sollte. Beim Clean-Fracking wird nur Wasser, Bauxit-Sand und Stärke als Stützmittel eingesetzt. Durch Probebohrungen sollten Bohrkerne gewonnen werden, um anhand der geomechanischen Eigenschaften der Kerne die Machbarkeit des Clean-Frackings zu bestätigen. Es wurde vermutet, dass die Methode zwar umweltverträglicher, aber wirtschaftlich weniger effizient ist.[45] 2012 wurde das Projekt wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt.[46]

Die Probebohrungen im Weinviertel waren in den Regionen um die Stadt Poysdorf und das Dorf Herrnbaumgarten geplant. Aufgrund von Bürgerprotesten haben die politischen Entscheidungsträger über die Medien der OMV die Probebohrungen auf deren Grund verwehrt. Es folgte eine Verankerung einer verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfung für Schiefergasbohrungen. In Österreich bildete sich eine Bürgerinitiative, um auf die Gefahren des Schiefergas-Frackings hinzuweisen.[47]

Fracking in Deutschland [Bearbeiten]

Stand und Entwicklung [Bearbeiten]

Hydraulic Fracturing wird in Deutschland zum Zwecke der Verbesserung der Produktivität von Kohlenwasserstoffbohrungen, zur Trinkwassergewinnung, Altlastensanierung und bei Geothermiebohrungen („Stimulation“) angewendet.[8] Seit dem ersten Hydraulic Fracturing in Deutschland 1961 sind bundesweit ungefähr 300 Fracs durchgeführt worden,[48] die meisten davon in Niedersachsen.

Zu Beginn wurde diese Technik ausschließlich in vertikalen Bohrungen angewendet. Die Bohrung Söhlingen Z10 von 1994 war die erste Bohrung in Deutschland, bei der mehrere Fracs in einer horizontalen Bohrung vorgenommen wurden.[49] Diese Kombination von Horizontalbohrungen und Hydraulic Fracturing ermöglichte es, die Produktion pro Bohrung drastisch zu erhöhen, und wird seitdem häufiger verwendet.

Laut Schätzungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe belaufen sich die Reserven auf 7 bis 23 Billionen Kubikmeter Schiefergas, von denen sich etwa 10% mittels Fracking fördern ließen.[50] ExxonMobil startete 2008 in einigen Gebieten Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens Aufsuchungsprojekte, hat aber inzwischen die Arbeiten in Deutschland eingestellt und wartet auf weitere Untersuchungsberichte.

Gesellschaftliche Debatte [Bearbeiten]

Hydraulic Fracturing wird in Deutschland seit einigen Jahren kontrovers diskutiert.[51] Verschiedene Förderfirmen, wie beispielsweise ExxonMobil, versuchten proaktiv die Diskussion zu beeinflussen, Bedenken in einem Informations- und Dialogprozesses zu sammeln und durch einen Expertenkreis[52][53] unabhängiger Wissenschaftler klären zu lassen. Dabei stützt sich die Kritik in Deutschland hauptsächlich auf journalistische Berichte aus den USA. Der Widerstand formiert sich oft in Bürgerinitiativen.[54]

Insbesondere die Umweltrisiken werden kritisch gesehen. Diese wurden 2012 durch das Umweltbundesamt begutachtet. Das Gutachten betont eine unsichere Datenlage und verweist genehmigungsrechtlich auf das Chemikaliengesetz und das Wasserrecht. Weiterhin wird eine standortspezifische Risikoanalyse vor Bohrbeginn und ein Verbot von Bohrungen in Trinkwasserschutzgebieten empfohlen.[1] Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) kritisierte das Gutachten des Umweltbundesamts. Beispielsweise seien „bisher durchgeführte Frackoperationen […] im Gutachten keiner substantiellen Analyse unterzogen“ und die „[…] mechanischen Prozesse beim Frackvorgang […] nicht korrekt dargestellt“ worden. Das Gutachten wird als „subjektiv“, auf veralteten Theorien beruhend, stellenweise beleglos, grundlegende Informationen, die Stand von Wissenschaft und Technik sind, nicht berücksichtigend bezeichnet.[55] Das BGR-Gutachten hält den umweltverträglichen Einsatz von Fracking zur Gewinnung von unkonventionellen Erdgasvorkommen für „grundsätzlich möglich“, „sofern die gesetzlichen Regelungen eingehalten, die erforderlichen technischen Maßnahmen getroffen und standortbezogene Voruntersuchungen durchgeführt werden“.[55] Das Umweltbundesamt hat wiederum mit einer Erwiderung auf die Kritik reagiert.[56]. Das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) gab 2010 an, die Folgen der Technik für die Umwelt, die sie bisher nicht untersucht hatten, ab dem Jahr 2011 zu untersuchen.[57]

Da es momentan noch keine auf das Fracking zugeschnittene Gesetzgebung auf Bundesebene gibt, wird weiterhin der geringe Kenntnisstand der Bundesregierung über die in Deutschland vorgenommenen oder geplanten Probebohrungen kritisiert.[58] Kritisiert wird zudem das deutsche Bergrecht, das es Bergämtern ermöglicht, ohne Beteiligung etwa der Umweltministerien Genehmigungen zu erteilen.[59] Deutsche Politiker fordern mittlerweile die obligatorische Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) vor dem Fracken. Bisher war diese nur für Bohrungen mit einer Förderrate von über 500.000 m³/Jahr zwingend vorgeschrieben, obwohl die zuständigen Bergbehörden UVP im Rahmen des Genehmigungsverfahrens auch für Bohrungen mit einer geringeren Förderrate anordnen konnten. Zudem soll Fracking in Trinkwasserschutzgebieten künftig grundsätzlich verboten sein.[41]

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Dokumente [Bearbeiten]

Videos und Reportagen [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. a b c Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten. Umweltbundesamt, 6. September 2012, abgerufen am 12. Februar 2013 (PDF, Mediendatenbank, Übersicht Lang- und Kurzfassung, englische Version). Presse-Information
  2. a b Chemicals that may be used in Australian CSG fraccing fluid. Australian Petroleum Production & Exploration Association Ltd, abgerufen am 6. Oktober 2012 (pdf, 100kB, englisch).
  3. Will The EPA Crack Down On „Fracking“? Investopedia, 10. Juli 2010, abgerufen am 6. Oktober 2012 (html, englisch).]
  4. glossary.oilfield.slb.com Schlumberger Oilfield Glossary
  5. Erdgasmarkt: Umweltvorschriften könnten die Aussichten trüben. Frankfurter Allgemeine Zeitung, abgerufen am 16. Dezember 2012 (html, deutsch).
  6. Hydraulisches Aufbrechen. European Onshore Energy Association, abgerufen am 16. Dezember 2012 (html, deutsch).
  7. NiKo: Erdöl und Erdgas aus Tonsteinen – Potenziale für Deutschland. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, abgerufen am 16. Dezember 2012 (html, deutsch).
  8. a b Guido Blöcher et al: Hintergrundpapier zur Stimulation geothermischer Reservoire. GtV-Bundesverband Geothermie, 9. Mai 2012, abgerufen am 6. Oktober 2012 (PDF, 1MB).
  9. Howard, G.C. and C.R. Fast (editors), Hydraulic Fracturing, Monograph Vol. 2 of the Henry L. Doherty Series, Society of Petroleum Engineers New York, 1970.
  10.  Watson: Granites of the southeastern Atlantic states. In: U.S. Geological Survey Bulletin. 426, 1910 ([1]).
  11. Montgomery, Carl T., Smith, Michael B.: Hydraulic Fracturing: History of an Enduring Technology. In: Society of Petroleum Engineers (Hrsg.): Journal of Petroleum Technology. 62, Nr. 12, Dezember 2010, S. 26–32. Abgerufen am 5. Januar 2011.
  12. David Banks, Odling, N.E., Skarphagen, H., and Rohr-Torp, E.: Permeability and stress in crystalline rocks. In: Terra Nova. 8, Nr. 3, 1996, S. 223–235. doi:10.1111/j.1365-3121.1996.tb00751.x.
  13. Fiona Harvey und Adam Vaughan: Fracking for shale gas gets green light in UK. In: The Guardian vom 13. Dezember 2012
  14.  Jörn Stachura: Fracking: Erste Probe-Bohrungen Anfang 2014. In: Braunschweiger Zeitung. BZV Medienhaus GmbH, 11. März 2012 (http://www.braunschweiger-zeitung.de/lokales/Braunschweig/fracking-erste-probe-bohrungen-anfang-2014-id615285.html).
  15. a b Evaluation of Impacts to Underground Sources of Drinking Water by Hydraulic Fracturing of Coalbed Methane Reservoirs Study (2004)
  16. Vgl. „Drill Baby Drill! The Fracking Bubble is Bursting!“, DailyKos.com, 15. Aug. 2012
  17.  Hans-Dieter Karl: Abschätzung der Förderkosten für Energierohstoffe. In: ifo Schnelldienst. 63, Nr. 2, ifo Institut für Wirtschaftsforschung,, 29. Januar 2010, X ISSN 0018-974 X (http://www.cesifo-group.de/DocDL/ifosd_2010_2_3.pdf).
  18. http://www.n-tv.de/politik/Bund-will-Fracking-erlauben-article10092801.html
  19. Kathrin Gotthold, Holger Zschäpitz: USA steigen zum weltgrößten Gasproduzenten auf. In: Die Welt. 12. Juli 2012, abgerufen am 20. Januar 2013.
  20. Brian Westenhaus: New Fracking Technology to Bring Huge Supplies of Oil and Gas to the Market. In: OilPrice.com. 16. Januar 2012, abgerufen am 20. Januar 2013.
  21. A. Trembath: US Government Role in Shale Gas Fracking History: An Overview and Response to Our Critics. The Breakthrough Institute, vom 2. März 2012
  22. a b US Department of Energy: Modern shale gas development in the United States. (PDF-Datei; 5,11 MB) April 2009, S. 61–64.
  23. badische-zeitung.de, 4. Mai 2013, frey: Was wir nicht sehen, ist suspekt(9. Mai 2013)
  24. a b M. Joswig: Fracking und Seismische Ereignisse – Erdbeben und Fracking. 4. Arbeitstreffen des Akteurskreises vom 9. Dezember 2011
  25. Mitglieder-Information Newsletter 09 (2011) (PDF-Datei; 1,98 MB) Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein
  26.  Alexander Jung: Vernunft braucht Zeit. ExxonMobil-Deutschland-Chef Gernot Kalkoffen verteidigt die Gewinnung von Erdgas mit Hilfe des Fracking-Verfahrens.. In: Der Spiegel. Nr. 42, Spiegel Verlag Rudolf Augstein GMBH & CO KG, 17. Oktober 2011, ISSN 0038-7452.
  27. Erdgasfeld in Söhlingen. Abgerufen am 24. April 2013.
  28. Chemicals Were Injected Into Wells, Report Says, New York Times, 16. April 2011
  29. EPA's Draft Hydraulic Fracturing Study Plan
  30. A. Sickle: PA Politician Calls for Moratorium on Gas Drilling Permits In: www.dcburo.org vom 21. April 2010
  31.  Stefan Schultz: Riskante Gasförderung: Feuer aus dem Wasserhahn. In: Spiegel Online. Spiegel Verlag Rudolf Augstein GMBH & CO KG, 17. August 2010 (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,711107,00.html).
  32. Vgl. „Hilfe, mein Wasser brennt!“, SPIEGEL-Online Video, 15. November 2010
  33. Stellungnahme des Colorado Department of Natural Resources zu Gasland (PDF; 46 kB)
  34. http://1trickpony.cachefly.net/gas/pdf/Affirming_Gasland_Sept_2010.pdf
  35.  Osborn et al.: Methane contamination of drinking water accompanying gas-well drilling and hydraulic fracturing. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 108, Nr. 20, 2011, ISSN 0027-8424, doi:10.1073/pnas.1100682108 ((PDF; 1008 kB)).
  36. Indirect Emissions of Carbon Dioxide from Marcellus Shale Gas Development (PDF-Datei; 1,46 MB) Robert Howarth et al, Cornell University
  37.  Jiang et al.: Life cycle greenhouse gas emissions of Marcellus shale gas. In: Environmental Research Letters. 6, Nr. 3, 2011, ISSN 1748-9326, doi:10.1088/1748-9326/6/3/034014 ([2]).
  38. Einschätzung der Schiefergasförderung in Deutschland
  39.  Department of Energy and Climate Change (Hrsg.): THE UNCONVENTIONAL HYDROCARBON RESOURCES OF BRITAIN’S ONSHORE BASINS – SHALE GAS. ([3] (PDF; 3,9 MB)).
  40. Geophon-Information des GFZ zum Beben 2012
  41. a b Deutschlandfunk vom 16. Februar 2012: Erdgasförderung als Erdbeben-Auslöser? In Niedersachsen wird über das „Fracking“ diskutiert
  42. Geophon-Information des GFZ zum Beben 2004
  43. Ohio Earthquakes: Officials Say Tremors Were 'Almost Certainly' Caused By Wastewater Injection. In: The Huffington Post vom 9. März 2012
  44.  Ulrich Krökel: Polens riskanter Traum vom Gas-Reichtum. In: ZEIT ONLINE. 5. August 2011 (http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-08/energie-polen-gas/komplettansicht).
  45.  Michael Pfabigan: Nur Wasser, Stärke, Sand und sonst nix. In: Niederösterreichische Nachrichten. Niederösterreichisches Pressehaus, 24. Januar 2012 (http://www.noen.at/lokales/noe-uebersicht/mistelbach/aktuell/Nur-Wasser-Staerke-Sand-und-sonst-nix;art2689,367139).
  46. Projekt Schiefergas. OMV, abgerufen am 20. März 2013.
  47. Website der Initiative „Weinviertel statt Gasviertel“
  48. „Towards Future Technological Developments/Potential of Shale Gas“, Kurt M. Reinicke, TU Clausthal (PDF-Datei; 5,06 MB)
  49. „Soehlingen Z10: Drilling Aspects of a Deep Horizontal Well for Tight Gas“, G. Pust, J. Schamp, 1995
  50.  Harald Andruleit et al., Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (Hrsg.): Abschätzung des Erdgaspotenzials aus dichten Tongesteinen (Schiefergas) in Deutschland. ([4]).
  51.  Piotr Heller: Mit Hochdruck. Erdgasförderung durch Fracking als Reizthema. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24. Februar 2013, Ausgabe Nr. 8, S. 61.
  52. neutraler Expertenkreis
  53. Informations- und Dialogprozess über die Sicherheit und Umweltverträglichkeit der Fracking Technik
  54. Interessengemeinschaft „Gegen Gasbohren“
  55. a b Stellungnahme der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zum Gutachten des Umweltbundesamtes (UBA) „Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten – Risikobewertung, Handlungsempfehlungen und Evaluierung bestehender rechtlicher Regelungen und Verwaltungsstrukturen". Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, 1. Oktober 2012, abgerufen am 26. Februar 2012 (Pdf, 544 kB).
  56. Erwiderung des UBA auf das BGR (PDF; 307 kB)
  57.  Stefan Schultz: Fragwürdige Fördertechnik: Benebelt vom Gas-Rausch. In: Spiegel Online. Spiegel Verlag Rudolf Augstein GMBH & CO KG, 19. August 2010 (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,712012,00.html).
  58. Wenn Trinkwasser brennt, Deutsche Welle Radio 16. August 2010, Frauke Steffens
  59. Frauke Steffens, Ralph Hötte, Markus Schmidt: Gefahr fürs Trinkwasser? Wie internationale Konzerne in Deutschland Erdgas fördern. 18. November 2010, abgerufen am 3. Januar 2013 (Video auf Youtube).