Bonifatiuswerk

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Logo des Bonifatiuswerkes seit Juni 2013

Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V. ist ein katholisches Hilfswerk für die Unterstützung der Seelsorge in den Diasporaregionen in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum. Den Auftrag dafür hat das Spendenhilfswerk von der Deutschen Bischofskonferenz. Das Bonifatiuswerk setzt sich zum Ziel, den missionarischen Auftrag der katholischen Kirche dort zu unterstützen, wo Katholiken in einem mehrheitlich glaubensfremden und zunehmend ungläubigen Umfeld leben.

Aufgabe[Bearbeiten]

Der Verein unterstützt mit Spendengeldern katholische Christen, die in einer Minderheitensituation ihren Glauben leben. Es ist aktiv in Deutschland - vornehmlich in Ost- und Norddeutschland -, Nordeuropa und den baltischen Staaten Estland und Lettland. In diesen Ländern und Regionen liegt der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung zwischen 0,2 und 12 Prozent. Als ein „Hilfswerk für den Glauben“ fördert es zudem Projekte der Glaubensweitergabe und missionarische Initiativen in katholisch geprägten Regionen in Deutschland.

Der Verein sammelt Spenden und stellt diese den Kirchengemeinden und katholischen Institutionen als „Hilfe zur Selbsthilfe“ objekt- und projektgebunden zur Verfügung. Vier Förderwege kennt das Spendenhilfswerk. Mit seiner Bauhilfe fördert das Bonifatiuswerk den Bau und die Renovierung von Kirchen und Gemeindezentren, Jugend- und Bildungshäusern, katholischen Schulen und Kindergärten in der Diaspora.[1] Mit seiner Kinder- und Jugendhilfe setzt sich das Bonifatiuswerk für Projekte der Glaubensweitergabe und für sozial-karitative Projekte in der Diaspora ein.[2] Mit seiner Verkehrshilfe unterstützt das Bonifatiuswerk die Motorisierung großer Territorialpfarreien in der Diaspora.[3] Mit seiner Glaubenshilfe fördert das Bonifatiuswerk befristete Personalstellen mit missionarischem Charakter in der Diaspora sowie missionarische Initiativen in allen deutschen Diözesen.

2011 förderte der Verein 1.218 Projekte mit rund 10 Millionen Euro. Bedeutende Projekte sind zurzeit der Bau einer neuen katholischen Kathedrale im norwegischen Trondheim, der Bau der neuen Propsteikirche in der Innenstadt von Leipzig, die Unterstützung der Religiösen Kinderwochen (RKW) und der katholischen Kindergärten in Ostdeutschland, die Hilfe für ambulante Kinderhospizdienste, Suppenküchen und Kinderhäuser im gesamten Fördergebiet, die Finanzierung von 45 BONI-Bussen im Jahr u.v.m.

Kollekten in katholischen Gottesdiensten in Deutschland sind eine der drei Einnahmesäulen, auf die sich die Arbeit des Bonifatiuswerk stützt. Knapp 5,3 Millionen Euro konnten 2011 auf diesem Weg gesammelt werden. So sammeln am Diaspora-Sonntag, dem dritten Sonntag im November, die katholischen Christen bundesweit in den Sonntagsgottesdiensten für die Projekte des Bonifatiuswerkes. Zur Erstkommunion sowie zur Firmung sammeln Erstkommunionkinder und Firmbewerber für die Projekte der Kinder- und Jugendhilfe im Bonifatiuswerk. Im Erzbistum Hamburg und im Bistum Hildesheim halten die katholischen Christen eine Kollekte zu Gunsten der Verkehrshilfe im Bonifatiuswerk ab. Neben den Kollekten stützt sich die Arbeit des Bonifatiuswerkes auf Spenden. Die zweite Einnahmesäule erbrachte im Jahr 2011 mehr als 3,2 Millionen Euro.[4]

Mit dem Bonifatius Stiftungszentrum eröffnet das Bonifatiuswerk einen dritten Weg für all diejenigen, die die Arbeit des Bonifatiuswerkes nachhaltig fördern wollen. Über Zustiftungen, Stiftungsfonds, Treuhandstiftungen und Rechtsfähige Stiftungen können Förderer ab dem ersten Euro die Diaspora-Hilfe nachhaltig unterstützen. Die Erlöse des Bonifatius Stiftungszentrums aus Stiftungen, Vermächtnissen und Schenkungen bilden die dritte Einnahmesäule, die 2011 mehr als 1,6 Millionen Euro einbrachte.[5]

Die Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“ wurde im Jahr 2002 durch das Bonifatiuswerk ins Leben gerufen. Sie trägt dazu bei, den heiligen Nikolaus in der Gesellschaft wieder in den Vordergrund zu stellen und einer Verwechslung mit der populären Kunstfigur des Weihnachtsmannes entgegenzuwirken.

Geschichte[Bearbeiten]

Der ehemalige Posthof in Paderborn: Sitz des Bonifatiuswerkes

Der Verein wurde am 4. Oktober 1849 als Bonifatius-Verein in Regensburg auf einem der Vorgänger der heutigen Katholikentage gegründet. Erster Präsident war Joseph Theodor zu Stolberg-Stolberg aus dem Bistum Paderborn. 1852 erhielt der Verein die päpstliche Anerkennung, 1853 wurde er in Österreich eingeführt. 1885 gründete sich der Bonifatius-Sammelverein aus dem sich die Diaspora-Kinderhilfe im Bonifatiuswerk entwickelte. 1923 gründete sich ein Ableger in den USA. Allein in den Jahren zwischen 1924 und 1934 entstanden mit Hilfe des Bonifatius-Vereins 40 Diaspora-Kirchen pro Jahr. Im Nationalsozialismus konnte der Bonifatius-Verein zunächst noch eingeschränkt weiterwirken, bis er schließlich die Arbeit ganz einstellen musste.

Nach dem Krieg startete der Bonifatius-Verein, der seit 1968 den Namen Bonifatiuswerk trägt, das Programm „Kirchenneubau“. Damit unterstützte es bis 1974 3.000 Kirchenneubauten für die zahlreichen katholischen Christen, die aufgrund von Flucht und Vertreibung in die Diaspora-Regionen in Westdeutschland strömten. 1949 wurde die Verkehrshilfe, die Diaspora-MIVA, ins Bonifatiuswerk eingegliedert.

In den Jahren der deutschen Teilung unterstützte das Bonifatiuswerk auf verschiedensten Wegen die katholischen Christen in der DDR. Über 232 Millionen Euro konnte das Bonifatiuswerk zwischen 1949 und 1989 für Kirchbauten, Fahrzeuge, Priesterausbildung, Kinder- und Jugendhilfe, pastorales Personal und pastorale Hilfen an die katholische Kirche in der DDR trotz widriger politischer Umstände weitergeben.

Seit 1974 hilft das Bonifatiuswerk den katholischen Christen in Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland und Island. Die katholische Kirche in diesen Ländern wächst rasant. Lebten 1974 in Island nur einige hundert Katholiken, sind es heute über 10.000. In Norwegen stieg die Zahl der registrierten Katholiken von rund 10.000 1974 auf über 110.000 heute. Den Bau und den Kauf der nun notwendigen Gottesdiensträume unterstützt das Bonifatiuswerk maßgeblich mit. Seit 1995 hilft das Bonifatiuswerk den katholischen Christen in den baltischen Staaten Estland und Lettland. Nach der Sowjetdiktatur baut die katholische Kirche dort an einer neuen kirchlichen Infrastruktur. Zugleich steht die sehr kleine katholische Gemeinschaft in Estland - neben Ostdeutschland und Tschechien die am stärksten vom Atheismus geprägte Region der Welt - vor besonderen Herausforderungen.

Heute richtet der Verein als „Hilfswerk für den Glauben“ den Blick auf neu entstehende Diaspora-Situationen in einer am Christentum mehr und mehr desinteressierten Gesellschaft in Deutschland und in Europa. In ökumenischer Verbundenheit unterstützt es zukunftsweisende Initiativen einer neuen missionarischen Pastoral.

Heute[Bearbeiten]

Der Verein ist ein von katholischen Laien geführtes Hilfswerk. Als Verein stützt sich das Bonifatiuswerk derzeit auf mehr als 6.000 Stamm-Mitglieder und über 100.000 Freunde und Förderer im ganzen Bundesgebiet, die in Diözesan-Bonifatiuswerken zusammengefasst sind. Die koordinierende Zentrale des Werkes hat seinen Sitz in Paderborn. Die Generalversammlung tagt alle drei Jahre. Ihr gehören alle deutschen Diözesan-Bischöfe, die Vertreter der Diözesan-Bonifatiuswerke stellvertretend für die Mitglieder des Bonifatiuswerkes in den Diözesen sowie die Generalvorstandsmitglieder an. Die Generalversammlung wählt die Mitglieder des Generalvorstandes. Der Generalvorstand beschließt die Vergabe der Spenden- und Kollektenmittel. Er setzt sich aus zwölf ehrenamtlichen Mitgliedern zusammen. Der Vorsitzende des Generalvorstandes ist der Präsident des Bonifatiuswerkes. Seit 2013 hat Heinz Paus das Präsidentenamte inne. Vor ihm war Georg Freiherr von und zu Brenken seit 1998 Präsident des Bonifatiuswerkes. Geschäftsführer ist der Generalsekretär. Er wird im Einvernehmen mit der Deutschen Bischofskonferenz vom Generalvorstand für jeweils sechs Jahre berufen. Generalsekretär des Bonifatiuswerkes ist Monsignore Georg Austen.

Aktionen[Bearbeiten]

  • „Achtung, weihnachtsmannfreie Zone“ wurde im Jahr 2002 ins Leben gerufen und soll dazu beitragen, den heiligen Nikolaus in der Gesellschaft wieder in den Vordergrund zu stellen und einer Verwechslung mit der populären Kunstfigur des Weihnachtsmannes entgegenzuwirken.[6]
  • Das GlaubensMobil war seit dem 13. März 2011 in ganz Deutschland unterwegs um unter dem Motto „Zeig draußen, was Du drinnen glaubst!“ den Glauben in das Alltagsgespräch zu bringen.[7]
  • Zu den weiteren Aktionen und Initiativen des Bonifatiuswerkes gehören unter anderem die Schulinitiative aus dem Jahr 2012, die 2009 gestartete Initiative „Den Glauben weitertragen“ und die Aktion "Kirche im Kleinen", die die elementaren Grundlagen des katholischen Glaubens (Rituale, Sakramente, Kirchenjahr, Gebete, kirchliche Feiertage usw.) in Form von Miniheften in deutsche Gemeinden bringt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Riße, Clemens Kathke (Hg.): Diaspora: Zeugnis von Christen für Christen. 150 Jahre Bonifatiuswerk der Deutschen Katholiken. Bonifatius, Paderborn 1999. ISBN 3-89710-079-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bauhilfe
  2. Kinder- und Jugendhilfe
  3. Verkehrshilfe
  4. Geschäftsbericht 2011 des Bonifatiuswerkes; PDF; 3,7 MB
  5. Bonifatius Stiftungszentrum
  6. Weihnachtsmannfreie Zone
  7. Das GlaubensMobil. Abgerufen am 10. Juni 2013.

Weblinks[Bearbeiten]