Carl Kaufmann (Leichtathlet)

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Carl Kaufmann (* 25. März 1936 in Brooklyn[1]; † 1. September 2008 in Karlsruhe) war ein deutscher Leichtathlet. In seiner Disziplin, dem 400-Meter-Lauf wurde er dreimal Deutscher Meister und gewann bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom in spektakulärer Weise in Weltrekordzeit die Silbermedaille. und auch Silber in der Staffel.

Der ausgebildete Tenor, der "Bel Ami der Aschenbahn", hatte mit "Und Amor läuft mit" auch relativen Erfolg als Schlagersänger. Nach seiner Sportlerlaufbahn leitete der Realschullehrer in Karlsruhe bis zuletzt auch das von ihm gegründete Kellertheater "Die Käuze".

Leben[Bearbeiten]

Carl Kaufmann wird als Sohn von Wilhelm (1895-1990) und Margarete Kaufmann, geb. Brünner, im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren. Der Vater Carl Kaufmanns, ein gelernter Tapeziermeister und Polsterer, arbeitete dort als Außenhandelskaufmann.[2] Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges weilte die Familie zu Besuch in Deutschland und als eine Rückkehr nach Amerika unmöglich wurde, ließ sie sich in Karlsruhe nieder.

Carl Kaufmann besuchte in Karlsruhe das Bismarck-Gymnasium. Er machte zunächst das Examen als Sportlehrer und arbeitete als Realschullehrer. Kaufmann unterrichtete in den Fächern Sport und Religion.[3] Nebenbei studierte er Klavier und Gesang an der Badischen Hochschule für Musik und trat als Schlagersänger auf. Seine Lieder Und Amor läuft mit und Eine Nacht in Taormina erreichten einen gewissen Bekanntheitsgrad. 1962 wurde er vom Intendanten der "Koblenzer Sommerspiele" als Tenor verpflichtet um in der Paul Abraham-Operette "Die Blume von Hawaii" die Partie des Prinzen Lilo-Taro zu singen.[4] 1967 gründete er das Amateurtheater „Die Käuze“ in Karlsruhe, das er bis zu seinem Tod leitete.

1954 wurde er mit beachtlichen 11,0 s Deutscher Jugendmeister. Bereits im Folgejahr gewann er auf 200 Metern im Einzel und 100 Metern in der Staffel seine ersten Deutschen Meisterschaften der Erwachsenen. Später spezialisierte er sich auf die 400-Meter-Strecke, wo er ab 1958 dreimal hintereinander Meister wurde.

Höhepunkt des 1,84 m großen und in seinen besten Tagen 73 kg wiegenden Athleten, der auf Vereinsebene für den Karlsruher SC antrat, waren aber die Olympischen Spiele 1960 in Rom. Unvergessen bleb, wie er in einem packenden Endspurt noch zum führenden Amerikaner Otis Davis aufschloss und sich auf der regennassen Bahn über die Ziellinie warf. Erst nach der Auswertung des Zielfotos wurde Otis zum Sieger erklärt, Kaufmann erhielt die Silbermedaille. Beiden Läufern wurde dieselbe Zeit zugesprochen: 44,9 s - damals Weltrekord. Das war drei Zehntelsekunden unter dem alten Weltrekord und damit das erste Mal dass diese Strecke unter 45 Sekunden zurückgelegt wurde.

Eine weitere Silbermedaille gewann er als Schlussläufer der Staffel, neben ihm bestehend aus Hans-Joachim Reske, Manfred Kinder und Johannes Kaiser, die mit 3:02,7 min. Auch hier war Otis Davis zuerst über der Ziellinie. Für seine Leistungen wurde er 1960 mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet.

Eine Silbermedaille mit der 4-mal-400-Meter-Staffel gewann er auch bei den Europameisterschaften 1958 (3:08,2 min, zusammen mit Manfred Poerschke, Johannes Kaiser und Karl-Friedrich Haas; Carl Kaufmann als Startläufer). In 47,0 s wurde er im Europameisterschafts-Einzelfinale Vierter.

Carl Kaufmann war von 1962 bis 1975 verheiratet und hatte aus dieser Ehe drei Söhne. Seine 1985 geborene Tochter aus zweiter Ehe, Larissa Kaufmann, ist Leichtathletin bei der Leichtathletik-Gemeinschaft Karlsruhe und wurde bereits mehrmals Badische Meisterin in Leichtathletik.

Platzierungen bei Deutschen Meisterschaften[Bearbeiten]

  • 1954 – 100 Meter: Jugendmeister in 11,0 s
  • 1955 – 200 Meter: Meister in 21,4 s; 4-mal 100 Meter: Meister in 40,8 s
  • 1956 – 200 Meter: Dritter in 21,7 s
  • 1957 – 200 Meter: Zweiter in 21,5 s
  • 1958 – 400 Meter: Meister in 46,9 s
  • 1959 – 400 Meter: Meister in 46,9 s
  • 1960 – 400 Meter: Meister in 45,4 s
  • 1961 – 400 Meter: Vierter in 47,9 s
  • 1963 – 400 Meter: Vierter in 46,7 s
  • 1964 – 400 Meter: Fünfter in 47,4 s

Familie[Bearbeiten]

Kaufmanns Mutter Margarete wurde 1910 im badischen Gernsbach geboren. Ihr Vater Joseph Brünner war Oberregierungsrat und Chef des Vermessungamtes in Karlsruhe. Der Großonkel von Carl Kaufmann, Egon Eiermann, zählte zu den bedeutendsten Architekten in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, der u. a. den Wiederaufbau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche geplant und den deutschen Pavillon bei der Weltausstellung in Brüssel 1958 entworfen hatte.

Mütterlicherseits lassen sich im 16. und 17. Jahrhundert im Odenwald (z.B. in Buchen) und im Hessischen einige Bürgermeister nachweisen, in der Linie von Wilhelm Kaufmann überwiegen handwerkliche Berufe.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Amrhein: Biographisches Handbuch zur Geschichte der Deutschen Leichtathletik 1898–2005. 2 Bände. Darmstadt 2005 publiziert über Deutsche Leichtathletik Promotion- und Projektgesellschaft
  • Michael Dittrich & Daniel Merkel: Bel ami der Aschenbahn: das Leben des Carl Kaufmann. Verl. Die Werkstatt, Göttingen 2010, ISBN 978-3-89533-724-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Dittrich & Daniel Merkel: Bel ami der Aschenbahn: das Leben des Carl Kaufmann., Göttingen 2010, S. 19.
  2. Michael Dittrich & Daniel Merkel: Bel ami der Aschenbahn: das Leben des Carl Kaufmann., Göttingen 2010, S. 19.
  3. "Geburtstage", Sport-Bild vom 24. März 1993, S. 49.
  4. Der Spiegel, 5/1962, S. 73.
  5. Michael Dittrich & Daniel Merkel: Bel ami der Aschenbahn: das Leben des Carl Kaufmann., Göttingen 2010, S. 19.