Gernsbach
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
|
|
||
| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Baden-Württemberg | |
| Regierungsbezirk: | Karlsruhe | |
| Landkreis: | Rastatt | |
| Höhe: | 174 m ü. NN | |
| Fläche: | 82,09 km² | |
| Einwohner: | 14 543 (31. Dez. 2007)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 177 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 76593 | |
| Vorwahl: | 07224 | |
| Kfz-Kennzeichen: | RA | |
| Gemeindeschlüssel: | 08 2 16 017 | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Igelbachstraße 11 76593 Gernsbach |
|
| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Dieter Knittel (SPD) | |
Die Stadt Gernsbach ist das historische Zentrum des unteren Murgtals im Landkreis Rastatt. Sie bildet mit Gaggenau einen Mittelbereich der Region Mittlerer Oberrhein. Der staatlich anerkannte Luftkurort mit historischer Altstadt ist Portalgemeinde des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, ein Zentrum der Papierindustrie und eine Wohngemeinde mit Auspendlerüberschuss.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geografie
[Bearbeiten] Geografische Lage
Die Stadt liegt im nördlichen Schwarzwald in 150 bis 988 Meter Höhe beiderseits des Flusses Murg. Das Stadtgebiet erstreckt sich vom tief eingeschnittenen Talkessel des Murgtals und seiner Seitentäler bis zu den Höhenzügen des Hohlohs bei Kaltenbronn im Südosten und darüber hinaus bis in einige Seitentäler der Enz. Im Westen bildet der 668 m hohe Bergkegel des Merkurs eine markante Kulisse, im Osten begrenzt der 908 m hohe Berg Teufelsmühle das sich im Nordwesten zur Rheinebene öffnende Tal.
[Bearbeiten] Ausdehnung des Stadtgebiets
Die Gemarkungsfläche von Gernsbach einschließlich seiner Stadtteile beträgt 8208,86 ha. Sie ist vor allem durch ausgedehnte Waldflächen geprägt. 6628,00 ha oder 81 % der Gemeindefläche sind Wald, das ist mehr als doppelt so viel wie im baden-württembergischen Landesdurchschnitt. Die Siedlungs- und Verkehrsflächen nehmen mit 6 % weniger als halb so viel Platz ein wie im Landesdurchschnitt, der Anteil der Landwirtschaftsflächen entspricht mit 12 % nur etwas mehr als einem Viertel des Landesschnitts.[2]
[Bearbeiten] Stadtteile
Die Gernsbacher Kernstadt teilt sich auf in die Gebiete rechts der Murg – mit den so bezeichneten Siedlungsgebieten Kelterberg, Entensee, Kolonie und Nord, sowie Gernsbach links der Murg – mit seinen so bezeichneten Siedlungsgebieten Klingele, Waldbach, Faltergass, Heppeler, Walheimer Hof (1842 eingemeindet), Stadtbuckel, Siedlung, Hahnbachweg, Panoramaweg und Weinau.
Einige der Orte, die in der Vergangenheit in dem im 19. Jahrhundert aufgelösten Gernsbacher Amtsbezirk gelegen hatten, wurden später eingemeindet. Scheuern machte im Jahr 1936 den Anfang. Weitere Orte kamen im Zuge der Gemeindereform der 1970er Jahre dazu: Lautenbach wurde am 1. Januar 1973 eingemeindet. Hilpertsau und Obertsrot hatten sich bereits am 1. April 1970 zur Gemeinde Obertsrot vereinigt, diese wurde am 1. Juli 1974 nach Gernsbach eingemeindet. Auch Staufenberg wurde am 1. Juli 1974 zum Stadtteil. Mit der Eingemeindung des waldreichen Dorfes Reichental zum 1. Januar 1975 wurde die Gernsbacher Gemarkungsfläche mehr als verdoppelt.
Wappen der Stadtteile
[Bearbeiten] Nachbarkommunen
Nachfolgende Gemeinden und Städte grenzen ans Gemeindegebiet der Stadt Gernsbach (im Uhrzeigersinn, von Nordwesten beginnend):
- nach Norden: Gaggenau und Loffenau, Landkreis Rastatt; Bad Herrenalb und Dobel, Landkreis Calw
- nach Osten: Bad Wildbad und Enzklösterle, Landkreis Calw
- nach Süden: Forbach und Weisenbach, Landkreis Rastatt
- nach Westen: Baden-Baden, Stadtkreis
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Anfänge und Stadtwerdung
Eine dauerhafte Besiedlung der Gernsbacher Gemarkung vor dem 12. Jahrhundert ist nicht nachgewiesen. Ausgangspunkt für die Erschließung des unteren Murgtals war der Erwerb des predium (Landgut) Rotenfels am Taleingang durch die edelfreien Herren von Eberstein zu Beginn des 12. Jahrhunderts als Lehensnehmer des Hochstifts Speyer. Von Rotenfels aus ließen die Ebersteiner im bewaldeten und durch Versumpfungen der Murg schwer zugänglichen Murgtal Rodungen vornehmen und neue Siedlungen gründen. Bis etwa 1200 war die Linie Loffenau–Scheuern–Gernsbach–Staufenberg erreicht.[3]
In einer ebersteinischen Erbteilungsurkunde aus dem Jahr 1219 ist Gernsbach erstmals als Genrespach schriftlich erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt wurde bereits zwischen einem Markt- und einem Kirchdorf unterschieden. Das auch als Hof bezeichnete Kirchdorf lag auf einer Geländeterrasse links der Murg, südlich des Waldbachs, auf ebersteinischem Allodialbesitz. Die dortige Kirche war der Vorgängerbau der heutigen St.-Jakobskirche. Das Marktdorf auf speyerischem Lehensgrund lag nördlich des Waldbachs auf einem Bergsporn, der gute Voraussetzungen für die Anlage einer Stadtbefestigung bot.
Aus dem Jahr 1243, in dem der Ort eine eigene Pfarrei erhielt, ist die erste Bezeichnung als oppidum (Stadt) überliefert. Wie bei vielen anderen Stadtgründungen dieser Epoche existiert keine Stadterhebungsurkunde. Der Prozess der Stadtwerdung verlief über Jahrzehnte.[4] In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts müssen die Ebersteiner die Burg Neu-Eberstein oberhalb von Gernsbach bezogen haben, die 1272 als ihr neuer Stammsitz urkundlich erwähnt wird. Gernsbach entwickelte sich neben der Burg zum politisch-herrschaftlichen Mittelpunkt der Grafschaft, die ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ihre Siedlungsfläche von hier aus weiter nach Süden bis ins mittlere Murgtal ausdehnte.
[Bearbeiten] Teilung und Kondominat
Nach einer zwanzigjährigen Fehde mit Graf Eberhard II von Württemberg musste Graf Wolf von Eberstein 1387 die Hälfte der Grafschaft und die Hälfte der Burg Neu-Eberstein an Markgraf Rudolf VII. von Baden verkaufen. Es folgte eine konfliktreiche Periode der zwischen den Ebersteinern und den Markgrafen von Baden geteilten Herrschaft, die im Jahr 1505 durch den badisch-ebersteinischen Einwurfsvertrag in eine Gemeinherrschaft (Kondominat) überführt wurde. Ein gemeinsamer Vogt wurde in Gernsbach eingesetzt. Faktisch wurde die Grafschaft Eberstein damit Bestandteil von Baden. Dies wurde durch die Einführung der ebersteinischen Landesordnung im Jahr 1508 bestätigt, die beinahe identisch mit der badischen Landesordnung von 1495 war.[5]
Das Jahr 1488 gilt als Taufjahr der Murgschifferschaft, einer noch heute als Forstbetrieb bestehenden Genossenschaft der Holzhändler und Sägewerksbesitzer, die das Holz des Murgtals per Flößerei in die Städte entlang des Rheins brachte und im Zentrum des Gernsbacher Wirtschaftslebens stand. Sie profitierte 1569 vom Niedergang der Ebersteiner, als ihr der verschuldete Graf Philipp II. seinen Schifferhandel mit Waldungen und Sägemühlen im Murgtal für 3500 Gulden verkaufte.[6]
Gernsbach erlitt Zerstörungen durch einen Großbrand im Jahr 1417, durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs und des Pfälzischen Erbfolgekriegs.
Nach dem Erlöschen der Ebersteiner im Mannesstamm im Jahr 1660 gelangte Gernsbach unter die Verwaltung von gleich drei Vögten: Die Häuser Baden und Württemberg sowie das Fürstbistum Speyer hatten je ein Amtshaus in der Stadt. Zudem versuchten die Grafen von Wolkenstein und Gronsfeld, die hier Besitz erlangt hatten, Einfluss zu erringen. 1753 trat Württemberg seine Rechte an Baden ab, doch erst mit der Neuordnung Badens durch den Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 war Gernsbach wieder unter einheitlicher Verwaltung.
[Bearbeiten] 19. Jahrhundert
Nachdem weitere Stadtbrände in den Jahren 1787 und 1798 große Teile der Bausubstanz vernichteten, wurde der nordwestliche Abschnitt der Altstadt nach Plänen Friedrich Weinbrenners wieder aufgebaut.
Am 28. Juli 1817 war Gernsbach Ausgangspunkt der ersten Bergfahrt mit der Laufmaschine Draisine des badischen Erfinders und Forstmeisters Karl Frh. von Drais nach Baden-Baden.
Während der Badischen Revolution errichteten die Aufständischen an der Murg eine Verteidigungslinie gegen die von Norden anrückenden regulären Truppen. Am 29. Juni 1849 kam es zum Gefecht in Gernsbach, bei dem zahlreiche Häuser zerstört wurden und die Bundestruppen die Stadt besetzten.
1872 wurde das Bezirksamt Gernsbach aufgelöst und dem Bezirksamt Rastatt zugeordnet. Die Stadt verlor damit ihre traditionelle Funktion als administratives Zentrum. Nur das Amtsgericht zog später wieder nach Gernsbach.
Am 31. Mai 1869 wurde die hauptsächlich auf Betreiben des Gernsbacher Holzindustriellen, Murgschiffers und Reichstagsabgeordneten Casimir Rudolf Katz gebaute Bahnstrecke der Murgthal-Eisenbahn-Gesellschaft von Rastatt nach Gernsbach eröffnet. Die Strecke wurde gebaut, um den Murgtäler Holzhandel konkurrenzfähig zu halten, begünstigte dann aber auch die fortschreitende Industrialisierung des Tals. Ab 1881 entstanden die ersten Papier- und Zellulosefabriken in und um Gernsbach. Eine Verlängerung der Bahnstrecke von Gernsbach nach Weisenbach wurde am 1. Mai 1894 in Betrieb genommen, erst 1928 war eine durchgehende Bahnverbindung durchs Murgtal bis ins württembergische Freudenstadt hergestellt. Die jahrhundertelang bedeutende Flößerei ging mit der Entwicklung der Verkehrswege und der zunehmenden Nutzung der Wasserkraft zur Energieerzeugung im 19. Jahrhundert immer weiter zurück. 1896 fuhr das letzte Floß die Murg hinunter, seit 1913 ruhte die Flößerei und wurde 1923 auch offiziell untersagt.
Die Bahnanbindung brachte auch die Entwicklung des Fremdenverkehrs voran. 1874 wurde der Kurpark im Igelbachtal angelegt, 1884 folgte die Anerkennung Gernsbachs als Luftkurort.
[Bearbeiten] 20. Jahrhundert
Im Ort waren mindestens seit dem späten 17. Jahrhundert[7] jüdische Familien ansässig, die hier seit spätestens der Mitte des 19. Jahrhunderts über einen Betsaal beziehungsweise eine Synagoge verfügten. Der erst 1928 in der Austraße eröffnete Neubau wurde beim Novemberpogrom 1938 von SA-Männern zerstört, woran heute eine Gedenktafel in der Austraße 3 erinnert. Die meisten der 54 im Jahr 1933 noch in Gernsbach wohnhaften Juden emigrierten während der NS-Diktatur oder zogen in andere deutsche Städte. Mindestens 13 jüdische Mitbürger des Ortes wurden Opfer der Shoa.[8][9] Für die am 22. Oktober 1940 bei der Wagner-Bürckel-Aktion ins Internierungslager Gurs verschleppten neun Gernsbacher Juden wurde ein Gedenkstein an der Stadtbrücke errichtet.
[Bearbeiten] Politik
Gernsbach bildet zusammen mit Weisenbach und Loffenau eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft.
[Bearbeiten] Gemeinderat
Dem Gemeinderat gehören nach der Kommunalwahl vom 13. Juni 2004 - neben dem Bürgermeister als Vorsitzenden - 26 Mitglieder an. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:
| CDU | 41,2 % (-4,8) | 11 Sitze (-2) |
| SPD | 31,2 % (+0,9) | 8 Sitze (=) |
| FBVG | 27,6 % (+8,9) | 7 Sitze (+2) |
| Andere | 0,0 % (-4,9) | 0 Sitze |
[Bearbeiten] Städtepartnerschaft
Gernsbach unterhält seit 1965 partnerschaftliche Beziehungen zu Baccarat in Lothringen, Frankreich.
[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten] Bauwerke
In der historischen Altstadt, die sich einen Bergrücken – von den Gernsbachern Stadtbuckel genannt – hinaufzieht, sind zahlreiche sehenswerte Gebäude und Ensembles erhalten. Der Verlauf der einst etwa 900 Meter langen Stadtmauer ist noch heute im Stadtbild ablesbar. Teile der Mauer sind noch vorhanden, im Bereich zwischen Waldbach- und Amtsstraße wurde ein Teilstück restauriert und die vordere Zwingermauer wiederhergestellt.
- Das bauhistorisch bedeutendste Bauwerk ist das sogenannte Alte Rathaus mit seiner reich ausgearbeiteten Sandsteinfassade, welches 1617–18 im Stil des Manierismus als Wohnpalast des wohlhabenden Waldbesitzers, Holzhändlers sowie Rhein- und Murgschiffers Johann Jakob Kast erstellt wurde. Die Bezeichnung "Altes Rathaus" nimmt Bezug auf die Zeit, als die städtische Verwaltung im 18. Jahrhundert in das Gebäude einzog, wo sie ihren Amtsgeschäften bis 1936 nachging.
- Die weithin sichtbare katholische Liebfrauenkirche – an der höchsten Stelle der Kernstadt errichtet, diente der Turm zudem als Teil der Stadtmauer; bekannte Erweiterungen von 1388 und 1833.
- Der benachbarte Storchenturm ist der letzte noch vorhandene von ehemals vier Wachtürmen an den Toren der Stadtmauer. Heute ist er eines der Wahrzeichen Gernsbachs.
- Die evangelische St.-Jakobskirche – erbaut von 1467 bis 1471 an der Stelle eines älteren Vorgängerbaus, der ersten Gernsbacher Kirche; mit Umbauten aus dem 18. Jahrhundert.
- Die Hofstätte – historische Bauten im Fachwerk- und Gründerzeitstil umgeben den Platz, der das Entree zur Gernsbacher Altstadt bildet. Die zwei ältesten Gasthäuser der Stadt, der "Stern & Hirsch" und die "Traube", sind übrig geblieben von einstmals sechs in diesem Wohn- und Geschäftsviertel.
- Der Alte Amtshof – fränkischer Fachwerkbau erbaut um 1556 als speyerische Amtskellerei, von 1661 bis 1673 Sitz des speyerischen Amtsvogtes.
- Schloss Eberstein – vor 1272, ehemaliger Grafensitz des ausgestorbenen Geschlechtes der Grafen von Eberstein, danach bis in die jüngste Vergangenheit markgräflich-badisches Eigentum, seit 2000 Privateigentum und heute als Hotel, Restaurant sowie Weingut genutzt. Ebenfalls mit Umbauten durch Friedrich Weinbrenner.
- Der Kaiser-Wilhelm-Turm auf dem Hohloh, auch Hohlohturm genannt, wurde 1897 als Aussichtsturm nahe der höchsten Stelle des heutigen Gernsbacher Stadtgebiets errichtet.
[Bearbeiten] Parks
- Der Katz’sche Garten – ein ehemals privater Spätbarockgarten der wohlhabenden Murgschifferfamilie Katz, mit einer Sammlung von Kunstdenkmälern, welche teilweise aus der Zeit der Spätgotik, der Renaissance, des Barocks sowie aus der Jugendstilzeit stammen.
- Der Kurpark im Igelbachtal verfügt über Rasenflächen mit altem Baumbestand, Schwanenteiche und eine Konzertbühne für Freilichtaufführungen.
[Bearbeiten] Natur
Gernsbach ist Portalgemeinde des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Mehr als zwei Drittel der Gernsbacher Gemarkungsfläche sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Die eiszeitlichen Hochmoore bei Kaltenbronn sind das mit über 900 Metern höchstgelegene und größte naturbelassene Hochmoorgebiet Deutschlands. Sie stehen unter Naturschutz und sind mit Holzbohlenwegen erschlossen. Über das Naturschutzgebiet informiert das Infozentrum Kaltenbronn, welches als gemeinsames Naturparkportal für Gernsbach, Bad Wildbad und Enzklösterle fungiert.
An mehreren Stellen werden die steilen Abhänge um Gernsbach durch Granitfelsen gebildet. Das Gebiet um den Lautenfelsen bei Lautenbach ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen, die Rockertfelsen und Orgelfelsen sind Naturdenkmale.
Über das Gemeindegebiet erstreckt sich ein weitverzweigtes Wanderwegnetz. Der Wanderrundweg Gernsbacher Runde und der Fernwanderweg Murgleiter nach Baiersbronn wurden vom Deutschen Wanderinstitut mit dem Prädikat Deutsches Wandersiegel ausgezeichnet. Das Arboretum Schloss Eberstein ist ein baumkundlicher Lehrpfad.
[Bearbeiten] Regelmäßige Veranstaltungen
- Gernsbacher Altstadtfest – Das weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Stadtfest ist ein Treffpunkt für Einheimische und Gäste aus nah und fern. Es findet alljährlich am dritten Wochenende im September statt, im Jahr 2008 mit der 33. Auflage. 1974 wurde es vom damaligen Bürgermeister Rolf Wehrle initiiert, als Ausdruck der Freude über die Sanierung der Brückenmühle, des bis dahin unansehnlichsten Gebäudes am Eingang zur Altstadt, durch ihren Eigentümer.
- Gernsbacher Weihnachtsmarkt – jeweils am zweiten Dezemberwochenende in der historischen Altstadt.
- Gernsbacher Puppentheaterwoche – Ebenfalls alljährlich kommt es zum einem Aufführungstreffen von Puppenbühnen und Spielern aus Deutschland und Österreich. Die Aufführungen umfassen Themen für alle Altersstrukturen und aus allen Bereichen, so etwa der Dramaturgie aus Literatur, Märchen und Moderne. Der Zeitraum der Aufführungen liegt in den Wochen vor Ostern. Festivalaufführungsort ist die Stadthalle. Die 21. Puppentheaterwoche findet vom 28. März bis 4. April 2009 statt.[10]
- Gernsbacher Konvention des Wingolfsbundes – Im geradzahligen Zweijahres-Rhythmus treffen sich die Wingolfsverbindungen des Wingolfsbundes aus Südhessen, Rheinland-Pfalz und Baden- Württemberg traditionell zu dem so genannten „Kleinen Wartburgfest“ in Gernsbach. Die Wingolfsverbindungen sind nichtschlagende Verbindungen.
- Schlossberg–Historic – Eine Motorsportveranstaltung für sogenannte Oldtimer-und Youngtimer-Fahrzeuge, welche von dem örtlichen Motorsportverein "Automobilclub AC Eberstein e. V.", in Anlehnung an die lange, bergrennsportliche Tradition des ehemaligen Schloßberg-Rennens, jährlich im Frühjahr von der Murginsel ausgehend durchgeführt wird. Termin für die sechste Auflage ist der 16. und 17. Mai 2009.
- Hockey-Pfingstturnier des "Hockey-Club Gernsbach 1919 e. V." – Eine bei Feldhockeykennern deutschlandweit bekannte Hockey-Traditionssportveranstaltung, welche im Jahre 2008 zum 61. Male ausgetragen wurde.
- Eisweiher-Modellschiffregatta des "Schiffsmodellbauclub Murgtal e. V." – Eine für Modellbauschiff-Freunde ebenfalls weit über Gernsbach hinaus bekannte Ausstellungs- und Regattaveranstaltung, welche alljährlich zum 1. Mai am Eisweiher stattfindet. Im Jahr 2007 richtete der Modellbauclub seine 20. Veranstaltung aus.
- Theater im Kurpark – Seit Anfang der 1990er Jahre wird von einem jungen Theater-Ensemble gleichen Namens, alljährlich im Kurpark während der Sommerzeit, eine Reihe von klassischen Stücken aufgeführt. Es werden während der Sommermonate acht Veranstaltungen gegeben. Die Theatergruppe führte in den zurückliegenden Jahren Klassiker wie z. B. "Julius Cäsar", "Der Jedermann" oder "Faust" auf.
[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur
[Bearbeiten] Verkehr
Gernsbach liegt an der Bundesstraße 462, welche auch die Verbindung zur nächsten Autobahnanschlussstelle Rastatt (Nr. 49) an der Bundesautobahn 5 Karlsruhe-Basel darstellt. Die Fahrtstrecke von Gernsbach-Nord zur A 5 beträgt etwa 13 km, davon etwa 7 km als vierspurige Schnellstraße. Die B 462 unterquert das Stadtzentrum seit 1997 in dem 1527 m langen Tunnel Gernsbach.
Die seit dem Jahre 2003 elektrifizierte Schienentrasse der Murgtalbahn wird von der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft mbH (AVG) betrieben und ist ins regionale Personennahverkehrsnetz des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) integriert. Gernsbach hat damit eine direkte, im Taktverkehr bediente Bahnverbindung bis ins Zentrum von Karlsruhe. Auch die von der Regionalbusverkehr Südwest GmbH (RVS) betriebenen öffentlichen Buslinien, u. a. nach Baden-Baden, Bad Herrenalb und Kaltenbronn, sind im Tarifverbund des KVV organisiert.
[Bearbeiten] Papier- und Pappeindustrie
Gernsbach, auch die Papiermacherstadt genannt, ist das Zentrum der papier- und pappeverarbeitenden Industrie im Murgtal. Seit den 1880er Jahren wurde das mittlere Murgtal durch seinen Holzreichtum und die vorhandene Wasserkraft zu einem Kerngebiet der industriellen Papierherstellung in Deutschland.
In der Stadt ansässige Unternehmen der Papier-, Pappe- und Verpackungsindustrie:
- Glatfelter GmbH & Co. KG (ehemals Schoeller & Hoesch GmbH & Co. KG) – Gernsbach-Nord
- Mayr-Melnhoff GmbH & Co. KG – Gernsbach-Obertsrot
- Smurfit Kappa Baden Karton GmbH – Gernsbach-Obertsrot
- Casimir Kast Verpackung und Display GmbH & Co. KG – Gernsbach-Obertsrot
- Röchling Automotive Peine KG – Werk Gernsbach-Obertsrot
- Röchling Automotive Worms KG – Werk Gernsbach-Obertsrot
Aufgrund der Massierung von Herstellern und Verarbeitern im gesamten Murgtal ist hier das Papierzentrum Gernsbach angesiedelt. Es ist hervorgegangen aus der 1956 gegründeten, ersten und einzigen Bildungseinrichtung der deutschen Papierindustrie namens Papiermacherschule Gernsbach. Diese ist heute Teil des Zentrums und wird als staatliche Einrichtung vom Landkreis Rastatt getragen. Ferner sind in dem Gebäudekomplex die Verbandszentrale der Baden-Württembergischen Papierverbände und weitere Akademien angesiedelt, welche von der Papierindustrie finanziert werden. Das Zentrum ist eine der wichtigsten überregionalen und internationalen Aus- und Weiterbildungsstätten für Fachleute in der Papier-, Pappe- und Zelluloseindustrie. Die Bezeichnung "Gernsbacher Meister" ist ein international bekannter Branchen-Qualitätsbegriff für Absolventen dieser Einrichtung.
[Bearbeiten] Weinbau
Gernsbach ist ein Weinbauort der Weinbauregion Ortenau, die zum Weinbaugebiet Baden gehört. Hier ansässige Weinbaubetriebe sind das Weingut Iselin mit der Weinlage Staufenberger Großenberg und Sitz im Alten Rathaus sowie das Weingut Schloss Eberstein mit 5 ha Rebgärten an den Südhängen unterhalb vom Schloss.
[Bearbeiten] Gastgewerbe
In Gernsbach werden etwa 700 Gästebetten in Hotels, Pensionen und Privatquartieren angeboten, die im Jahr 2006 für knapp 93.000 Übernachtungen genutzt wurden.[11]
Mit den Ausgaben der Hotel- und Restaurantführer Guide Michelin und Gault Millau, Edition Deutschland 2007, fand Gernsbach erstmalig auch im Bereich der Spitzengastronomie Erwähnung. Küchenchef Mathias Schormann in "Werner's Restaurant" auf Schloss Eberstein erhielt einen Stern im Guide Michelin[12] und wurde vom Gault Millau mit 16 (von 20) Punkten und zwei (von vier) Kochhauben ausgezeichnet.[13]
[Bearbeiten] Medien
Über das lokale Geschehen in Gernsbach und dem Murgtal berichten die Tageszeitungen Badisches Tagblatt (BT) mit Sitz in Baden-Baden/Lokalredaktion Gaggenau und ihrer Lokalausgabe Der Murgtäler sowie deren täglichen Auflagenzahl von etwa 11.000 Exemplaren und die Badische Neueste Nachrichten (BNN) – Sitz Karlsruhe/Lokalredaktion Gaggenau – mit der Lokalausgabe Rastatt/Gaggenau – Tagesauflagenzahl hier etwa 10.000.
Ebenfalls zu den Medienberichtern gehört der Gernsbacher Stadtanzeiger, welcher u. a. als amtliches Mitteilungsblatt fungiert und einmal pro Woche an die Gernsbacher Haushalte kostenlos mit einer Auflage von etwa 6900 Exemplaren verteilt wird. Diese Mitteilungsblatt wird von Nussbaum Medien mit Sitz in Weil der Stadt verlegt, welche ein Außenbüro in der Nachbarstadt Gaggenau unterhalten.
Ferner der Gernsbacher Bote – ebenfalls eine kostenlosen Publikation – mit mehrheitlich Beiträgen über die Historie von Gernsbach, herausgegeben vom ortsansässigen Casimir-Katz-Verlag und vierteljährlich in einer Auflage von etwa 7800 Exemplare an die Haushalte verteilt.
Des Weiteren werden, ebenfalls vom Badischen Tagblatt als Herausgeber, zwei kostenlose Anzeigen- und Lokalwirtschaftsnachrichtenjournale namens Wochjournal WO – Ausgabe Murgtal und WO am Sonntag – Ausgabe Rastatt/Murgtal an die Haushalte kostenlos zugestellt. Auflage Wochenjournal WO: etwa 25.300 (Ausgabe Murgtal), Auflage WO am Sonntag: etwa 71.600 (Ausgabe Rastatt/Murgtal).
Bei entsprechenden Anlässen werden auch Fernsehbeiträge über Gernsbach und die Region des in Karlsruhe sitzenden und in das mittelbadische Kabelnetz eingespeiste Regional-Fernsehsenders R.TV (Karlsruhe) ausgestrahlt.
[Bearbeiten] Amtsgericht
Gernsbach ist Sitz eines Amtsgerichts, das zum Landgerichtsbezirk Baden-Baden und zum Oberlandesgericht Karlsruhe gehört. Der Amtsgerichtsbezirk umfasst die Gemeinden Forbach, Gernsbach, Loffenau und Weisenbach. Nach der Aufhebung des Bezirksamts Gernsbach 1872 wurde das Gericht 1878 wieder eingesetzt.
[Bearbeiten] Gesundheitswesen
Zwei Fachkliniken sind in Gernsbach angesiedelt. Das MediClin Reha-Zentrum Gernsbach ist ein 1998 eröffnetes Rehabilitationszentrum für Herz-Kreislauf-, Gefäß- und orthopädische Erkrankungen mit 226 Betten. Die Ende 2007 von der Mediclin AG übernommene Kraichgau Klinik AG errichtete den Neubau in der Weinau. Im ehemaligen Kreiskrankenhaus Gernsbach betreibt die Klinikum Mittelbaden gGmbH heute eine Klinik für Geriatrische Rehabilitation mit 55 Betten.
Bereits 1467 ist ein Leprosen- oder Gutleuthaus nahe der Jakobskirche urkundlich erwähnt. 1511 entstand rechts der Murg, unmittelbar südlich der Murgbrücke, ein Spital.[14] Nachdem es 1824 durch Hochwasser zerstört wurde, errichtete man 1832–38 einen Neubau in der Vorstadt Waldbach. 1902 entstand mit dem Krankenhausneubau in der Casimir-Katz-Straße die Keimzelle des späteren (ab 1959) Kreiskrankenhauses, das nach dem Neubau eines Bettenhauses 1966–68 über 120 Betten verfügte.
[Bearbeiten] Bildung
Gernsbach ist ein schulisches Mittelzentrum. 2005/2006 wurden hier 1.913 Schüler an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet.[15] Neben den Grundschulen in den Stadtteilen Hilpertsau, Obertsrot, Reichental, Staufenberg und Scheuern ist die Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule in der Kernstadt links der Murg angesiedelt. Dort befinden sich auch die Realschule, das Albert-Schweitzer-Gymnasium, die Handelslehranstalt Gernsbach sowie die privat geführte Musikschule Murgtal. Die Papiermacherschule Gernsbach - rechts der Murg, im Gewann "Entensee" liegend - ist eine überregional bedeutende gewerbliche Berufs- und staatliche Fachschule (Meisterschule), siehe Abschnitt Papier- und Pappeindustrie.
[Bearbeiten] Persönlichkeiten
[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt
- Ludwig Dill (1848–1940), Maler
- Karl „Charlie“ Kappler (1891–1962), erfolgreichster dt. Automobilrennfahrer der 1920er Jahre
- Jacob Montanus (um 1460–1534), evangelischer Theologe, Humanist und Reformator
- Kurt Sontheimer (1928–2005), Politikwissenschaftler
- Ulla Brede-Hoffmann (* 1950), Politikerin (SPD)
- Thomas Wehrle (* 1964), SWR/ARD-Sportjournalist. Federführend u. a. bei der Sporthintergrunddokumentationsreihe des ehem. SWF "Sport unter der Lupe"
- Ute Verhoolen (* Gernsbach), Journalistin/Autorin, Moderatorin SWF/ARD
[Bearbeiten] Weitere bekannte Persönlichkeiten in Gernsbach
- Jenny Abel, Violonistin
- Andreas Birkmann (* 1939), Bundesrichter a. D., Thüringer Justizminister a. D.
- Scipio Colombo (1910–2002), italienischer Bariton
- Andreas Doms, SWF3-Sprecher und Erfinder der "SWF3-Comedy-Figur" Werner Chibulsky, Buchautor, Journalist und SWR1-Moderator
- Walter Frevert (1897–1962), deutscher Forstmann und Jagdschriftsteller
- Peter W. Jansen (1930–2008), Journalist und Filmkritiker
- Heinz Schimmelpfennig, Schauspieler und Hörspielsprecher, u. a. bekannt als "Tatort"-Kommissar Gerber des damaligen SWF
- Mathias Schormann, erster "Michelin-Sterne"-Koch in Gernsbach
- Immo Vogel, Journalist, ehemaliger Chef-Korrespondent und Auslandschef des SWR, Moderator der ARD-Magazine "Weltspiegel" und "Europamagazin" als Produktionen des SWF/SWR.
- Bernd Werner, Gastronom, kulinarischer Ausrichter der Bambi-Medienpreisverleihung
- Otmar Zwiebelhofer (* 1935), Unternehmer und Wirtschaftsführer
[Bearbeiten] Literatur
- Regina Kunitzki: Gernsbach. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1985, ISBN 3-88640-025-5
- Rainer Hennl: Gernsbach im Murgtal – Strukturen und Entwicklungen bis zum Ende des badisch-ebersteinischen Kondominats im Jahre 1660. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-17-019480-9
- Max Scheifele: Die Murgschifferschaft – Geschichte des Floßhandels, des Waldes und der Holzindustrie im Murgtal. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1988, ISBN 3-925825-20-7
- Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Rastatt und Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (Hrsg.): Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg – Der Landkreis Rastatt. Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 2002. Band 2, Seiten 79–152, ISBN 3-7995-1364-7
- Anna Jansen: Die Ebersteiner Rose – Sagen entlang der Murg. Casimir Katz Verlag, ISBN 3-925825-69-X
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Bevölkerungsstand
- ↑ Statistik Kommunal – Gernsbach: Fläche – Aufstellung des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg, abgefragt am 12. Mai 2008.
- ↑ Hennl: Gernsbach, S. 30 ff
- ↑ Hennl: Gernsbach, S. 38
- ↑ Rainer Hennl: Einführung der ebersteinischen Landesordnung. In: Gernsbacher Bote, Nr. 1, 2008, Seiten 5–6. Online-Version (PDF)
- ↑ Scheifele: Murgschifferschaft, S. 179
- ↑ Hennl: Gernsbach, S. 84
- ↑ Alemannia Judaica: Gernsbach: Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge, abgefragt am 25. Dezember 2008
- ↑ Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 39, ISBN 3-89331-208-0
- ↑ Stadt Gernsbach: Puppentheaterwoche
- ↑ Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
- ↑ Pressemeldung der Michelin-Deutschland-Zentrale – Bekanntgabe der 2007-Sterneträger von D – CH + A
- ↑ Presseverlautbarung des Gault Millau-Verlages – Vorstellung der Restaurantauszeichnungen Baden-Württemberg 2007
- ↑ Hennl: Gernsbach, Seite 66
- ↑ Statistik Kommunal - Gernsbach - Aufstellung des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg, abgefragt am 12. Mai 2008
[Bearbeiten] Weblinks
Au am Rhein | Bietigheim | Bischweier | Bühl | Bühlertal | Durmersheim | Elchesheim-Illingen | Forbach | Gaggenau | Gernsbach | Hügelsheim | Iffezheim | Kuppenheim | Lichtenau | Loffenau | Muggensturm | Ötigheim | Ottersweier | Rastatt | Rheinmünster | Sinzheim | Steinmauern | Weisenbach

