Weltklasse Zürich

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Abschiedsfeierlichkeiten vom alten Letzigrund-Stadion am Schluss des Meetings 2006

Weltklasse Zürich ist eine Leichtathletikveranstaltung, die jedes Jahr im August im Letzigrund-Stadion in Zürich ausgetragen wird. Sie gehörte bis 2009 zur Serie der IAAF Golden League, die danach ersetzt wurde durch die IAAF Diamond League, von der 2010 in Zürich eine der beiden Finalveranstaltungen mit 16 Wettkämpfen stattfand.[1]

Weltklasse Zürich fand zum ersten Mal am 12. August 1928 statt. Bis zur 80. Austragung im Jahr 2008 wurden am Leichtathletikmeeting 26 Weltrekorde[2] und über 250 Landesrekorde, darunter 58 Schweizerrekorde, aufgestellt. 2009 folgte der 27. Weltrekord, der erste im neuen Letzigrund-Stadion.

Organisator des Events ist der Verein für Grossveranstaltungen des Leichtathletik-Club Zürich (VfG/LCZ), der von Mitgliedern des LC Zürich gegründet wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

1928: Am 12. August 1928 findet das erste „Internationale" auf dem Letzigrund statt. 3000 Zuschauer jubeln dem neunfachen Olympiasieger Paavo Nurmi zu, der den 5000-Meter-Lauf in 15:18,3 min gewinnt. Den ersten Schweizer Rekord stellt der Bieler Hans Schneider über 400 Meter Hürden in 56,4 s auf.[3]

1949: Der erste Weltrekord im Letzigrund wird nachträglich annulliert. Grund: Die Kugel, mit der James Fuchs eine Rekordweite von 17,96 m erzielt hatte, wird als etwas zu leicht befunden. Die 13'000 Zuschauer sehen nicht nur zwei Olympiasieger und zwei Weltrekordhalter, sondern auch das Fussballspiel Young Fellows – FC Nürnberg.[3]

1958: Das erste Meeting im neuen, für 23'000 Zuschauer konzipierten Stadion Letzigrund mit sechs Rundbahnen findet in strömendem Gewitterregen statt.[3]

1959: Erstmals findet das Meeting am 7. Juli 1959 unter dem Namen „Weltklasse Zürich“ statt. Vor 10'842 Zuschauern stellt der 22-jährige Kölner Martin Lauer die ersten beiden Weltrekorde in der Geschichte des Zürcher Leichtathletik-Meetings auf. In 13,2 s zuerst über 110 Meter Hürden, zwei Stunden später läuft er über 200 Meter Hürden in 22,5 s eine weitere Bestmarke.[3]

1960: Der deutsche Armin Hary läuft am 21. Juni 1960 als erster Mensch die 100 Meter in 10,0 s. Weil der erste Lauf annulliert wurde, musste der 23-jährige Deutsche noch einmal antreten – und lief erneut 10,0 s. Der erste von bis heute drei Zürcher Weltrekorden auf der prestigeträchtigen 100-Meter-Strecke war Tatsache.[3]

1965: Erstmals sind die Frauen bei Weltklasse Zürich mit dabei. Im Rennen über 80 Meter Hürden egalisiert die 16-jährige Meta Antenen mit 11,4 s den Schweizer Rekord.[3]

1968: Das erste Meeting auf der neuen Tartanbahn. In Zürich wurde die erste Kunststoffbahn Europas eingebaut.[3]

1969: Der Lausanner Sprinter Philippe Clerc läuft in 20,3 s einen Europarekord über 200 Meter.[3]

1974: Das erste Meeting mit elektronischer Zeitmessung und die erste TV-Liveübertragung durch SF DRS.[3]

1975: Erstmals wird die Marke von 20'000 Zuschauern übertroffen: Weltklasse Zürich findet vor der Rekordkulisse von 21'700 Zuschauern statt.[3]

1981: Zwei Weltrekorde an einem Abend: Renaldo Nehemiah durchbricht mit 12,93 s über 110 Meter Hürden eine „Schallmauer" und Sebastien Coe läuft die Meile in der neuen Rekordzeit von 3:48,53 min. Zum ersten Mal in der Geschichte unterbricht die BBC dafür die Abendnachrichten und schaltet sich direkt in das Rennen von Coe ein.[3]

1981: Die SBG (heutige UBS) steigt als Hauptsponsor ein. Das Meeting verzeichnet eine neue Rekordzuschauerzahl (24'844).[3]

1983: Das Budget von Weltklasse Zürich übersteigt erstmals eine Million Franken.[3]

1985: Der Schweizer Pierre Délèze schafft die Sensation und schlägt über 1500 Meter den grossen Sebastien Coe.[3]

1988: Harry „Butch" Reynolds verbessert den 20 Jahre alten 400-Meter-Weltrekord um sage und schreibe 0,57 Sekunden auf 43,29 s. Carl Lewis gewinnt das 100-Meter-Duell gegen Ben Johnson. Die 9,93 s werden ein Jahr später nach dem Dopingfall Johnson zum Weltrekord aufgewertet.[3]

1992: Publikumsliebling Carl Lewis feiert über 100 Meter in 10,07 s seinen sechsten und letzten Sieg in Zürich.[3]

1994: 5,3 Liter Regen pro Quadratmeter innert einer Stunde zwischen 20:40 und 21:40 Uhr sorgen für sintflutartige Verhältnisse im Letzigrund.[3]

1995: Erstmals seit 14 Jahren gibt es zwei Weltrekorde am selben Abend. Moses Kiptanui durchbricht als erster die 8-Minuten-Marke über 3000 Meter Steeple, wenig später verliert Kiptanui seinen 5000-Meter-Weltrekord an Haile Gebrselassie.[3]

1997: Ein Weltrekordabend wie noch nie: Wilson Kipketer (800 Meter), Wilson Boit Kipketer (3000 Meter Steeple) und Haile Gebrselassie (5000 Meter) laufen die Weltrekorde Nummer 21 bis 23. Zudem stellen Marcel Schelbert (400 Meter Hürden) und Anita Weyermann (3000 Meter) Schweizer Rekorde auf.[3]

2000: Nach sechs Jahren gibt es wieder einen Schweizer Sieger: André Bucher gewinnt das 800-Meter-Rennen.[3]

2001: André Bucher kehrt als erster Schweizer Weltmeister einer Laufdisziplin in den Letzigrund zurück und feiert mit neuem Schweizer Rekord seinen zweiten Heimsieg in Folge. Es ist bis heute der letzte Sieg eines Schweizers im Hauptprogramm.

2006: Das alte Letzigrund-Stadion erlebt seinen 24. und letzten Weltrekord – dieses Mal über die 100-Meter-Strecke: Asafa Powell egalisiert seine Bestmarke von 9,77 s. Unmittelbar nach dem Meeting fahren die Bagger auf.[3]

2007: Nur ein Jahr nach dem Abriss des alten Stadions findet im neuen Leichtathletik-Tempel die Eröffnung des Letzigrund-Stadions statt. Das Meeting war innert weniger Stunden ausverkauft und findet vor der Rekordkulisse von über 26'000 Zuschauern statt.[3]

2008: Usain Bolt, der dreifache Weltrekordhalter von den Olympischen Spielen in Peking, bestreitet sein erstes Rennen nach Olympia. Bolt feiert einen ungefährdeten Sieg.[3]

2009: Stabhochspringerin Yelena Isinbayeva springt im wiederum ausverkauften Letzigrund-Stadion mit 5,06 m den 25. Weltrekord in der Geschichte von Weltklasse Zürich. Die Russin stellt damit sogar Superstar Usain Bolt, der für eine Autogrammstunde am Tag vor dem Meeting bereits 5000 Fans in den Zürcher Hauptbahnhof lockte, in den Schatten. Die Schweizer 4-mal-100-Meter-Staffel (Mancini, Schneeberger, Schenkel, Cribari) pulverisiert in 38,78 s ihren eigenen Schweizer Rekord und der 14-fache Paralympics-Sieger Heinz Frei beendet vor dem Heimpublikum seine Bahn-Karriere in einem 3000-Meter-Rollstuhlrennen.[3]

2010: Es ist das Meeting der Schweizerinnen: Hürdenläuferin Lisa Urech läuft auf den ausgezeichneten vierten Rang und Weitspringerin Irene Pusterla springt auf den dritten Platz. Auch die 4-mal-100-Meter-Staffel vermag das Publikum am Schluss des Abends erneut zu begeistern. Eine Jahresweltbestleistung erzielte Jeremy Wariner über 400 Meter.[3]

Weltrekorde[Bearbeiten]

Weltrekorde[4]
(nur olympische Disziplinen)
Datum Athlet Disziplin Leistung
7. Juli 1959 Martin Lauer (Deutschland) 110 m Hürden 13,2 s
21. Juni 1960 Armin Hary (Deutschland) 100 m 10,0 s
4. Juli 1969 Willie Davenport (USA) 110 m Hürden 13,2 s
6. Juli 1973 Rod Milburn (USA) 110 m Hürden 13,1 s
20. August 1975 Faina Melnik (UdSSR) Diskuswurf 70,2 m
15. August 1979 Sebastian Coe (Großbritannien) 1500 m 3:32,03 min
13. August 1980 Tatjana Kasankina (UdSSR) 1500 m 3:52,47 min
19. August 1981 Renaldo Nehemiah (USA) 110 m Hürden 12,93 s
22. August 1984 Evelyn Ashford (USA) 100 m 10,76 s
17. August 1988 Butch Reynolds (USA)
Carl Lewis (USA)
400 m
100 m
43,29 s
9,93 s
16. August 1989 Roger Kingdom (USA) 110 m Hürden 12,92 s
7. August 1991 Marsh/Burrell/Mitchell/Lewis (USA) 4 × 100-m-Staffel 37,67 s
19. August 1992 Moses Kiptanui (KEN) 3000 m Hindernis 8:02,08 min
16. August 1995 Moses Kiptanui (KEN)
Haile Gebrselassie (ETH)
3000 m Hindernis
5000 m
7:59,18 min
12:44,39 min
13. August 1997 Wilson Boit Kipketer (KEN)
Wilson Kipketer (DEN)
Haile Gebrselassie (ETH)
3000 m Hindernis
800 m
5000 m
7:59,08 min
1:41,24 s
12:41,86 min
18. August 2006 Asafa Powell (JAM) 100 m 9,77 s
28. August 2009 Jelena Issinbajewa (RUS) Stabhochsprung 5,06 m

Zu den nicht-olympischen Weltrekorden zählen diverse im Meilenlauf, so von Sebastian Coe aus dem Jahr 1981, von Mary Slaney im Jahr 1985 und von Svetlana Masterkova 1996. Martin Lauer brach 1959 nicht nur den Weltrekord über 110 Meter Hürden, sondern auch über 120 Yard Hürden und über 200 Meter Hürden mit Kurve.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weltklasse Zürich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatIAAF Diamond League – All the events, all around the World. Abgerufen am 29. August 2009.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDie Krönung eines grossen Leichtathletik-Abends: Weltrekord durch Yelena Isinbayeva. Abgerufen am 29. August 2009.
  3. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y Über 80 Jahre Geschichte. Abgerufen am 12. Mai 2013.
  4. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatIn Zürich erzielte Weltrekorde. Abgerufen am 29. August 2009.