Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern

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Filmdaten
Deutscher Titel Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern
Originaltitel Angels with Dirty Faces
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1938
Länge 97 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Michael Curtiz
Drehbuch Rowland Brown
John Wexley
Warren Duff
Ben Hecht
Produktion Samuel Bischoff
Musik Max Steiner
Kamera Sol Polito
Schnitt Owen Marks
Besetzung

Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern ist ein US-amerikanischer Gangsterfilm des Regisseurs Michael Curtiz aus dem Jahr 1938.

Handlung[Bearbeiten]

Die Freunde William Rocky Sullivan und Jerome Jerry Connelly wachsen als Straßenjungs in einem Chicagoer Armenviertel auf. Bei einem gemeinsamen harmlosen Einbruch in einen Güterwagon wird Sullivan festgenommen, während Jerry durch einen Spurt entkommen kann. Dieses Ereignis wird das Leben der beiden verändern. Rocky kommt in ein Jugendgefängnis, wo er mit Kriminellen in Kontakt gerät und nach der Haft eine Karriere als Gangster beginnt. Er wird später erneut zu einer Haftstrafe verurteilt. Sullivan kehrt nach der Verbüßung der Gefängnisstrafe in das Stadtviertel zurück, in dem er aufwuchs, und wo er einst seine kriminelle Karriere startete. Dort trifft er Connelly wieder. Dieser ist inzwischen ein geläuterter katholischer Priester und hat sich dem Kampf gegen die Jugendkriminalität verschrieben. Ein Mittel dazu sind Basketballspiele zwischen jugendlichen Gangs, die aber immer wieder daran scheitern, dass sich keiner der Straßenjungs an die Spielregeln halten will - ganz so wie im täglichen Leben auf der Straße, bei dem sich stets das Recht des Stärkeren durchsetzt.

Unter Jerrys Obhut befindet sich unter anderem eine Gruppe von Straßenkindern, die er auf den rechten Weg bringen will. Dies gestaltet sich jedoch als schwierig, da die Jugendlichen nun auch unter dem negativen Einfluss von Rocky stehen, den sie als Idol und Helden verehren. Daher kommt es immer wieder zu Konflikten und Auseinandersetzungen zwischen den einstigen Freunden.

Als Jerry eines Tages den Anwalt James Frazier und den Geschäftsmann Mac Keefer öffentlich der Bestechung und Korruption bezichtigt – eine Information, die deren Geschäftspartner Rocky ihm zuvor gegeben hatte – planen diese die Ermordung des Priesters. Rocky, der durch Zufall von dem Komplott erfährt, beschließt, seinem Freund das Leben zu retten. Er erschießt Frazier und Keefer und wird dafür zum Tod auf dem Elektrischen Stuhl verurteilt.

Im Gefängnis wird er von Jerry besucht, der ihn bittet, vor seiner Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl nicht als „harter Mann“, sondern als weinender „Feigling“ aufzutreten. Damit will der Priester verhindern, dass Rocky durch einen heldenhaften Tod für die Straßenkinder zum gefeierten Märtyrer wird. Rocky sträubt sich zwar zunächst, beginnt jedoch kurz vor seiner Hinrichtung, laut um sein Leben zu flehen. Als die Jugendlichen aus der Zeitung davon erfahren, wenden sie sich enttäuscht von ihrem Idol ab. Connelly fordert die Jungs dazu auf, „für einen Jungen zu beten, der nicht so schnell laufen konnte, wie er selbst“.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Mitglieder der Straßenbande werden von Billy Halop, Bobby Jordan, Leo Gorcey, Gabriel Dell, Huntz Hall und Bernard Punsly gespielt. Diese sechs Jugendlichen waren in den 1930er Jahren als The Dead End Kids bekannt und werden auch unter diesem Namen im Vorspann aufgeführt. Von 1935 bis 1939 waren sie in sieben gemeinsamen Filmen und einem Theaterstück zu sehen. Das Theaterstück Dead End gab ihnen den Namen. Die Verfilmung des Stückes eröffnete dann 1937 die Reihe der Filme. Der deutsche Titel dieses ersten Films ist Sackgasse, Regie führte William Wyler.

James Cagney griff für seine Darstellung des Gangster Rocky auf Erfahrungen zurück, die er als Jugendlicher im New Yorker Viertel Hell's Kitchen gemacht hatte.

Bis heute ist umstritten, ob Rocky am Ende des Films seine Todesangst und Verzweiflung nur spielt, um seinem Freund einen Gefallen zu tun, oder angesichts des elektrischen Stuhls wirklich Panik bekommt. Cagney sagte einmal in einem Interview, die Interpretation dieser Szene sei jedem selbst überlassen.

Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern war einer der ersten großen Erfolge von Humphrey Bogart vor seinem eigentlichen Durchbruch zum Superstar im Jahr 1941 mit Entscheidung in der Sierra. Die Besetzung des blonden James Cagney als good-bad-guy, dem Bösen mit Herz, der durch die Umstände auf die schiefe Bahn geraten war, und des dunkelhaarigen Humphrey Bogart als bad-bad-guy, dem herzlosen „nur-bösen“ Gangster, war ein Besetzungsmodell für mehrere weitere Gangsterfilme. Cagney und Bogart drehten kurz darauf den Gangsterfilm Die wilden Zwanziger und den Western Oklahoma Kid zusammen.

Am Drehbuch des Films waren neben den im Vorspann genannten Autoren auch Ben Hecht und Charles MacArthur beteiligt. In Deutschland ist er auch unter dem Alternativtitel Chikago erschienen.

Kritiken[Bearbeiten]

„Trotz des plump moralisierenden Endes ist die Produktion eines der überzeugendsten Werke des amerikanischen Gangsterfilms. Der gesellschaftliche Hintergrund des Verbrechertums, die Faszination der Kriminalität als Ventil für soziale Frustrationen wird deutlich herausgearbeitet. Sehenswert auch das intensive Spiel James Cagneys und Humphrey Bogarts, die als klassisch gewordenes Kontrahentenpaar auftreten.“

Lexikon des internationalen Films[1]

„Hervorragender, schon klassisch gewordener Gangsterfilm aus dem Jahr 1938 über die ungute Entwicklung eines Jungen aus den Slums der großen amerikanischen Stadt bis hin zu seinem Tod auf dem elektrischen Stuhl. Die Sympathien der Hersteller, die sie offensichtlich ihrem negativen Helden entgegenbrachten, überlagern den moralischen (und leider emotional-sentimentalen) Schluß. Deshalb nur etwas für urteilsfähige Freunde dieses harten Genres.“

Evangelischer Filmbeobachter[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

DVD-Veröffentlichung[Bearbeiten]

  • Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern. Warner Home Video 2005

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern im Lexikon des Internationalen Films
  2. Kritik Nr. 217/1965, S. 402