Ulli Lommel

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Ulli Lommel

Ulli Lommel (* 21. Dezember 1944 in Zielenzig) ist ein deutscher Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent. Seine Geschwister sind die Schauspielerin Ruth Lommel und der Kameramann Manuel Lommel.

Leben[Bearbeiten]

Ulli Lommels Vater war der Schauspieler und Unterhaltungskünstler Ludwig Manfred Lommel, und seine Mutter ist die Schauspielerin Karla von Cleef, mit denen er bereits als Vierjähriger auf der Bühne stand. Da seine Eltern oft auf Tournee waren und alle drei Jahre umzogen, besuchte er 12 Schulen bis zur Obersekunda und erhielt 1960 ein Stipendium der UFA-Nachwuchsschule in Berlin. Dort gab er 1961 sein Debüt am Renaissance-Theater.

Lommel erhielt auch bald Fernsehrollen und 1962 übernahm er an der Seite von Maria Schell seine erste Filmaufgabe in Ich bin auch nur eine Frau. Er war ein junger Verliebter in Das große Liebesspiel (1963) mit Hildegard Knef, ein romantischer Jüngling an der Seite der Oscar-nominierten Miriam Hopkins in dem Hollywood-Film Fanny Hill (1964) und ein Nachwuchskrimineller in Maigret und sein größter Fall (1966) mit Heinz Rühmann.

1967 ging Lommel nach München und spielte an der Kleinen Komödie. Er lernte Regisseure des sich zu dieser Zeit in seiner Anfangsphase befindenden Neuen Deutschen Films kennen wie Peter Schamoni, Rudolf Thome und Robert van Ackeren. Er spielte Hauptrollen in Thomes Detektive (1968) mit Iris Berben und Schamonis Deine Zärtlichkeiten mit Bernhard Wicki. Danach traf er Rainer Werner Fassbinder, mit dem er zwischen 1969 und 1977 an 21 Produktionen arbeitete.

Fassbinder gab ihm die Hauptrolle des eleganten und eiskalten Gangster-Engels Bruno Straub in seinem ersten Spielfilm Liebe ist kälter als der Tod (1969). Hanna Schygulla und Fassbinder übernahmen die anderen zwei Hauptrollen. Noch im selben Jahr gründete Lommel in München seine Produktionsfirma Atlantis-Film, mit der er sich an Fassbinders Western Whity beteiligte. Ein Jahr zuvor, während der Dreharbeiten zu Peter Schamonis Deine Zärtlichkeiten, hatte Lommel den Kameramann Michael Ballhaus kennengelernt und schlug Fassbinder vor, Ballhaus als Kameramann zu verpflichten. Ballhaus und Fassbinder waren von dem Tag an fast unzertrennlich und machten 16 Filme zusammen, bis Ballhaus 1981 nach Hollywood ging und Weltkarriere machte. Lommel entschloss sich nun auch als Autor und Regisseur zu arbeiten, doch erst mit Die Zärtlichkeit der Wölfe (1973), in dem Kurt Raab den Knabenmörder Fritz Haarmann spielt, konnte er einen viel diskutierten Kinoerfolg vorweisen, der ihn zwei Jahre später auch nach Paris brachte und dort über ein Jahr im Kino lief. In Paris lernte er Anna Karina kennen, die Ex-Frau von Jean-Luc Godard, mit der er drei Jahre zusammenlebte und drei Filme drehte, Ausgerechnet Bananen, Es war einmal und Fassbinders Chinesisches Roulette.

Bevor Lommel 1977 nach Amerika übersiedelte, drehte er Wachtmeister Rahn (1974) über einen Polizisten als Killer, Jodeln is ka Sünd (1974), ein recht untypischer Lederhosenfilm, und Der zweite Frühling mit Curd Jürgens und Eddie Constantine. Adolf und Marlene (1976) spekulierte über die Beziehungen zwischen Hitler und Marlene Dietrich und konnte erst nach dem Einspruch von Dietrichs Anwälten aufgeführt werden.

1977 lernte Lommel Andy Warhol kennen, der in Blank Generation (1978, mit Richard Hell und Carole Bouquet) und Cocaine Cowboys (1979, mit Jack Palance) Gastauftritte hatte. Mit Andy Warhol kreierte Lommel verschiedene Polaroid-Collagen, die im Januar 2010 in der Galerie der Aurora-Bar am Beethovenplatz in München ausgestellt wurden. Nach dem Erfolg seines Filmes The Boogeyman (1980) blieb er in Amerika und wohnt seitdem in den Hügeln über Hollywood, wo er seitdem 43 Filme gedreht hat, meistens Grusel-Krimis, Abenteuer- und Kriegsfilme. Mit seinem Film Warbirds (1988) kopierte er weitgehend den Blockbuster Top Gun. Mit Robert Fischer (*1954) produzierte er die Dokumentation Fassbinder in Hollywood (2002).

Ulli Lommel war in erster Ehe mit der Schauspielerin Katrin Schaake verheiratet. Nach seiner Liaison mit der Schauspielerin Anna Karina heiratete er 1979 die Mobil-Oil-Erbin Suzanna Love, die in seinen amerikanischen Filmen bis zur Trennung 1984 (Scheidung 1987) häufig die Hauptrolle spielte. Außerdem drehte Lommel in den USA mit John Carradine (The Boogeyman, 1980), Tony Curtis, Vera Miles und Keir Dullea (BrainWaves, 1982), Donald Pleasence (The Devonsville Terror, 1983) und David Carradine (Absolute Evil, 2008). Er drehte auch mit Klaus Kinski (Diamant des Grauens, 1984), aber die Zusammenarbeit war wie so oft bei Kinski ein Drama.

Im Jahre 2004 erschien der von Peter Schamoni produzierte Spielfilm Daniel, der Zauberer, für den er – für viele überraschend – das Drehbuch schrieb und Regie führte und an dem er auch als Darsteller der Rolle des Zauberers beteiligt war.[1]

In Dezember 2009 veranstalteten das Werkstattkino und die Stadt München eine 14-tägige Retrospektive seiner Filme. Im Januar 2010 erschienen im Belleville Verlag Lommels Memoiren, Zärtlichkeit der Wölfe – Begegnungen[2].

Im Sommer 2013 ging Lommel für neun Monate nach Brasilien, um an diversen Projekten zu arbeiten. Er beendete die Dreharbeiten zu seinem bio-epic Mondo Americana, schrieb ein Buch und machte auch einen Film über Campo Bahia, das offizielle Camp der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Brasilien.[3][4] Anfang Juni 2014 begann er mit den Vorbereitungen zu dem Remake seines erfolgreichsten Kult-Films The Boogeyman.

Filmografie[Bearbeiten]

Darsteller


Regie
  • 1971: Eddie geht weiter (Haytabo)
  • 1973: Die Zärtlichkeit der Wölfe
  • 1974: Wachtmeister Rahn (auch Drehbuch)
  • 1974: Jodeln is ka Sünd (auch Drehbuch)
  • 1975: Der zweite Frühling (auch Drehbuch)
  • 1976: Adolf und Marlene (auch Drehbuch und Darsteller)
  • 1977: Ausgerechnet Bananen (auch Drehbuch und Darsteller)
  • 1978: Blank Generation (auch Drehbuch)
Lommel (links) mit Andy Warhol am Set zum Film Cocaine Cowboys 1979
  • 1979: Cocaine Cowboys (Cocaine Cowboys)
  • 1980: The Boogey Man (The Boogey Man) (auch Drehbuch und Produktion)
  • 1983: Olivia – Im Blutrausch des Wahnsinns
  • 1983: Boogeyman II (auch Darsteller und Produktion)
  • 1983: Brain Check – Das andere ich (Brainwaves)
  • 1983: Totentanz der Hexen (The Devonsville Terror)
  • 1984: Strangers in Paradise
  • 1985: Diamant des Grauens (Revenge of the Stolen Stars) (auch Drehbuch und Darsteller)
  • 1985: I.F.O. – Air Racing (I.F.O.)
  • 1986: Overkill (Overkill)
  • 1987: Heaven and Earth
  • 1989: War Birds (War Birds) (auch Co-Drehbuch)
  • 1989: Cold Heat
  • 1991: Thunder Drive – Fluchtpunkt Los Angeles (The Big Sweat)
  • 1991: A Smile in the Dark
  • 1992: Zwischensaison (auch Darsteller)
  • 1994: Marilyn, My Love
  • 1994: Return of the Boogeyman
  • 1995: Star Witness
  • 1996: Every Minute Is Goodbye
  • 1996: Eva Braun – Hitlers Geliebte
  • 1996: Lethal Orbit
  • 1997: Alien X Factor
  • 1998: Bloodsuckers
  • 2000: Danny and Max
  • 2002: September Song
  • 2004: Daniel, der Zauberer
  • 2005: Zodiac Killer (Zodiac Killer)
  • 2005: Zombie Nation (Zombie Nation)
  • 2005: B.T.K. Killer
  • 2005: Green River Killer (Green River Killer)
  • 2005: Killer Pickton
  • 2006: Diary of a Cannibal
  • 2006: Ulli Lommels Black Dahlia
  • 2006: The Raven (The Raven)
  • 2007: Curse of the Zodiac (auch: Zodiac Executioner)
  • 2007: The Tomb (The Tomb)
  • 2007: Borderline Cult
  • 2008: Dungeon Girl (auch: Blood Dungeon) (Dungeon Girl)
  • 2008: Killer Nurse
  • 2008: Baseline Killer
  • 2008: Son of Sam (Son of Sam)
  • 2009: The Valley Intruder (Nightstalker)
  • 2009: Absolute Evil
  • 2010: D.C. Sniper
  • 2012: Manson Family Cult
  • 2012: Sunset Blvd.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulli Lommel und Peter Schamoni über „Daniel“, Mediabiz.de, 27. Mai 2004
  2. Buch: Zärtlichkeit der Wölfe
  3. Ulli Lommel: CAMPO BAHIA - Vision oder Wahnsinn
  4. Ulli Lommel bei europa-verlag.com