Christian-Identity-Bewegung

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Die Christian-Identity-Bewegung (engl. ‚Bewegung der christlichen Identität‘) ist eine heterogene Bewegung mit Begründungs-Anleihen am Dominionismus, Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus und anderem.

Die angelsächsische bzw. nordische „Rasse“ wird als „auserwähltes Volk“ betrachtet. Einige der dazugehörigen Gruppen und einzelne Anhänger neigen zu Gewaltakten, die bis zum Terrorismus gehen können.

Verbreitung und Organisation[Bearbeiten]

Die Christian-Identity-Bewegung entstand in den 1920er und 1930er Jahren und ist hauptsächlich in den USA verbreitet, es gibt jedoch auch anderswo Anhänger, beispielsweise in Südafrika. Die Aryan Nations vertritt ähnliche Ansichten wie die Christian Identity.

Die Christian-Identity-Bewegung an sich ist nicht formell organisiert. Gruppen, die zur Christian Identity gezählt werden, sind unter anderem der Ku Klux Klan, die Aryan Nations und die Church of Jesus Christ Christian. In den letzten Jahren hat die Christian-Identity-Bewegung starken Zulauf von rechtsradikalen Skinheads aus der weißen Unterschicht bekommen.

1986 wurde die Zahl der organisierten Mitglieder auf etwa 2.000 bis 5.000 geschätzt, heute dürften es über 30.000 sein. Die Gesamtzahl der Anhänger wird auf etwa eine Viertelmillion geschätzt. Ein kleiner Teil ist auch gewaltbereit, wie die Organisation The Order, die 1984 durch das FBI aufgelöst wurde.

Lehre[Bearbeiten]

Die Bewegung ist heterogen und hat keine einheitliche Theologie. Grundlegend ist jedoch die von der biblischen Theologie her nicht begründbare Sonderlehre des Anglo-Israelismus und die abgeleitete Überzeugung, dass die „nordische Rasse“ von den zehn verlorenen Stämmen Israels abstammt und der tatsächliche Nachfolger des biblischen Israels ist. Einige glauben, dass nur Menschen aus der kaukasischen Rasse Gunst bei Gott finden würden.[1] Adam und Eva seien Weisse gewesen, die anderen würden von einer prä-adamitischen Rasse abstammen. Die CI-Bewegung verwirft den Glauben der meisten heutigen christlichen Denominationen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Bewegung hat ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert in einer fremdenfeindlichen Bewegung der englischstämmigen Protestanten gegen die massive Einwanderung von katholischen Iren und Italienern. Nach dem Bürgerkrieg kamen in den Südstaaten spezifische rassistische Elemente dazu (Ku Klux Klan), die später mit der These des Anglo-Israelismus theologisch verbrämt wurden. Im 20. Jahrhundert wurde das Judentum immer mehr als feindliches Element, das mit verschiedenen Verschwörungstheorien verbunden wurde, identifiziert.

Ein bedeutender radikaler Anführer war Wesley Swift. Er vertrat die Ansicht, dass die Sintflut nur lokal war und dass die Erde seit Milliarden von Jahren existiert.

1999 erschoss ein Anhänger in Kalifornien einen von den Philippinen stammenden Briefträger und verwundete fünf jüdische Kinder, und im Mittleren Westen erschoss ein mutmaßlicher Anhänger einen Koreaner und einen Afro-Amerikaner.

Vor allem im Nordwesten der USA hört man von Überfällen auf Banken, um Terrorgruppen zu finanzieren.

Während der Olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta explodierte dort eine Bombe, bei der zwei Menschen ihr Leben lassen mussten und 111 Personen verletzt wurden. Die Bombe war von Eric Robert Rudolph gelegt worden, der der Bewegung nahesteht. Nach einer fünfjährigen Flucht konnte er 2003 verhaftet werden.

Symbole, Symbolisierung[Bearbeiten]

Stein von Scone in Schottland. Angeblich soll es sich um denselben Stein handeln, auf dem der Kopf des biblischen Jakob ruhte, als er von der Himmelsleiter träumte (Gen 28,10–22 LUT).

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Barkun: Religion and the Racist Right: The Origins of the Christian Identity Movement; University of North Carolina Press, Chapel Hill NC, 1994; ISBN 0-8078-4451-9
  • W. L. Ingram: God and Race: British-Israelism and Christian Identity; in: T. Miller (Hrsg.): America’s Alternative Religion;, SUNY Press, Albany NY, 1995; S. 119–126
  • Jeffrey Kaplan: Radical Religion in America; Syracuse, N.Y.: Syracuse University Press, 1997; S. 47–48
  • Leonard Zeskind: The “Christian Identity” Movement: Analyzing its Theological Rationalization for Racist and Anti-Semitic Violence; Atlanta: Center for Democratic Renewal, 1986.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chester L. Quarles: Christian Identity. The Aryan American Bloodline Religion. McFarland, Jefferson NC 2004, ISBN 978-0-7864-8148-4, S. 68.