Claretiner

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Claretiner

Emblem des Ordens
Emblem des Ordens

Offizieller Name Söhne des unbefleckten Herzens der seligen Jungfrau Maria
Lateinischer Name Congregatio Missionariorum Filiorum Cordis Mariae
Andere Namen Claretiner, Herz-Marien-Missionare
Motto Caritas Christi Urget Nos (Die Liebe Christi drängt uns)
Patrone Unbeflecktes Herz Mariä und weitere
Geschichte
Gründung 16. Juli 1849 in Vic, Spanien
Gründer Antonius Maria Claret
Niederlassungen im deutschsprachigen Raum
Mitglieder 19 Bischöfe,
2.155 Priester,
2 ständige Diakone,
164 Brüder,
5553 Studenten mit Profess,
120 Novizen (Stand: 2013[4]
Webseite http://www.claretiner.org

Die Claretiner (offizieller Name: Söhne des unbefleckten Herzens der seligen Jungfrau Maria, oft auch Herz-Marien-Missionare genannt; Ordenskürzel: CMF) sind eine weltweit tätige, römisch-katholische Kongregation (Orden), welche 1849 im katalanischen Vic in den Wirren des zweiten Carlistenkriegs vom heiligen Antonius Maria Claret y Clará gegründet wurde.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Antonius Maria Claret wollte ursprünglich Kartäuser werden. Nach seiner Priesterweihe 1835 wurde er Pfarrer in seiner Heimatstadt Sallent de Llobregat.[5] 1839 wollte er in die Mission gehen und sich dem katalanischen Bischof Vilardell in Rom anschließen, welcher vor kurzem zum Bischof von Libanon geweiht wurde.[6] Dieser war bei Clarets Ankunft in Rom schon abgereist, weshalb sich Claret an den für die Propaganda Fide zuständigen Kardinal wenden wollte. Dieser war jedoch auch nicht da, so entschloss sich Claret seine jährlichen Exerzitien zu machen.[6] Dazu suchte das Jesuitenkonvent Il Gesù in Rom auf. Dort wurde ihm vorgeschlagen, Jesuit zu werden.[6] Daraufhin reichte Claret ein Gesuch beim General der Jesuiten ein. Er wurde aufgenommen und machte deshalb vom 2. November 1839 bis 29. Februar 1840 ein Noviziat bei den Jesuiten.[6][7] Aus diesem schied er offiziell aus Krankheitsgründen aus, inoffiziell entließ man ihn jedoch, damit er Volksmissionen in Katalonien halten konnte.[7] Zurück in Spanien begann er bald erfolgreich mit den Volksmissionen, die zu seiner zentralen Aufgabe wurden. Wegen Verfolgungen, aufgrund der politischen Situation in Spanien, musste er hier immer wieder zurückstecken. Da Missionen in diesem Gebiet unerwünscht waren, wurden sie teilweise auch Novene genannt.[8] Von 1843 bis 1847 durchwanderte Claret predigend ganz Katalonien. Wegen neuer Verfolgungen verlagerte er von 1848 bis 1849 seine Tätigkeit nach Gran Canaria, wo er in fast jeder Gemeinde Volksmissionen hielt.[5]

Ordensgründung[Bearbeiten]

1849 kehrte Claret von den Volksmissionen nach Katalonien zurück. In Vic verwirklichte Claret dann seinen Traum und gründete im Priesterseminar von Vic, zusammen mit fünf weiteren Diözesanpriestern (Esteban Sala, José Xifre, Domingo Fábregas, Manuel Vilaro, Jaime Clotet), nach Absprache mit dem Bischof der Diözese Llucià Casadevall i Duran, die Gemeinschaft der Söhne des unbefleckten Herzens der seligen Jungfrau Maria.[9] Dieser stand er dann auch als Generaloberer bis zu seiner Abreise ins Erzbistum Santiago de Cuba, zu dessen Bischof er ernannt wurde. 1850 gründete er noch die „Töchter des unbefleckten Herzens Mariens“ als Säkularinstitut und als Bischof von Kuba schließlich 1855 dort die „Missionarinnen vom unbefleckten Herz Mariens“ (Claretinerinnen).

Namen[Bearbeiten]

Antonius Maria Claret weihte die neue Gemeinschaft dem Herz Mariens und nannte sie (lateinisch) „Cordis Mariae Filii“, auf deutsch übersetzt „Söhne des Herzens Mariens“. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Ordensmitglieder nach dem Namen des Ordensgründers als Claretiner bezeichnet.

Die Anfangsbuchstaben des lateinischen Namens ergeben die Abkürzung CMF. Diese tragen die Ordensmitglieder als Namenszusatz, also zum Beispiel „Pater Antonius Claret CMF“.

Ausbreitung[Bearbeiten]

Wenige Tage nach Gründung der Kongregation 1849 wurde Pater Claret als Bischof von Santiago de Cuba berufen. Die Leitung übernahm daher der Mitbegründer P. Esteban Sala bis zu seinem Tod 1858. Ihm folgte als Generaloberer P. José Xifré, ebenfalls ein Mann der ersten Stunde. Er war mehr als 40 Jahre Generaloberer, bis zu seinem Tod 1899. Nachdem Pater Claret nach Madrid an den Hof zurückgekehrt war, unterstützte er den Generaloberen und die junge Kongregation in vielfältiger Weise. Unter anderem verfasste er auch die Konstitution des Ordens, die von Rom 1870 angenommen wurde.

In dieser Zeit erfuhren die Claretiner eine rasante Ausbreitung: Pater José begann mit einem Haus und zehn Mitgliedern, bei seinem Tod hatte die Kongregation 61 Häuser in mehreren Ländern und 1.300 Mitglieder. Dabei gab es auch Probleme: Während der Revolution 1868 mussten alle Claretiner aus Spanien nach Frankreich fliehen, die Kongregation hatte hier auch ihren ersten Märtyrer zu verzeichnen. Pater Claret selbst starb während dieser Verfolgung in Südfrankreich. Während dieser Zeit schufen die Claretiner Niederlassungen in vielen Ländern Afrikas und Südamerikas.

Im 20. Jahrhundert ging die Ausbreitung weiter. Es gab aber auch Rückschläge und Not. So wurden während des spanischen Bürgerkrieges allein 271 Missionare getötet. 1949 wurden dann alle Missionare aus China vertrieben.

Wichtig für die weitere Entwicklung war die Heiligsprechung des Ordensgründers Antonius Maria Claret im Jahr 1950 sowie das Zweite Vatikanische Konzil, welches eine Erneuerung für die Kongregation brachte.

Claretiner heute[Bearbeiten]

Zum 15. Dezember 2013 zählt die Kongregation 19 Bischöfe, 2.155 Priester, 2 ständige Diakone, 164 Brüder, 5553 Studenten mit Profess und 120 Novizen, verteilt auf 487 Gemeinschaften in 64 Ländern.[4]

Claretiner in Deutschland[Bearbeiten]

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts warben die Claretiner in Deutschland mit Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften um Nachwuchs, durften aber hier keine Niederlassung gründen. Interessierte Jugendliche machten sich auf nach Spanien und traten dort bei den Claretinern ein. Ihre Perspektive war der Einsatz in der Mission, besonders auch in der Seelsorge für deutsche Auswanderer in Lateinamerika. Erst als in der Weimarer Republik das aus der Bismarck-Zeit stammende Verbot der Gründung von Ordensniederlassungen abgeschafft wurde, war an eine Rückkehr nach Deutschland zu denken. 1923 gründeten die Claretiner auf dem Dreifaltigkeitsberg in Spaichingen eine Niederlassung übernahmen die dortige (seit 1415 bestehende) Wallfahrt.

In der Folge wurden weitere Häuser in Deutschland gegründet: Claretiner-Kolleg in Weißenhorn, Claretiner-Seminar in Frankfurt am Main-Sachsenhausen, Claretinerseminar in Würzburg (Provinzleitung), und bis 2005 eine Pfarrei der Claretiner in Lüdenscheid. Seit 2000 besteht eine neue Niederlassung in Mühlberg (Brandenburg), wo die Claretiner das Kloster Marienstern wieder beleben und die Pfarrseelsorge vor Ort übernommen haben. Sie sind dort auch Träger des Ökumenischen Haus der Begegnung und Stille.

Von Deutschland aus wurden weitere Niederlassungen und Missionen in der Schweiz, Österreich, Polen, Niederlande, Kongo, Indien und Sri Lanka gegründet.[1]

Generalobere[Bearbeiten]

  • Antonius Maria Claret y Clará (1849–1850)[10]
  • Esteban Sala y Masnou (1850–1858)[11]
  • José Xifré (1858–1899) [12]
  • Clemente Serrat (1899–1906)
  • Martín Alsina Sevarroja (1906–1922)
  • Nicolás García Cuesta (1922–1934)
  • Felipe Maroto (1934–1937)
  • Nicolás García Cuesta (1937–1949)
  • Peter Schweiger (1949–1967)
  • Antonio Leghisa (1967–1979)
  • Gustavo Alonso (1979–1991)
  • Aquilino Bocos Merino (1991–2003)
  • Josep María Abella Batlle (seit 1. September 2003)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Claretiner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Wie alles begann. Deutsche Provinz der Claretiner, abgerufen am 18. April 2014: „in Spaichingen bei Rottweil auf dem Dreifaltigkeitsberg (1924), in Weißenhorn bei Neu-Ulm (1925), in Würzburg (1930) und in Frankfurt/Main (1934).“
  2. Chronik der Pfarre Hirschstetten. Pfarre Hirschstetten, abgerufen am 18. April 2014 (österreichisches deutsch).
  3. Ute Hücker: Die Claretiner – Missionare in Mühlberg. kath.de, 21. November 2004, abgerufen am 18. April 2014.
  4. a b Geschichte der Kongregation. Claretiner, abgerufen am 18. April 2014: „Am 15. Dezember 2013 zählt die Kongregation 19 Bischöfe, 2.155 Priester, 2 ständige Diakone, 164 Brüder, 5553 Studenten mit Profess und 120 Novizen, verteilt auf 487 Gemeinschaften in 64 Ländern“
  5. a b  Charles I. Amadia CMF, Generalpräfektur für die Ausbildung (Hrsg.): Claretian Missionaries. Essential Chronology 1807–2000 (= Notebooks on Claretian Formation. Nr. 18). Rom 2001 (englisch).
  6. a b c d  Antonio Maria Claret, Deutsche Provinz der Claretiner (Hrsg.): Autobiografie. 2., durchgesehene Auflage. Würzburg 2008 (Originaltitel: Autobiografía, übersetzt von P. Berthold Lipp CMF und P. Wolfgang Deiminger CMF), 2. Teil, 5. Kapitel (Online-Ausgabe der Autobiografie (pdf, 4,0 MB), abgerufen am 24. April 2014).
  7. a b  Antonio Maria Claret, Deutsche Provinz der Claretiner (Hrsg.): Autobiografie. 2., durchgesehene Auflage. Würzburg 2008 (Originaltitel: Autobiografía, übersetzt von P. Berthold Lipp CMF und P. Wolfgang Deiminger CMF), 2. Teil, 7. Kapitel (Online-Ausgabe der Autobiografie (pdf, 4,0 MB), abgerufen am 24. April 2014).
  8. „Nicht genug damit, dass ich in jenen unheilvollen Zeiten solche Vorsicht walten lassen musste, ich durfte meine Tätigkeit nicht einmal als Mission bezeichnen, sondern musste sie „Novene“ nennen, Novene zum Beispiel für die Armen Seelen, zu Ehren Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, zum heiligsten Sakrament, zu dem oder jenen Heiligen; sonst hätte das die Konstitutionalisten auf den Plan gerufen, die in den Dörfern, in denen ich predigte, bestimmten und regierten.“ ( Antonio Maria Claret, Deutsche Provinz der Claretiner (Hrsg.): Autobiografie. 2., durchgesehene Auflage. Würzburg 2008 (Originaltitel: Autobiografía, übersetzt von P. Berthold Lipp CMF und P. Wolfgang Deiminger CMF), 2. Teil, 18. Kapitel, Absatz 292 (Online-Ausgabe der Autobiografie (pdf, 4,0 MB), abgerufen am 24. April 2014).)
  9.  Antonio Maria Claret, Deutsche Provinz der Claretiner (Hrsg.): Autobiografie. 2., durchgesehene Auflage. Würzburg 2008 (Originaltitel: Autobiografía, übersetzt von P. Berthold Lipp CMF und P. Wolfgang Deiminger CMF), 2. Teil, 34. Kapitel (Online-Ausgabe der Autobiografie (pdf, 4,0 MB), abgerufen am 24. April 2014).
  10. Biografie des heilligen Antonius Maria Claret y Clará. Abgerufen am 20. Februar 2014.
  11. Biografie des Generaloberen P. Esteban Sala y Masnou. Abgerufen am 20. Februar 2014.
  12. Biografie des Generaloberen P. José Xifré. Abgerufen am 20. Februar 2014.