Collateralized Debt Obligation

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Collateralized Debt Obligation (CDO) ist ein Überbegriff für Finanzinstrumente, die zu der Gruppe der forderungsbesicherten Wertpapiere (Asset Backed Securities) und strukturierten Kreditprodukte gehören. CDOs bestehen aus einem Portfolio aus festverzinslichen Wertpapieren. Diese werden in mehrere Tranchen aufgeteilt, die in Reihenfolge ihrer Seniorität üblicherweise als Senior Tranche, Mezzanine Tranche und Equity Tranche bezeichnet werden. Das Ausfallrisiko steigt – aufgrund der nachrangigen Bedienung im Fall eines Ausfalls – mit sinkendem Rating, daher bietet die Equity Tranche als Ausgleich die höchste Verzinsung. CDOs sind Finanzprodukte (beispielsweise Geldanlagen in Conduits) und ein wichtiges Refinanzierungsmittel für Banken auf dem Kapitalmarkt. Im Zuge der Finanzkrise ab 2007 sind sie in die Kritik geraten, da mittels ihres Einsatzes in hohem Maße risikobehaftete Kreditforderungen als vermeintlich sichere Investments auf dem Kapitalmarkt platziert wurden.

Konstruktion[Bearbeiten]

CDOs variieren in Konstruktion und dem zugrunde liegenden Portfolio, aber der prinzipielle Aufbau ist immer gleich.

  • Eine Zweckgesellschaft (engl. Special Purpose Vehicle, SPV) erwirbt ein Portfolio aus hypothekenbesicherten Wertpapieren und/oder aus High-Yield-Anleihen.
  • Das SPV gibt unterschiedlich geratete Klassen von Anleihen aus, und die Einnahmen hieraus werden zum Erwerb des Kreditportfolios eingesetzt. Die verschiedenen Anleihen berechtigen zum Bezug des Cashflows aus dem Portfolio des SPV. Die Verteilung hängt von der Rangfolge der Anleihen ab. Senior Tranchen werden vor der Mezzanine und diese vor der Equity Tranche bedient. Verluste werden also zuerst von den Equity Tranchen getragen. Damit bieten die einzelnen Tranchen ein sehr unterschiedliches Risiko- und Gewinnprofil, obwohl sie alle auf dem gleichen unterliegenden Portfolio von Kreditinstrumenten basieren.
  • Verluste werden in umgekehrter Reihenfolge des Ratings verteilt. Die Tranche mit dem besten Rating wird so durch die Tranchen mit schlechteren Ratings geschützt. Die Equity Tranche trägt das höchste Ausfallrisiko und bietet die höchsten Coupons, um einen Ausgleich für das stark erhöhte Risiko zu bieten.

Grundsätzlicher Punkt ist dabei, dass die SPV nicht die Wertpapiere selbst weiterverkauft (sie verbleiben im Besitz der SPV). Verkauft werden Zahlungsflüsse (also etwa Zins- und Tilgungszahlungen) aus diesen Wertpapieren. Im Ergebnis werden nicht oder nur schwer handelbare Wertpapiere in handelbare Produkte umgewandelt.

Eine Sonderform sind sogenannte "synthetische" CDOs: Dabei besitzt die SPV keine hypothekenbesicherten Wertpapiere oder Anleihen, sondern Finanzderivate, in der Regel sog. Credit Default Swaps (CDS). Faktisch funktionieren diese als Kreditausfallversicherung. Der Inhaber einer solchen synthetischen CDO ist damit ein Käufer von Risiken bzw. ein Verkäufer von Garantien (sog. protection seller). Mischformen aus "normalen" und "synthetischen" CDOs sind möglich.

Der CDO-Manager, typischerweise eine Investmentbank oder ein Assetmanager, verdient bei der Emission eine Kommission und eine Managementgebühr über die Laufzeit des CDOs.

Kritik[Bearbeiten]

Von Medien und Wissenschaftlern werden die Komplexität von CDO-Produkten, die mangelnde Transparenz der Produkte, das Versagen der Ratingagenturen bei der korrekten Bewertung dieser Instrumente und die mangelnde Aufsicht der staatlichen Organe für die finanziellen Verwerfungen der Finanzkrise ab 2007 verantwortlich gemacht.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Marco Niehaus: „Auswirkungen der Subprime Krise auf die Finanzierung öffentlicher Übernahmeangebote - Renaissance sekundärer Finanzierungsinstrumente?“ in: M&A Review 2008, S. 457-462
  • Dorothea Schäfer: „Agenda für eine neue Finanzmarktarchitektur“ in: DIW-Wochenbericht vom 17. Dezember 2008, S. 810f. Darstellung der Konstruktion forderungsbesicherter Wertpapiere und deren Rolle in der Finanzkrise ab 2007 Pdf-File

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Hans-Werner Sinn, Der Kasino-Kapitalismus. Econ-Verlag, 2009, ISBN 978-3-430-20084-4, S. 308.