Combined Air Operations Centre

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Als Combined Air Operations Centre (CAOC) wird bei der NATO ein multinational besetzter Gefechtsstand zur Führung von Luftstreitkräften bezeichnet. Aufgaben sind die Planung, Führung und Beauftragung von Luftoperationen der zugeordneten Kräfte.

Auftrag[Bearbeiten]

Luftraumüberwachung[Bearbeiten]

Bereits im Frieden ist ein CAOC im Rahmen des NATO Integrated Air Defence Systems (NATINADS) zuständig für die Luftraumüberwachung in einem zugewiesenen - länderübergreifenden - geografischen Bereich, einer sogenannten Air Policing Area. Hierfür steht es in Verbindung mit militärischen Radarstationen und zivilen Flugverkehrskontrollstellen.[1][2] Für den Fall von Unregelmäßigkeiten im Luftverkehr sind dem jeweiligen CAOC Abfangjäger zugeordnet, die es für eine Sichtüberprüfung bzw. für ein Abfangen alarmieren kann.

Führung[Bearbeiten]

In Krisen und Konflikten plant und koordiniert das CAOC offensive, defensive und unterstützende Luftoperationen zugewiesener Kräfte. Dazu gehören sowohl Flugzeuge, als auch bodengebundene Komponenten, wie Flugabwehrraketenverbände. Nach der schriftlichen Beauftragung durch die Air Tasking Order (ATO)[3] überwacht das CAOC die Luftoperationen und greift bei Bedarf in laufende Missionen ein. Im Frieden werden die entsprechenden Verfahren regelmäßig geübt.

Das CAOC koordiniert die eigenen Operationen auch mit denen anderer Teilstreitkräfte und arbeitet mit anderen NATO-Dienststellen und nationalen Kommandobehörden zusammen. Es ist ebenfalls das jeweils vorgesetzte Einsatzkommando für definierte nationalen Control and Reporting Centres (CRC).

Verlegefähige CAOC[Bearbeiten]

Während des Kalten Kriegs waren die vorhandenen CAOC in Bunkeranlagen untergebracht und somit stationär. Derzeit werden mehrere dieser Gefechtsstände durch technische und organisatorische Maßnahmen um einen verlegefähigen Anteil ergänzt.

Organisation[Bearbeiten]

Die CAOC der NATO in Europa unterstehen dem Allied Air Command Ramstein (AC Ramstein) im Norden und dem Allied Air Command Izmir (AC Izmir) im Süden.

In der bisherigen NATO-Kommandostruktur bestanden im Bereich des AC Ramstein das CAOC Uedem in Deutschland und das CAOC Finderup in Dänemark, sowie im Bereich des AC Izmir das CAOC Poggio Renatico in Italien und das CAOC Larissa in Griechenland. Die CAOC Uedem und Poggio Renatico haben verlegefähige Komponenten.[4]

Die NATO beschloss 2011 eine weitere Reduktion der zwischenzeitlich auf fünf reduzierten Zentren auf nur noch zwei in Uedem für Nord- und in Torrejón für Südeuropa, letzteres CAOC wurde am 7. Februar 2013 eröffnet. (siehe weiter unten die bereits früher existierenden Zentren)

Geführt werden die CAOC durch einen Zwei- oder Dreisternegeneral, der durch eine Führungsgruppe (Command Group), Personal für Administration und Logistik (A1/A4) sowie für Finanzen (Budget & Finance; A8) unterstützt wird.

In einem CAOC sind Spezialisten für offensive, defensive und unterstützende Luftoperationen eingesetzt. Sie arbeiten in den Bereichen Laufende Operationen (Current Operations; A3), Operationsplanung (Operations Plans; A5) und Übungen (Exercise and Training; A7). Verstärkt werden sie durch Personal aus den Bereichen Nachrichtengewinnung und Aufklärung (Intelligence; A2) sowie der IT-Unterstützung (Communication & Information Systems; A6). Der Personalumfang beträgt im Frieden bis zu etwa 160 Soldaten verschiedener Nationen, wobei der Großteil jeweils durch das Gastgeberland gestellt wird.[5][6]

Weitere ehemalige NATO Combined Air Operation Centres in Europa neben den nach 2011 geschlossenen (siehe weiter oben)
  • CAOC 1, in Finderup (DK), bis 30. Juni 2013.
  • CAOC 2, in Uedem (GE), ehemals Kalkar, siehe auch weiter oben
  • CAOC 3, in Reitan (NO)
  • CAOC 4, in Meßstetten (GE) bis 31. Dezember 2008, Gefechtsstand als CRC bis 1. Oktober 2013 weiterbetrieben.
  • CAOC 5, in Poggio Renatico (IT) bis 26. Juni 2013 (Deployable Air Command and Control Centre besteht weiter)
  • CAOC 6, in Eski Sehir (TU)
  • CAOC 7, in Larissa (GR)
  • CAOC 8, in Torrejón (SP), siehe auch weiter oben
  • CAOC 9, in High Wycombe (UK)
  • CAOC 10, in Monsanto (PO)

CAOC in Deutschland[Bearbeiten]

Die beiden ehemals für Deutschland zuständigen CAOC 2 und CAOC 4 entstanden in den frühen 1990er Jahren aus den Interim CAOC, die ihrerseits aus der Zusammenfassung funktional getrennter Luftangriffs- und Luftverteidigungsgefechtsstände hervorgingen. Der Zuständigkeitsbereich des CAOC 4 umfasste zuletzt die südliche Hälfte Deutschlands, Tschechien und die Slowakei, es wurde 2008 aufgelöst.[7]

Das CAOC Uedem in Uedem ist 2010 aus dem CAOC 2 hervorgegangen. Es ist unter anderem für den Luftraum Deutschlands, der Beneluxstaaten, Polens, Tschechien, Slowakei und der Baltischen Staaten zuständig. In seinen Zuständigkeitsbereich fällt auch das NATO-Air Policing Baltikum. Ab Juli 2013 übernahm es die Verantwortung für das Gebiet, welches zuvor durch das schließende CAOC Finderup (Dänemark) bewacht wurde. Dieses umfasst die Hohheitsgebiete von Norwegen, Dänemark, das Vereinigte Königreich und Island.

CAOC der amerikanischen Streitkräfte[Bearbeiten]

CAOC der US Air Force haben ein umfangreicheres Aufgabenspektrum. Ihnen sind größere räumliche Zuständigkeiten zugewiesen und sie führen zum Teil auch raumgestützte Kräfte.[8] Die Langform der amerikanischen Bezeichnung CAOC lautet Combined Air and Space Operations Center.

Unter Führung der Vereinigten Staaten sind dem CAOC auf der Al Udeid Air Base in Katar als verlegter Einsatzgefechtsstand die alliierten Luftstreitkräfte in Afghanistan zugeordnet.

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Air Policing auf der Website des AC Ramstein; eingesehen am 1. Januar 2011Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter
  2. Pressemitteilung auf der Website der Luftwaffe; eingesehen am 1. Januar 2011
  3. „Das 20.000 Bild für die ISAF bereitgestellt“ auf der Website der Luftwaffe; eingesehen am 1. Januar 2011
  4. NATO-Kommandostruktur auf der Website von SHAPE; eingesehen am 1. Januar 2011Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter
  5. Factsheet zum CAOC Finderup (PDF; engl.; 169 KB)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter
  6. Factsheet zum CAOC Uedem (PDF; engl.; 219 KB)
  7. Geschichte CAOC 4 auf der Website des Südkurier; eingesehen am 1. Januar 2011
  8. Combined Air and Space Operations Center auf der Website von United States Air Forces Central; eingesehen am 1. Januar 2011