Corin Curschellas

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Corin Curschellas mit Albin Brun, Patricia Draeger und Claudio Strebel im Frühling 2012 («La Grischa»).

Corin Curschellas (* 2. Juli 1956 in Chur, romanische Aussprache [ˌkɔrin kur'ʃe:lɐs]) ist eine Schweizer Singer-Songwriterin, Sängerin (Jazz, Folk, Volksmusik, Worldmusic, Chanson), Improvisationskünstlerin («instant composing»), Schauspielerin (Theater, Film, Musical), Sprecherin (Hörspiele, Hörbücher) sowie Dozentin für Gesang.[1]

Leben[Bearbeiten]

Curschellas kam 1956 in Chur (Graubünden, Schweiz) zur Welt und wuchs ebenda auf. Sie besuchte die Kantonsschule Chur und schloss 1977 mit dem Primarlehrerpatent ab.

Von 1977 bis 1983 studierte Corin Curschellas Schauspielkunst und Theaterpädagogik an der Zürcher Hochschule der Künste sowie drei Semester Musikwissenschaften an der Universität Zürich.

Von 1983 bis 1989 lebte Corin Curschellas in Berlin, dann zwei Jahre in Basel. Dank eines Stipendiums zog sie 1991 nach Paris, wo sie schliesslich bis 2000 lebte, mit einer zweijährigen Unterbrechung in New York von 1995 bis 1997. Von 2000 bis 2005 pendelte sie zwischen Paris und Zürich.

Ich lebte schon immer in fremden Welten, aber die Gedichte und Lieder haben eine Verbindung mit meiner Heimat hergestellt. [...] Ich hatte schon Heimweh. In Berlin las ich die dicksten Bücher über die rätoromanische Kultur. Vorher interessierte mich das kaum, aber dort wollte ich es wissen. Ich traf so viele Leute, die auch über ihre Herkunft sprachen, dass ich auch versuchte, meine Identität zur klären oder zu festigen.

– Corin Curschellas in einer Sendung der Radiotelevisiun Svizra Rumantscha vom 19. Mai 2013.[2]

Aus dieser bewegten Epoche ihres Lebens stammt denn auch das Lied Senza patria, deutsch Ohne Heimat.

Seit 2005 lebt die Künstlerin in Zürich und im sursilvanischen Rueun, 30 km von Chur entfernt. In Rueun bewohnt sie zusammen mit ihrem Partner, dem Skulpteur Linard Nicolay, das Haus ihrer Grosseltern, das Ferienhaus ihrer Kindheit.[3][4]

Corin Curschellas eigentliche Muttersprache ist das Schweizerdeutsche. Obschon sie durch ihren Vater gelernt hat, nahezu perfekt Sursilvan zu sprechen[5], schreibt sie selber keine rätoromanischen Lieder. Sie singt jedoch Texte und Lieder von rätoromanischen Autorinnen und Autoren in allen rätoromanischen Idiomen sowie Rumantsch Grischun.[2]

Im Zusammenhang mit der Vertiefung der romanischen Wurzeln und der Rückkehr nach Rueun sagt Corin Curschellas:

Jeu sundel en ina fasa dalla veta nua ch’igl ei sco sche mellis dutgs vegnessen ensemen per sbuccar ella mar. Ei vegn tut pli ruasseivel, ferm e curaschus, pli clar e concentrau.

„Ich bin in einer Lebensphase, in der gleichsam tausend Bäche zusammen kommen, um sich ins Meer zu ergiessen. Es wird alles ruhiger, fester und mutiger, klarer und konzentrierter.“

– Corin Curschellas am 3. Mai 2012 im Gespräch mit La Quotidiana

Wirken[Bearbeiten]

Gesang[Bearbeiten]

Corin Curschellas: Konzert mit der Gruppe «eCHo».

Corin Curschellas deckt gesanglich verschiedene Genres ab: Jazz, Folk, Chanson, Welt-Musik, Volkslied, Musical, Improvisation. Sie bezeichnet sich selber ironisch als «Tonträgerin».[1]

Corin Curschellas singt am häufigsten auf Rätoromanisch, Schweizerdeutsch und Englisch, daneben aber auch in Hochdeutsch, Französisch oder Italienisch oder sogar in Fantasiesprachen.[1]

Von 1977 bis 1983 arbeitete Corin Curschellas mit Walter Lietha zusammen und legte mit diesem Alben wie Die Fahrenda oder Liebi Schwiizer guet Nacht vor.

Zwischen 1993 und 1997 war Corin Curschellas die Sängerin des Vienna Art Orchestra. 2009 war sie abermals mit diesem Orchester auf Tournée.

Danach wirkte Corin Curschellas an Produktionen von Peter Scherer, Noël Akchoté, David Byrne, Andreas Vollenweider, Max Lässer (Überlandorchester), Fritz Hauser, Heiri Känzig, Christian Marclay, Hélène Labarrière und Yves Robert mit. Mit Steve Argüelles, Christophe «Disco» Minck und Benoît Delbecq war sie zeitweise fester Bestandteil der Jazz- und Improvisationsgruppe The Recyclers.

Sie veröffentlichte acht Alben mit eigenen Songs und hat zahlreiche musikalische Projekte realisiert. Hierzu ausgewählte Details in chronologischer Reihenfolge:

Instrumentalmusik[Bearbeiten]

Corin Curschellas ist Multiinstrumentalistin: Sie spielt Piano, Keyboards und das indische Harmonium, Dulcimers und andere Zithern, Percussion, Ukulele sowie das Akkordeon.[1]

Musikethnografische Aspekte[Bearbeiten]

Ein grosser Teil der musikalischen Arbeit von Corin Curschellas hat einen ethnografischen Aspekt: Sie sammelt altes rätoromanisches Kulturgut – im Falle von Origins (trad.) nutzte sie das Archiv «Alfons Maissen» aus den 1930er Jahren[1] –, verbreitet die Texte mit ihren Alben und Konzerten und verfasst parallel dazu das Liederbuch La Grischa. Das Buch La Grischa enthält nebst den Texten und Harmonien zu den Liedern aus den Alben La Grischa und Origins (trad.) musikethnografische Informationen von Iso Albin.[18][19] Dieses ethnografische Wirken hat ihr auch schon die Bezeichnung «Grande Dame des zeitgenössischen und traditionellen rätoromanischen Liedguts» eingebracht.[17][20] Gleichzeitig distanziert sich Corin Curschellas von Alpenfolklore im Pop-Stil.[13][21]

In diesem Kontext steht auch das Konzertprojekt Suisse Miniature: Das Projekt entsprang einer «Convivenza»-Veranstaltung der Lia Rumantscha im Jahr 2010. Bis 2013 entstand eine Sammlung von Liedern in den drei Bündner Ursprachen Walserdeutsch, Italienisch und Rätoromanisch.[22][23] Der Name des Projekts nimmt zum einen Bezug zur Tessiner Freiluftanlage Swissminiatur und zum anderen zur Tatsache, dass der Kanton Graubünden sprachlich und kulturell eine Art Schweiz in Kleinformat darstellt.

Mit La Pura von 1992 liegt die erste Arbeit mit ethnografischem Aspekt zwar bereits etwas zurück. Dennoch sieht Corin Curschellas eine biografische Verbindung:

Je älter ich werde, desto grösser wird die Affinität zu alten Liedern.

– Corin Curschellas in der Aargauer Zeitung vom 1. Mai 2012.

Solopgramme[Bearbeiten]

Corin Curschellas im Soloprogramm «Mono» 2005: Gesang, Musik, Bildebene.

Seit 2005 tritt Corin Curschellas in musikalischen Soloprogrammen auf:

  • 2005: endlICH («Sola!»)
  • 2005: Mono («Sechs Instrumente, sechs Sprachen und eine Filmebene»)
  • 2010: Pomp auf Pump («Ein dramatisch-musikalischer Abgesang»)[24]
  • 2011: Wittern und twittern («Gesänge aus einem humanoiden Bestiarium»)

Aus dem Programm Mono stammt Corin Curschellas Vertonung der Canzun de Sontga Margriata (deutsch Lied von der Heiligen Margareta), einem der ältesten rätoromanischen Texte überhaupt. Das Lied handelt von der Sontga Margriata, die als Mann, als Senn verkleidet auf einer Alp arbeitet, deren Verkleidung jedoch durch ein Unglück aufgedeckt wird.[25] Corin Curschellas interpretiert das Lied im Sinne des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit:

Die Fruchtbarkeitsgöttin Margriata steht für mich als Sinnbild für die Natur [...] und den respektvollen bewussten Umgang mit ihren Geschenken. Wenn wir dieses ursprüngliche Wissen verraten, dann verdorren die Hänge und kommen ins Rutschen, die Quellen versiegen, unsere Bienen sterben, das ewige Eis in den Alpen schmilzt, die Polarkappen auch. Da verenden Fische in verschmutzten Flüssen, unsere Ozeane sind Ölpfützen, die Meere sind bald leer gefischt, darin schwimmen kilometerlange Plastik-Müll-Teppiche.

– Corin Curschellas in ihrer Rede zum Bundesfeiertag am 1. August 2013 in Baden AG.

Komposition[Bearbeiten]

Ihre erste grössere Komposition schrieb Corin Curschellas 1979/1980 noch während ihrer Studienzeit, und zwar die Theaterkomposition für das Stück Woman von Edward Bond am Schauspielhaus Zürich unter der musikalischen Leitung von George Gruntz.

Corin Curschellas komponierte 2003 zusammen mit Christian Rösli die Musik für den Fernsehfilm Meier Marilyn von Stina Werenfels.

2014 entwickelte Corin Curschellas das kulturpolitisches Kompositionsprojekt «Uccelin – eine Singvogel Suite». Die Suite ist Hommage und Unterstützung für das Kunstprojekt «Uccellin» (deutsch «Vögelchen») des Churer Künstlers Hans Danuser. Inhaltliches Thema sind die Abzählverse von Kindern, politisches Thema ist der Einfluss der Politik auf die Kunst.[26]

Ausserdem komponiert Corin Curschellas Lieder für Michael von der Heide (zum Beispiel den preisgekrönten Titel Jeudi amour, 1998), früher auch für Vera Kaa und Dodo Hug.

Theater[Bearbeiten]

Corin Curschellas wirkte unter anderem in folgenden Produktionen als Schauspielerin mit:

2006 und 2007 wirkte Corin Curschellas als Frau Rossi im Musical Die schwarzen Brüder mit.[27] 2008 spielte sie im Musical Elternabend am Theater am Hechtplatz.[28]

Hörspiel[Bearbeiten]

Corin Curschellas wirkte 2008 in der Hörspielreihe Jimmy Flitz von Roland Zoss mit, wo sie die Figur der Tigerfliege sprach und sang. 2009 wirkte sie als Sprecherin und Sängerin in Fritz Hausers Hörspiel Am Rande des Horizonts mit. 2012 wirkte sie im Hörspiel Ustrinkata von Arno Camenisch auf SRF 1 mit einer Sprecherrolle mit.[29]

Film[Bearbeiten]

Corin Curschellas trat 2005 im Film Marmorera als Schauspielerin auf.

Pädagogik[Bearbeiten]

Corin Curschellas war während ihrer Berliner Zeit Lehrerin an der Musikschule Kreuzberg. Sie war zeitweise Gastdozentin an der Zürcher Hochschule der Künste und an der Hochschule Luzern.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1991: «Atelier Paris» der GSMBA (heute visarte), Stipendium des Kantons Graubünden[30]
  • 1993: Förderpreis des Kantons Graubünden
  • 1998: Wettbewerb für professionelles Kulturschaffen des Kantons Graubünden[31]
  • 1999: Kompositionsauftrag der Stiftung Pro Helvetia
  • 2003: Wettbewerb für professionelles Kulturschaffen des Kantons Graubünden[31]
  • 2003: «Prix Eliette» von Eliette von Karajan
  • 2005: Musik-Anerkennungspreis der «Fondation Suisa», einer Stiftung der SUISA
  • 2005: Anerkennungspreis der Stadt Chur
  • 2010: Anerkennungspreis der Kulturförderung des Kantons Graubünden[32]

Diskografie[Bearbeiten]

Eigene Produktionen[Bearbeiten]

Corin Curschellas hat seit 1992 acht eigene Alben herausgegeben:[1]

Mitarbeit[Bearbeiten]

Corin Curschellas wirkte in Produktionen der folgenden Künstler mit:[1]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Offizielle Website von Corin Curschellas, aufgerufen am 20. März 2014
  2. a b c Sendung Corin Curschellas e sia amur per la chanzun rumantscha des Rätoromanischen Fernsehens vom 19. Mai 2013.
  3. a b c d Beitrag im Schweizer Radio in «Musik der Welt» vom 19. April 2013.
  4. La Quotidiana vom 3. Mai 2012: Corin Curschellas conta ord il cor dils Grischuns.
  5. Der Landbote vom 22. August 2013: «Caras steilas» bringen den Himmel nahe.
  6. Lied auf Youtube, aufgerufen am 20. März 2014.
  7. Detailinformationen zu Sud des Alpes auf der Website von Corin Curschellas, aufgerufen am 21. März 2014.
  8. Informationen des Independent Labels NoEthno, aufgerufen am 21. März 2014.
  9. Artikel im Blick vom 10. November 2004.
  10. Eintrag im Kulturserver Graz, aufgerufen am 24. März 2014.
  11. Projektinformation Happy New Year.
  12. Making Of Grischunit, Film von Dominik Meyer, aufgerufen am 20. März 2014.
  13. a b Berner Zeitung vom 13. August 2008: Corin Curschellas: Grischunit
  14. Der Landbote am 23. Dezember 2008: Poppiger Gebirgstreck
  15. WoZ vom 27. Juni 2013:Der Klang der Brache Volksmusik.
  16. Bündner Tagblatt vom 11. November 2013: Die Kunst, Edelsteine zum Glänzen zu bringen.
  17. a b Zürichsee-Zeitung vom 13. Januar 2014: Bündner Lieder in fünf Dialekten, die kaum jemand im Publikum verstand.
  18. Corin Curschellas: LA GRISCHA: Chanzuns popularas rumantschas; Rätoromanische Volkslieder , Chasa Editura Rumantscha, 2013. ISBN 978-3905956146.
  19. NZZ vom 9. August 2013: Mehr als ein Liederbuch.
  20. La Quotidiana vom 14. März 2012: Oz conta Corin Curschellas a Bravuogn.
  21. Berner Zeitung vom 10. Mai 2012: Rufe aus den rätischen Tälern und aus einer vergangenen Zeit
  22. Die Südostschweiz vom 24. August 2012: Mit Curschellas beginnt die «Stubete» bereits im Zug.
  23. Aargauer Zeitung vom 26. Mai 2013.
  24. Ausschnitte aus dem Programm Pomp auf Pump auf Youtube.
  25. Lied Sontga Margriata, gesungen von Corin Curschellas, Video auf YouTube, aufgerufen am 21. März 2014.
  26. Die Südostschweiz vom 25. Januar 2014: Kunst ist das, was bleibt.
  27. Dokumentation zur Entstehung des Musicals Die Schwarzen Brüder bei YouTube, aufgerufen am 20. März 2014.
  28. Informationen zum Musical Elternabend bei musicalzentrale.de, aufgerufen am 22. März 2014.
  29. Hörspiel vom 14. Dezember 2012 auf SRF 1.
  30. Informationen visarte.Graubünden, Atelier Paris, aufgerufen am 21. März 2014.
  31. a b Offizielle Seite des Wettbewerbs für professionelles Kulturschaffen des Kantons Graubünden, aufgerufen am 20. März 2014
  32. Preisträgerinnen und -träger (PDF; 221 kB) der Kulturförderung des Kantons Graubünden seit 1969.