Cruising (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Cruising
Originaltitel Cruising
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1980
Länge 101 Minuten
Altersfreigabe FSK 16 (ehem. 18)
Stab
Regie William Friedkin
Drehbuch William Friedkin
Produktion Jerry Weintraub
Musik Jack Nitzsche
Kamera James A. Contner
Schnitt Bud Smith
Besetzung

Cruising (engl. „umherfahren“, „kreuzen“: siehe Cruising) ist ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahr 1980. Regie führte William Friedkin, der auch das Drehbuch schrieb.

Die Handlung basiert lose auf dem gleichnamigen Roman von Gerald Walker. Erzählt wird die Geschichte eines Serienmörders, der in den 1970er Jahren in New York City homosexuelle Männer tötete.

Handlung[Bearbeiten]

Eine brutale Mordserie verbreitet Angst und Schrecken in New Yorks schwuler Leder- und SM-Szene. Der sadistische Täter scheint aus den eigenen Reihen zu kommen. Der Polizist Steve Burns wird beauftragt, in die Szene einzutauchen und den Lockvogel zu spielen, da er äußerlich dem Typus der Mordopfer entspricht. Für den heterosexuellen Burns beginnt eine Reise in eine unbekannte Welt, die ihn in seiner sexuellen Identität verunsichert. So bahnt sich eine Freundschaft zwischen ihm und seinem schwulen Nachbarn Ted an, was zu einer Eifersuchtsszene mit Teds Freund führt. Die Ermittlungen belasten auch seine Beziehung zu seiner Freundin, weshalb sich beide vorübergehend trennen. Ein erster Tatverdächtiger, der während des Verhörs eingeschüchtert und verprügelt wird, entpuppt sich als unschuldig. Burns ist empört über die Brutalität und Menschenverachtung, die die Polizei gegenüber dem schwulen Tatverdächtigen an den Tag legt. Er droht damit, seinen Dienst zu quittieren. Edelson kann ihn dazu überreden, weiterzumachen und stellt ihm die Beförderung zum Detective in Aussicht. Schließlich kann Burns den vermutlichen Mörder, einen an Schizophrenie leidenden Studenten, dingfest machen. Er terifft sich nachts mit ihm im Park und kann ihn gerade noch niederstechen, bevor, dieser zustechen kann. Die Polizei vergleicht die Fingerabdrücke des Studenten mit denen, die der Mörder in einem Sexkino hinterlassen hat und sie stimmen überein. Burns wird bald zum Detective ernannt und kehrt zu seiner Freundin zurück. Die Polizei findet den mit einem Messer ermordeten Ted, geht aber von einer Beziehungstat aus.

Hintergrund[Bearbeiten]

Cruising wurde zum Teil vor Ort in New Yorker Schwulenclubs gedreht.[1] Der Film löste bereits im Vorfeld heftige Kontroversen in Homosexuellenkreisen aus, weil befürchtet wurde, dass sie zu negativ dargestellt würden. In einem Artikel vom 16. Juli 1979 rief „The Village Voice“-Kolumnist Arthur Bell dazu auf, die Produktion, wo möglich, zu behindern. Es kam zu Protestveranstaltungen während der Dreharbeiten und zum Filmstart in den USA.[2]

Cruising wurde am 8. Februar 1980 in New York uraufgeführt.[3] Am 22. Februar 1980 lief der Film außer Konkurrenz auf der Berlinale[4], am 25. August desselben Jahres startete er in den deutschen Kinos.[5]

In der englischen Originalfassung spricht Burns seinen Vorgesetzten irrtümlich mit Captain Edelsteen an; dieser korrigiert ihn, seine Name sei Edelson. Die bei der Berliner Synchron besorgte deutsche Synchronfassung[6] änderte den Namen des Captains, hier adressiert Burns ihn mit Edelman und erhält zur Antwort, sein richtiger Name sei Edelsteen.

Kritik[Bearbeiten]

„Zwar gelingt es Friedkin nicht immer, die komplexe Faszination seiner Hauptfigur deutlich zu machen, aber als schwarzer Großstadtkrimi in der Tradition des ebenfalls von Friedkin inszenierten ‚French Connection‘ besitzt der Film eine beachtliche Qualität.“

Hans C. Blumenberg, Die Zeit[7]

„Friedkin, der mit seinem früheren Film ‚Die Harten und die Zarten‘ wesentlich differenzierter Homosexualität behandelt hatte, beschränkt sich hier ausschließlich auf den brutalen, käuflichen Schwulen-Sex, dessen manisch-hitzige Körperlichkeit spektakulär ekelerregend erscheint. […] Da Friedkin so nachhaltig in der Kulisse schwelgt, bleiben für den eigentlichen Plot nur Routineszenen übrig. Dem Mörder wird schnell aus dem Standardrepertoire der Psychopathologie eine krankhafte Vaterfixierung angehängt, bevor es zum wirr herbeigezogenen Show-Down in den Central Park abgeht.“

Der Spiegel[8]

„In der übertrieben auf nervenzerrende Effekte getrimmten Story mit brutal inszenierten Morden geht die Thematik von der Brüchigkeit humaner und sozialer Normen schnell verloren. Den Film interessiert allein die atmosphärische Ausbeutung des Milieus, das er als Inferno darstellt.“

Lexikon des Internationalen Films[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1981: Nominiert für die Goldene Himbeere als schlechtester Film
  • 1981: Nominiert für die Goldene Himbeere für das schlechteste Drehbuch
  • 1981: Nominiert für die Goldene Himbeere für die schlechteste Regie

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview mit William Friedkin, abgerufen am 3. September 2012.
  2. Artikel in The Village Voice vom 28. August 2007, abgerufen am 3. September 2012.
  3. Cruising in der Internet Movie Database.
  4. Verkaufte Brüder, Artikel in Der Spiegel Nr. 8/80 vom 18. Februar 1980, abgerufen am 3. September 2012.
  5. a b Cruising im Lexikon des Internationalen Films.
  6. Cruising auf Synchronkartei.de, abgerufen am 3. September 2012.
  7. Die Berliner Krankheit, Artikel in Die Zeit Nr. 11 vom 7. März 1980, abgerufen am 3. September 2012.
  8. Rezension in Der Spiegel Nr. 35/1980 vom 25. August 1980, abgerufen am 3. September 1980.