Déjà-vu

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Déjà-vu (Begriffsklärung) aufgeführt.

Als Déjà-vu [deʒaˈvy] (frz. „schon gesehen“) bezeichnet man ein psychologisches Phänomen (psychopathologische Bezeichnung: qualitative Gedächtnisstörung), das sich in dem Gefühl äußert, eine neue Situation schon einmal erlebt, gesehen, aber nicht geträumt zu haben.

Weitere Bezeichnungen für dieses Erlebnis sind Erinnerungstäuschung, Bekanntheitstäuschung, Fausse reconnaissance [fos ʀəkɔnɛˈsɑ̃s] (frz. „falsches Wiedererkennen“), Déjà-entendu-Phänomen [deʒaɑ̃tɑ̃ˈdy] bzw. Déjà-écouté-Phänomen (frz. „schon gehört“) oder Déjà-vécu-Erlebnis [deʒaveˈky] (frz. „schon erlebt“).

Ein Déjà-vu tritt beim gesunden Menschen vereinzelt spontan, im Zustand der Erschöpfung oder bei Vergiftungen (vor allem mit Nervengiften wie Ethanol oder halluzinogenen Drogen) gehäuft auf. Als Begleiterscheinung von Neurosen, Psychosen oder organischen Hirnerkrankungen, vor allem des Temporallappens, können Déjà-vu-Erlebnisse ebenfalls gehäuft auftreten. Nach Umfragen hatten 50 bis 90 Prozent aller Menschen mindestens einmal ein Déjà-vu-Erlebnis, vergessen aber meist nach einer gewissen Zeit, wo und wann es zuletzt auftrat.

Das Gegenteil des Déjà-vu-Erlebnisses, das Gefühl von Fremdheit in einer vertrauten Umgebung, heißt Jamais-vu-Erlebnis [ʒamɛˈvy] (frz. „nie gesehen“) und kann unter ähnlichen Umständen auftreten.

Etymologie[Bearbeiten]

1868 soll der deutsche Psychiater Jensen die Bezeichnung Doppelwahrnehmung für Phänomene eingeführt haben, die heute auch als Déjà-vu bezeichnet werden.[1] Für Jensens Bezeichnung Doppelwahrnehmung soll Wilhelm Sander die Bezeichnung Erinnerungstäuschung vorgeschlagen haben.[2] Der französische Philosoph E. Boirac soll das Wort Déjà-vu im Jahre 1876 verwendet haben[3] in seinem Buch L’Avenir des sciences psychiques (Die Zukunft der psychischen Wissenschaften). (→Liste geflügelter Worte)

Forschung[Bearbeiten]

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Viele Wissenschaftler sehen in der Ergründung des Déjà-vu große Chancen. So könnte die Erforschung von Déjà-vus nicht nur erklären helfen, wie Gedächtnistäuschungen entstehen, sondern auch, wie es dem Gehirn überhaupt gelingt, ein kontinuierliches Abbild der Realität zu konstruieren. Entsprechend diesen Erwartungen liegen reichlich Studien und Erklärungsversuche vor, die einander zum Teil widersprechen:

  • Einer Hypothese zufolge treten Déjà-vus in Situationen auf, die an ein verdrängtes, tatsächlich erlebtes Ereignis erinnern, das so kurz wahrgenommen wurde, dass es nicht bewusst registriert werden konnte.
  • Nach einer anderen Hypothese sind verdrängte Phantasien die Quelle von Déjà-vus.
  • Möglicherweise handelt es sich um spezielle Situationen, in denen Kurz- und Langzeitgedächtnis für einen Moment nicht aufeinander abgestimmt sind. Danach beruht das Erlebnis auf teilweiser Übereinstimmung aktueller und früher erlebter Situationsmerkmale, die nach dem Pars-pro-toto-Prinzip ergänzt werden: Eine vertraut wirkende Situation enthält zum Beispiel einen bestimmten, bekannten Geruch. Dieses einzelne Element sorgt dann für ein Wiedererkennen, das auf die gesamte Situation übertragen wird.
  • Frühe Experimente belegten, dass Déjà-vu-Erlebnisse mit neurochemischen Vorgängen in den Temporallappen des Gehirns zusammenhängen. Durch Elektrostimulation der äußeren Temporallappen ließ sich die Wahrscheinlichkeit eines Déjà-vu-Erlebnisses auf das Vierfache erhöhen.
  • Traumatische Schädigungen des Temporallappens können Häufungen von Déjà-vu-Erlebnissen nach sich ziehen.
  • Eine Überreizung der äußeren Schläfenlappen kann auch bei Epilepsiepatienten auftreten. Viele Betroffene beschreiben Zustände, die einen epileptischen Anfall ankündigen. Diese werden als eine Aura bezeichnet und gehen häufig mit Déjà-vu-Erlebnissen einher.
  • Forscher der Duke University untersuchten das Zusammenspiel der Gehirnregionen bei Erinnerungen: Bei Déjà-vu-Erlebnissen ist nur der Scheitellappen aktiv, im Gegensatz zu realen Erinnerungen, die zusätzlich den Schläfenlappen beanspruchen.[4]
  • Untersuchungen ergaben, dass Déjà-vus oft nach Phasen großer Belastung auftreten, wenn der Stress abebbt und der Mensch sich wieder entspannt.
  • Weitere Studien zeigten einen Zusammenhang zwischen der Imaginationsfähigkeit eines Menschen und der Häufigkeit von Déjà-vus.
  • Manche Drogen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, diesem Phänomen zu unterliegen.

Das Phänomen in der Kunst[Bearbeiten]

Johann Wolfgang von Goethe schildert in seinem Buch „Dichtung und Wahrheit“ ein Erlebnis, welches dem Déjà-vu sehr nahekommt: Er ritt als junger Mann auf dem Rückweg von einer biografisch besonderen Situation durch eine Landschaft und sah sich für einen Moment selbst auf einem Pferd entgegen reiten, jedoch als älterer Mann und in anderen Kleidern (Präkognition). Einige Jahre später ritt er zufällig durch dieselbe Gegend und erinnerte sich plötzlich an das Erlebnis und bemerkte, dass er exakt die Kleider trug, wie bei dem inneren Bild, das er damals gesehen hatte.[5]

In Folge 16 von Monty Python’s Flying Circus aus dem Jahr 1970 erlebt der Moderator einer Fernsehsendung über psychologische Phänomene, dargestellt von Michael Palin, eine Serie von Déjà-vus.[6]

In dem Film Matrix deutet ein offensichtliches Déjà-vu-Erlebnis auf eine Manipulation des simulierten Weltgefüges hin. (Szene bei 74:27 min., wo eine schwarze Katze zweimal eine Türe passiert und sich schüttelt.)

Von Ralph Wallner stammt ein Theaterstück mit dem Namen "Breznknödl-Deschawü".

2006 fand im Atelier Augarten in Wien eine Ausstellung unter dem Titel "Déjà-vu. Der Augen-Blick der Nachträglichkeit in der zeitgenössischen Kunst" statt. Sieben zeitgenössische KünstlerInnen nahmen zu dem Phänomen der geheimnisvollen Wiederkehr des Vergangenen Stellung. Zu sehen waren Arbeiten von Anna Gaskell, Isabell Heimerdinger, Constantin Luser, Jan Mancuska, Martina Steckholzer, David Thorpe und Clemens von Wedemeyer.

Von Hannes Kinder stammt das Lied "Déjà-vu", welches am 19. August 2013 als Single veröffentlicht wurde.[7]. Schon 1982 gab es ein gleichnamiges Lied von Spliff und von Beyonce Knowles.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Jan Dirk Blom: A Dictionary of Hallucinations. Springer, New York 2010, ISBN 978-1-4419-1223-7, S. 156 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2.  Hermann Emminghaus: Allgemeine Psychopathologie zur Einführung in das Studium der Geistesstörungen. F. C. W. Vogel (Reprint Elibron Classics series), Leipzig 1878 (Reprint 2005), ISBN 0-543-98658-6, S. 130 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3.  Theo R. Payk: Pathopsychologie. Vom Symptom zu Diagnose. Springer, Berlin 2002, ISBN 3-540-42621-3, S. 244 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Wo die Déjà-vus herkommen. 7. November 2007
  5. Dichtung und Wahrheit, Erster Teil, 11. Buch“
  6. Monty Python: Déjà Vu
  7. Hannes Kinder - Déjà-vu

Literatur[Bearbeiten]

  • Uwe Wolfradt: Déjà-vu-Erfahrungen: Theoretische Annahmen und empirische Befunde. In: Zeitschrift für Klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie. 2000, S. 359–376.
  • Ina Schmied-Knittel: Erinnerungen an die Zukunft. Inhalt, Struktur und Deutung von Déjà-vu-Erfahrungen. In: Eberhard Bauer; Michael Schetsche (Hrsg.): Alltägliche Wunder: Erfahrungen mit dem Übersinnlichen – Wissenschaftliche Befunde. Ergon, Würzburg 2003, ISBN 3-89913-311-0.
  • Thomas Trummer (Hrsg.): Déjà-vu. Der Augen-Blick der Nachträglichkeit in der zeitgenössischen Kunst. Mit Texten von Henri Bergson, Heike Maier, Gerhard Neumann, Peter Krapp, Beat Wyss und Thomas Trummer. Wien 2006, ISBN 3-85160-069-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Déjà-vu – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen