DENIC

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Dieser Artikel behandelt die Registrierungsstelle für Domains DENIC. Für den gleichnamigen US-amerikanischen Soziologen jugoslawischer Herkunft siehe Bogdan Denitch.
DENIC eG
DENIC-Logo
Rechtsform Eingetragene Genossenschaft
Gründung 1996
Sitz Frankfurt am Main, Deutschland

Leitung

  • Jörg Schweiger
    (CEO)
  • Helga Krüger
  • Carsten Schiefner
  • Thomas Keller
    (Aufsichtsratsvorsitzender)
Bilanzsumme 26,6 Mio. Euro (2011)[1]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Bilanzsumme
Branche Domainverwaltung
Website www.denic.de

Die DENIC eG (kurz für Deutsches Network Information Center) ist eine eingetragene Genossenschaft mit Sitz in Frankfurt am Main. Ihre Aufgaben sind der Betrieb und die Verwaltung der Top-Level-Domain .de sowie alle damit einhergehenden Aktivitäten.[2] Außerdem hat sie 2004 in Kooperation mit dem DE-CIX den ersten Root-Nameserver in Deutschland aufgebaut.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Nach Einführung von .de am 5. November 1986 wurde die Top-Level-Domain zunächst durch die Universität Dortmund verwaltet. Dieser folgte ab 1994 die Universität Karlsruhe, die einen Vertrag mit dem sogenannten Interessenverbund Deutsches Network Information Center (IV-DENIC) unterhielt. Darin waren knapp zwei Dutzend deutsche Internet Service Provider zusammengeschlossen. Aufgrund der stetig steigenden Nachfrage nach .de-Domains wurde bereits im Dezember 1996 eine Genossenschaft gegründet, um einen zuverlässigen Rechtsrahmen für den Betrieb der deutschen Top-Level-Domain zu schaffen.[4] Im Gegensatz zu anderen Organisationen, beispielsweise Verisign für .com und .net, wurde die DENIC von Anfang an als gemeinnützige Organisation konzipiert.[5]

Nach Einrichtung einer Geschäftsstelle in Frankfurt am Main bis Juli 1997 übernahm die DENIC schrittweise alle mit .de in Verbindung stehenden Aufgaben. Dies schließt insbesondere den Umzug der Nameserver von Karlsruhe nach Frankfurt am Main im August 1998 ein. Die offizielle Übernahme der Top-Level-Domain durch die DENIC erfolgte dann zum 1. Januar 1999, im Oktober des Jahres wurde die einmillionste .de-Domain registriert. Binnen zwei Jahren stieg die Anzahl der .de-Domains von einer auf fünf Millionen bei inzwischen mehr als 150 Mitgliedern. Das Wachstum flachte in der Folgezeit ab, pendelte sich aber auf einem relativ stabilen Niveau von durchschnittlich einer Million pro Jahr ein.

2002 begann die DENIC mit Einführung der ENUM-Technik, mit der Telefonnummern auf Domains abgebildet werden können. Im Mai des Jahres begann der Testbetrieb für die Adresszone 9.4.e164.arpa, welche zuvor vom ITU-Büro für technische Standardisierung zugelassen wurde.[6] Aufgrund der rechtlicher Unklarheiten schloss die DENIC im August 2003 einen Vertrag mit der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, um der Einführung von ENUM einem korrekten Rahmen zu geben. Die Testphase selbst wurde im Herbst 2005 beendet.[7]

Ebenfalls 2005 unternahm die DENIC einen Schritt in Richtung einer stärkeren Internationalisierung: Die Genossenschaft kündigte an, sich um .net zu bewerben, das bislang durch Verisign verwaltet und erneut ausgeschrieben wurde.[8] Auf der Generalversammlung im November 2005 stimmte eine Mehrheit der Mitglieder für eine Bewerbung um die generische Top-Level-Domain, auch wenn die Geheimhaltung des Prozesses kritisiert wurde. Allerdings konnte sich die DENIC letztendlich nicht durchsetzen: In einer Auswertung der ICANN landete die Genossenschaft nur auf dem vierten von fünf Plätzen.[9] Beispielsweise wurden die vorgesehenen Standorte für die .net-Nameserver negativ beurteilt.[10]

Im April 2007 trat Sabine Dolderer als Vorstand der DENIC überraschend zurück, nachdem sie die Genossenschaft mehrere Jahre geleitet hatte. Als Grund wurden damals Differenzen über die weitere Ausrichtung der DENIC genannt.[11] Infolgedessen legten auch zwei Mitglieder des Aufsichtsrats ihr Mandat nieder, woraufhin Dolderer schon im September desselben Jahres ihren ursprünglichen Posten wieder innehatte.[12] Am 23. September 2013 gab Dolderer ihren endgültigen Rückzug aus der Chefetage der DENIC bekannt.[13]

Bedeutend für die Geschichte der DENIC war auch ein Urteil vom April 2008: Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main entschied, die Genossenschaft müsse Volkswagen die Registrierung der Domain vw.de gestatten, auch wenn die Richtlinien der DENIC eigentlich mindestens drei Zeichen voraussetzten.[14] Nachdem eine Wiederauflage des Verfahrens vor dem Bundesgerichtshof abgelehnt wurde, sah sich die DENIC gezwungen, die Vergabe von zweistelligen Domains für jedermann zu öffnen. Dies geschah mit Wirkung zum 23. Oktober 2009, auch reine Zifferndomains wurden erstmals zugelassen.[15]

Standorte[Bearbeiten]

2007 wurden der Bürobetrieb und das Rechenzentrum der DENIC räumlich getrennt. Letzteres wurde im September 2007 an einem neuen Standort eröffnet, der eine direkte Anbindung an den Knotenpunkt DE-CIX verfügt.[16] Zu diesem Zeitpunkt waren elf Millionen .de-Domains registriert, die ohne Störung in das neue Rechenzentrum übertragen werden konnten. Um einen ausfallsicheren Betrieb zu gewährleisten, wurde bis 2008 außerdem ein Mirror in Amsterdam aufgebaut, der bei Problemen als Ersatz für das deutsche Rechenzentrum dienen kann. Amsterdam wurde nach eigenen Aussagen als Standort gewählt, da es ausreichend weit entfernt ist, um Katastrophen in Frankfurt am Main zu überstehen, aber dennoch nah genug für eine problemlose Erreichbarkeit durch Techniker der DENIC.[17]

Die DENIC selbst unterhält weltweit 17 Nameserver an den Standorten Frankfurt am Main (2), Amsterdam (2), Berlin, Peking, Hongkong, London, Los Angeles, Miami, Paris, Redwood City, São Paulo, Stockholm, Ulm, Moskau und Wien.[18]

Mitglieder[Bearbeiten]

Jahr Registrierte Domains Mitglieder Mitarbeiter
1997 105.344 43 2
1998 288.191 65 8
1999 1.384.361 92 26
2000 3.738.732 129 43
2001 5.147.297 158 61
2002 6.003.101 186 71
2003 6.950.166 200 76
2004 8.266.466 217 84
2005 9.378.395 233 92
2006 10.422.702 240 107
2007 11.673.389 255 113
2008 12.447.938 263 113
2009 13.313.425 266 119
2010 14.038.066 275 119
2011 14.740.277 275 120
2012 15.283.687 287 116
2013 15.592.379 280 114

Theoretisch kann jedes Unternehmen Mitglied der DENIC werden, das .de-Domains registrieren oder damit zusammenhängende Dienstleistungen erbringen möchte. Voraussetzung für eine Aufnahme in die Genossenschaft ist lediglich, dass ein Interessent mit keinem anderen Mitglied wirtschaftlich verbunden ist und über die finanzielle Stabilität keine Zweifel bestehen.[19]

Die DENIC besitzt mehr als 280 Mitglieder. Unter diesen befinden sich praktisch alle bedeutenden nationalen und internationalen Internet Service Provider, beispielsweise die Deutsche Telekom, United Internet, Strato, Vodafone Deutschland, Verizon Deutschland oder auch Key-Systems.[20]

Kritik[Bearbeiten]

Der DENIC wurde immer wieder mangelnde Transparenz bei ihren Entscheidungen vorgeworfen – auch aus den Reihen der Mitglieder der Genossenschaft. Die Kritik gipfelte im Juli 2005 in Form einer außerordentlichen Generalversammlung, in der der damals amtierende Aufsichtsrat abgewählt werden sollte.[21] Entsprechende Anträge wurden zwar mehrheitlich abgelehnt[22], jedoch beschlossen die Mitglieder eine Änderung des Statuts zur Besetzung des Vorstands. Auch ehrenamtliche Vorstände wurden seitdem direkt durch die Generalversammlung gewählt.[23]

Eine mangelhafte Informationspolitik war auch beim sogenannten NASA-Projekt (.net-Application and Strategic Alternatives) Grund für Kritik: Obwohl 2005 eine Mehrheit der Mitglieder für die Bewerbung um .net stimmte, gab die DENIC die entscheidenden Details ihrer Bewerbung nicht an die Öffentlichkeit. Als Grund wurde unter anderem genannt, dass der Konkurrent Verisign – selbst Mitglied der DENIC – dadurch möglicherweise einen Vorteil hätte erlangen können.[24] Erst auf massiven Druck hin gab die DENIC im Februar 2005 weitere Details bekannt.[25]

Nach Freigabe ein- und zweistelliger Adressen sowie reiner Zifferndomains wurde kritisiert, die DENIC habe die Vergabe nicht fair durchgeführt. Zwar hatte die Vergabestelle eine Beschränkung von maximal vier Bestellungen pro Minute für jedes Mitglied eingeführt, die jedoch durch eine Kooperation mehrerer Registrare und technische Probleme ausgehebelt werden konnte, ohne dass die DENIC eingeschritten war.[26] Im November 2009 gelangte eine interne Mitteilung an WikiLeaks, in der Hintergrundwissen über das Verfahren öffentlich wurden, woraufhin die DENIC ihr Vorgehen erneut rechtfertigte. Einige Probleme, beispielsweise mit dem Mail-Server Exim, wurden aber eingestanden.[27]

Im Jahr 2010 geriet die DENIC in die Kritik, nachdem mehrere Millionen .de-Domains nicht erreichbar waren. Grund war eine technische Panne im Betrieb der Nameserver der Vergabestelle, sodass diese eine nicht vollständige Zonendatei erhalten hatten. Für einen großen Teil aller .de-Domains wurde beim Aufruf zurückgemeldet, die entsprechende Adresse sei überhaupt nicht registriert. Die DENIC konnte den Fehler erst nach zwei Stunden korrigieren, die zögerliche Kommunikation des Ausfalls wurde angemahnt.[28]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • .de (länderspezifische Top-Level-Domain)
  • SWITCH, unter anderen Verwaltung von .ch
  • Nic.at, Verwaltung der österreichischen ccTLD

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ralf Klühe: Die Verantwortlichkeit der DENIC e.G. bei der Registrierung und Benutzung rechtswidriger Domain-Namen. In: Universität Münster (Hrsg.): Juristische Schriftenreihe. 250, Münster (Westfalen) 2005, ISBN 3-8258-8872-X (Dissertation).
  •  Thomas Linke: Selbstregulierte Streitlösung für deutsche Domains. In: Universität Göttingen (Hrsg.): Schriften zum Wirtschafts- und Medienrecht, Steuerrecht und Zivilprozeßrecht. 18, Göttingen 2004, ISBN 3-631-53694-1 (Dissertation).
  •  Gordon Böhme: Domain-Namen: ein Spiegel deutscher Sprache?. Linguistische Aspekte von Domain-Namen. AV Akademikerverlag, Saarbrücken 2011, ISBN 978-3-639-38280-8.
  •  Sabine Böger, Barbara Blum: Die Regulierung des Internets. Strukturen, Aufgaben und Arbeitsweisen von ICANN, DENIC, CENTR, CORE und ORSN. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, 2005.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jahresabschluss der DENIC eG zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2011 bis zum 31. Dezember 2011, abrufbar auf der Website des Bundesanzeiges.
  2. Die Aufgaben der DENIC eG im Überblick. DENIC, abgerufen am 18. Juni 2013.
  3. Sponsoring des ersten Rootnameservers in Deutschland. DENIC, abgerufen am 19. Juni 2013.
  4. Geschichte der DENIC eG. DENIC, abgerufen am 19. Juni 2013 (Hintergrund).
  5. Florian Hitzelberger: Happy Birthday, DENIC! In: domain-recht. 29. April 2004, abgerufen am 19. Juni 2013.
  6. Monika Ermert: Denic darf ENUM-Versuch starten. In: heise online. 17. Mai 2002, abgerufen am 20. Juni 2013.
  7. Florian Hitzelberger: ENUM geht in Wirkbetrieb über. In: domain-recht. 10. Oktober 2005, abgerufen am 20. Juni 2013.
  8. Daniel Dingeldey: Bewerbung als .net-Registry? In: domain-recht. 11. November 2004, abgerufen am 20. Juni 2013.
  9. Florian Hitzelberger: DENIC schneidet schlecht ab. In: domain-recht. 31. März 2005, abgerufen am 20. Juni 2013.
  10. Monika Ermert: DeNIC bei Bewerbung um .net-Registry abgeschlagen. In: heise online. 29. März 2005, abgerufen am 20. Juni 2013.
  11. Jens Ihlenfeld: Sabine Dolderer verlässt die DENIC. In: Golem. 26. März 2007, abgerufen am 22. Juni 2013.
  12. Daniel Dingeldey: CEO-Comeback von Sabine Dolderer. 20. September 2007, abgerufen am 22. Juni 2013.
  13. Dominik Schleidgen: Sabine Dolderer verlässt die DENIC. In: InterNetX Blog. 23. September 2013, abgerufen am 29. Januar 2014.
  14. Dr. Marc Störing: Gericht: Denic muss Domain mit zwei Buchstaben zuteilen. In: heise online. 18. Juni 2008, abgerufen am 22. Juni 2013.
  15. Florian Hitzelberger: Spektakuläre Wende in der .de-Vergabepraxis! In: domain-recht. 16. Oktober 2009, abgerufen am 22. Juni 2013.
  16. Sven-Olaf Suhl: DeNIC migriert elf Millionen .de-Domains in neues Rechenzentrum. In: heise online. 10. September 2007, abgerufen am 22. Juni 2013.
  17. Florian Hitzelberger: 11 Millionen .de-Domains ziehen um. In: domain-recht. 24. September 2007, abgerufen am 22. Juni 2013.
  18. Der Nameserverdienst der DENIC. DENIC, abgerufen am 22. Juni 2013 (Hintergrund).
  19. Wer kann Mitglied werden? DENIC, abgerufen am 22. Juni 2013.
  20. Mitgliederliste. DENIC, abgerufen am 22. Juni 2013.
  21. Florian Hitzelberger: Meuterei bei der DENIC? In: domain-recht. 17. Juni 2005, abgerufen am 18. Juni 2013.
  22. Florian Hitzelberger: Genossen-Meuterei verläuft im Sand. In: domain-recht. 14. Juli 2005, abgerufen am 19. Juni 2013.
  23. Tätigkeitsbericht 2005. DENIC, 5. Mai 2006, S. 7, abgerufen am 18. Juni 2013 (PDF, 1,1 MB).
  24. Florian Hitzelberger: DENIC pocht auf Geheimhaltung. In: domain-recht. 3. Dezember 2004, abgerufen am 20. Juni 2013.
  25. Florian Hitzelberger: DENIC geht in die Offensive. In: domain-recht. 10. Februar 2005, abgerufen am 20. Juni 2013.
  26. Florian Hitzelberger: Kurz-Domains mit Holper-Start. In: domain-recht. 29. Oktober 2009, abgerufen am 19. Juni 2013.
  27. Florian Hitzelberger: DENIC verteidigt Einführungsprozess. In: domain-recht. 12. November 2009, abgerufen am 19. Juni 2013.
  28. Florian Hitzelberger: Technische Panne bei der DENIC eG. In: domain-recht. 24. Mai 2010, abgerufen am 18. Juni 2013.

50.1076028.666196Koordinaten: 50° 6′ 27″ N, 8° 39′ 58″ O