Der König vom goldenen Berg

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Der König vom goldenen Berg ist ein Märchen (ATU 400, 518, 974). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 92 (KHM 92).

Inhalt[Bearbeiten]

Ein Kaufmann verschreibt versehentlich seinen Sohn einem schwarzen Männchen. Nach dem Ende der zwölfjährigen Frist sind sie sich aber uneinig, und der Sohn muss in einem Boot den Fluss hinabfahren. Der Vater hält ihn für tot. Der Sohn findet ein verwunschenes Schloss. Auf Bitten der Königstochter, die in eine Schlange verwandelt ist, erlöst er das Reich. Dazu lässt er sich in drei Nächten von schwarzen Männern totprügeln ohne ein Wort zu sagen, und sie erweckt ihn wieder zum Leben. Er heiratet sie und wird König. Nach acht Jahren will er seine Familie wiedersehen. Sie möchte das nicht und nimmt ihm das Versprechen ab, sie nicht mit dem Wunschring, den sie ihm gibt, zu seinen Eltern zu wünschen. Er bricht das Versprechen aus Ärger, als seine Eltern ihm seine Geschichte nicht glauben. Darüber ist sie so böse, dass sie ihn ohne den Ring allein am Fluss zurücklässt, um sich einen anderen Mann zu nehmen. Auf seinem Weg zurück zum Schloss begegnet er drei Riesen, denen er einen magischen Mantel, Degen und Schuhe abnimmt. Damit nimmt er sich Frau und Herrschaft zurück.

Grimms Anmerkung und Vergleiche[Bearbeiten]

Grimms Anmerkung notiert zur Herkunft: Nach der Erzählung eines Soldaten. In einer Variante aus Zwehrn (von Dorothea Viehmann) verschreibt ein Fischer seinen Sohn dem Teufel für reichen Fischfang, um seine Schulden zu bezahlen. Der Sohn macht auf der Wiese einen Kreis um sich und hält die Bibel fest, bis der Teufel ablassen muss. Er erlöst eine Prinzessin in einem Spukhaus, indem er auf Rat eines kopflosen Dieners Qualen von Gespenstern duldet, ohne sich zu fürchten (vgl. KHM 4). Sie ballen ihn zur Kugel und kegeln damit, doch ein Geist heilt ihn mit Öl. Die dritte Nacht soll er gesotten werden, fällt neben den Kessel, und die Prinzessin ist erlöst. Doch als er fort ist, verlobt sie sich mit einem Königssohn. Er erbeutet unterwegs Siebenmeilenstiefel und Tarnmantel. Damit stellt er sich hinter sie und hält ihre Hand, als sie essen will. Wenn man den alten Schlüssel wiedergefunden, bedürfe man des neuen nicht (vgl. KHM 67).

Grimms nennen noch viele Literaturstellen: Erfurter Sammlung (Wilhelm Christoph Günther, 1787) das Goldei. Sie verweisen bzgl. der Wundergaben auf ihre Anmerkung zu KHM 133 Die zertanzten Schuhe; schwedisch bei Cavallius S. 182; Pröhle Kinderm. Nr. 22; 1001 Nacht (10, 302); indisch bei Somadeva 1, 19. 20 (vergl. Berlin. Jahrb. für deutsche Sprache 2, 265); arabisch in der Fortsetzung der 1001 Nacht 563–624 (s. Val. Schmidts Fortunat S. 174–178); norwegisch bei Asbjörnsen S. 53. 171, ungarisch bei Mailath und Gaal Nr. 7. Sie heben ein tatarisches Märchen aus Relations of Ssidi Kur hervor: Der Sohn des Chans reist mit seinem Diener, er erbeutet eine Kappe, die einen vor Menschen, Gott und bösen Geistern verbirgt und Siebenmeilenstiefel. Sie vergleichen ausführlich die Nibelungensage (siehe auch KHM 91, 166). Zum Jephtha-Motiv des verschriebenen Kindes nennen sie KHM 55 (siehe auch KHM 3, 12, 31, 88, 108), zu den drei Qualnächten zur Überwindung der Gespenster altdänische Lieder S. 508.

Hans-Jörg Uther nennt als frühe Vergleichsquelle das italienische Gedicht Historia de Liombruno aus dem 15. Jahrhundert.[1]

Vgl. Des Teufels Pate in Ludwig Bechsteins Deutsches Märchenbuch von 1845.

Interpretation[Bearbeiten]

Es ist typisch für ein Märchen, dass ein oft einfacher, aber ehrlicher und unerschrockener Mann auszieht und eine Königstochter gewinnt, indem er eine Art Prüfung besteht. Dabei rettet ihn das Glück immer wieder, wenn er in Schwierigkeiten gerät. Seine eigenen Fehler, das Verwenden des Wünschrings, den Diebstahl der Wundergaben, begeht er eher zufällig und unabsichtlich. Seine Eltern sind einfältiger, und der Held muss seinem Vater Mut machen und mit dem Bösen streiten, dass er seinen Vater betrogen habe. Sie geben einem armen Schäfer Obdach, aber glauben ihm seiner einfachen Kleidung wegen nicht. Die Frau ist offenbar eine Hexerin, worauf schon ihre Schlangengestalt hinweist (vgl. KHM 16). Sie besitzt magische Gegenstände wie das Wasser des Lebens und den Wunschring. Sie ahnt die Zukunft, als ihr Mann die Eltern besucht, und ist hinterlistig, als sie ihm zum Schein verzeiht, um sich dann zu rächen.

Hedwig von Beit deutet tiefenpsychologisch das schwarze Männchen als Schatten des Unbewussten, das dem einseitig materiell orientierten Bewusstsein (Kaufmann) Energie entzieht. Das Kind, das mit einem Tier verwechselt wird, überschreitet den Fluss als Grenze zwischen den Welten, auch veranschaulicht in dem umschlagenden Boot, unter dem es nicht ertrinkt. Stadt, Schloss und Schlange sind die Anima (weiblicher Wesenskern), deren Verwunschenheit offenbar dem Lebensalter des Helden entspricht. Sie will das Leben (Lebenswasser), doch wird sie gewaltsam ins Bewusstsein gezerrt, zeigt sie ihr böses Gesicht. Es bleibt nur eine leere, erdverbundene Hülle (Schuh, vgl. KHM 133). Die drei Qualnächte (s.a. KHM 93, 113, 121), die an antike Mysterienkulte oder Schamanenweihe erinnern, wiederholen sich in den drei Riesen, die der Held inzwischen überlisten kann (vgl. KHM 93, 193, 197), doch der Konflikt zwischen einseitigen Akteuren ist nicht auflösbar. [2]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. 19. Auflage. Artemis & Winkler, Düsseldorf / Zürich 2002, ISBN 3-538-06943-3, S. 464-470.
  •  Jacob Grimm, Wilhelm Grimm, Heinz Rölleke (Hrsg.): Kinder- und Hausmärchen. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen. 1. Auflage. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort, Reclam, Stuttgart 1980, ISBN 3-15-003193-1, S. 178-181, 482, DNB 810261138.
  •  Hans-Jörg Uther: Handbuch zu den „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm. Entstehung, Wirkung, Interpretation. de Gruyter, Berlin / New York 2008, ISBN 978-3-11-019441-8, S. 211-213.
  • von Beit, Hedwig: Symbolik des Märchens. Bern, 1952. S. 387-402. (A. Francke AG, Verlag)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Der König vom goldenen Berg – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Hans-Jörg Uther: Handbuch zu den „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm. Entstehung, Wirkung, Interpretation. de Gruyter, Berlin / New York 2008, ISBN 978-3-11-019441-8, S. 211-213.
  2. von Beit, Hedwig: Symbolik des Märchens. Bern, 1952. S. 387-402. (A. Francke AG, Verlag)